Cowden-Syndrom

Medizinische Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher (Facharzt für innere Medizin) am 17. Oktober 2016
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Das Cowden-Syndrom ist eine autosomal-dominant vererbte Erkrankung, die der Neigung zu Tumorbildung einhergeht und auf eine Mutation im PTEN-Gen zurückzuführen ist. Obwohl die Neubildungen meist gutartig sind, erhöht die Erkrankung nichtsdestotrotz das Krebsrisiko der Patienten. Die Behandlung ist rein symptomatisch und beschränkt sich auf regelmäßige Kontrolluntersuchungen und Tumorresektionen.

Inhaltsverzeichnis

Was ist das Cowden-Syndrom?

Phakomatosen sind erbliche Erkrankungen auf der Basis von mesenchymalen und neuroektodermalen Dysplasien. Dysplasien entsprechen sichtbaren Fehlbildungen von Organen oder Geweben. Das sogenannte Cowden-Syndrom wird den Phakomatosen zugeordnet und zeichnet sich durch Dysplasien im Sinne von Tumoren aller drei embryonalen Keimblätter aus.

Das Syndrom entspricht einer extrem seltenen Erkrankung. Seit der Erstbeschreibung wurden weltweit nur 150 Fälle dokumentiert. Die Inzidenz der hereditären Erkrankung wird auf weniger als einen Fall in 200.000 Menschen geschätzt. Beide Geschlechter sind mit gleicher Häufigkeit von der Erberkrankung betroffen. Das klinische Bild des Cowden-Syndroms ist pleomorph, also vielgestaltig.

Die Penetranz ist altersabhängig und in der Genexpression heterogen. Syndrome wie das Proteus-Syndrom, das Proteus-Like-Syndrom und das Bannayan-Riley-Ruvalcaba-Syndrom besitzen aktuellen Forschungsergebnissen zufolge denselben Genotypen wie das Cowden-Syndrom und unterscheiden sich demnach nur im Phänotypen von dem Krankheitsbild.

Ursachen

Das Cowden-Syndrom hat seine Ursache in den Genen. Als Erberkrankung wird es im autosomal-dominanten Erbgang weitergegeben. Forscher erkennen die Ursache der Missbildungen in einer Mutation des PTEN-Gens. Dieses Gen kodiert für das multifunktionale Enzym Phosphatase und wirkt unter anderem unterdrückend auf Tumore.

Durch die Mutation des kodierenden Gens verliert das Enzym teilweise seine eigentliche Funktion. Dieser Zusammenhang erklärt die tumorartigen Gewebeneubildungen der drei Keimblätter, die das Cowden-Syndrom kennzeichnen. Aus diesem Grund wird das Syndrom der Gruppe PTEN-Hamartom-Tumor-Syndrome zugeordnet, in die auch das Bannayan-Riley-Ruvalcaba-Syndrom und das Proteus-Syndrom fallen.

Das PTEN-Gen befindet sich auf dem langen Arm von Chromosoms 10 im Genlocus q23. Die Tumorsuppressorfunktion des Gens liegt an der inhibitorischen Wirkung auf Proteinkinase Akt. Dabei handelt es sich um ein zentrales Zielmolekül bei der Transduktion antiapoptotischer sowie proliferativer Reize. Die mutationsbedingt fehlende PTEN-Inhibition des Gens macht die Proteinkinase überaktiv und stimuliert so die Bildung von Tumoren.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Patienten mit Cowden-Syndrom leiden an multiple Hamartomen der Haut und Schleimhäute. Trichilemmome im Bereich des Gesichts, Schleimhaut-Papillome im Mund sowie akrale und palmoplantare Keratosen sind häufige Symptome. Darüber hinaus können multiple Gesichts-Papeln auftreten. Auch makuläre Pigmentation im Bereich des Penis wird häufig dokumentiert.

