Cor pulmonale

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 20. November 2017
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Als Cor pulmonale bezeichnet man eine Vergrößerung des rechten Herzens infolge einer Druckbelastung durch eine Lungenerkrankung. Dabei wird zwischen einer akuten und einer chronischen Form unterschieden. Hauptsymptome sind belastungsabhängige Atemnot und mangelnde Leistungsfähigkeit.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Cor pulmonale?

Der Begriff Cor pulmonale stammt aus dem Lateinischen und bedeutet soviel wie „Lungenherz“. Durch eine Drucksteigerung in der Lunge kommt es zu einem Bluthochdruck im Lungenkreislauf. Die Folge ist eine Druckbelastung des rechten Herzens, genauer gesagt der rechten Herzkammer. Es kommt zu einer Vergrößerung und Ausweitung des rechten Herzens und schlussendlich zu einer Herzinsuffizienz des rechten Herzens, also zu einer Herzschwäche.

Ursache

Die Ursache des Cor pulmonale ist ein erhöhter Widerstand im Lungenkreislauf, gegen den das rechte Herz anpumpen muss. Ein akutes Cor pulmonale wird meist durch eine Lungenembolie verursacht. Bei einer Lungenembolie wird eine Arterie der Lunge durch ein Blutgerinnsel (Thrombus) verstopft. In der Regel handelt es sich dabei um einen Thrombus aus den Bein- oder Beckenvenen.

Wird eine große Lungenarterie durch den Thrombus komplett verschlossen, kann kein Blut mehr durch dieses Gefäß fließen, sodass ein Blutstau entsteht. Dies geschieht nicht nur in der verschlossenen Arterie, sondern auch in den restlichen Lungenarterien. Diese sind zwar eigentlich funktionsfähig, werden aber sozusagen als „Ausweichstrecken“ für die verlegte Arterie genutzt und damit überbeansprucht. In der Folge staut sich das Blut bis zum rechten Herzen zurück.

Auch ein Asthmaanfall oder ein Pneumothorax, also der Kollaps eines Lungenflügels, können ein akutes Cor pulmonale verursachen. Das chronische Cor pulmonale entsteht deutlich langsamer. Häufigste Ursache ist hier eine chronisch obstruktive Lungenerkrankung (COPD). Als chronisch obstruktive Lungenerkrankung bezeichnet man verschiedene Erkrankungen die durch Husten mit Auswurf und Atemnot charakterisiert sind.

Eine typische COPD ist die chronische Bronchitis, eine chronische Entzündung der Bronchien, die vor allem langjährige Raucher betrifft. Durch die entzündlichen Prozesse in der Lunge werden die Lungengefäße stark eingeengt. Auch dies führt wieder zu einer Druckerhöhung im Lungenkreislauf und damit auch zu einer Belastung des rechten Herzens.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Auch bei den Symptomen des Cor pulmonale muss wieder zwischen der akuten und der chronischen Form unterschieden werden. Das akute Cor pulmonale entwickelt sich sehr schnell. Es kommt plötzlich zu starker Atemnot. Ohne Behandlung versagt das rechte Herz innerhalb kürzester Zeit. Die Folge ist der plötzliche Herztod.

Ein chronisches Cor pulmonale entwickelt sich über Jahre. Da das rechte Herz durch die Druckbelastung immer schwächer wird, kann es das venöse Blut aus dem Körper nicht mehr adäquat pumpen. Es kommt zu einem Rückstau in die Venen des großen Körperkreislaufs. Dadurch steigt der Druck in den Venen und Flüssigkeit wird in das umliegende Gewebe gepresst. Dieser Vorgang wird beispielsweise durch Bein- und Knöchelödeme sichtbar. Auch in den Organen staut sich das Blut.

Eine Vergrößerung von Milz und Leber kann die Folge sein. Fernerhin können infolge des Rückstaus Magen-Darm-Beschwerden auftreten. Man spricht dann zum Beispiel von einer Stauungsgastritis. Eventuell ist eine Stauung der Halsvenen sichtbar. Dadurch, dass das rechte Herz weniger Blut pumpen kann, gelang auch weniger Blut in die Lunge und folglich auch weniger sauerstoffreiches Blut in das linke Herz.

Es kommt zu einer Sauerstoffunterversorgung im Körper. Die Haut der Betroffenen kann sich blau verfärben (Zyanose). Zudem leiden die Patienten unter Atemnot. Sie sind körperlich nicht mehr stark belastbar und erschöpfen schnell.

