Crane-Heise-Syndrom

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 20. November 2017
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Als Crane-Heise-Syndrom kennt die Medizin einen Komplex aus Fehlbildungen, die vor allem in einer unzureichenden Verknöcherung des Schädels und Aplasien der Wirbel bestehen. Das Syndrom geht auf eine erbliche Mutation zurück, der ein autosomal rezessiver Erbgang zugrunde liegt. Die Prognose ist ungünstig und der Verlauf meist letal.

Inhaltsverzeichnis

Was ist das Crane-Heise-Syndrom?

Das Crane-Heise-Syndrom ist ein Symptomkomplex aus der Gruppe der erblichen Erkrankungen. Charakteristisch für das Syndrom ist ein Komplex aus klinischen Symptomen wie einer unzureichenden Verknöcherung am Schädeldach, multiplen Fehlbildungen im Bereich des Gesichts und veränderten Wirbelkörpern sowie nicht angelegten Schlüsselbeinen.

Das Syndrom wurde Ende des 20. Jahrhunderts erstmals von Crane und Heise beschrieben. Die Bezeichnung der Erbkrankheit als Crane-Heise-Syndrom hat sich zu Ehren der Erstbeschreiber durchgesetzt. Seit der Erstbeschreibung sind insgesamt nur neun Fälle des Syndroms dokumentiert worden. Trotzdem ist die Forschungslage weit fortgeschritten.

Mittlerweile konnten sogar ätiologische Zusammenhänge der Erkrankung aufgeklärt werden. Trotzdem bleibt die primäre Ursache bisher im Dunkeln, da die Forschungsoptionen wegen der bislang wenigen Fälle eingeschränkt sind.

Ursachen

Dem Crane-Heise-Syndrom liegen erbliche und genetische Faktoren zugrunde. Der Fehlbildungskomplex scheint auf der Forschungsgrundlage der bisher dokumentierten Fälle nicht sporadisch aufzutreten, sondern familiärer Häufung zu unterliegen. Die wenigen beschriebenen Fälle legen einen autosomal-rezessiven Erbgang als Übertragungsweg des Symptomkomplexes nahe. Eine Mutation scheint das Syndrom zu begünstigen.

Mittlerweile wurde eine genetische Mutation in ursächlichen Zusammenhang mit dem Symptomkomplex gebracht. Das ursächlich mit dem Syndrom assoziierte Gen entspricht dem Gen FGD1 befindet auf einem X-Chromosom mit dem Genlocus p11.21. Dieses Gen ist an der Regulierung des Golgi-Apparats beteiligt, indem es Cdc42 als Membranbestandteil aktiviert.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Die charakteristischen klinischen Symptome des Crane-Heise-Syndroms sind ein unzureichend verknöcherte Schädeldach und eine retardierte Entwicklung, die oft schon als intrauterine Wachstumsverzögerung in Erscheinung tritt. Die unzureichende Verknöcherung der Schädelkalotte hängt mit einer ungenügenden Mineralisierung des Schädels zusammen.

Die Patienten weisen zusätzlich Fehlbildungen im Bereich des Gesichts auf. Als solche sind vor allem die Mikrogenie, die Gaumenspalte und der Hypertelorismus verbreitet. Viele Patienten besitzen zusätzlich anomale Nasenlöcher, die weit nach vorne weisen. In manchen Fällen können auch die Ohrmuscheln der Kinder von Fehlbildungen betroffen sein. In allen bisher dokumentierten Fällen lagen Aplasien im Bereich der Schlüsselbeine vor.

Diese Aplasien treten als vollständige Nicht-Anlage der anatomischen Strukturen in Erscheinung. Neben diesen Aplasien können auch die Halswirbel von Aplasien betroffen sein. In jedem Fall ist das Syndrom mit seinen multiplen Fehlbildungen bereits unmittelbar nach der Geburt zu erkennen.

Diagnose & Krankheitsverlauf

Die erste Verdachtsdiagnose auf das Crane-Heise-Syndrom kann unmittelbar nach der Geburt mittels Blick- und Röntgendiagnose gestellt werden. Auf der Bildgebung zeigen sich die Aplasien der Schlüsselbeine. Eine Bildgebung des Kopfes kann die unzureichende Verknöcherung am Schädeldach zum Vorschein bringen.

