Colles-Fraktur

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 20. November 2017
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Bei der Colles-Fraktur handelt es sich um eine Radiusfraktur, die auch als Speichenbruch bezeichnet wird. Viele Menschen versuchen, einen Sturz reflexartig durch eine ausgestreckte Hand abzufangen. Im schlimmsten Fall bricht die Speiche am Handgelenk. Es entsteht eine distale Radiusfraktur, die gleichzeitig die häufigste Frakturart der menschlichen Knochen ist.

Inhaltsverzeichnis

Was ist eine Colles-Fraktur?

Bei der Colles-Fraktur handelt es sich um einen Speichenbruch am Handgelenk. Diese distale Radiusfraktur wird auch als Extensionsfraktur bezeichnet und tritt an der typischen Bruchstelle (loco typico) am Handgelenk auf, wenn der Betroffene zuvor erfolglos versucht hat, einen Sturz durch eine ausstreckte Hand abzufangen. Die Colles-Fraktur ist die häufigste Bruchart der menschlichen Knochen. Diese Fraktur wurde nach dem irischen Chirurgen Abraham Colles (1773-1843) benannt.

Ursachen

Die Colles-Fraktur ist ein Unterarmbruch, der die Speiche nahe am Handgelenk betrifft. Ist diese gebrochen, liegt eine distale Radiusfraktur vor. Häufig sind Kinder und ältere Menschen betroffen. Kinder lassen beim Spielen oft die notwendige Vorsicht vermissen und erleiden verschiedene Sturzverletzungen. In vielen Fällen tritt ein Sturz auf den Unterarm ein, der durch die flache Hand abgefangen wird und im schlimmsten Fall einen Speichenbruch am Handgelenk versursacht.

Bei Kindern tritt diese Extensionsfraktur häufig als sogenannte Grünholzfraktur auf. In diesem Fall ist der Knochen zwar gebrochen, die Knochenhaut ist jedoch noch intakt. Ältere Menschen sind aufgrund verschiedener Ursachen anfällig für Stürze. Diese erhöhte Sturzgefahr kann auf eine altersbedingte verminderte Knochenstabilität, Osteoporose oder Herzrhythmusstörungen zurückzuführen sein.

Ein Radiusbruch kann alle Menschen unabhängig vom Alter betreffen und tritt situationsbedingt. In seltenen Fällen tritt die Colles-Fraktur in Verbindung mit einer Gelenkverrenkung der Handgelenkselle auf. Treffen diese beiden Symptome zusammen, liegt eine Galeazzi-Fraktur vor.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Das auffällige klinische Symptom der Colles-Fraktur ist die Fehlstellung der Hand, bei der das Handgelenk nach unten geneigt ist. Der Patient kann sein Handgelenk nur unter großen Schmerzen eingeschränkt bewegen. Begleitend kann eine Sensibilitätsstörung der Hand und der Finger auftreten.

Abhängig von der Stärke der Stoßeinwirkung auf die ausgestreckte Hand sind auch Verletzungen der Haut und Muskulatur durch herausragende Knochen möglich. Die Art der Radiusfraktur wird abhängig der Verletzung der Weichteile als erst- bis drittgradig offener Bruch bezeichnet. Liegt ein Bruch der Speiche vor, befinden sich die Knochen jedoch weiterhin in der richtigen Position, verursacht die Colles-Fraktur lediglich Druckschmerzen und eine Schwellung.

Diagnose & Krankheitsverlauf

Die Colles-Fraktur lässt sich durch eine Röntgenaufnahme sicher feststellen. Das betroffene Handgelenk wird in zwei Ebenen seitlich und von oben aufgenommen. Mit diesem bildgebenden Verfahren unterscheidet der Arzt die Colles-Fraktur sicher von der Smith-Fraktur und ähnlichen Brüchen. Ferner untersucht der Arzt die sichtbaren äußeren Verletzungen an dem betroffenen Handgelenk.

