Clofibrat

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 2. Juni 2017
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Clofibrat ist ein Abkömmling der Clofibrinsäure und gehört neben den Statinen und Nikotinsäuren zur Wirkstoffgruppe der Lipidsenker. Clofibrat senkt vor allem einen erhöhten Plasmaspiegel der Triglyceride, der cholesterinsenkende Effekt ist weniger ausgeprägt.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Clofibrat?

Clofibrat (chemischer Name: Ethyl-2-(4-chlorphenoxy)-2-methylpropanoat) gehört zur Gruppe der Fibrate, einer Gruppe von Arzneistoffen, die vor allem zur medikamentösen Therapie von erhöhten Blutfetten angewandt wird. Im Gegensatz zu Statinen, welche zur Behandlung von erhöhten Cholesterinwerten verwendet werden, werden Fibrate zusätzlich auch bei erhöhten Triglyceriden verwendet. Hier liegt auch der Haupteffekt der Fibrate. Somit ist es ein wichtiges Medikament zur Behandlung gestörter Blutfette und zur Vorbeugung kardiovaskulärer Erkrankungen.

Bei Clofibrat handelt es sich um ein weißes, kristallines, unlösliches Pulver, welches in Form von Tabletten oder Kapseln täglich eingenommen wird. Abgebaut wird Clofibrat indem es zunächst zur Clofibrinsäure umgebaut wird und dann über die Nieren ausgeschieden wir, weswegen die Dosis bei Nierenschädigungen angepasst werden muss.

Aufgrund der verstärkten Nebenwirkungen ist Clofibrat mittlerweile nur noch selten im Einsatz und in Deutschland nicht mehr im Handel erhältlich.

Pharmakologische Wirkung auf Körper & Organe

Clofibrat reduziert den Plasmaspiegel der Triglyceride. Der genaue Wirkungsmechanismus ist dabei noch nicht ganz genau erklärt. Als wahrscheinlich gilt, dass Clofibrat den sogenannten PPARα (Peroxisom-Proliferator aktivierte Rezeptor) aktiviert. Dabei handelt es sich um ein Protein, welches bei Aktivierung an die DNA bindet und damit zum verstärkten Abbau von LDL-Cholesterin (10 - 25 %) sowie zu einem Anstieg des HDL-Cholesterins (ca. 10 %) führt. LDL ist das umgangssprachlich "schlechte" Cholesterin, was sich gerne an die Gefäßwände ablagert und so zur Atherosklerose führt. Währenddessen ist das HDL das sogenannte "gute" Cholesterin, was zur Leber transportiert wird und dort abgebaut wird.

Eine weitere Wirkung des Clofibrats ist die gestörte Bildung von Cholesterin in der Leber, sowie eine verminderte Freisetzung des VLDL aus der Leber. VLDL transportiert, ähnlich wie das LDL, in der Leber gebildetes Cholesterin von der Leber in andere Organe, dabei besteht es im Gegensatz zum LDL mehr aus Triglyceriden und ist damit an atherosklerotischen Prozessen beteiligt.

Zudem verstärkt Clofibrat die Aktivität des Enzyms Lipoproteinlipase, welches wichtig zum Abbau von Triglyceriden ist. Ähnlich den Statinen werden auch unter Clofibrat pleiotrope Wirkungen beobachtet, das heißt, es werden auf verschiedene Zielstrukturen verschiedene Wirkungen hervorgerufen. Dazu gehören eine verminderte Bildung entzündlicher Eiweiße sowie eine verbesserte Gefäßwandfunktion und die entzündliche Veränderung dieser aufgrund atherosklerotischer Prozesse.

Eine negative Wirkung des Clofibrats ist die vermehrte Ausscheidung von Cholesterin in die Galle, wodurch es zum erhöhten Risiko von cholesterinhaltigen Gallensteinen kommt.

Medizinische Anwendung & Verwendung zur Behandlung & Vorbeugung

Clofibrat sowie andere Fibrate kommen vor allem bei primärer familiärer Hypertriglyceridämie zum Einsatz. Dabei handelt es sich um eine Stoffwechselstörung, bei der es zu unphysiologisch hohen Mengen an Triglyceriden im Blut kommt. Sie heißt deswegen 'primär familiär', da es sich um einen angeborenen Überschuss an Triglyceriden handelt. Meist ist die Ursache dabei ein Defekt eines Enzyms, welches zum Abbau von Triglyceriden wichtig ist.

Aber auch neben der familiären Form der Hypertriglyceridämie, wird Clofibrat bei der sekundären Form angewendet, das heißt bei der erworbenen Form. Diese kann verschiedene Ursachen haben, wie zum Beispiel fehlerhafte Ernährung (Adipositas, Anorexie), Stoffwechselstörungen (beispielsweise Diabetes mellitus), sowie Nierenerkrankungen wie das Nephrotische Syndrom oder Nierenversagen.

Auch eine Fehlanwendung von Medikamenten kann Ursache einer sekundären Hypertriglyceridämie sein und damit eine Indikation für Lipidsenker darstellen. Solche Medikamente, die einen erhöhten Plasmaspiegel an Blutfetten verursachen, sind beispielsweise Betablocker, Cortison oder einige Hormone.

Clofibrat kann auch beim sogenannten Metabolischen Syndrom angewendet werden, was auch "Syndrom X" oder das "tödliche Quartett" genannt wird. Dabei handelt es sich um eine gefährliche Kombination eines gestörten Zuckerstoffwechsels, einem erhöhten Blutdruck, einem erhöhten Anteil an Triglyceriden bei gleichzeitigem Vorhandenseins eines erniedrigten HDL-Cholesterins sowie einer starken Adipositas.

Clofibrat ist ein weißliches, kristallines Pulver, das der Patient in Form von Tabletten und Kapseln mehrmals täglich einnehmen muss. Da es aber aufgrund von verstärkten Nebenwirkungen in Deutschland aus dem Handel genommen wurde, werden eher andere Fibrate wie Bezafibrat oder Fenofibrat verschrieben, welche ebenfalls (wie Clofibrat) Abkömmlinge der Clofibrinsäure sind.

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Risiken & Nebenwirkungen

Clofibrat hat ein breites Spektrum an Nebenwirkungen. Zu unspezifischen Nebenwirkungen gehören unter anderem allergische Reaktionen gegen das Medikament, die durch Schwellungen, Atembeschwerden und Nesselausbildung gekennzeichnet sind.

Weitere Nebenwirkungen sind beispielsweise Fieber und Schüttelfrost, grippeähnliches Gefühl, Anschwellung von Beine und Knöchel, sowie Gelenkschmerzen, Impotenz, Kopfschmerzen, Schwindel und Benommenheit und plötzliche Gewichtszunahme.

Spezifischere Nebenwirkungen, die typisch für eine Therapie mit Fibraten sind, sind Muskelkrämpfe, Muskelschmerzen und Muskelschwäche aufgrund einer Rhabdomyolyse (zu deutsch: Muskelzerfall). Deswegen sollte eine Kombinationstherapie mit Statinen gut überdacht und kontrolliert werden, da diese ebenfalls einen Muskelzerfall verursachen.

Des Weiteren verursacht Clofibrat Magen-Darm-Probleme wie Übelkeit, Erbrechen und Durchfall. Clofibrat erhöht außerdem das Risiko für Gallensteine. Auf keinen Fall sollte Clofibrat bei Leber- und Gallenblasenerkrankungen eingenommen werden sowie bei Nierenschwäche, Schwangerschaft und während der Stillzeit.

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