Coxa vara

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 15. November 2017
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Coxa vara ist eine Fehlstellung des Oberschenkelhalses, der im Vergleich zum Gesunden einen stumpferen Winkel zum Oberschenkelknochen bildet. Eine Gehbehinderung und Schmerzen sowie eine fortschreitende Verschlimmerung sind die Folge. Die effektivste Maßnahme ist eine Operation der Coxa vara.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Coxa vara?

Coxa vara bezeichnet ein orthopädisches Krankheitsbild der Hüfte („Coxa“). Dabei beträgt der Winkel zwischen Oberschenkel und Oberschenkelhals weniger als 120°.

Die Hüfte ist dadurch nach außen gebogen („vara“). Diese Verkleinerung des CCD-Winkels („Centrum-Collum-Diaphysen-Winkel“) tritt in zwei Varianten auf, die nach den zugrunde liegenden Ursachen unterschieden werden: Einmal die angeborene (Coxa vara congenita), zum anderen die erworbene Coxa vara.

Bei älteren Menschen gilt eine Abflachung des CCD-Winkels bis 115° als gewöhnliche Alterserscheinung. Denn die Abnahme des Diaphysen-Winkels ist ein kontinuierlicher Prozess, der schon im Kindesalter beginnt. So haben Kleinkinder eine hochgestellte Hüfte, bei ihnen beträgt der CCD-Winkel 140°. Diese „Coxa valga“ bildet sich in der Regel während des Heranwachsens zurück und ist das Gegenteil der Coxa vara.

Ursachen

Coxa vara congenita bleibt in ihren genauen Ursachen weiterhin im Dunkel. Eine embryonale Wachstumsstörung könnte nicht nur rein genetisch, sondern auch durch äußere Einflüsse ausgelöst werden (Ernährung, Chemikalien).

Beim Heranwachsenden und älteren Menschen ist die Coxa vara meistens auf eine gestörte Bildung und Erhaltung der Knochensubstanz zurückzuführen. Ein Vitamin-D-Mangel mit der Folge einer Rachitis führt zu Knochenerweichung. Der Oberschenkelhals ist dann den Belastungen nicht mehr gewachsen und verformt sich. Tritt diese Krankheit im Erwachsenenalter auf, spricht der Arzt von Osteomalazie.

Neben einer D-Avitaminose kommen bei diesem Syndrom andere stoffwechselbedingte Mangelerscheinungen in Betracht. Scheidet die Niere zu viel Phosphat aus, fehlt die Substanz für die Knochenbildung. Hormonelle Fehlfunktionen können ebenfalls eine Rolle spielen. Frakturen des Oberschenkelhalses, Knochen-Infektionen sowie Tumore sind weitere Ursachen der Coxa vara.

Typische Symptome & Anzeichen

Diagnose & Verlauf

Coxa vara ist eine Diagnose, die zunächst von Symptomen wie Schmerzen oder Gehbehinderungen ausgeht. Da die Muskeln durch die Knochenverformung nicht mehr optimal ansetzen, reduziert sich ihre Kraftwirkung.

Besonders bei höherer Belastung kommt es so zu schneller Ermüdung des Bewegungsapparates und auch zu Zerrungen. Dadurch klagen Patienten über Schmerzen und Leistungsabfall. Auch sind „unnatürliche“ Bewegungsabläufe beim Gehen zu beobachten. Typisch ist das Heruntersacken des Beckens bei jedem Schritt, von den Ärzten als „Trendelenburg-Gang“ bezeichnet.

Augenfällig ist bei einseitiger Coxa vara die Verkürzung des betroffenen Beines. Diese Patienten humpeln. Aufgrund dieser Anzeichen bleibt die Fehlstellung beim Kleinkind zunächst solange unentdeckt, bis es zu laufen beginnt.

Bei den genannten Symptomen wird der Orthopäde Röntgenbilder in verschiedenen Ebenen anfertigen und die Diagnose sichern. Ohne Behandlung verschlechtert sich der Zustand, weil die geometrisch-statische Belastung der Hüfte ständig zunimmt. Fortschreitende Knochen- und Gelenk-Deformationen sind dann die Folge einer zunächst diskreten Coxa vara.