Er stellt das Ausmaß der Hautverletzungen fest und klärt ab, ob möglicherweise Nerven oder Gefäße beschädigt sind. Eine Überprüfung der angrenzenden Gelenke zeigt, ob eine Verrenkung (Luxation) vorliegt. Nicht zuletzt ist eine detaillierte Beschreibung des Unfallhergangs durch den Patienten behilflich. Um die passende Therapie festzulegen, klärt der Arzt, ob ein stabiler oder ein instabiler Bruch vorliegt.

Ist der Bruch stabil, sind die umliegenden Bänder nicht verletzt. In Deutschland ist die AO-Klassifikation (Arbeitsgemeinschaft für Osteosynthese), die drei verschiedene Frakturtypen A, B und C unterscheidet, bei der Diagnose behilflich. Bei Typ A liegt eine extraartikuläre Fraktur vor, die nicht bis in das Handgelenk hineinreicht. Bei der partiell intraartikulären Fraktur (Typ B) ist das Handgelenk teilweise betroffen.

Der am Radiusknochen befindliche Griffelfortsatz (Processus styloideus radii) kann angebrochen sein. Selten sind die Gelenkklippen auf der Seite des Handrückens dorsal oder auf der Seite der Hohlhand volar angebrochen. Die distale Radiusfraktur vom Typ C betrifft das komplette Handgelenk. Der dabei verursachte Bruchspalt ist T- oder Y-förmig. Der Heilungsverlauf hängt von dem Ausmaß der Fraktur ab.

Bei fachgerechter Therapie und anschließender Physiotherapie wird die Handgelenksfunktion vollständig wieder hergestellt. Nach vier bis sechs Wochen ist das betroffene Handgelenk wieder soweit funktionsfähig, das einfache Tätigkeiten ausgeführt werden können. Bei einer komplizierten Radiusfraktur kann ein halbes Jahr bis zur vollständigen Heilung vergehen.

Komplikationen

In den meisten Fällen kommt die Colles-Fraktur durch einen Bruch bei einem Aufprall zustande und führt daher zu starken Schmerzen und zu Einschränkungen im Alltag des Patienten. Das Handgelenk des Patienten ist dabei dauerhaft nur nach unten geneigt, bei der Bewegung treten sehr große Schmerzen auf. Ebenso kann es zu weiteren Störungen an der Hand kommen, die die Sensibilität betreffen.

Nach dem Sturz bildet sich meistens eine Schwellung aus. Ebenso reagiert die betroffene Stelle sehr sensibel auf Druck und kann aufgrund der dauerhaften Schmerzen auch zu Schlafstörungen und zu Konzentrationsstörungen führen. Ob die Behandlung operativ erfolgen muss oder nicht, hängt stark vom Ausmaß der Colles-Fraktur ab. In vielen Fällen kann die Behandlung auch ohne Operation erfolgen, wobei das Handgelenk und der Arm ruhig gestellt werden.

Der Arzt kann ebenso die Knochenstücke wieder an ihre ursprüngliche Form bewegen. In einigen Fällen ist dabei die Fixierung durch Schrauben und Platten aus Metall notwendig. Es kommt meistens zu keinen weiteren Komplikationen. Nach der Heilung kann der Arm wieder gewöhnlich genutzt werden und es kommt zu keinen Folgeschäden.

Wann sollte man zum Arzt gehen?

Ein Unterarmbruch muss in jedem Fall ärztlich behandelt werden. Wer nach einem Sturz eine schmerzhafte Fehlstellung der Hand bemerkt, sucht am besten umgehend das nächste Krankenhaus auf. Sollten Sensibilitätsstörungen oder gar Lähmungserscheinungen hinzukommen, liegt ein medizinischer Notfall vor – in diesem Fall sollte man sofort den Rettungsdienst einschalten. Äußerliche Verletzungen der Haut und Muskulatur sollten ebenfalls zügig behandelt werden. Bei einem offenen Bruch ist rettungsdienstliche Hilfe gefragt. Anschließend muss die Colles-Fraktur im Krankenhaus abgeklärt und behandelt werden, wobei hier entweder eine operative oder eine konservative Behandlung möglich ist.

