Cluster-Kopfschmerz

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 13. November 2017
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Cluster-Kopfschmerz ist charakterisiert durch periodisch auftretende einseitige Schmerzattacken schwerster Intensität im Bereich der Schläfen und Augen, von welchen in erster Linie junge Männer betroffen sind. Aufgrund der bisher ungeklärten Ätiologie von Cluster-Kopfschmerz existieren keine kausalen Therapien (auf die Ursachen zielende Therapie). Allerdings kann bei frühzeitigem Therapiebeginn ein Cluster-Kopfschmerz medikamentös gut behandelt werden.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Cluster-Kopfschmerz?

Als Cluster-Kopfschmerz wird ein arealabhängiger Schmerzzustand bezeichnet, der mit schwersten halbseitigen Schmerzattacken im Bereich der Schläfen und Augen einhergeht. Die Schmerzattacken treten gebündelt (in Clustern) bis zu achtmal täglich auf und können unbehandelt 15 bis 180 Minuten andauern.

In 80 Prozent der Fälle wechseln sich die periodisch auftretenden Schmerzattacken (z.T. über Wochen bis Monate) mit monate- bis jahrelangen symptomfreien Intervallen ab (episodischer Cluster-Kopfschmerz). Bei 20 Prozent der Fälle liegt hingegen ein chronischer Cluster-Kopfschmerz vor, der durch über ein Jahr andauernde Schmerzattacken ohne Remissionsphasen (beschwerdefreie Phasen von mindestens vier Wochen) gekennzeichnet ist.

Ursachen

Die Ursachen von Cluster-Kopfschmerz sind nicht genau geklärt. Da die Attacken gehäuft im Frühjahr und Herbst (meteorologische Übergangsphasen) auftreten, werden Störungen des Biorhythmus als mögliche Ursachen vermutet.

Da darüber hinaus die Attacken bei Cluster-Kopfschmerz gehäuft zur selben Tageszeit auftreten, werden Fehlregulationen in denjenigen Hirnarealen vermutet, die unter anderem den Schlaf-Wach-Rhythmus regeln (Hypothalamus).

Daneben werden genetische Ursachen für Cluster-Kopfschmerz angenommen, wenngleich bisher kein einzelnes für die Erkrankung verantwortliches Gen identifiziert werden konnte. Die Wahrscheinlichkeit für Cluster-Kopfschmerz ist allerdings stark erhöht (um das 18-fache), wenn ein Verwandter ersten Grades die Erkrankung aufweist.

Ferner können spezifische Triggerfaktoren wie Alkohol- und Nikotinkonsum, helles oder flackerndes Licht, Höhenluft, physische Anstrengung sowie bestimmte gefäßerweiternde Wirkstoffe (Histamin, Nitrate) Attacken von Cluster-Kopfschmerz auslösen.

Typische Symptome & Anzeichen

  • halbseitig auftretende, bohrende oder schneidende Kopfschmerzen
  • Kopfschmerzen können plötzlichen bzw in Attacken-Form vorkommen
  • die Dauer beträgt ca 15 Minuten bis 3 Stunden, meist mehrmals täglich
  • Tränende Augen
  • Schwitzen
  • laufende Nase
  • Bewegungsdrang

Diagnose & Verlauf

Infogramm zu den Ursachen und Symptomen bei Migräne und Kopfschmerzen. Bild anklicken, um zu vergrößern.

Cluster-Kopfschmerz wird anhand der typischen Symptome diagnostiziert. Wird neben den charakteristischen Schmerzattacken eine Rötung des Auges und des Gesichts, Hyperhidrose (übermäßiges Schwitzen), Rhinorrhoe (Nasensekretion), Lakrimation (Tränenfluss), Miosis (Pupillenverengung), Ptosis (herabhängendes Oberlid), ein Lidödem (Augenlidschwellung) oder Bewegungsunruhe während der Attacken festgestellt, kann von einem Cluster-Kopfschmerz ausgegangen werden.

Zur Absicherung und Differentialdiagnostik dienen ein Nitroglyzerintest (Abgrenzung zu Migräne oder Trigeminusneuralgie) sowie neurologische und bildgebende Verfahren (Ausschluss von Tumoren als Beschwerdeursache). Zusätzlich sollte durch eine Augenuntersuchung ein Glaukomanfall (Grüner Star), der einem Cluster-Kopfschmerz ähnelt, ausgeschlossen werden.

Cluster-Kopfschmerz weist in der Regel einen chronisch-rezidivierenden Verlauf auf, bei welchem sich beschwerdefreie Intervalle auch nach Jahren noch mit Phasen abwechseln, die von Schmerzattacken dominiert werden. Jedoch lässt Cluster-Kopfschmerz mit zunehmenden Alter in Bezug auf Intensität und Häufigkeit der Attacken nach.

Komplikationen

Bei einem Cluster-Kopfschmerz tritt ein sehr unangenehmer Kopfschmerz beim Patienten auf. In der Regel kann sich der Betroffene beim Cluster-Kopfschmerz nicht mehr konzentrieren und nicht mehr klar denken. Die Schmerzen können sich auch in die Zähne, Ohren und den Nacken verteilen und auch an diesen Stellen zu starken Schmerzen führen.