Abzugrenzende Differentialdiagnosen sind neben der kleidokranialen Dysplasie zum Beispiel das Yunis-Varon-Syndrom, die Pyknodysostose oder das CDAGS-Syndrom. Um die Diagnose auf das Crane-Heise-Syndrom zu sichern, kann eine molekulargenetische Analyse vorgenommen werden. Wenn die erste Verdachtsdiagnose zutrifft, erbringt die Analyse einen Beweis für eine Mutation des Gens FGD1 auf einem X-Chromosom im Genlocus p11.21.

Mittlerweile ist auch die vorgeburtliche Diagnostik des Crane-Heise-Syndroms möglich. Die Fehlbildungen am Kopf und an der Wirbelsäule lassen sich durch Feinultraschall erfassen. Der Fehlbildungs-Ultraschall ermöglicht die gezielte Suche nach vertebralen und zerebralen Fehlbildungen. Die Prognose für Kinder mit dem Crane-Heise-Syndrom ist immer ungünstig. In annähernd allen dokumentierten Fällen sind die Patienten wenige Zeit nach der Geburt verstorben. Ein letaler Verlauf ist daher wahrscheinlich.

Komplikationen

Das Crane-Heise-Syndrom verursacht multiple Fehlbildungen der anatomischen Strukturen, die einen hohen Leidensdruck und schwere Komplikationen der betroffenen Kinder verursacht. Charakteristische Symptome sind eine offene, unzureichend verknöcherte Schädeldecke und massive Entwicklungsstörungen, die sich häufig schon vor der Geburt manifestieren.

Die Fehlbildungen im Gesicht zeichnen sich durch einen rückverlagerten Unterkiefer und einen fehlerhaften Augenabstand aus. Auch missgebildete Ohrmuscheln sind nicht selten. Kinder mit Crane-Heise-Syndrom weisen daher Seh- und Hörstörungen auf. Die Nahrungsaufnahme ist wegen des fehlgebildeten Unterkiefers und der Gaumenspalte nicht möglich.

Schwere Störungen im Bereich der anatomischen Strukturen, die in Form deformierter Wirbelkörper und fehlenden Schlüsselbeinen auftreten, verhindern normale Bewegungsabläufe. Aufgrund dieser schwerwiegenden Komplikationen ist eine erfolgsversprechende Behandlung nicht möglich und die Prognose in allen Fällen negativ.

Die mit dem Crane-Heise-Syndrom einhergehenden Lebenseinschränkungen sind auch durch Operationen und weitere individuelle Therapien nicht zu beseitigen. Insbesondere die schweren zerebralen Missbildungen sind kaum korrigierbar.

Die Patienten zeigen eine so hohe Instabilität, dass selbst Behandlungsansätze zur Korrektur der faszialen Fehlbildungen laut Medizinern nicht zielführend sind. Auch verbleibt für individuelle Therapieansätze keine Zeit, da die Kinder entweder direkt nach der Geburt beziehungsweise wenige Stunden später versterben.

Wann sollte man zum Arzt gehen?

Das Crane-Heise-Syndrom wird meist unmittelbar nach der Geburt festgestellt und die Behandlung wird routinemäßig eingeleitet. Weitere Arztbesuch sind erforderlich, wenn sich aufgrund der Fehlbildungen Beschwerden und Komplikationen einstellen. So kann es in Folge einer Gaumenspalte beispielsweise zu Problemen bei der Nahrungsaufnahme kommen, die von einem Facharzt abgeklärt werden müssen. Bei Fehlbildungen der Ohrmuscheln sollte ein Ohrenarzt konsultiert werden. Begleitend dazu ist eine allgemeine Beratung beim Kinderarzt sinnvoll.

Der Mediziner wird den Eltern unter anderem Möglichkeiten für psychologische Unterstützung und kosmetische Eingriffe aufzeigen. Eine therapeutische Beratung sollte in jedem Fall erfolgen. Sollte das Kind im späteren Leben seelische Probleme entwickeln, muss dies unbedingt abgeklärt werden. Falls es in Folge einer Fehlbildung zu einem Unfall oder Sturz kommt, muss der Notarzt konsultiert werden. Auch ungewöhnliche Symptome werden am besten sofort einem Arzt vorgestellt. Neben dem Kinder- oder Hausarzt kann auch ein Facharzt für erbliche Erkrankungen oder direkt der ärztliche Notdienst eingeschaltet werden.