Bei späteren Komplikationen empfiehlt sich ein Arztbesuch. Wer nach der Behandlung beispielsweise starke Schmerzen verspürt, sollte dies umgehend abklären lassen. Nach einer Operation sollte auf mögliche Nachblutungen und Entzündungen geachtet werden. Sollte es zu diesen Komplikationen kommen, ist unter Umständen ein neuerlicher Klinikaufenthalt erforderlich. Im Normalfall heilt eine Colles-Fraktur allerdings relativ beschwerdefrei aus. Ein Physiotherapeut kann die ärztliche Therapie unterstützen und somit zu einer raschen Genesung beitragen.

Behandlung & Therapie

Die Fehlstellung des Handgelenks wird beseitigt, indem die Knochenenden mit einer Reposition in ihre ursprüngliche Stellung zurückgebracht werden. Die Colles-Fraktur kann sowohl durch die konservative als auch durch die operative Reposition beseitigt werden. Weist der Patient lediglich eine einfache Radiusfraktur auf, ist das Handgelenk nicht betroffen.

In diesem Fall reicht die nicht operative Reposition aus. Dabei kommt der sogenannte Mädchenfänger zum Einsatz. Der Unterarm des Patienten wird unter [[Narkose9] an Daumen, Mittel- und Zeigefinger aufgehängt und ein Gewicht am Oberarm befestigt. Anschließend bringt der Arzt den Speichenbruch durch Druck auf die Knochenenden in die ursprüngliche Position zurück.

Ist die Gelenkstellung anatomisch und achsgerecht korrekt wiederhergestellt, stellt ein Gipsverband den betroffenen Arm ruhig. Diese konservative Therapie kommt auch bei der Grünholzfraktur zum Einsatz, wenn der Knochen zwar gebrochen, die Knochenhaut jedoch noch intakt ist. Diese Therapie eignet sich vor allem bei Kindern, da der Knochenmantel in diesem Alter noch recht weich ist und eine Verletzung eher selten vorkommt.

Liegt eine instabile Radiusfraktur vor, ist ein operativer Eingriff notwendig, da zu erwarten ist, dass sich nach der Reposition die Knochen erneut verschieben. Ein Gipsverband reicht in diesem Fall nicht aus, was bei fast allen Radiusfrakturen mit Gelenkbeteiligung der Fall ist. Die Knochenstücke werden unter örtlicher Betäubung wieder in ihre ursprüngliche Stellung zurückgebracht. Die anschließende Stabilisierung erfolgt durch die Drahtfixierung, Schraubenosteosynthese oder Metallplatten-Implantation.

Dabei wird der Bruch durch Drähte, Schrauben oder Metallplatten fixiert. Nach vier Wochen wird der Gipsverband und zwei Wochen später die Drähte, Schrauben beziehungsweise Metallplatten entfernt. Die Externer Fixateur wird der Bruch von außen durch ein Gerüst ruhiggestellt und in dem Mittelhandknochen eingebrachte Metallstifte von außen stabilisiert. Nach weiteren vier Wochen werden das Gestell und die Metallstifte wieder entfernt.

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Aussicht & Prognose

Die Prognose der Colles-Fraktur ist bedingt durch die Schwere der vorhandenen Fraktur. Je schwieriger und komplexer die Fraktur ist, desto ungünstiger ist die Aussicht auf eine Heilung.

Junge Menschen mit einer einfachen Fraktur haben eine gute Prognose. Unter der Berücksichtigung der medizinischen Vorgaben und bei der Vermeidung von intensiven Belastungen des Skelettsystems, heilt die Colles-Fraktur gut aus. Eine lebenslange Beschwerdefreiheit ist bei diesen Patienten durchaus gegeben. Der Heilungsweg der Colles-Fraktur ist individuell und kann mehrere Monate umfassen. Einige Menschen berichten noch nach Jahren von verschiedenen Beschwerden wie eine Wetterfühligkeit, obgleich sie weitestgehend beschwerdefrei ihren Alltag bestreiten können.

