Clostridien

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 31. Oktober 2016
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Clostridien sind Bakterien, die eine eigene Familie bilden. Sie verursachen unterschiedliche Erkrankungen, die meist mit Antibiotika behandelt werden. Andere Therapieansätze, die dauerhaften Erfolg versprechen, sind die Umstellung der Ernährungsweise und die Zufuhr von Prä- und Probiotika.

Inhaltsverzeichnis

Was sind Clostridien?

Clostridien sind gram-positive anaerob lebende Stäbchenbakterien, die - je nachdem, um welches Clostridium-Bakterium es sich handelt - unterschiedliche Erkrankungen bei Mensch und Tier verursachen können. Clostridium difficile beispielsweise ist in geringerer Anzahl (etwa 5%) im Darm eines jeden gesunden Erwachsenen vorhanden, ohne Probleme zu verursachen. Werden jedoch durch die Einnahme von Antibiotika, wie Erythromycin und Clindamycin gegen eine andere Erkrankung, die gesundheitsfördernden Darmbakterien abgetötet, vermehren sich die Clostridien rasch. Sie sind gegen viele Antibiotika resistent.

Die meisten Clostridien-Arten verursachen Erkrankungen. Die nicht pathogenen Arten werden heutzutage in der Biotechnologie genutzt. Entsprechend ihrer Ernährungsweise werden die Stäbchenbakterien in drei Gruppen kategorisiert: Die proteolytischen Clostridien bauen Eiweiße ab, Clostridium acidi-urici beispielsweise spaltet Harnsäure. Die saccharolytischen Bakterien vergären Kohlenhydrate wie Stärke, Zellulose und Zucker zu Aceton, Buttersäure, Kohlendioxid und molekularem Wasserstoff (H2).

Besonders gefährdet durch Clortridien sind Krankenhauspatienten, Menschen über 65 Jahre, immungeschwächte Personen (HIV-Patienten, Krebspatienten, die Zytostatika erhalten), Patienten, die Protonenpumpenhemmer (PPI) einnehmen und Menschen, die wegen langjähriger Fehlernährung (zu viele Kohlenhydrate, Fette, tierische Eiweiße) eine gestörte Darmflora haben.

Vorkommen, Verbreitung & Eigenschaften

Clostridien kommen zu etwa 5% im Darm gesunder Erwachsener vor, ohne Schaden anzurichten. Bei Säuglingen beträgt der Anteil der Stäbchenbakterien verglichen mit dem anderer Darmbakterien sogar ca. 80%. In Form von Sporen können die Clostridien viele Jahre im Boden und im oberflächennahen Wasser überleben. Außer Clostridium perfringens verfügen alle Clostridien-Arten über eine Geißel, mit deren Hilfe sich die anaeroben, gram-positiven Bakterien fortbewegen können. Die Bakterien reagieren empfindlich auf Hitze, Trockenheit und bestimmte Chemikalien (Desinfektionsmittel). Die Sporen sind jedoch unempfindlich gegen Hitze und können so auch hohe Sterilisationstemperaturen, etwa bei der Herstellung von Lebensmitteln, unbeschadet überstehen. Sie geraten durch Verunreinigung mit Staub und Erde in die Lebensmittel, verderben sie und blähen zB Konservendosen stark auf.

Da die Clostridien Sporen im Gegensatz zu den Bakterien in sauerstoffreicher Umgebung gut überleben können, besiedeln sie Türklinken, WC-Sitze, Handtücher etc. und können bei Menschen immer wieder neue Darmerkrankungen verursachen. Über, nach dem Stuhlgang, unzureichend gewaschene Hände werden sie von Mensch zu Mensch übertragen. Dazu reichen schon geringe Mengen Bakterien bzw. Sporen aus. Andere Clostridien-Arten wie beispielsweise Clostridium botulinum sind schon nach 30-minütigem Erhitzen bei 80 Grad Celsius inaktiv.

