Cryopyrin-assoziiert periodische Syndrom

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 20. November 2017
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Als Cryopyrin-assoziiert periodisches Syndrom sind drei Erkrankungen aus dem Bereich der autoinflammatorischen Krankheiten bekannt, die auf dieselbe Mutation zurückgehen. Die Erkrankungen zählen zu den periodischen Fiebersyndromen und verlaufen schubweise. Alle drei Syndrome lassen sich bislang nur symptomatisch und medikamentös behandeln.

Inhaltsverzeichnis

Was ist das Cryopyrin-assoziiert periodische Syndrom?

Bei Autoimmunerkrankungen richtet sich das Immunsystem der Patienten gegen den eigenen Körper. Die Krankheitsgruppe der Autoimmunerkrankungen beinhaltet verschiedene Unterkategorien, so zum Beispiel die autoinflammatorischen Erkrankungen mit einer Aktivierung der unspezifischen Immunabwehr.

Das wichtigste Charakteristikum dieser Krankheitsgruppe sind Entzündungen, die durch das Immunsystem hervorgerufen werden. Das cryopyrin-assoziierte periodische Syndrom beinhaltet verschiedene autoinflammatorische Erkrankungen, die auf dieselbe Ursache zurückgehen. Drei verschiedene Krankheiten zählen zur CAPS-Krankheitsgruppe: FCAS, MWS und NOMID. Weltweit sind deutlich unter 1000 Patienten bekannt. Die Prävalenz wird auf ein bis zwei Fälle unter einer Million Menschen geschätzt.

Schätzungen zufolge besteht vermutlich eine hohe Dunkelziffer. Alle Erkrankungen aus der Gruppe des cryopyrin-assoziiert periodischen Syndroms zählen zu den periodischen Fiebersyndromen. Diese Fiebersyndrome sind seltene, monogen vererbte Krankheiten, die in unregelmäßigen Abständen Fieberschübe immunsystemisch bedingte auslösen. Der Krankheitsverlauf variiert zwischen milde und letal.

Ursachen

Das cryopyrin-assoziierte periodische Syndrom scheint nicht in allen Fällen sporadisch aufzutreten. Familiäre Häufungen wurden an den bisher dokumentierten Fällen beobachtet, so vor allem für die FCAS-Gruppe der Erkrankung. Die Erblichkeit zeichnet die meisten periodischen Fiebersyndrome aus. Vermutlich liegt der Vererbung des CAPS ein autosomal-dominanter Erbgang zugrunde. Die primäre Ursache für das Syndrom ist eine genetische Mutation.

So geht die Wissenschaft auf Basis der bisherigen Forschungsergebnisse von einem genetischen Defekt im NLRP3-Gen aus. Dieses Gen codiert in der menschlichen DNA für Cryoporin. Bei dieser Substanz handelt es sich um ein Element von IL-1-Inflammasom und damit um einem wichtigen Teil von Proteinkomplexen des unspezifischen Immunsystems.

Das defekte Gen setzt eine Überproduktion von IL-1b in Gang und ruft so systemische Entzündungsreaktionen hervor. Da die Ursache für das CAPS ein genetischer Defekt ist, lässt sich die Krankheitsgruppe statt den Autoimmunerkrankungen auch den Immundefekten zuordnen.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Die symptomatische Manifestationsart des CAPS hängt von der Unterform ab. Urtikaria zählt neben Fieber, Abgeschlagenheit, Schwerhörigkeit, Arthralgien und Myalgien zu den Kernsymptomen der drei Erkrankungen. Das FCAS manifestiert sich als familiär kälteinduzierte Erkrankung.

Hierbei handelt es sich um die leichteste Form, die zwei bis drei Stunden nach Kälteexposition einen Schub hervorruft. Der Schub wirkt grippeartig und geht mit Fieber, Kopfschmerzen und Schüttelfrost einher. Davon zu unterscheiden ist das Muckle-Wells-Syndrom (MWS), das sich meist im frühen Kindesalter erstmals manifestiert. Die Schübe dauern länger als 24 Stunden und kommen häufiger vor als beim FCAS.

Nicht nur Kälte, sondern auch Stress und Müdigkeit rufen Schübe hervor. An einem Viertel der Patienten wird während der Schübe eine systemische Amyloidose beobachtet, die unbehandelt zu Nierenversagen führen kann. Die letzte Erkrankung aus der CAPS-Gruppe ist das chronisch infantile neuro-kutaneo-artikuläre Syndrom und entspricht der schwersten CAPS-Ausprägung.

Die Manifestation findet schon am Säugling statt. Die Symptome können von der schubweisen in eine persistierend chronische Form übergehen. Symptomatisch macht die ZNS-Beteiligung das Krankheitsbild aus. Neben einer aseptischen Meningitis, erhöht intrakraniellen Druck oder Krampfanfällen kann außerdem ein Gelenkbefall eintreten.

Lymphknotenschwellungen, hohes Fieber und Hepatosplenomegalie begleiten die Symptome. Patienten dieser Form sind zusätzlich wachstumsretardiert und leiden manchmal an einer Innenohrschwerhörigkeit oder einer entzündlichen Augenbeteiligung, die bis zur Blindheit führen kann.

Diagnose & Krankheitsverlauf

Die sicherste Art der Diagnose ist für das CAPS die molekular-genetische Analyse. Bei Verdacht auf eine der drei Erkrankungen lässt der Arzt die DNA des Patienten auf die genetisch typische Veränderung untersuchen. Wenn sich die Mutation nachweisen lässt, gilt die Diagnose als erwiesen. Die Prognose hängt stark von der Ausprägung und dem Verlauf im Einzelfall ab und ist für FCAS-Patienten am günstigsten.

