Commotio spinalis

Medizinische Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher (Facharzt für innere Medizin) am 12. Mai 2017
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Die Rückenmarkserschütterung oder Commotio spinalis ist das leichteste Stadium der Rückenmarksverletzung und tritt zum Beispiel im Rahmen von Unfällen auf. Anders als bei den schwereren Formen lässt sich bei der Commotio spinalis in der radiologischen Untersuchung keine Rückenmarksläsion nachweisen. Beschwerden wie Miktionsstörungen oder Reflexausfälle klingen etwa 48 Stunden nach dem Vorfall von selbst ab.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Commotio spinalis?

Das Rückenmark zählt zum zentralen Nervensystem und spielt mit seinen Pyramidenbahnen eine wichtige Rolle für die Bewegungssteuerung des Menschen. Rückenmarkstraumata sind Schädigungen oder Verletzungen des Rückenmarks oder dessen Umgebung, die oft mit Beeinträchtigungen der Bewegungssteuerung einhergehen.

Grundsätzlich werden Rückenmarksschädigungen in drei unterschiedliche Stadien eingeteilt, die sich in ihrem Schweregrad unterscheiden. Neben der Rückenmarksquetschung (Compressio spinalis) existiert die Rückenmarksprellung (Contusio spinalis). Das leichteste Stadium der Rückenmarksverletzung ist die Rückenmarkserschütterung, die auch als Commotio spinalis bezeichnet wird.

Anders als die anderen Stadien zeichnet sich dieses Stadium der Rückenmarksverletzung durch lediglich vorübergehend vorherrschende Ausfallserscheinungen bei der neurologischen Reizübertragung, die auf eine mechanische Krafteinwirkung zurückzuführen sind.

Ursachen

Commotio spinalis hat eine physikalisch mechanische Krafteinwirkung auf die Wirbelsäule zur Ursache. In den meisten Fällen wird die Rückenmarkserschütterung von kurzfristiger und indirekter Gewalteinwirkung auf den Spinalkanal des Rückenmarks hervorgerufen. Diese Art der Gewalteinwirkung kann zum Beispiel bei einem Autounfall, einem Arbeitsunfall oder einem Sportunfall entstehen.

Entscheidend ist die zeitliche Begrenzung der Gewalteinwirkung. Bei längeren oder direkten Gewalteinwirkungen auf das Rückenmark tritt eher eine Rückenmarksprellung oder Rückenmarksquetschung auf als eine Rückenmarkserschütterung. Anders als bei den beiden anderen Stadien lässt sich bei der Rückenmarkserschütterung auf radiologische Art und Weise keine manifeste Verletzung des Rückenmarks nachweisen. Die kurze Gewalteinwirkung hat mit anderen Worten keine nachweislichen Spuren hinterlassen, sondern lässt sich lediglich anhand der Symptome vermuten.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Die genaue Symptomatik der Commotio spinalis hängt zum einen von der Schwere und zum anderen von der genauen Lokalisation der Gewalteinwirkung ab. Leichte Gewalteinwirkungen führen leitsymptomatisch zu Gefühlsstörungen, so bevorzugt im Bereich der Extremitäten.

Mittelklassige Gewalteinwirkungen können mit einer Störung der Reflexfunktion oder Miktionsstörungen einhergehen, während bei starker Gewalteinwirkung auf bestimmte Bereiche des Rückenmarks auch manifeste Lähmungserscheinungen der Extremitäten denkbar sind.

In Abgrenzung zur Rückenmarksprellung und Rückenmarksquetschung klingen alle Symptome der Rückenmarkserschütterung nach spätestens 48 Stunden von selbst wieder ab. In den meisten Fällen leiden die Betroffenen allenfalls an leichten Schmerzen. Oft weisen die Betroffenen weitere Traumata auf, da die Commotio spinalis meist die Folge eines Unfalls ist.

Diagnose & Krankheitsverlauf

Die Diagnose einer Commotio spinalis wird vom Neurologen gestellt. Wichtig ist bei der Diagnostik die Abgrenzung von anderen Stadien der Rückenmarksverletzung. Neben der Anamnese führt der Neurologe eine Reflexuntersuchung durch. Der Ausfall von reflektorisch physiologischen Bewegungen kann auf eine Rückenmarksverletzung hinweisen.