Therapie & Behandlung

Eine kausale Therapie existiert für Patienten des Crane-Heise-Syndroms bislang nicht. Zwar sind gentechnische Therapien mittlerweile ein Gegenstand der medizinischen Forschung, aber bislang konnten sie nicht erfolgreich als Behandlungsmethode etabliert werden. Eventuell wird es in Zukunft nach Fortschritten in der Gentherapie kausale Behandlungswege für Patienten des Crane-Heise-Syndroms geben.

Beim derzeitigen Stand der Medizin steht allerdings keine Heilung in Aussicht. Wegen der geringen Anzahl an dokumentierten Fällen und der noch geringeren Anzahl an Patienten mit einer längeren Lebensspanne als einigen Stunden sind auch symptomatische Behandlungsoptionen zum Crane-Heise-Syndrom kaum erfasst. Vor allem die zerebralen Fehlbildungen lassen sich kaum korrigieren.

Korrekturen der faszialen Fehlbildungen wären zwar denkbar, sind in Anbetracht der Instabilität von Patienten mit dem Crane-Heise-Syndrom aber nicht zielführend und würden vermutlich letal enden. Aus diesem Grund liegt der Fokus der Behandlung auf einer Verbesserung der Lebensqualität des ohnehin kurzen Lebens. Zu den wichtigsten Therapieschritten zählt die psychotherapeutische Betreuung der Eltern.

Falls das Syndrom bereits vorgeburtlich diagnostiziert worden ist, werden die Eltern in der Psychotherapie auf die Geburt und den vermutlich direkt postnatal eintretenden Tod des Kindes vorbereitet. Nach der Geburt und dem Kindestod setzt sich die Therapie im besten Falle fort und hilft der Familie bei der Aufarbeitung des Erlebten. Da es sich bei dem Syndrom um eine Erbkrankheit handelt, müssen die Eltern außerdem über die Risiken für zukünftige Kinder aufgeklärt werden.

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Aussicht & Prognose

In den meisten Fällen kommt es durch das Crane-Heise-Syndrom zum Tode des Betroffenen. Da das Syndrom durch einen genetischen Defekt entsteht, kann es auch nicht kausal, sondern nur rein symptomatisch behandelt werden.

Die Patienten leiden dabei an starken Verzögerungen im Wachstum und auch in der Entwicklung. Es bildet sich eine Gaumenspalte aus, wobei auch die Ohren von Fehlbildungen betroffen sein können. Die Fehlbildungen selbst können dabei durch chirurgische Eingriffe behandelt werden. Allerdings ist es nicht möglich, die Instabilität des Schädels so zu behandeln, dass der Betroffene überleben kann. Aus diesem Grund führt das Crane-Heise-Syndrom immer zu einer deutlich verringerten Lebenserwartung des Patienten. Weiterhin leiden häufig auch die Eltern und die Angehörigen an den Folgen des Syndroms und weisen dabei Depressionen oder andere psychische Verstimmungen auf.

Da es sich um eine genetische Krankheit handelt, sind die Eltern auf eine genetische Beratung angewiesen, um das Auftreten des Crane-Heise-Syndroms bei den nächsten Generationen zu vermeiden. Falls das Syndrom schon vor der Geburt diagnostiziert wird, kann auch eine Abtreibung erfolgen, falls sich die Eltern gegen das Kind entscheiden.

Vorbeugung

Dem Crane-Heise-Syndrom lässt sich bislang nicht vorbeugen. Das liegt vor allem daran, dass die Medizin die eigentliche Ursache für die Mutation des verursachenden Gens bisher nicht identifiziert hat. Bei einer vorgeburtlichen Diagnostik können sich die Eltern gegebenenfalls gegen das Kind entscheiden.

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Quellen

  • Lang, F., et al.: Basiswissen Physiologie. Springer Verlag, Berlin Heidelberg 2007
  • Murken, J., Grimm, T., Holinski-Feder, E., Zerres, K. (Hrsg.): Taschenlehrbuch Humangenetik. Thieme, Stuttgart 2011
  • Witkowski R., Prokop O., Ullrich E.: Lexikon der Syndrome und Fehlbildungen. Springer, Berlin 2003

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