Wann sollte man zum Arzt gehen?

In der Regel müssen die Schübe dieses Syndroms behandelt werden. Zwischen den Schüben ist leider keine Behandlung möglich, die einen weiteren Schub der Erkrankung verhindert oder schwächt. Aus diesem Grund ist ein Arzt dann aufzusuchen, wenn es plötzlich und ohne einen besonderen Grund zu Fieber, Müdigkeit und zu Abgeschlagenheit des Patienten kommt. Auch Schwerhörigkeit und Augenbeschwerden können auf die Krankheit hindeuten.

Der Besuch beim Arzt ist auch dann notwendig, wenn sich aus dem Syndrom eine Blindheit entwickelt oder wenn die Innenohrschwerhörigkeit nicht wieder von alleine verschwindet. Ebenfalls sind die Betroffenen auf regelmäßige Untersuchungen der Nieren angewiesen, um einer Insuffizienz vorzubeugen. Im Falle von plötzlichen Krampfanfällen kann auch ein Notarzt gerufen werden. Die Diagnose und Behandlung der Krankheit erfolgt in der Regel durch einen Allgemeinarzt oder schon im frühen Alter durch einen Kinderarzt. Bei der weiteren Behandlung sind die Patienten allerdings auf die Unterstützung verschiedener Fachärzte und Therapien angewiesen.

Therapie & Behandlung

CAP-Syndrome sind bislang nicht heilbar, da gentherapeutische Maßnahmen bisher noch nicht die klinische Phase erreicht haben. Die Therapie erfolgt symptomatisch und entspricht bei einer konventionellen Behandlung meist der medikamentösen Therapie. Die Medikamente dienen der Schubprophylaxe und schwächen bei einem auftretenden Schub zugleich die Symptome ab.

Zur Linderung der Symptome kommen zum Beispiel NSAID/NSAR infrage und zählen zu den Schmerz- und Fiebermitteln. Antihistaminika eignen sich ausschließlich für FCAS-Patienten. Steroide sind für alle drei Gruppen geeignet und umfassen beispielsweise eine Kortison-Behandlung. Vielen Patienten mit Autoimmunerkrankungen werden außerdem Immunsuppressiva verschrieben.

Die Anwendung ist im Falle des CAPS vor allem für MWS- oder NOMID-Patienten geeignet. Bei Patienten der leichtesten Form ist eine Unterdrückung des Immunsystems meist nicht erforderlich. Patienten mit FCAS oder MWS werden außerdem dazu aufgerufen, Schüben soweit wie möglich vorzubeugen. Dazu können zum Beispiel warme Getränke, warme Bäder, mehrere Kleiderschichten und die Reduzierung von körperlichem sowie psychischem Stress dienen.

Abhängig von den Symptomen müssen Patienten der schweren NOMID-Form gegebenenfalls weitergehende Behandlungen erhalten. Dazu kann zum Beispiel eine Versorgung mit Hörhilfen zählen. Auch augenärztliche Maßnahmen können bei entzündlichen Reaktionen im Bereich der Augen erforderlich sein.

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Aussicht & Prognose

Bei diesem Syndrom kann es nicht zu einer vollständigen Heilung kommen. Die Behandlung kann die einzelnen Symptome zwar einschränken, allerdings nicht vollständig lindern, da es sich hierbei um eine genetische Erkrankung handelt. Die Betroffenen sind aus diesem Grund auf eine lebenslange Therapie angewiesen, um die Beschwerden zu lindern und die Lebensqualität zu erhöhen.

Sollte bei diesem Syndrom keine Behandlung eingeleitet werden, so verschlechtert sich in der Regel der Gesundheitszustand des Patienten, wobei es im schlimmsten Falle auch zum Tode kommen kann. Die einzelnen Schübe der Erkrankung werden dabei mit Hilfe von Medikamenten behandelt und unterstützt. Dadurch können die meisten Symptome gelindert werden. Dem Betroffenen stehen weiterhin auch verschiedene Möglichkeiten der Selbsthilfe zur Verfügung, mit welchen die Schübe gelindert werden können.

In einigen Fällen sind die Betroffenen auch auf Hörhilfen angewiesen, damit sich die Hörbeschwerden nicht weiter verschlimmern. Auch Entzündungen an den Augen können bei der Erkrankung auftreten und im schlimmsten Falle zu einer vollständigen Erblindung führen, wenn sie nicht rechtzeitig behandelt werden. In der Regel wirkt sich eine frühzeitige Diagnose gut auf den weiteren Verlauf der Erkrankung aus.

Vorbeugung

Die Krankheiten aus der CAPS-Gruppe sind genetische Erkrankungen. Äußere Faktoren für die Krankheitsentstehung sind bislang nicht bekannt. Aus diesem Grund existieren bisher keine Vorbeugemaßnahmen. Nur die genetische Beratung bei der Familienplanung lässt sich im weitesten Sinne als vorbeugende Maßnahme bezeichnen.

Bücher über Autoimmunerkrankungen

Quellen

  • Bob, A., Bob, K.: Innere Medizin. Thieme, Stuttgart 2009
  • Klein, J.: Immunologie. VCH, Weinheim, 1999
  • Peter, H.-H., Pichler, W.J. (Hrsg.): Klinische Immunologie. Urban & Fischer, München 2012

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