Dasselbe gilt für reflektorisch pathologische Bewegungen bei entsprechender Anamnese. Die Abgrenzung der Commotio spinalis von anderen Rückenmarksverletzungen gelingt ausschließlich über die Bildgebung. Eine radiologisch sichtbare Rückenmarksverletzung ist keine Commotio spinalis.

Falls das Rückenmark radiologisch unversehrt erscheint, aber dennoch Reflexausfälle oder ähnliche Symptome vorliegen, liegt die Diagnose der Rückenmarkserschütterung nahe. Die Prognose für Patienten mit Rückenmarkserschütterung ist günstig. Irreversible Schädigungen treten nicht ein.

Behandlung & Therapie

Die Rückenmarkserschütterung erfordert vor allem Schonung. Der Patient hält sich für die nächsten Tage idealerweise ruhig und genießt Bettruhe. Da die Symptome nach zwei Tagen abklingen, ist in der Regel keine weiterführende Behandlung erforderlich. Dieser Zusammenhang unterscheidet die Rückenmarkserschütterung von anderen Stadien der Rückenmarksverletzung.

Da der Patient auch bei einer Commotio spinalis an mehr oder weniger starken Schmerzen leiden kann, kommt neben der therapeutischen Schonung eine konservativ medikamentöse Behandlung mit Schmerzmitteln in Frage. Dieses Vorgehen ist allerdings nur indiziert, wenn tatsächlich starke Schmerzen vorliegen und die Lebensqualität des Betroffenen für die nächsten Tage deutlich von der Schmerzsymptomatik beeinträchtigt ist.

Leichter Schmerz kann grundsätzlich ein guter Indikator für das Vorherrschen und Abklingen der Erschütterung sein. Sobald die leichten Schmerzen abgeklungen sind, gibt das einen Hinweis auf die vollständige Erholung des Patienten. Nach 48 Stunden sollte die Reflexuntersuchung wiederholt werden.

Falls noch immer pathologisches Reflexverhalten vorliegt, kann eine weitere Bildgebung indiziert sein. In seltenen Fällen zeigen sich schwerere Rückenmarksverletzungen nicht in der ersten Bildgebung und entwickeln sich erst in den Tagen nach der Gewalteinwirkung zu ihrem tatsächlichen Ausmaß.

Falls die Bildgebung nach 48 Stunden noch immer keine Hinweise auf eine tatsächlich manifeste Rückenmarksverletzung gibt, neurologische Ausfälle aber bestehen geblieben sind, kann eine psychosomatische Ursache vorliegen. Der Patient wird in diesem Fall dazu angewiesen, die Unfallsituation und ihre Folgen in psychotherapeutischer Betreuung zu verarbeiten.

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Vorbeugung

Einer Commotio spinalis lässt sich nur insoweit vorbeugen, wie Gewalteinwirkungen auf das Rückenmark vorgebeugt werden kann. Da Unfälle niemals vollständig auszuschließen sind, halten sich die Vorbeugemaßnahmen in Grenzen. Nichtsdestotrotz kann ein trainierter Rücken Studien zufolge eher unversehrt mit Gewalteinwirkungen umgehen als ein untrainierter Rücken.

Aus diesem Grund kann Rückentraining oder der Besuch einer Rückenschule als vorbeugende Maßnahme im Zusammenhang mit der Commotio spinalis Sinn machen. Wer beispielsweise Probleme mit den Bandscheiben hat, ist in einer Unfallsituation für Rückenmarkserschütterungen oder gar die schwereren Stadien der Rückenmarksverletzung umso anfälliger. Aus diesem Grund gelten weitestgehend alle Bemühungen um mehr Rückengesundheit als Vorbeugemaßnahmen für Rückenmarksverletzungen.

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Quellen

  • Benninghoff/Drenckhahn: Anatomie Band 2. Urban & Fischer, München 2008
  • Klingelhöfer, J., Berthele, A.: Klinikleitfaden Neurologie. Urban & Fischer, München 2009
  • Mumenthaler, M., Mattle, H.: Neurologie. Thieme, Stuttgart 2012

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