Durch den Cluster-Kopfschmerz ist gewöhnliches Arbeiten nicht mehr möglich, sodass der Alltag des Patienten durch diese Attacken stark eingeschränkt wird. Dies kann sich auch negativ auf die sozialen Kontakte auswirken, wenn sich der Patient zurückzieht oder durch den Cluster-Kopfschmerz eine leicht aggressive Stimmung beim Betroffenen entsteht.

Oft kommt es bei diesen Kopfschmerzen zu einem Schwitzen, Übelkeit und Erbrechen. Durch die starken Schmerzen herrscht auch eine körperliche Unruhe, bis sogar Panikattacken auslösen kann. Die Augen werden gerötet und gereizt. In den meisten Fällen verschwinden die Cluster-Kopfschmerzen von selbst innerhalb weniger Minuten.

Der Patient kann in dieser Zeit allerdings nicht arbeiten und keine starken körperlichen Tätigkeiten ausführen. Die Behandlung selbst erfolgt meist mit Schmerzmitteln oder durch die gezielte Zugabe von Sauerstoff. Falls die Schmerzen nur temporär auftreten, kommt es dabei zu keinen weiteren Komplikationen. In der Regel gibt es allerdings eine andere Ursache für den Cluster-Kopfschmerz, sodass es hier zu unvorhersehbaren Komplikationen und anderen Beschwerden kommen kann.

Wann sollte man zum Arzt gehen?

Kopfschmerzen, die über mehrere Tage anhalten oder in ihrer Intensität sehr stark sind, sollten grundsätzlich von einem Arzt untersucht werden. Ein Arztbesuch ist ebenfalls zu empfehlen, wenn sich die Schmerzen ausbreiten oder weitere Beschwerden auftreten. Bei Cluster-Kopfschmerzen kann es zu Beeinträchtigungen weiterer Sinnesmodalitäten kommen. Sehen oder Hören ist oftmals eingeschränkt.

Um die genaue Ursache zu ermitteln, ist ein Arzt aufzusuchen. Führen die einseitigen Schmerzen zu einer verminderten Leistungsfähigkeit oder Einschränkung bei der Bewältigung alltäglicher Aufgaben, ist ein Arzt zu konsultieren. Vor der Einnahme von Schmerzmedikamenten sollte grundsätzlich die Rücksprache mit einem Mediziner erfolgen. Kommt es wiederholt zu Schlafstörungen, tritt Fieber auf oder setzen Aufmerksamkeitsprobleme ein, ist ein Arzt aufzusuchen. Wird durch die Kopfschmerzen eine Fehlhaltung des Kopfes ausgelöst, können Muskelverspannungen oder Verhärtungen der Muskeln im Nacken-, Schulter- sowie Rückenbereich ausgelöst werden.

Damit das Skelett- und Muskelsystem nicht erkrankt, sollten die Beschwerden ärztlich abgeklärt und behandelt werden. Kommt es aufgrund der Kopfschmerzen zu einer verminderten Nahrungsmittelzufuhr, muss ein Arzt aufgesucht werden, wenn eine ungewollte Gewichtsabnahme eintritt oder ein Gefühl der inneren Trockenheit auftritt. Ein Arztbesuch ist darüber hinaus nötig, wenn sich psychische oder emotionale Probleme einstellen und der Betroffene die Belastungen als sehr störend und beeinträchtigend empfindet.

Behandlung & Therapie

Die Therapie von Cluster-Kopfschmerz zielt zum einen auf die Schmerzlinderung während der Attacken (Akuttherapie) und zum anderen auf die Vermeidung weiterer Attacken (prophylaktische Therapie oder Intervalltherapie). Während bei einem akuten Cluster-Kopfschmerz die herkömmliche Schmerzmedikation nicht oder lediglich unzureichend hilft, verschafft die Inhalation von 100-prozentigem Sauerstoff in der Regel nach wenigen Minuten eine Schmerzlinderung.

In manchen Fällen wird Sumatriptan (subkutane Selbstinjektion) oder Zolmitriptan (Nasenspray) zur Behandlung von akuten Cluster-Kopfschmerz-Attacken angewandt. Diese beiden zur Gruppe der Triptane gehörenden Wirkstoffe unterdrücken u.a. die Schmerzwahrnehmung und blockieren die Freisetzung der schmerzvermittelnden Neuropeptide. Daneben kommen im schmerzfreien Intervall bei episodischem Cluster-Kopfschmerz neben Verapamil auch Lithium, Glucocorticoide oder Methysergid prophylaktisch zum Einsatz (Intervalltherapie).

