Cotrimoxazol

Medizinische Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher (Facharzt für innere Medizin) am 28. November 2016
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Cotrimoxazol ist ein antibiotisch wirksames Kombinationsmedikament, das sich aus dem Antibiotikum Trimethoprim und dem Sulfonamid Sulfamethoxazol im festen Verhältnis eins zu fünf zusammensetzt. Das Arzneimittel hemmt in Bakterien die Biosynthese von Tetrahydrofolsäure und behindert damit die DNA-Synthese. Cotrimoxazol, das vorwiegend zur Behandlung von Harnwegs- und Atemwegsinfektionen sowie gegen Typhus und Paratyphus verwendet wird, wirkt auch gegen bestimmte Protozoen und einige Pilzarten.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Cotrimoxazol?

Cotrimoxazol ist ein Kombinationsmedikament mit bakteriostatischer Wirkung gegen ein weites Spektrum grampositiver und gramnegativer Bakterien. Zusätzlich wirkt das Kombinationsmedikament auch gegen bestimmte Protozoen und einige Pilzarten. Es enthält das Antibiotikum Trimethoprim und das antibiotisch wirksame Sulfonamid Sulfamethoxazol im Verhältnis eins zu fünf. Die beiden Hauptwirkstoffe des Medikaments ergänzen sich weitestgehend und greifen in den Folsäurehaushalt von Bakterien ein.

Sulfamethoxazol hemmt in seiner Eigenschaft als Sulfonamid das Enzym Folsäuresynthetase. Das Antibiotikum Trimethoprim hemmt wiederum die Dihydrofolatreduktase, ein weiteres wichtiges Enzym des Folsäure-Stoffwechsels in Bakterien. Auf diese Weise hemmen die kombinierten Wirkstoffe gleichzeitig zwei verschiedene Enzyme des Folsäurestoffwechsels, so dass die Gefahr einer Resistenzbildung durch die Doppelgleisigkeit vermindert ist.

Cotrimoxazol behindert letztlich die Synthese der Tetrahydrofolsäure, die als essenzielles Zwischenprodukt (Metabolit) für die Synthese von Purinbasen und Thymidin, Bausteinen der DNA, benötigt wird.

Eine wichtige Voraussetzung zur Kombinierung zweier oder mehrerer Wirkstoffe besteht darin, dass ihre biologischen Halbwertszeiten in etwa gleich sind. Cotrimoxazol erfüllt die Bedingung sehr gut mit Halbwertszeiten von 10 – 11 Stunden und 9 – 11 Stunden bei Trimethoprim bzw. Sulfamethoxazol im letzteren Fall.

Pharmakologische Wirkung

Pharmakologisch hat die Einnahme von Cotrimoxazol direkte und indirekte Wirkungen auf den Körper und seine Organe. Die bakteriostatischen Eigenschaften des Medikaments erstrecken sich nicht ausschließlich auf pathogene Bakterien, sondern, wegen der breitbandigen Wirkung, teilweise auch auf die normale Bakterienflora, besonders im Verdauungstrakt, so dass nicht selten reversible, aber teils gravierende Verdauungsprobleme beobachtet werden.

Die beiden Hauptwirkstoffe werden im Darm zu fast 100 Prozent resorbiert und sind biologisch verfügbar. Direkte pharmakologische Wirkungen bestehen hauptsächlich in allergischen Reaktionen, die sich beispielsweise in Hautirritationen und in seltenen Fällen in blasigen Hautschuppungen (Lyell-Syndrom) zeigen.

Die bakteriostatischen Eigenschaften von Cotrimoxazol, die auf der Hemmung der Folsäurebildung basieren, können sich auch bis zu einem gewissen Grad auf den Stoffwechsel auswirken, so dass sich eine allgemeine Blutarmut (Anämie) einstellen kann, besonders, wenn parallel noch weitere Medikamente mit ähnlichem Wirkspektrum wie Barbiturate, Schmerzmittel sowie Phenytoin oder Primidon eingenommen werden.