Komplikationen

Bei der Coxa vara treten unterschiedliche Komplikationen auf, wobei es in den meisten Fällen zu einer Fehlstellung in den Beinen kommt. Diese können auch verkürzt sein und damit zu Einschränkungen beim Patienten führen. Oft treten aufgrund der Coxa vara starke Schmerzen im Bereich der Hüfte ein. Damit kann der Betroffene auch keine Sportarten mehr durchführen.

Nicht selten breitet sich dieser Schmerz auch in andere Regionen des Körpers aus. Auch die Muskeln sind von der Krankheit betroffen und schmerzen. Sie können ebenfalls nicht mehr gewöhnlich belastet werden. Dadurch verringert sich die Lebensqualität enorm. An unterschiedlichen Regionen des Körpers kann es zu Zerrungen kommen.

Die Behandlung zielt vor allem auf die Reduktion der Schmerzen und der Bewegungseinschränkungen ab. Dabei ist in schwerwiegenden Fällen ein operativer Eingriff notwendig, wobei es allerdings nicht zu weiteren Komplikationen kommt. Die weitere Behandlung erfolgt dann durch einen Orthopäden.

Der Bewegungsapparat muss entlastet werden, damit es zu keinen weiteren Schmerzen kommt. In der Regel kann der Patient dadurch körperliche Tätigkeiten und Sportarten nicht mehr ohne Weiteres durchführen. In vielen Fällen humpeln die Patienten auch, wenn die Coxa vara nicht richtig behandelt wird.

Wann sollte man zum Arzt gehen?

Wenn ein unspezifischer Schmerz im Hüft- oder Oberschenkelbereich bemerkt wird, sollte ein Termin beim Hausarzt vereinbart werden. Sollten sich die Beschwerden zu einer Muskelschwäche entwickeln, deutet dies auf eine Coxa vara hin, die unbedingt abgeklärt werden muss. Bei Folgebeschwerden wie Zerrungen oder einem Oberschenkelhalsbruch wird am besten ein Krankenhaus aufgesucht. Selbiges gilt, wenn Anzeichen einer Pseudoarthrose bemerkt werden oder die Beschwerden insgesamt zunehmen.

Stellen sich aufgrund der Beschwerden seelische Probleme, Schlafstörungen oder ein allgemeines Unwohlsein ein, so sollte dies ebenfalls abgeklärt werden. Mit einer Fehlstellung der Beine muss zu einem Orthopäden gegangen werden. Bei Kindern tritt eine Coxa vara häufig im Zusammenhang mit Morbus Perthes auf. Auch Rachitis, die Niemann-Pick-Krankheit, verschiedene Stoffwechselerkrankungen oder ein schlecht verheilter Bruch können zur Deformierung der Hüfte führen. Wer zu diesen Risikogruppen zählt, sollte bei genannten Symptomen rasch einen Arzt aufsuchen. Sollten sich bereits Fehlstellungen oder anderweitige Komplikationen eingestellt haben, ist der ärztliche Notdienst zu kontaktieren.

Behandlung & Therapie

Coxa vara ist immer behandlungsbedürftig. Die konservative Therapie zielt auf eine Entlastung des Hüftgelenkes ab. Zu dem Zweck muss der Patient eine Orthese tragen.

Das ist ein individuell angefertigtes Gestell, das den Druck vom Gelenk auf das Becken ableitet. So soll verhindert werden, dass der Oberschenkelhals nicht weiter abknickt. Bei Kleinkindern kann eine Orthese sogar ein Aufrichten des Oberschenkelhalses bis zum physiologischen Zustand bewirken.

In schweren Fällen hilft nur eine Operation. Dabei durchtrennt der Chirurg den Oberschenkelhals und fixiert ihn in der korrekten Stellung mit Metallschienen. Dieses Material kann nach einer solchen „valgisierenden Umstellungsosteotomie“ wieder entfernt werden. Die Operation ist sicher die effektivste Therapie der Coxa vara.

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Aussicht & Prognose

In den meisten Fällen ist bei Coxa vara ein operativer Eingriff notwendig. Durch diesen Eingriff werden alle Beschwerden gelindert, sodass es zu keinen weiteren Einschränkungen im Leben des Betroffenen kommt.

