Chronische lymphatische Leukämie

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 24. November 2017
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Eine chronische lymphatische Leukämie (CLL) ist eine bösartige Erkrankung des lymphatischen Systems, die mit einer vermehrten Synthese von nicht funktionsfähigen Lymphozyten einhergeht. Hierbei stellt die chronische lymphatische Leukämie mit über 30 Prozent die häufigste Leukämieform im erwachsenen Alter, insbesondere ab dem 70. Lebensjahr dar.

Inhaltsverzeichnis

Was ist chronische lymphatische Leukämie?

Als chronische lymphatische Leukämie (CLL) wird eine niedrigmaligne Erkrankung des lymphatischen Systems (B-Zell-Non-Hodgkin-Lymphom) mit leukämischem Verlauf bezeichnet, die auf eine klonale Zellproliferation der Lymphozyten (weißen Blutkörperchen) zurückzuführen ist.

Eine chronische lymphatische Leukämie manifestiert sich unter anderem anhand von Lymphknotenschwellungen, einer Vergrößerung von Milz und Leber, Müdigkeit und Schwäche, Blutarmut, Thrombopenie (erniedrigte Blutblättchenzahl) sowie spezifischer Hautveränderungen (Juckreiz, Ekzeme, Mykosen, knotige Infiltrate, Hautblutungen infolge einer erhöhten Blutungsneigung, Hautblässe, Herpes Zoster) und einer allgemein erhöhten Infektanfälligkeit (rezidivierende Lungenentzündung, Bronchitis).

Zudem gehören Parotitis (Mikulicz-Syndrom), Leukozytose in Kombination mit Lymphozytose, Antikörpermangelsyndrom, inkomplette Wärmeautoantikörper, eine verminderte Antikörperkonzentration bei gleichzeitig erhöhter Konzentration von Lymphozyten im Knochenmark zum klinischen Bild einer chronischen lymphatischen Leukämie.

Ursachen

Die chronische lymphatische Leukämie ist auf eine klonale Proliferation kleinzelliger und funktionsloser B-Lymphozyten zurückzuführen. Die genauen Ursachen für die vermehrte Synthetisierung der B-Lymphozyten sind bislang nicht geklärt.

Als gesichert gilt, dass eine CLL in aller Regel (80 Prozent) durch erworbene genetische Veränderungen der Chromosomen hervorgerufen wird, wobei in der Mehrzahl der Fälle eine Deletion (Fehlen einer Chromosomensequenz) auf Chromosom 13 vorliegt. Ebenso können fehlende Sequenzen auf den Chromosomen 11 und 17 sowie eine Trisomie 12 (dreifaches Vorliegen des Chromosoms 12) eine CLL bedingen.

Die Auslöser für diese chromosomalen Veränderungen sind nicht bekannt, allerdings werden bakterielle, virale oder parasitäre Infektionen ausgeschlossen. Daneben werden Chemikalien (insbesondere organische Lösungsmittel) und eine genetische Prädisposition als Auslöser diskutiert.

Typische Symptome & Anzeichen

Diagnose & Verlauf

Ein Erstverdacht auf eine chronische lymphatische Leukämie ergibt sich aus den charakteristischen Symptomen (u.a. Lymphknotenschwellungen an Hals, Achselhöhlen, Leisten).

Abgesichert wird die Diagnose durch ein Blutbild bzw. Differentialblutbild sowie eine Immunphänotypisierung der Lymphozyten. Ist für mindestens 4 Wochen eine erhöhte Lymphozytenzahl im Serum (über 5000/µl) feststellbar und lassen sich im Blutausstrich die für eine CLL charakteristischen Lymphozyten (abweichende Oberflächeneiweiße, Gumprechtsche Kernschatten) nachweisen, ist von einer chronischen lymphatischen Leukämie auszugehen.

Bildgebende Verfahren wie Sonographie und Computertomographie geben Aufschluss über eine Beteiligung der inneren Organe (Milz-, Lebervergrößerung) sowie die Ausprägung der Erkrankung. Der Verlauf der CLL ist heterogen und hängt von der zugrunde liegenden Chromosomenveränderung ab.

So haben Betroffene mit einer Deletion auf Chromosom 13 eine vergleichsweise günstige Prognose mit langsamem Verlauf, während eine chronische lymphatische Leukämie infolge einer Deletion auf Chromosom 17 und 11 in aller Regel eine schwere Verlaufsform mit ungünstiger Prognose aufweist.

Komplikationen

Eine chronisch lymphatische Leukämie kann zu unterschiedlichen Komplikationen führen. Eine recht häufig auftretende negative Begleiterscheinung dieser Erkrankung ist das sogenannte Antikörpermangelsyndrom. Die CLL-Zellen, die für eine lymphatische Leukämie charakteristisch sind, verdrängen die funktionellen B-Zellen im menschlichen Immunsystem.

