Cotard-Syndrom

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 16. November 2017
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Beim Cotard-Syndrom handelt es sich um eine psychische Störung. Die erkrankten Patienten leiden an der Überzeugung, tot zu sein. Die Wahnvorstellung ist beispielsweise mit dem Glauben verbunden, weder Blut noch Organe zu besitzen oder bereits zu verwesen. Das Cotard-Syndrom gehört zu den Denkstörungen und gilt als Wahn.

Inhaltsverzeichnis

Was ist das Cotard-Syndrom?

Die am Cotard-Syndrom erkrankten Personen sind davon überzeugt, nicht mehr zu existieren beziehungsweise tot zu sein. Es handelt es sich um eine wahnhafte Denkstörung. Die Krankheit tritt oftmals im Zusammenhang mit Psychosen wie Schizophrenien auf. Zudem zeigt sich die Störung in manchen Fällen bei bestimmten Schädigungen einer Hirnhälfte sowie bei Migräneanfällen.

Bei zahlreichen Patienten entwickelt sich das Cotard-Syndrom durch schwerwiegende Krankheiten des Gehirns. Die erkrankten Personen sind zum Beispiel davon überzeugt, dass sie weder eine Seele noch Organe besitzen. Die Krankheit wurde zum ersten mal durch Jules Cotard beschrieben und ist nach ihm benannt.

Ursachen

Die Ursachen des Cotard-Syndroms sind vielfältig. In zahlreichen Fällen kommt die Erkrankung in Verbindungen mit weiteren psychischen Störungen vor. Oftmals zeigt sich das Cotard-Syndrom zum Beispiel im Rahmen von Schizophrenien, Depressionen oder Psychosen. Diese Erkrankungen werden in erster Linie durch organische Schäden und Störungen des Gehirns verursacht.

Aus diesem Grund ist davon auszugehen, dass auch das Cotard-Syndrom vor allem durch Läsionen in bestimmten Bereichen des Hirns ausgelöst wird. Für den Beginn der Erkrankung sind oftmals zudem äußere Faktoren in den Lebensumständen der Patienten verantwortlich.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Das Beschwerdebild des Cotard-Syndroms weist in der Regel eindeutig auf die Krankheit hin. Aus neurologischer Perspektive ist das Cotard-Syndrom mit dem sogenannten Capgras-Syndrom verwandt. Einige Forscher gehen davon aus, dass diese psychischen Störungen durch den Verlust der Verbindung zwischen verschiedenen Bereichen des Gehirns entstehen.

Dabei sind vor allem jene Hirngegenden relevant, die Emotionen und die Gesichtserkennung miteinander verbinden. Dafür sind zum Beispiel das limbische System sowie die Amygdala verantwortlich. Wenn derartige Verbindungen verloren gehen, werden bekannte Menschen nicht mehr erkannt und rufen auch keine Gefühle der Vertrautheit hervor.

Ein ähnliches Phänomen zeigt sich auch beim eigenen Gesicht, das im Spiegel betrachtet wird. Dadurch leiden die am Cotard-Syndrom erkrankten Personen an der Überzeugung, nicht mehr zu leben. Das Cotard-Syndrom tritt in vielen Fällen zusammen mit neurologischen Erkrankungen und psychischen Störungen auf. Dabei ist es oftmals auch mit einer sogenannten Derealisation und generellen Depressionen verbunden.

Außerdem entwickeln einige Personen Symptome des Cotard-Syndroms als Nebeneffekt des Arzneimittels Aciclovir. Ärzte gehen davon aus, dass ein bestimmter Metabolit des Wirkstoffs für die Entstehung des Cotard-Syndroms verantwortlich ist. Besonders gefährdet sind Personen, die an einer Nierenschwäche leiden.

Diagnose & Krankheitsverlauf

Die Diagnose des Cotard-Syndroms wird in der Regel von einem Psychologen, Psychiater oder Neurologen gestellt. Meist sind mehrere Fachärzte an der Diagnosestellung der Krankheit beteiligt. Grundsätzlich gestaltet sich eine Diagnose des Cotard-Syndroms oft schwierig, da die Patienten nicht immer kooperieren und keine Krankheitseinsicht zeigen. Daraus ergibt sich ein oftmals langer Leidensweg, bis das Cotard-Syndrom diagnostiziert und entsprechend behandelt wird.

Vermuten Personen das Cotard-Syndrom bei sich selbst, ist zunächst der Allgemeinarzt zu kontaktieren. Dieser überweist den Patienten an einen Spezialisten für psychische Störungen und neurologische Erkrankungen. Die Anamnese wird üblicherweise von einem Psychologen durchgeführt. Dabei spielt die Erkennung weiterer Störungen bei der jeweiligen Person eine wichtige Rolle, etwa Schizophrenien oder Depressionen.

