Corynebacterium diphtheriae

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 31. Oktober 2016
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Das Corynebacterium diphtheriae ist ein grampositives Stäbchenbakterium, das zur Gattung der Corynebakterien gehört. Es löst die Erkrankung Diphtherie aus.

Inhaltsverzeichnis

Was ist das Corynebacterium diphtheriae?

Die Corynebakterien gehören zu den grampositiven Stäbchenbakterien. Grampositive Bakterien lassen sich in der Gram-Färbung blau anfärben. Im Gegensatz zu den gramnegativen Bakterien besitzen sie nur eine dicke Peptidoglykanschicht aus Murein und verfügen über keine zusätzliche äußere Zellwand. Corynebakterien sind unbeweglich und können keine Sporen bilden. Durch ihre angeschwollenen Zellenden besitzen die Stäbchenbakterien die Form einer Keule.

Sie haben die Fähigkeit sowohl unter anaeroben als auch unter aeroben Bedingungen zu wachsen. Das Corynebacterium diphtheriae hat einen Durchmesser von 0,5 Mikrometern. Es ist zwischen zwei und vier Mikrometern lang. Charakteristisch für diesen Bakterienstamm ist die gruppierte Anordnung, die einem V ähnelt.

Insgesamt können vier verschiedene Biotypen unterschieden werden. Die Typen gravis, belfanti, mitis und intermedius unterscheiden sich hinsichtlich der Zuckerfermentations-Reaktionen, der hämolytischen Aktivität und hinsichtlich ihrer Kolonisationsbildung.

Vorkommen, Verbreitung & Eigenschaften

Infektionen mit dem Corynebacterium diphtheriae treten weltweit auf. Die meisten Erkrankungen werden in den gemäßigten Klimazonen beobachtet. Im Herbst und im Winter kommt es vermehrt zu Infektionen. In den letzten 50 bis 70 Jahren konnte in den westlichen Industrieländern ein starker Rückgang der Infektionen mit dem Corynebacterium diphtheriae beobachtet werden. In den anderen Teilen der Welt tritt die Diphterie jedoch immer noch endemisch auf. Zu den Endemiegebieten gehören Afghanistan, Indonesien, Indien, Haiti, einige afrikanische Länder und Russland. Die letzte große deutsche Epidemie mit dem Corynebacterium diphtheriae war in den Jahren 1942 bis 1945. Seit dem Jahr 1984 werden nur noch einzelne Ansteckungsfälle dokumentiert.

Für das Corynebacterium diphtheriae ist der Mensch das einzige relevante Reservoir. Die Übertragung erfolgt bei einem Befall des Rachens durch Tröpfcheninfektion. Diese Übertragungsvariante wird auch als face-to-face-Kontakt bezeichnet. Bei der Hautdiphterie erfolgt die Infektion über direkten Kontakt. Asymptomatische Träger, sogenannte Ausscheider, übertragen den Erreger seltener als tatsächlich erkrankte Personen. Von 100 Menschen, die dem Erreger ausgesetzt sind, erkranken etwa 10 bis 20. Das entspricht einem Kontagionsindex von 0,1 bis 0,2.

Der Kontagionsindex beschreibt den Anteil der nicht-immunen Population, bei dem nach Kontakt mit dem jeweiligen Erreger der Krankheit eine Infektion auftritt. Eine Infektion durch den Kontakt mit kontaminiertem Material ist zwar theoretisch möglich, tritt aber eher selten auf. Infektionen können auch berufsbedingt im Labor auftreten. Die letzte gemeldete Laborinfektion mit dem Corynebacterium diphtheriae trat allerdings in den 1990er Jahren auf.

Die Inkubationszeit bei einer Infektion mit dem Corynebacterium diphtheriae liegt bei zwei bis fünf Tagen. In seltenen Fällen treten die ersten Symptome erst nach acht Tagen auf. Die Ansteckungsfähigkeit besteht so lange, wie der Erreger nachweisbar ist. Ohne Behandlung sind die meisten Patienten ungefähr zwei Wochen ansteckend. Selten erfolgt eine Ansteckung noch nach mehr als vier Wochen. Bei einer Behandlung mit Antibiotika besteht nur für zwei bis vier Tage eine Ansteckungsfähigkeit.

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Krankheiten & Beschwerden

Das Corynebacterium diphtheriae kann nur dann eine Diphtherie auslösen, wenn es Diphtherietoxine bilden kann. Das Exotoxin wird nur dann gebildet, wenn das Bakterium durch einen Bakteriophagen infiziert ist. Bakteriophagen sind Virusarten, die sich auf die Infizierung von Bakterien spezialisiert haben.

Bei Infektionen mit dem Corynebacterium diphtheriae in gemäßigten Klimazonen sind hauptsächlich die Atemwege betroffen. Die Primärinfektion findet vor allem im Bereich der Mandeln und des Rachens statt. Es kann aber auch eine Primärinfektion des Kehlkopfes, der Nase, der Luftröhre oder der Bronchien vorliegen.

Die Diphtherie beginnt meistens mit Halsschmerzen und Schluckbeschwerden. Die Symptome werden von Fieber bis 39°C begleitet. Später leiden die Patienten unter Heiserkeit und Lymphknotenschwellungen. Auf den Mandeln und im Rachen bildet sich ein grau-weißer Belag. Der Belag kann auch bräunlich erscheinen und wird als Pseudomembran bezeichnet. Häufig überschreitet diese Pseudomembran die Mandeln und breitet sich im Bereich des Gaumens und auf dem Zäpfchen aus.

Bei dem Versuch, die Membran mit einem Holzspatel abzuheben, entstehen punktförmige Blutungen. Diese punktförmigen Einblutungen sind ein wichtiges Diagnosekriterium, um die Diphtherie von anderen Erkrankungen des Respirationstrakts abzugrenzen. Für die Diphtherie ist auch ein süßlicher Geruch typisch. Er kann bereits in einigem Abstand wahrgenommen werden. Im Bereich des Halses treten massive Schwellungen auf. Durch sie entsteht das charakteristische Bild des Cäsarenhalses. Die Schwellung kann so stark sein, dass es zu einer Verlegung der Atemwege kommt.

Insbesondere bei der Kehlkopfdiphtherie, dem sogenannten Echten Krupp, können Erstickungsanfälle auftreten. Weitere Symptome der Kehlkopfdiphterie sind Husten und Heiserkeit. Die nasale Diphtherie ist deutlich unauffälliger. Hier zeigt sich oft nur ein leicht blutiger Ausfluss aus einem oder aus beiden Nasenlöchern.

Die bedeutendsten Komplikationen der Diphtherie sind die Erstickungsanfälle, Entzündungen des Herzmuskels und Nervenentzündungen. Solche Polyneuritiden können noch Wochen nach der eigentlichen Erkrankung auftreten. Seltenere Komplikationen sind Nierenversagen, Hirninfarkt, Gehirnentzündungen oder Lungenembolien.

Die Haut- oder Wunddiphtherie tritt überwiegend in tropischen Gebieten auf. In westlichen Ländern sind Risikogruppen wie Obdachlose oder Drogenabhängige betroffen. Anhand des klinischen Bildes lässt sich eine Hautinfektion mit dem Corynebacterium diphtheriae nicht von anderen bakteriellen Hautinfektionen abgrenzen.

Fünf bis zehn Prozent aller Diphtheriepatienten versterben trotz Behandlung. Bei einer verzögerten Behandlung oder mangelnder medizinischer Versorgung erhöht sich die Letalität auf bis zu 25 Prozent.

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