Cranio-Corpo-Graphie

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 14. September 2017
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Die Cranio-Corpo-Graphie ist ein Messverfahren zur Feststellung, Analyse und Dokumentation von Gleichgewichtsfunktionsstörungen.

Das Verfahren wurde 1968 erstmals vorgestellt und dient auch der objektiven und standardisierten Dokumentation von Ergebnissen bestimmter Untersuchungsverfahren wie dem Unterberger-Tretversuch, dem Rombergversuch und einiger weiterer allgemein anerkannter Diagnoseverfahren. Die CCG ist ein seitens der Berufsgenossenschaft anerkanntes Untersuchungsverfahren innerhalb der Richtlinie G-41 (Arbeiten mit Absturzgefahr).

Inhaltsverzeichnis

Was ist die Cranio-Corpo-Graphie?

Die Cranio-Corpo-Graphie (CCG) wurde erstmals 1968 von dem deutschen Neurootologen Claus-Frenz Claussen vorgestellt. Die CCG beinhaltet kein eigenes Untersuchungsverfahren, sondern dient der verbesserten und objektivierten Dokumentation anerkannter Untersuchungsmethoden für die Bereiche Gleichgewichtsvermögen und Gleichgewichtsstörungen.

Das Verfahren ist computerunterstützt, und die integrierten Algorithmen erlauben unmittelbare Analysen. Das Verfahren wird hauptsächlich in der Arbeitsmedizin zur Erfüllung der berufsgenossenschaftlichen Richtlinie G-41 für Arbeiten an Arbeitsplätzen mit Absturzgefahr angewandt und dient in erster Linie dem Nachweis der Tauglichkeit für Arbeiten an absturzgefährdeten Arbeitsplätzen. Darüber hinaus kommt die CCG zur Untersuchung von Gleichgewichtsstörungen aller Art auch bei „Normalpatienten“ zum Einsatz.

Zur Markierung der Bewegungen von Kopf und Schulter trägt der Proband einen Helm mit zwei Lampen und zwei weitere Lampen an den Schultern. Die Bewegungsmuster werden per Sofortbildkamera, die sich oberhalb des Probanden befindet, aufgezeichnet. Seit 1993 gibt es ein weiter entwickeltes Verfahren, in dem die Leuchtmarker durch Ultraschallmarker ersetzt werden.

Funktion, Wirkung & Ziele

Eines der Hauptanwendungsgebiete der Cranio-Corpo-Graphie liegt in der Feststellung der Tauglichkeit für Arbeiten an Arbeitsplätzen mit Absturzgefährdung gemäß der berufsgenossenschaftlichen Richtlinie G-41. Die Tauglichkeit kann z. B. mit dem Romberg-Stehversuch und dem Tretversuch nach Unterberger nachgewiesen werden.

Zur Durchführung des Romberg-Versuchs steht der Proband oder Patient aufrecht auf beiden Füßen in geschlossenem Stand mit vorgestreckten Armen und geschlossenen Augen. Wichtig ist, dass dabei keinerlei visuelle oder akustische Orientierungsmöglichkeiten vorhanden sind wie etwa ein helles Licht an einem Punkt des Raumes oder eine Schallquelle (z. B. tickende Uhr). Während des Standversuchs werden die Ausgleichsbewegungen des Körpers über die Licht- oder Ultraschallmarker aufgezeichnet und anschließend ausgewertet.

Durch leichtes Anschieben des Körpers kann der Versuch unter etwas erschwerten Bedingungen durchgeführt werden. Falls die Ausgleichsbewegungen des Körpers ein bestimmtes Maß überschreiten und sich im Lauf des Versuchs verstärken oder der Versuch wegen Sturzgefahr abgebrochen werden muss, liegt sehr wahrscheinlich ein neuronal verursachtes Koordinationsproblem vor. Eine Fallneigung zu einer bestimmten Seite deutet eher auf eine Störung eines der Maculaorgane (Sacculus oder Utriculus) hin, die für die Erfassung linearer Beschleunigungen innerhalb des Vestibularsystems (Gleichgewichtsorgane) zuständig sind.