Anhand der Schilderungen des erkrankten Patienten fällt der Verdacht häufig rasch auf das Cotard-Syndrom. Neurologen untersuchen in der Regel die organischen Grundlagen der Erkrankung. Zu diesem Zweck werden beispielsweise bildgebende Verfahren des Gehirns eingesetzt. Dadurch sind Anomalien bei der Verbindung verschiedener Hirnbereiche und ungewöhnliche oder ausbleibende emotionale Reaktionen erkennbar.

Komplikationen

Das Cotard-Syndrom stellt einen sehr schwerwiegenden Zustand dar und bedarf einer dringenden ärztlichen Behandlung. In den meisten Fällen verhalten sich die Patienten gefühllos und sehr abweisend. Es ist nicht mehr möglich, bekannte Menschen oder Gesichter zuzuordnen, was mit sehr starken sozialen und psychischen Problemen verbunden ist.

Auch das eigene Gesicht wird durch den Betroffenen in der Regel nicht mehr erkannt. Durch das Denken an den eigenen Tod und die Verwesung treten starke Depressionen ein, sodass ein gewöhnlicher Alltag nicht mehr möglich ist. In den meisten Fällen weist der Patient zurück, dass er am Cotard-Syndrom leidet, was zu einer sehr langwierigen und schwierigen Behandlung führt.

Im schlimmsten Falle kommt es durch die Depressionen und den Rückzug zum Tode. Die Behandlung selbst wird durch einen Psychologen durchgeführt. Sollte der Patient gefährlich agieren, so kann die Behandlung auch in einer geschlossenen Klinik durchgeführt werden. In den meisten Fällen wird das Cotard-Syndrom mit einer Psychotherapie und Medikamenten behandelt.

Allerdings kann es mehrere Monate dauern, bis die Behandlung eine positive Wirkung zeigt. Durch das Cotard-Syndrom ist es für den Betroffenen oft nicht mehr möglich, einer geregelten Arbeit nachzugehen.

Wann sollte man zum Arzt gehen?

In der Regel muss das Cotard-Syndrom durch einen Arzt behandelt werden. Da es sich dabei um eine sehr starke und schwerwiegende psychische Störung handelt, kommt es in den meisten Fällen auch nicht zu einer Selbstheilung, sodass die Diagnose und Behandlung durch einen Arzt auf jeden Fall notwendig ist. Ein Arzt sollte dann aufgesucht werden, wenn der Betroffene überzeugt ist, dass er tot sei. Auch andere Denkstörungen können auf die Krankheit hindeuten und sollten von einem Psychologen untersucht werden.

Eine Untersuchung bei einem Arzt muss auch dann durchgeführt werden, wenn die Patienten Emotionen oder andere Gesichter aufgrund des Cotard-Syndroms nicht mehr richtig erkennen oder zuordnen können. Auch eine Nierenschwäche kann dabei auftreten, sodass dieses Organ überprüft werden sollte. Die Diagnose des Cotard-Syndroms erfolgt in der Regel durch einen Allgemeinarzt. Bei der weiteren Behandlung empfiehlt sich allerdings der Besuch einer speziellen Klinik. Ob es bei der Behandlung des Cotard-Syndroms zu einem positiven Verlauf kommt, kann nicht universell vorhergesagt werden.

Behandlung & Therapie

Bei der Therapie des Cotard-Syndroms kommen im Regelfall verschieden Methoden zum Einsatz. Einerseits erhalten die Patienten eine intensive psychotherapeutische Betreuung, in der die zu Grunde liegende Störung analysiert wird. Dabei wird auch die Lebenssituation und Vergangenheit des Patienten erörtert und aufgearbeitet wird.

Darüber hinaus werden bei manchen Personen auch Psychopharmaka verschrieben, um die organischen Faktoren für die Entstehung der Wahnvorstellungen günstig zu beeinflussen. Bei einer medikamentösen Therapie des Cotard-Syndroms werden in erster Linie Wirkstoffe aus den Gruppen der Neuroleptika und Antidepressiva eingesetzt.

Darüber hinaus weisen Erfahrungswerte darauf hin, dass sich Elektrokrampftherapien förderlich auf die Gabe von Medikamenten zur Behandlung des Cotard-Syndroms auswirken. Die Prognose des Cotard-Syndroms richtet sich meist nach Art und Ausprägung der assoziierten psychischen Störungen sowie Qualität und Verlauf der Behandlung.