Dasselbe gilt für gastrointestinale Hamartome sowie Ganglioneurome. Symptomatisch für das Syndrom sind außerdem andere gutartige Tumore in den Organen, so beispielsweise Schilddrüsenknoten, fibrozystische Tumore der Brust oder Lipome im Bindegewebes. Der Großteil aller Patienten leidet zusätzlich an einer Makrozephalie im Sinne eines übergroßen Kopfumfangs.

Geistige Behinderung und Anomalien aus dem autistischen Formkreis wurden in Einzelfällen beobachtet. Grundsätzlich sind die Tumore des Cowden-Syndroms meist gutartig. Nichtsdestotrotz können die Dysplasien entarten, wodurch sich das Krebsrisiko der Patienten stark erhöht. Brustkrebs, Gebärmutterkrebs und Schilddrüsenkrebs in jungen Jahren sind keine Seltenheit.

Diagnose & Krankheitsverlauf

Die klinische Diagnosestellung auf das Cowden-Syndrom erfolgt anhand von Major- und Minor-Kriterien aus den Leitlinien des National Comprehensive Cancer Network. Eine genetische Untersuchung erbringt den Nachweis einer PTEN-Mutation. Biopsien und Histologie sind im Rahmen der Diagnostik ebenso häufig erforderlich wie Bildgebungen der inneren Organe und Gewebe. Die Prognose für Patienten mit Cowden-Syndrom ist relativ ungünstig, da das Entartungsrisiko der Tumore relativ hoch anzusiedeln ist. Bei regelmäßiger Kontrolle verbessert sich die Prognose.

Behandlung & Therapie

Eine kausale Behandlung steht für Patienten mit Cowden-Syndrom bislang nicht zur Verfügung. Eventuell werden Fortschritte in der Gentherapie alsbald ursächliche Therapieansätze eröffnen. Bisher haben gentherapeutische Ansätze allerdings nicht die klinische Phase erreicht.

Aus diesem Grund gilt das Cowden-Syndrom bis zum gegenwärtigen Zeitpunkt als unheilbare Erkrankung, die lediglich symptomatisch behandelt werden kann. Die Selbstkontrolle des Patienten spielt eine wichtige Rolle innerhalb der symptomatischen Therapie. Idealerweise bemerken die Patienten etwaige Neubildungen innerhalb kürzester Zeit und wenden sich zur Kontrolle unmittelbar an einen Fachmann.

Kontrolluntersuchungen und regelmäßige Biopsien werden den Betroffenen unbedingt empfohlen, um mögliche Entartungen früh genug zu erkennen. Die Resektion von Tumoren bildet einen zentralen Baustein der symptomatischen Therapie. Abhängig von der Lokalisation des Tumors erfordert diese Resektion unterschiedlichste Verfahren.

Während einige Tumore minimal-invasiv entfernt werden können, ist zur Resektion anderer eine größere Operation erforderlich. Bei der Resektion ist der Erhalt lebenswichtiger Strukturen unbedingt anzustreben. Falls größere Teile von Tumoren in diesem Kontext nicht entfernt werden können, findet eine weiterführende Therapie statt. Der Einsatz von Zytostatika, Strahlentherapie oder anderen Therapeutika dieser Art kann in diesem Zusammenhang erforderlich werden.

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Vorbeugung

Das Cowden-Syndrom ist eine Erberkrankung. Da die Ursache des Syndroms in den Genen liegt und daher als interner Faktor bezeichnet werden muss, existieren kaum Vorbeugemaßnahmen. In der Familienplanung können Paare allerdings eine genetische Beratung in Anspruch nehmen. Wer selbst am Cowden-Syndrom leidet, gibt es im autosomal-dominanten Erbgang mit gewisser Wahrscheinlichkeit an seine Kinder weiter.

Um dieses Szenario zu vermeiden, können sich Betroffene gegen eigene Kinder entscheiden. Durch die Möglichkeit der Adoption stehen ihnen nichtsdestotrotz Optionen für eine Familiengründung zur Verfügung. Ob eine derartige Entscheidung im Einzelfall für sinnvoll gehalten wird, hängt vor allem von den persönlichen Erfahrungen mit der Erkrankung ab.

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