Bei chronischem Cluster-Kopfschmerz wird Verapamil oder Lithium im Rahmen einer Langzeittherapie eingesetzt. Eine neuere Methode stellt die sogenannte Tiefenhirnstimulation durch einen Hirnschrittmacher dar. Bei diesem als Neuromodulation bezeichneten Verfahren werden den Betroffenen operativ Elektroden in den Hypothalamus eingesetzt, die die Nervensignale in diesem Hirnareal durch entsprechende elektrische Reize modifizieren.

Dieses vielversprechende Verfahren, für das bisher keine Langzeitergebnisse vorliegen, wird jedoch nur angewandt, wenn eine medikamentöse Therapie wirkungslos geblieben ist oder bei chronischem Cluster-Kopfschmerz mit sehr schwerem Verlauf.

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Aussicht & Prognose

Der Krankheitsverlauf der Cluster-Kopfschmerzen ist chronisch-rezidivierend und wird unterschieden in einen chronischen und episodischen Verlauf. Zwischen den Phasen der Schmerzattacken kommt es zu einer vollständige Beschwerdefreiheit. Ungefähr 80% der Patienten weisen einen episodischen Verlauf auf. In einigen Fällen kommt es zu einem Übergang von episodisch zu sporadisch. In den Jahreszeiten Frühjahr und Herbst steigt die Zahl der betroffenen Patienten deutlich an. Betroffene berichten von immer gleichen Tageszeiten, zu denen sie unter den starken Schmerzen leiden. Meist stellen sie sich in den Morgenstunden oder unmittelbar nach dem Einschlafen ein.

Neben den benannten wiederkehrenden Eigenschaften des Cluster-Kopfschmerz kann es bei einem episodischen Verlauf zu langen Pausen zwischen den Schmerzattacken kommen. Oftmals sind Patienten über Jahre beschwerdefrei, bis anschließend eine neue Phase mit Cluster-Kopfschmerzen auftritt. Der episodische Cluster-Kopfschmerz dauert für einige Wochen oder Monate an, bis er anschließend vollständig verschwindet.

Bei einem chronischen Krankheitsverlauf dauern die Schmerzattacken über ein Jahr an, bis es zu einer Zeit der Beschwerdefreiheit kommt. Hier sind die Intervalle bis zum nächsten Auftreten auf wenige Wochen begrenzt. Eine dauerhafte Spontanheilung des Cluster-Kopfschmerzes ist bei beiden Verläufen jederzeit möglich. In den Phasen der Schmerzperioden werden durch Medikamente die Beschwerden reduziert. Bei Kenntnis des individuellen Auslösers kann dieser selbst vermieden werden.

Vorbeugung

Da die Ursachen von Cluster-Schmerz nicht geklärt sind, existieren keine vorbeugenden Maßnahmen. Allerdings sollten Triggerfaktoren wie histamin- und tyraminhaltige Stoffe (u.a. enthalten in Alkohol, Nüssen, Käse, Schokolade, Tomaten, Zitrusfrüchten) sowie grelles oder flackerndes Licht, Höhenluft und Nikotinkonsum zur Vorbeugung einer Cluster-Kopfschmerz-Attacke gemieden werden.

Das können Sie selbst tun

Cluster-Kopfschmerzen können nur in wenigen Fällen vollständig kuriert werden. Allerdings gibt es eine Reihe von Strategien, die den Umgang mit der Krankheit erleichtern. Da die Kopfschmerz-Attacken häufig durch sogenannte Trigger ausgelöst werden, empfiehlt sich in erster Linie ein umsichtiger Umgang mit den Symptomen.

Kommt es nach dem Konsum von Alkohol zu Kopfschmerzen? Oder treten die Beschwerden nach der Einnahme von Medikamenten, Nahrungsergänzungsmitteln oder bestimmten Lebensmitteln auf? Betroffene sollten diese Fragen mit Hilfe eines Krankentagebuchs beantworten. Anschließend können entsprechende Vorkehrungen getroffen werden, um weitere Anfälle zu verhindern oder zumindest die Symptome zu lindern. Typische Auslösefaktoren sind auch Lärm, flackerndes Licht, extreme Hitze oder Höhenveränderungen – diese sollten unbedingt vermieden werden.

Sollten die Cluster-Kopfschmerzen trotz aller Maßnahmen nicht zurückgehen, ist therapeutischer Rat gefragt. Begleitend dazu können akute Attacken durch Sport, Meditation oder autogenes Training gelindert werden. Durch eine konstante Beobachtung der Auslöser und wirksamer Gegenmaßnahmen können die Beschwerden auf lange Sicht zumindest reduziert werden. Manchmal können Cluster-Kopfschmerzen jedoch auch durch einfache Medikamente gelindert werden, weshalb Betroffene in jedem Fall Rücksprache mit einem Arzt halten sollten.

Bücher über Kopfschmerzen

Quellen

  • Diener, H.-C., et al.: Leitlinien für Diagnostik und Therapie in der Neurologie. Thieme, Stuttgart 2012
  • Grehl, H., Reinhardt, F.: Checkliste Neurologie. Thieme, Stuttgart 2012
  • Pschyrembel: Klinisches Wörterbuch. 266. Auflage. De Gruyter, Berlin 2015

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