Infolgedessen steigt das Risiko für Infektionen immens. Gleichzeitig ist die Abwehr des Körpers durch das Fehlen funktionierender B-Zellen gegen pathogene Keime geschwächt. In einigen Fällen ist die Menge an Granulozyten vermindert. Diese braucht der Körper um sich vor Bakterien zu schützen. Betroffene entwickeln demnach häufiger bakterielle Infektionen.

Besonders häufig sind die Atemwege und die Organe des Magen-Darm-Traktes betroffen. Vor allem der Befall der Lunge mit Viren oder Bakterien kann ohne adäquate zeitnahe Behandlung schwerwiegende Auswirkungen haben. Im schlimmsten Fall endet ein Befall der Lunge tödlich. Neben einem Antikörpermangelsystem kann eine autoimmunhämolytische Anämie entstehen.

Die Folge sind Blässe, Müdigkeit, Atemnot und Ohrensausen. Im späteren Verlauf können weitere Komplikationen wie Fieber, Schüttelfrost, Bauchschmerzen und Erbrechen hinzukommen. In besonders schweren Fällen kann diese Erkrankung zu einem Nierenversagen oder zu einem Schock führen.

Eine weitere schwerwiegende Komplikation ist die Entwicklung eines malignen Lymphoms. Dieser Übergang wird auch als Richter-Transformation bezeichnet. Sie hat eine wesentlich schlechtere Prognose als die chronisch lymphatische Leukämie.

Wann sollte man zum Arzt gehen?

Da die chronische lymphatische Leukämie eine bösartige Erkrankung ist, sollte unverzüglich ein Arzt aufgesucht werden, sobald ein anhaltendes Krankheitsgefühl oder eine diffuses Ahnung einer Unstimmigkeit besteht. Der Verlauf der Erkrankung ist schleichend progressiv und kann ohne eine rechtzeitige medizinische Versorgung tödlich enden. Durch das langsame Voranschreiten der Leukämie ist es für den Betroffenen schwer abschätzbar, ab wann die auftretenden Beschwerden durch eine ernsthafte Erkrankung ausgelöst werden.

Menschen, die über lange Zeit ungewöhnlich müde oder über mehrere Wochen eine blasse Gesichtsfärbung haben, sollten bereits diese Hinweise nutzen und einen Arzt konsultieren. Geschwollene Lymphknoten an verschiedenen Bereichen des Körpers gelten als besorgniserregend und müssen von einem Arzt abgeklärt werden sobald sie über mehrere Woche ertastbar sind. Dies gilt insbesondere, wenn sich die schmerzfreien Schwellungen nicht infolge einer Grippeerkrankung ausgebildet haben.

Eine allgemeine Schwäche oder Zustände von Erschöpfung bei ausreichendem Schlaf und ohne seelische wie emotionale Belastungen, sind von einem Arzt abklären zu lassen. Kraftlosigkeit, die aus nicht nachvollziehbaren Gründen entsteht, muss schnellstmöglich untersucht und behandelt werden. Bei einer wahrgenommenen Blutarmut, ist ebenfalls ein Arztbesuch notwendig. Kühlen die Finger oder Zehen ungewohnt schnell ab oder sind trotz normaler Temperaturverhältnisse permanent erkaltet, ist es ratsam, einen Arzt aufzusuchen.

Behandlung & Therapie

Die Wahl der therapeutischen Maßnahmen korreliert bei einer chronischen lymphatischen Leukämie mit dem Erkrankungsstadium. So sind in den frühen Stadien einer CLL (Binet A und B) bei Beschwerdefreiheit in aller Regel noch keine Therapiemaßnahmen erforderlich.

Dagegen ist bei einer fortgeschrittenen chronischen lymphatischen Leukämie (Binet C) oder ungünstigen Chromosomenveränderung ein frühzeitiger Therapiebeginn angezeigt. Hierbei umfassen die Behandlungsmöglichkeiten in erster Linie eine Chemotherapie, im Rahmen derer die Zellteilung der Krebszellen medikamentös gehemmt und die Lymphozytenzahl im Knochenmark gesenkt wird, und eine Immuntherapie, bei welcher durch gentechnisch synthetisierte Immunglobuline die Krebszellen abgetötet werden.

Chemotherapeutisch werden die Alkylantien Chlorambucil und Bendamustin in Kombination mit Rituximab, die Purinanaloga Deoxycoformycin, Chlorodeoxyadenosin oder Fludarabin eingesetzt, wobei für physisch fitte Betroffene in aller Regel eine Kombination aus Cyclophosphamid, Fludarabin und Rituximab empfohlen wird. Monotherapeutisch kommt im Rahmen einer Immuntherapie synthetisiertes Alemtuzumad, ein Anti-CD52-Antikörper, zum Einsatz.

Da es sich bei einer chronischen lymphatischen Leukämie um eine systemische Erkrankung handelt, kommt eine Strahlentherapie lediglich lokal bei großen Lymphomen infrage, während Knochenmark- oder Stammzelltransplantationen aufgrund der hohen Sterblichkeitsrate ausschließlich bei einer refraktären (unbeeinflussbaren) bzw. früh rezidivierten CLL durchgeführt werden.