Bei einer komplizierten Colles-Fraktur können lebenslange Beeinträchtigungen vorhanden sein. Einschränkungen der Mobilität, eine herabgesetzte körperliche Leistungsfähigkeit oder Funktionsstörungen der Gelenke treten bei diesen Patienten vermehrt auf. Durch Fixierungen und operative Eingriffe können Korrekturen vorgenommen werden, die zu einer verbesserten Heilungsaussicht führen.

In schweren Fällen müssen künstliche Gelenke eingesetzt werden, damit eine Linderung der Beschwerden ermöglicht wird. Ebenfalls kann es zu Folgeerscheinungen kommen. Neben chronischen Gelenkbeschwerden sind Beeinträchtigungen der Muskelfasern, Sehnen oder Nervenbahnen möglich. Können durch die körperlichen Beschwerden berufliche oder sportliche Tätigkeiten nicht mehr ausgeführt werden, kann es zu Entstehung einer psychischen Störung kommen. Damit wird der Heilungsweg deutlich erschwert.

Vorbeugung

Da eine Colles-Fraktur die direkte Folge eines Sturzes auf die flache Hand ist, der in jeder Alltagssituation vorkommen kann, ist die eine Vorbeugung nicht möglich. Bei älteren Menschen sollte festgestellt werden, ob eine Osteoporose vorliegt, die das Sturzrisiko vergrößert.

Das können Sie selbst tun

Im Alltag kann der Betroffene darauf achten, dass seine Bewegungsabläufe den aktuellen Möglichkeiten angepasst werden. Ziel sollte es dabei sein, das Auftreten weiterer Beschwerden zu verhindern. Eine zu starke Belastung der gesunden Körperpartien sollte vermieden werden. Muskelbeschwerden oder Schiefhaltungen könnten sich einstellen, die weitere Schmerzen oder Schäden des Skelettsystems auslösen.

Bei einer Colles-Fraktur ist es ratsam, die betroffene Region grundsätzlich zu schonen. Dabei sollte nicht nur die Hand, sondern auch der Unterarm ruhig gehalten werden. Bewegungen des gesamten Armes sollten nicht ruckartige sondern gleichmäßig stattfinden. Erschütterungen und körperliche Anstrengungen sind zu vermeiden. Insbesondere sportliche Anstrengungen sind für die Zeit der Heilung zu minimieren oder so umzustrukturieren, dass die Hand nicht involviert ist. Um dennoch den Alltag gut bewältigen zu können, ist es hilfreich, wenn die Unterstützung eines stabilen sozialen Umfeldes vorhanden ist und in Anspruch genommen werden kann. Arbeiten sollten umverteilt werden und langsam durchgeführt werden.

Darüber hinaus ist es für den Heilungsprozess förderlich, wenn das Immunsystem ausreichend gestärkt wird. Eine vitaminreiche und ausgewogene Ernährung hat einen positiven Einfluss, damit die Beschwerden möglichst schnell abklingen. Zur Verbesserung des eigenen Wohlbefindens, sollten Aktivitäten stattfinden, die auch ohne die Nutzung der Hand Lebensfreude bringen. Dies wirkt sich förderlich auf die emotionale Gesundheit aus.

Bücher über Knochenbrüche, Verletzungen & Unfälle

Quellen

  • Debrunner, A.M.: Orthopädie/Orthopädische Chirurgie. Huber, Bern, 2005
  • Krämer, J., Grifka, J.: Orthopädie, Unfallchirurgie. Springer, Berlin 2013
  • Zilles, K. et al.: Anatomie. Springer Medizin Verlag Heidelberg 2010

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