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Krankheiten & Beschwerden

Clostridium difficile verursacht bei Krankenhauspatienten schweren ansteckenden Durchfall: Die Bakterien bilden die Gifte Enterotoxin A und B, die die Dickdarmwände angreifen und zur Ausbildung von Pseudomembranen führen. Dadurch kommt es zur erhöhten Ausscheidung von Elektrolyten und Flüssigkeit aus dem Darm. Diese Form der meldepflichtigen Colitis wird in der Regel durch die Einnahme von Antibiotika verursacht, die einen Großteil der gesunden Darmflora abtöten.

Erste Anzeichen sind schon 4 bis 9 Tage nach der ersten Antibiotika-Einnahme zu erkennen: Durchfälle, Bauchkrämpfe, Übelkeit, in schweren Fällen auch Fieber und blutiger Stuhlgang mit fauligem Geruch.

Bei den hospitalisierten Erkrankten kommt es schlimmstenfalls zu Dickdarmerweiterung, Darmverschluss, Darmwandrissen und Blutvergiftung. Eine besonders virulente Clostridium difficile-Variante, Ribotyp O27, konnte vor kurzem auch in Deutschland festgestellt werden. Sie verursacht oft tödlich verlaufende Darminfektionen.

Die antibiotika-induzierte Colitis kann gut mit Metronidazol oder Vancomycin behandelt werden. Infusionen gleichen den durch die Durchfälle gestörten Elektrolythaushalt wieder aus. Außerdem müssen die Patienten viel trinken.

Naturheilkundlich wird die Darminfektion mit Prä- und Probiotika therapiert. In seltenen Fällen verschwindet die Colitis auch von allein wieder. Bei insgesamt 6 von 10 Patienten bestehen gute Chancen auf völlige Heilung. Nach dem Abklingen der Symptome scheiden sie noch einige Tage Clostridium-Erreger über den Stuhlgang aus. Ob ein Patient eine Infektion mit Clostrium difficile hat, ergeben der Stuhl-Schnelltest oder eine Anzucht von Bakterien aus dem Stuhl des Kranken.

Clostridium botulinum scheidet Botulinumtoxin (Botox) aus, ein Nervengift, das in der Schönheitschirurgie zur Faltenunterspritzung eingesetzt wird. Clostridium tetani verursacht Tetanus (Wundstarrkrampf). Clostridium perfringens löst Lebensmittelvergiftung Typ A und Gasbrand aus. Andere Stäbchenbakterien der Clostridien Familie sind für andere Gasbrand-Arten, Rauschbrand (bei Schafen und Rindern), Brandsot und Labmagen-Pararauschbrand verantwortlich. Clostridium perfringens beispielsweise scheidet die Enzyme Phospholipase und Lecithinase aus, die die Zellwände zerstören. Es ernährt sich von Fetten und Eiweißen, die es in Schwefelwasserstoff, biogene Amine und andere Substanzen verstoffwechselt. Die biogenen Amine gelten als Verursacher von Dickdarmkrebs. Zur Behandlung erhält der Patient Metronidazol und gegen den Durchfall zB Kohletabletten. Heilerde (Bentonit) und Kohletabletten können die Toxine binden, sodass sie über den Stuhlgang ausgeschieden werden. Außerdem empfiehlt es sich, die gesunde Darmflora wieder aufzubauen.


Da alle Clostridium-Arten und ihre Sporen hochgradig ansteckend sind, werden infizierte Krankenhauspatienten sofort isoliert. Sie verbleiben dort bis zu drei Tage, nachdem ihre Infektion ausgeheilt ist. Die Übertragung der Sporen ist nur durch häufiges Händewaschen mit Wasser und Seife zu verhindern. Danach sollten die Hände gut abgetrocknet werden. Alkoholische Händedesinfektion ist wirkungslos. Zur Flächen-Desinfektion eignen sich Natrium-Hypochlorit und Peressigsäure.

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