Weitere mittelbare Auswirkungen können sich durch die direkte Beeinflussung des Kaliumhaushalts ergeben, der Einfluss auf den Herzrhythmus und die Sensibilität sensorischer Nerven haben kann.

Medizinische Anwendung & Verwendung

Ein typisches Hauptanwendungsgebiet von Cotrimoxazol sind Entzündungen der oberen und unteren Atemwege. Ein großer Vorteil des Kombinationsmedikaments besteht darin, dass auch der Pilz Pneumocystis jirovecii, Verursacher einer interstitielle Lungenentzündung, eingedämmt werden kann. Ein weiteres Hauptanwendungsgebiet sind Infektionen der Nieren und des gesamten männlichen und weiblichen Urogenitaltraktes.

Zu den behandelbaren Krankheiten gehören auch Entzündungen der Prostata und Geschlechtskrankheiten wie Ulcus molle (Weicher Schanker) und das Lymphogranuloma inguinale, eine in den Tropen häufigere infektiöse Geschlechtskrankheit, die unter anderem zu Schwellungen der Lymphknoten im Genital- und Leistenbereich führt.

Ebenso wird Cotrimoxazol zur Behandlung von Infektionen des Magen-Darm-Trakts verwendet, einschließlich Salmonellenvergiftungen und Typhus und Paratyphus. Auch Brucellosen und Nocardiosen sowie weitere Infektionskrankheiten gehören zum Einsatzspektrum des Kombinationsmedikaments.

Die verminderte Gefahr der Resistenzbildung bei den pathogenen Keimen gestattet es, das Kombinationspräparat auch zu vorbeugenden Zwecken einzunehmen, besonders bei immunsupprimierten Personen.

Aufgrund seines breiten Einsatzspektrums nahm die Weltgesundheitsorganisation (WHO) die Arzneimittelkombination von Trimethoprim und Sulfamethoxazol bereits 1977 in die Liste der unentbehrlichen Arzneimittel auf. Zur Behandlung einer Infektion beträgt die Dosis für Erwachsene im Normalfall 2 x 960 Milligramm täglich. Die Dosis kann bis zum fünffachen gesteigert werden, wenn eine akute Pneumocystis jirovecii vorliegt. Bei Langzeittherapien und für vorbeugende Maßnahmen wird die tägliche Dosis auf 480 Milligramm reduziert.

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Risiken & Nebenwirkungen

Wie auch bei einer Behandlung mit anderen Antibiotika kann die Einnahme von Cotrimoxazol mit unerwünschten Nebenwirkungen assoziiert sein. Die häufigsten Nebenwirkungen betreffen vorübergehende Störungen des Verdauungssystems. Symptomatisch sind Übelkeit, Erbrechen und Appetitlosigkeit. In selteneren Fällen treten auch Mundschleimhautentzündungen auf. In bis zu 4 Prozent der Fälle treten Hautreaktionen wie Ausschlag und Nesselsucht auf. Stärkere Hautirritationen oder Photosensibilisierungen wurden beobachtet, sind aber selten.

Es können auch Störungen des Blutbildes in Form einer Anämie oder einer Abnahme der Leukozyten (Leukopenie) eintreten. Bei hoher Dosierung von Cotrimoxazol kann der Kaliumspiegel ansteigen und eine Hyperkaliämie auslösen, mit Symptomen wie Herzrhythmusstörungen, Muskelschwäche und Lähmungen.

Vor einer Behandlung mit dem Kombinationspräparat sollten die wichtigsten Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten berücksichtigt werden. Beispielsweise wird die Wirkung von Gerinnungshemmern aus der Stoffgruppe der 4-Hydroxycumarinen verstärkt. Bei bekannter Überempfindlichkeit gegen Sulfonamide oder bei einer hochgradigen Niereninsuffizienz ist eine Behandlung mit Cotrimoxazol kontraindiziert.

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