Diagnose & Krankheitsverlauf

Bei Verdacht auf ein Cor pulmonale wird zunächst ein EKG angefertigt. Hier zeigen sich meist Herzrhythmusstörungen, teilweise ist eine absolute Arrhythmie sichtbar. Es folgen Röntgen- und Ultraschalluntersuchungen des Herzens sowie eine Messung der Sauerstoffsättigung im Blut. Als Reaktion auf den Sauerstoffmangel finden sich im Blut vermehrt rote Blutkörperchen. Dies bezeichnet man als Polyglobulie.

Eventuell können veränderte Herztöne und Herzgeräusche bei der Auskultation des Herzens diagnostiziert werden. Mithilfe einer Katheteruntersuchung kann eine Druckmessung im rechten Herzen vorgenommen werden. Da das Cor pulmonale vielmehr ein Symptom als eine eigenständige Erkrankung ist, ist die Diagnose der Grunderkrankung von großer Bedeutung. Dafür kommen Verfahren wie die Lungenfunktionsprüfung, die Spiroergometrie und Röntgen- sowie Ultraschalluntersuchungen der Lunge zum Einsatz.

Komplikationen

Ein Cor pulmonale (Lungenherz) entsteht durch verschiedene Erkrankungen der Lunge, die mit unterschiedlichen Komplikationen einhergehen können. Unbehandelt führt ein Cor pulmonale progressive zur Verschlechterung. Diese kann so in einigen Jahren zum Tode führen. Der Betroffene hat eine starke Abnahme der Lebensqualität und leidet unter einer Abnahme der Leistungsfähigkeit.

Hinzu kommen noch eine Veränderung an der Lunge und am Herzen, so dass ein Lungenversagen oder eine Herzschwäche (Herzinsuffizienz) hinzukommen. Der Patient muss zudem häufig Sauerstoff hinzuführen, was die Lebensqualität zusätzlich beeinträchtigt. Zum Beispiel entsteht das Cor pulmonale durch eine Lungenembolie. Diese geht zunächst mit Atemnot und Brustschmerz einher.

Im Verlauf kann es zu einer Entzündung des Lungenfells (Pleuritis) kommen. Auch eine Lungenentzündung ist denkbar (Pneumonie). Diese Entzündungen können sich im schlimmsten Falle über den gesamten Körper ausbreiten und so eine Sepsis auslösen, welche in einen septischen Schock übergehen kann. Auch ein Pneumothorax gilt als Ursache des Lungenherzens.

Bleibt der Kollaps der Lunge lange bestehen kann sich Wasser auf der Lunge ansammeln und so zu einem Lungenödem führen. Dies kann auch zu einer Entzündung der Lunge führen. Beim Asthma, einer weiteren möglichen Ursache, kann sich als gefürchtetste Komplikation der Status asthmaticus entwickeln. Dabei handelt es sich um einen medizinischen Notfall, der nicht so einfach mit Antiasthmatika behandelt werden kann.

Wann sollte man zum Arzt gehen?

Bei Cor pulmonale muss auf jeden Fall ein Arzt aufgesucht werden. Diese Krankheit ist lebensbedrohlich und muss auf jeden Fall behandelt werden. In der Regel sollte dann ein Arzt aufgesucht werden, wenn der Betroffene sehr plötzlich an Atemnot leidet. Auch Schmerzen im Bereich des Herzens können dabei auftreten. Hierbei sollte allerdings sofort ein Notarzt gerufen oder ein Krankenhaus aufgesucht werden. Auch Sehbeschwerden oder Schwindelgefühle können dabei auf Cor pulmonale hindeuten.

Weiterhin kann der Betroffene auch Magenbeschwerden oder Darmbeschwerden aufweisen, die ebenfalls untersucht werden sollten. Sollte sich die Haut des Patienten schon blau färben, ist auf jeden Fall eine sofortige Behandlung notwendig. Der Patient muss dabei jegliche körperlichen Belastungen vermeiden. Die Behandlung erfolgt in der Regel im Krankenhaus durch einen operativen Eingriff. Auch nach dem Eingriff sind regelmäßige Untersuchungen bei einem Kardiologen notwendig, um weitere Herzbeschwerden zu vermeiden. Auch eine dauerhafte Beatmung ist in schwerwiegenden Fällen bei Cor pulmonale notwendig.

Therapie & Behandlung

Die Therapie des Cor pulmonale erfolgt durch die Therapie der zugrunde liegenden Erkrankung. Bei der Lungenembolie werden verschiedene Medikamente zur Auflösung des Thrombus verabreicht. Eventuell muss das Gerinnsel chirurgisch entfernt werden.

Chronisch obstruktive Lungenerkrankungen werden ebenfalls überwiegend medikamentös behandelt. Sogenannte Bronchodilatatoren erweitern die Luftwege. Kortison wirkt entzündungshemmend und sogenannte Mukopharma lösen festsitzenden Schleim. Dadurch werden die Lunge und das rechte Herz entlastet. Wichtigste Maßnahme bei der Therapie der COPD und damit auch des Cor pulmonale ist absolutes Rauchverbot.