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Aussicht & Prognose

Bei dem Cotard-Syndrom orientieren sich Aussicht und Prognose daran, ob weitere psychische Erkrankungen vorliegen und in welcher Intensität die Symptome des Cotard-Syndroms auftreten. In leichten Fällen können die Beschwerden durch eine psychotherapeutische Behandlung und die Gabe von Medikamenten gelindert werden. Viele Patienten sind nach dem Abschluss einer Therapie symptomfrei und haben auch kein Risiko für einen Rückfall. Leidet der Betroffene allerdings unter weiteren seelischen Beschwerden, kann das Cotard-Syndrom über Jahre bestehen bleiben.

Eine medikamentöse Behandlung verspricht zwar eine Linderung der Symptome, die psychische Verfassung des Patienten verbessert sich aber nur langsam. Tritt das Cotard-Syndrom im Rahmen einer schweren psychischen Erkrankung wie zum Beispiel Schizophrenie auf, ist die Prognose eher schlecht. Das Leiden kann zum Beispiel durch Neuroleptika und Antidepressiva reduziert werden, doch auch hier ist keine langfristige Besserung möglich, insofern die ursächliche Erkrankung nicht im Rahmen umfassender psychotherapeutischer Maßnahmen aufgearbeitet und behandelt wird.

Bei dem Cotard-Syndrom besteht ein erhöhtes Risiko, dass sich weitere seelische Leiden entwickeln. Einige Patienten werden infolge der zunehmenden Gefühllosigkeit depressiv oder leiden unter starken Stimmungsschwankungen und Ängsten.

Vorbeugung

Konkrete präventive Maßnahmen sind im Hinblick auf das Cotard-Syndrom wie bei zahlreichen anderen psychischen Störungen schwierig. Das Cotard-Syndrom tritt gehäuft in Verbindung mit Depressionen sowie Psychosen und Schizophrenien auf. Derartigen Krankheiten lässt sich ebenfalls nur bedingt vorbeugen. Oftmals ist eine genetische Komponente vorhanden, die bei ungünstigen Lebensumständen einen Ausbruch der psychischen Erkrankung fördert.

Wenngleich eine effektive Vorbeugung des Cotard-Syndroms nicht ohne Weiteres möglich ist, so bestehen doch wirksame Methoden zur Therapie. Familienangehörige oder Vertraute des Patienten tragen dazu bei, dass sich dieser so früh wie möglich in ärztliche Behandlung begibt.

Das können Sie selbst tun

Da die Störungen und Beschwerden bei dem Cotard-Syndrom sehr stark sind, ist der Erkrankte häufig nicht in der Lage, sich selbst in einem ausreichendem Maße zu helfen. Er ist auf fremde Hilfe angewiesen. Sofern es möglich ist, sollte er sich ein stabiles Umfeld aufbauen, sodass er jederzeit Unterstützung bekommt.

Das Hauptaugenmerk richtet sich bei dieser Erkrankung auf eine ausreichende Selbsthilfe der nahen Angehörigen. Diese sind gut beraten, wenn sie sich umfassend über die Symptomatik der Krankheit informieren, um sich nicht in einer plötzlichen Situation der Überforderung wiederzufinden. Da ihre Einflussnahme zur Linderung der Beschwerden nur begrenzt möglich ist, sollten sie auf eine gute Möglichkeit der Versorgung des Erkrankten konzentrieren. Damit geben sie Verantwortung ab und können sich um ihren eigenen Ausgleich bemühen. Angehörige sind aufgefordert, auf sich selbst zu achten und ihr eigenes Wohlbefinden nicht zu vernachlässigen.

Ein gutes soziales Netzwerk hilft bei der Alltagsbewältigung, da Aufgaben verteilt werden können und eine gegenseitige Unterstützung möglich ist. Die psychische Gesundheit steht bei den Angehörigen im Vordergrund. Sollten sie den Erkrankten pflegen, ist es ratsam, wenn sie in ihrer eigenen Freizeitgestaltung stressreduzierende Unternehmungen planen. Entspannungstechniken, ein gesunder Lebenswandel oder ein Austausch mit Gleichgesinnten kann das eigene Wohl stärken.

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Quellen

  • Arolt, V., Reimer, C., Dilling, H.: Basiswissen Psychiatrie und Psychotherapie. Springer, Heidelberg 2007
  • Köhler, T.: Medizin für Psychologen und Psychotherapeuten. Schattauer, Stuttgart 2014
  • Möller. H.-J., Laux, G., Deister, A., Braun-Scharm, H., Schulte-Körne, G.: Duale Reihe Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie. Thieme, Stuttgart 2013

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