Ohne Behandlung leiden die Betroffenen bei Coxa vara an starken Schmerzen und ebenso an Gehbehinderungen und damit an deutlichen Einschränkungen im Alltag. Die Beschwerden verschlechtern sich dabei auch mit der Zeit, falls die Krankheit nicht behandelt wird. Es treten dabei Schmerzen in der Hüfte und ebenso eine Muskelschwäche auf. Das Hüftgelenk selbst ist dabei sehr instabil, sodass es zu Bewegungseinschränkungen kommt. In der Regel humpeln die meisten Betroffenen bei Coxa vara aufgrund der unterschiedlichen Beinlängen.

Die Beschwerden von Coxa vara können durch das Tragen einer Prothese relativ gut gelindert werden. Das Hüftgelenk wird dadurch entlastet und unterstützt, sodass auch wieder gewöhnliche Bewegungen für den Betroffenen möglich sind. Auch bei kleineren Kindern kann eine Prothese eingesetzt werden. Ein operativer Eingriff ist bei Coxa vara dann notwendig, wenn es durch das Tragen der Prothese nicht zu einer Besserung der Beschwerden kommt. Dadurch werden die Beschwerden komplett gelindert.

Vorbeugung

Coxa vara ist ein Krankheitsbild ohne Möglichkeit zur Prophylaxe. Das Wichtigste ist die Früherkennung, die eine Voraussetzung für eine optimale Heilung darstellt. Daher sollte bei Beschwerden an der Hüfte sofort ein Arzt konsultiert werden. Eltern werden ihre Kinder sicher genau beobachten, wie sich das Laufenlernen entwickelt. Sollten dabei Auffälligkeiten zutage treten, ist ein Besuch beim Orthopäden angezeigt. Denn im Kleinkindalter besteht die Chance einer operationslosen Heilung der Coxa vara.

Das können Sie selbst tun

Bei einer angeborenen Coxa vara kann der Betroffene bei der Linderung der vorhandenen Beschwerden einen aktiven Einfluss nehmen. Hierzu gehört die Kontrolle des Eigengewichts und das Trainieren von gezielten unterstützenden Bewegungsabläufen. Eine Gewichtszunahme, die über das Normalgewicht hinaus geht, sollte grundsätzlich vermieden werden. Bei Übergewicht wird das Skelettsystem zusätzlich belastet und die Beschwerden nehmen an Intensität zu.

Mit krankengymnastischen Übungen und Trainingseinheiten sollte zusätzlich gearbeitet werden. Diese beugen Beschwerden vor und können eigenverantwortlich jederzeit durchgeführt werden. Für ein möglichst optimales Ergebnis sind die Übungen täglich anzuwenden.

ei einer erworbenen Coxa vara werden die gleichen Tipps empfohlen. Zusätzlich besteht jedoch hier die Möglichkeit, der Erkrankung bereits im Vorfeld zu entgehen. Überbeanspruchungen und starke Belatungen der Hüfte sind zu vermeiden. Regelmäßige sportliche Aktivitäten können helfen, um die Erkrankung zu verhindern oder bereits im Anfangsstadium entsprechende Gegenmaßnahmen einzuleiten. Eine Fehlhaltung kann bei einer guten Selbstreflektion korrigiert werden. Die Körperhaltung kann im Alltag jederzeit bewusst wahrgenommen und verändert werden. Informationen über eine optimale Körperhaltung im Sitzen, Gehen oder Laufen helfen, um Fehler zu erkennen und sie zu beseitigen. Beschwerden der Muskeln durch einseitige Bewegungen sollten vermieden werden. Die Schlafbedingungen sind ebenfalls zu kontrollieren und unter Umständen zu verbessern.

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Quellen

  • Debrunner, A.M.: Orthopädie/Orthopädische Chirurgie. Huber, Bern, 2005
  • Rössler, H., Rüther, W.: Orthopädie und Unfallchirurgie. Urban & Fischer, München, 2005
  • Zilles, K. et al.: Anatomie. Springer Medizin Verlag Heidelberg 2010

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