Corti-Organ

Medizinische Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher (Facharzt für innere Medizin) am 2. November 2016
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Das Corti-Organ befindet sich im Innenohr in der Cochlea und besteht aus Stützzellen und Sinneszellen, die für das Hören verantwortlich sind. Wenn eine Schallwelle die Haarsinneszellen reizt, lösen sie im nachgeschalteten Neuron ein elektrisches Signal aus, das über den Hörnerv zum Gehirn gelangt. Zu den Krankheiten, die das Corti-Organ befallen können, gehören Morbus Menière bzw. Hydrops cochleae, Altersschwerhörigkeit (Presbyakusis) und andere.

Inhaltsverzeichnis

Was ist das Corti-Organ?

Das Corti-Organ ist Teil des menschlichen Gehörsinns. Der Komplex aus Stütz- und Sinneszellen liegt im Innenohr, das hinter dem ovalen und runden Fenster liegt. Bevor der Schall das ovale Fenster erreicht, durchquert er den äußeren Gehörgang, das Trommelfell und das dahinterliegende Mittelohr.

Letzteres besteht aus der Paukenhöhle, welche die Gehörknöchelchen beinhaltet. Erreicht eine Schallwelle das Trommelfell, überträgt es die Schwingung auf die Gehörknöchelchen, die sich wiederum in einer Kettenreaktion gegenseitig anstoßen und schließlich die Membran des ovalen Fensters in Schwingung versetzen. Hinter dem ovalen Fenster beginnt die Schnecke. Sie windet sich im Innenohr und führt in Längsrichtung durch drei Gänge, die parallel zueinander verlaufen und mit Lymphe gefüllt sind. Zunächst gelangt der Schall in den Vorhofgang, der bis zur Spitze der Schnecke führt und nahtlos in den Paukengang übergeht, der zurück zum runden Fenster führt.

Zwischen den beiden legt der Schneckengang, in dem sich das Corti-Organ befindet. Es liegt über der Basilarmembran, die den Boden des Ganges bildet, und unter einer Deckmembran, die auch als Tektorialmembran bekannt ist. Seinen Namen verdankt die strukturelle und funktionelle Einheit dem italienischen Anatom Alfonso Corti, der es 1851 als Erster beschrieb. Die Fachsprache kennt es auch als Organon spirale cochleae.

Anatomie & Aufbau

Entlang des Verlaufs des Schneckengangs ziehen sich drei Reihen von äußeren Haarsinneszellen. Aus dem Zellkörper (Soma) stülpen sich haarähnliche Fortsätze aus, die in den Schneckengang ragen und Stereovilli heißen. Eine einzelne Haarsinneszelle kann 30–150 Stereovilli besitzen. Darüber hinaus verfügen sie über einen besonderen Fortsatz, die Kinozilie, von der jede Zelle höchstens eine hat.

Alle Fortsätze der äußeren Haarsinneszellen ragen in den Schneckengang und stoßen dort an die Tektorialmembran; Auslenkungen der Membran übertragen sich an die Sinneszellen und biegen die Stereovilli und Kinozilien. Über Spitzenverbindungen (tip links) stehen die Stereovilli miteinander in Kontakt; auch für die Öffnung von Poren an der Spitze der Stereovilli sind die flexiblen Verbindungen bedeutsam. Neben den drei Reihen von äußeren Haarsinneszellen zieht sich eine einzelne Reihe von inneren Haarsinneszellen durch den Schneckengang.

Die inneren Haarsinneszellen besitzen denselben Aufbau wie die äußeren, berühren die Tektorialmembran jedoch nicht. Bei den Haarsinneszellen des menschlichen Gehörs handelt es sich um sekundäre Sinneszellen, die keine eigene Nervenfaser besitzen. Bei Reizung übertragen sie deshalb ihr Signal zunächst an eine weitere Zelle (Ganglion spirale cochleae), welche die Information über ihre Nervenfaser transportiert. Zusammengenommen bilden diese Fasern den Hörnerv. Stützzellen stabilisieren die eigentlichen Sinneszellen des Corti-Organs.

Funktion & Aufgaben

Das Corti-Organ wandelt die Reizung des Gehörs mittels Schallwellen in ein Nervensignal um; diesen Vorgang bezeichnet die Physiologie als Transduktion. Der Schall breitet sich wellenförmig über die Lymphe des Vorhofgangs aus. Die Reissnersche Membran zwischen Vorhof- und Schneckengang stößt die Tektorialmembran an, welche die Bewegung ihrerseits an die Stereovilli der äußeren Haarsinneszellen des Corti-Organs überträgt. Auf diese Weise lenkt die Tektorialmembran die Stereovilli entweder in Richtung der Kinozilie aus, oder von ihr Weg.

Im Ruhezustand produziert die Haarsinneszelle ein sogenanntes Ruhepotenzial: Spontanaktivität, die zur Ausschüttung des Neurotransmitters Glutamat führt. Die abgegebene Menge ist dabei konstant. Eine Auslenkung der Stereovilli zur Kinozilie hin signalisiert der Zelle einen auditiven Reiz. Die tip links weiten die Poren der Stereovilli und erlauben dadurch Kaliumionen ins Innere der Zelle zu gelangen sowie ihre elektrische Ladung zu verändern. Infolgedessen setzt die Haarsinneszelle mehr Glutamat frei und reizt dadurch die nachfolgende Nervenzelle.

Wenn sich die Stereovilli allerdings nicht zur Kinozilie hin auslenken, sondern von ihr weg, verengen sie die Poren und weniger Kaliumionen können in die Haarsinneszelle eindringen. Dementsprechend schüttet die Zelle weniger Glutamat aus und hemmt dadurch aktiv die nachgeschaltete Nervenzelle. Auf gleiche Weise funktioniert auch die Wahrnehmung des Drehsinnesorgans in den Bogengängen, die ebenfalls zum Innenohr gehören. Den Reiz bildet dabei jedoch keine Schallwelle, sondern die Drehbewegung des Kopfes.

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Krankheiten

Zahlreiche Krankheiten können sich am Corti-Organ manifestieren; zu ihnen gehören Morbus Menière (Hydrops cochleae), Altersschwerhörigkeit (Presbyakusis) und andere. Bei Morbus Menière oder Hydrops cochleae handelt es sich um ein Krankheitsbild, bei dem das Innenohr zu viel Lymphe bildet.

Zu den typischen Symptomen zählen Schwindel, Hörminderung, Tinnitus und Druckgefühl auf den Ohren. Oft dehnt die überschüssige Lymphe die Gänge in der Schnecke und erschwert dadurch als Erstes die Wahrnehmung von tiefen Tönen. Der zusätzliche Druck auf die Haarsinneszellen kann die Stereovilli auslenken, obwohl kein akustischer Reiz vorliegt. Auch bei vorübergehendem Hydrops cochleae sind dauerhafte Schäden am Corti-Organ möglich, die zum Fortbestehen einiger oder aller Symptome führen.

Altersschwerhörigkeit (Presbyakusis) zeigt sich meist ab dem 50. Lebensjahr und äußert sich in Hörminderung bis zum Verlust der Hörfähigkeit sowie Tinnitus. Neben der natürlichen Alterung können weitere Faktoren wie Durchblutungsstörungen, Diabetes mellitus und erhöhter Blutdruck zur Entstehung und zum Schweregrad der Altersschwerhörigkeit beitragen.

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