Zudem sind gegebenenfalls supportive Maßnahmen (Blutzellersatz durch transfundierte Erythrozyten- bzw. Thrombozytenkonzentraten, Antibiotika) bei einer chronischen lymphatischen Leukämie zur Vorbeugung von Komplikationen angezeigt.

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Aussicht & Prognose

Patienten mit einer chronischen lymphatischen Leukämie können häufig über mehrere Jahre symptomfrei an der Erkrankung leiden. Die Leukämie kann bis zu 20 Jahre einen gutartigen Verlauf haben, ohne dass es zu irgendwelchen Beeinträchtigungen der Gesundheit kommt. Das führt zu einer schleichenden Ausbreitung der Blutkrebserkrankung im Organismus.

Die Krankheit entwickelt sich oft über ein langes Zeitfenster und hat dabei nur eine leichte Zunahme der Beschwerden. Nur wenige Patienten haben einen schnellen Krankheitsverlauf, bei dem innerhalb weniger Monate nach dem Ausbruch der Leukämie die Lymphozyten so stark ansteigen, dass eine Behandlung eingeleitet wird. Aus diesem Grund wird sie nahezu immer in einem sehr spät Entwicklungsstadium entdeckt und kann erst dann behandelt werden.

Der Zeitpunkt der Diagnose ist jedoch entscheidend für den Heilungsverlauf. Je später die CLL entdeckt wird, desto schlechter ist die Prognose. Zudem erkranken häufig ältere Menschen in einem Alter von über 70 Jahren an der chronischen lymphatischen Leukämie. Die Patienten haben aufgrund ihres hohen Alters meist weitere Erkrankungen, die zu einer allgemeinen Schwächung des Immunsystem und einer Minderung der Heilungsaussicht führen. Befinden sich die Lymphozyten bereits im Knochenmark oder ist es bereits zu einer Vergrößerung der Leber oder Milz gekommen, verschlechtern sich die Heilungsaussichten zudem erheblich.

Vorbeugung

Da die Ursachen für die der chronischen lymphatischen Leukämie zugrunde liegenden Chromosomenveränderungen bislang nicht geklärt sind, kann der Erkrankung nicht vorgebeugt werden. Allerdings gelten organische Lösungsmittel sowie eine familiäre Prävalenz (Krankheitshäufigkeit) als Risikofaktoren im Hinblick auf die Manifestierung einer CLL.

Das können Sie selbst tun

Eine chronische lymphatische Leukämie verursacht in der Regel über lange Zeit keine Beschwerden, die Patienten können daher ihren Alltagsbeschäftigungen wie gewohnt nachgehen. Auch sportliche Aktivitäten sind weiter möglich, dabei darf aber die individuelle Leistungsgrenze nicht überschritten werden. Aufgrund der erhöhten Infektionsgefahr sollten Betroffene Reisen in tropische Gebiete vermeiden. Schutzimpfungen mit einem Lebendimpfstoff können den Krankheitsverlauf negativ beeinflussen, es empfiehlt sich aber die jährliche Grippeimpfung mit einem Totimpfstoff.

Regelmäßige Bewegung, bevorzugt an der frischen Luft, und eine gesunde, vitaminreiche Ernährung stärken das Immunsystem und reduzieren die Anfälligkeit für Infektionen. Insbesondere in der Erkältungszeit sollten Menschenansammlungen gemieden und besonderer Wert auf regelmäßiges und gründliches Händewaschen gelegt werden. Sorgfältiges Waschen von Obst und Gemüse kann die Anzahl der aufgenommenen Keime deutlich verringern, der Verzicht auf unpasteurisierte Milchprodukte mindert das Risiko einer Listeriose-Infektion.

Zeigen sich trotz der Vorsichtsmaßnahmen Symptome einer Infektionskrankheit wie Fieber, Durchfall oder Atembeschwerden, ist eine umgehende ärztliche Behandlung dringend anzuraten. Während und nach einer chemotherapeutischen Behandlung ist der Schutz vor Infektionen und deren schnelle Bekämpfung besonders wichtig. Die chronische lymphatische Leukämie kann auch die Psyche beeinflussen: Genaue Aufklärung, das Gespräch mit Familie und Freunden oder der Austausch in einer Selbsthilfegruppe können helfen, die Krankheit anzunehmen und besser mit ihr zurechtzukommen.

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Quellen

  • Classen, M., Diehl, V., Kochsiek, K. (Hrsg.): Innere Medizin. Urban & Fischer, München 2009
  • Kayser et al.: Medizinische Mikrobiologie. Thieme, Stuttgart 2005
  • Wolff, H.-P., Weihrauch, T.R. (Hrsg.): Internistische Therapie. Urban & Fischer, München 2012

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