Unterstützend zur Therapie der Grunderkrankung kann mithilfe von Diuretika, Nitraten oder ACE-Hemmern der Druck im Lungenkreislauf gesenkt werden. Unter Umständen ist eine dauerhafte Sauerstoffgabe oder sogar Beatmung nötig.

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Aussicht & Prognose

Die Prognose für die Cor pulmonale ist von Medizinern sehr ungünstig beschrieben. Die chronische Erkrankung hat einen progressiven Krankheitsverlauf, der nicht zu stoppen ist. Lediglich der Fortschritt der Cor pulmonale kann beeinflusst werden. Ohne eine medizinische Behandlung steigt das Risiko eines tödlichen Verlaufs innerhalb weniger Jahre nach Ausbruch der Erkrankung. Mit einer ärztlichen Versorgung verlängert sich die Lebenszeit und zusätzlich wird die Lebensqualität erheblich verbessert.

Der Patient fühlt sich bei einer Cor pulmonale energielos, schlapp und müde. Der Organismus ist nicht in der Lage, neue Kräfte zu mobilisieren. Dies führt zu einem schleichenden Prozess des körperlichen Abbaus, der mit dem Ableben endet. Es entstehen Organveränderungen, die zu irreparablen Schäden führen. Es gibt keine Möglichkeiten, das Gewebe sowie die Funktionsfähigkeit des Organs wiederherzustellen.

Verschriebene Arzneien verbessern das Wohlbefinden und können zu einer besseren Atmung beitragen. Im schwersten Fall bleiben die Medikamente wirkungslos. Das Überleben des Patienten kann nur noch über eine Organtransplantation gesichert werden. Eine Herz-Lungen-Transplantation ist nötig, die mit vielen Risiken verbunden ist. Der Patient kann innerhalb des Krankheitsverlauf unterstützend eingreifen. Die Vermeidung eines Nikotinkonsums wirkt sich positiv auf die Atmung aus und kann vorhandene Beschwerden lindern. Eine Heilung ist dadurch jedoch nicht gewährleistet.

Vorbeugen

Beim chronischen Cor pulmonale ist die beste Prävention eine optimale Behandlung der chronisch obstruktiven Lungenerkrankung. Jegliche Schadstoffe, insbesondere das Rauchen, sollten strikt gemieden werden. Einem akuten Cor pulmonale lässt sich nur schwer vorbeugen. Allerdings sollten Patienten für die Gefahren einer Beinvenenthrombose sensibilisiert werden. Erfolgt nämlich eine frühzeitige Behandlung der Thrombose, kann eine Lungenembolie mit nachfolgendem Cor pulmonale verhindert werden.

Das können Sie selbst tun

Bei einer Cor pulmonale muss zunächst die zugrunde liegende Erkrankung behandelt werden. Liegt bereits eine Herzschwäche vor, wird der Arzt außerdem eine salzarme Kost und entwässernde Medikamente empfehlen. Mitunter werden auch Nahrungsergänzungsmittel und Digitalis verordnet. Raucher sollten den Zigarettenkonsum sofort einstellen, da den Beschwerden meist eine schwere Lungenerkrankung zugrunde liegt. Es empfiehlt sich, diese Maßnahmen gemeinsam mit dem zuständigen Arzt auszuarbeiten. Langjährige Raucher benötigen oftmals therapeutische Unterstützung beim Aufhören, können den Verzicht jedoch auch durch Nikotinpflaster und Co. erleichtern. In jedem Fall muss der Auslöser der ursächlichen Erkrankung ermittelt und umgehend behoben werden.

Sollten die Symptome dennoch bestehen bleiben, ist eine Behandlung im Krankenhaus erforderlich. Das akute Cor pulmonale stellt einen medizinischen Notfall dar, der umgehend behandelt werden muss. Ersthelfer sollten sofort den Notarzt alarmieren und den Betroffenen in die stabile Seitenlage bringen. Mitunter müssen zudem lebenserhaltende Maßnahmen durchgeführt werden. Außerdem müssen entsprechende Vorkehrungen für einen längeren Krankenhausaufenthalt getroffen werden. Langfristig muss eine Cor pulmonale also immer medizinisch behandelt werden. Alltägliche Maßnahmen wie eine gesunde Ernährung, Sport und der Verzicht auf Genussmittel können ergänzend dazu angewendet werden.

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Quellen

  • Arasteh, K., et. al.: Innere Medizin. Thieme, Stuttgart 2013
  • Bungeroth, U.: BASICS Pneumologie. Urban & Fischer, München 2010
  • Erdmann, E.: Klinische Kardiologie. Springer, Heidelberg 2011

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