Bei dem Tretversuch nach Unterberger geht es um die Überprüfung der Reflexbahnen zwischen den Gleichgewichtszentren im Gehirn und dem Rückenmark (vestibulospinale Reflexe). Der Tretversuch wurde nach dem österreichischen Arzt Siegfried Unterberger benannt und besteht darin, bei geschlossenen Augen gleichmäßig auf der Stelle zu treten. Es gelten die gleichen Vorbedingungen wie bei dem Romberg-Versuch. Wenn sich der Proband oder Patient nach 50 Schritten ungewollt und unbewusst um mehr als 45 Grad gedreht hat, gilt das Ergebnis als auffällig. Eine unbeabsichtigte Drehung um mehr als 45 Grad innerhalb von 50 Schritten lässt eine Läsion einer bestimmten Region im Kleinhirn vermuten oder deutet auf ein Problem des Vestibularsystems hin.

Eines der Hauptanwendungsgebiete der Cranio-Corpo-Graphie liegt in der Feststellung der Tauglichkeit für Arbeiten an Arbeitsplätzen mit Absturzgefährdung.

Das CCG-Verfahren unterstützt auch spezialisierte Untersuchungsmethoden wie den LOLAVHESLIT-, den NEFERT- und den WOFEC-Test. LOLAVHESLIT ist ein Akronym, das sich aus den Begriffen longitudinal, lateral und vertical, head sliding-test zusammensetzt. Der Patient führt im Sitzen nacheinander und wiederholend Kopfdrehungen und Kopfbewegungen aus, die mittels CCG aufgezeichnet und unmittelbar ausgewertet werden. Der Test lässt Rückschlüsse auf Bewegungsstörungen im Nacken zu und lässt Erkrankungen erkennen, die im Zusammenhang mit den Halswirbeln und dem Rückenmark stehen.

Mit dem NEFERT (Neck Flex Rotation Test) können Verstauchungen und Steifheit des Nackens sowie ein evtl. vorhandenes Schleudertrauma nachgewiesen werden. Das Verfahren wurde 1998 eingeführt. Eine zusätzliche Testmethode für den Nachweis einer Gangataxie ist der sogenannte WOFEC-Test (Walk on Floor Eyes Closed), dessen Ergebnisse ebenfalls mittels CCG dokumentiert, interpretiert und gespeichert werden können.

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Risiken, Nebenwirkungen & Gefahren

Bei der Cranio-Corpo-Graphie handelt es sich um ein nicht-invasives Aufzeichnungs- und Diagnoseverfahren, das mit keinerlei Gefahren oder Nebenwirkungen in Zusammenhang gebracht werden kann.

Allerdings sollte bei akutem Verdacht auf einen Infarkt des Kleinhirns oder des Hirnstamms zugunsten schneller und präziser Diagnosen auf bildgebende Diagnoseverfahren wie Magnetresonanztomographie (MRT), Computertomographie (CT) oder eine funktionale Magnetresonanztomografie (fMRT) zurückgegriffen werden. Insofern kann der Verdacht auf Vorliegen eines Hirnstamm- oder Kleinhirninfarktes als Kontraindikation für die Anwendung eines CCG verstanden werden.

Das deutsche Arbeitsschutzgesetz (ArbSchG) setzt die verbindlichen EU-Richtlinien zum Arbeitsschutz um und richtet sich sowohl an die Arbeitgeber wie auch an die Arbeitnehmer. Arbeiten mit Absturzgefahr sind im Arbeitsschutzgesetz zwar nicht explizit aufgelistet, Arbeitgeber sind aber verpflichtet, ihre Arbeitnehmer, die eine Tätigkeit mit Absturzgefahr ausüben, nicht nur fachlich auszubilden, sondern von ihnen auch den Gesundheitsnachweis nach der berufsgenossenschaftlichen Richtlinie G-41 zu verlangen.

Der Nachweis des Gleichgewichtsvermögens und der vollen Funktionsfähigkeit des Bewegungsapparates sind Teil des geforderten Gesundheitsnachweises. Im Alter von unter 25 Jahren muss der Gesundheitsnachweis alle 36 Monate, im Alter von 25 bis unter 50 Jahren alle 24 bis 36 Monate und ab einem Alter von 50 Jahren alle 12 bis 18 Monate wiederholt werden.

Bücher über Gleichgewichtsstörungen

Quellen

  • Diener, H.-C. et al.: Leitlinien für Diagnostik und Therapie in der Neurologie. Thieme, Stuttgart 2012
  • Lenarz, T., Boenninghaus, H.G.: Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde. Springer, Berlin 2012
  • Probst, R.: Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde. Thieme, Stuttgart 2008

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