Cholinerge Krise

Medizinische Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher (Facharzt für innere Medizin) am 13. Oktober 2016
Sie sind hier: Symptomat.deKrankheiten Cholinerge Krise

Die cholinerge Krise wird durch eine Überdosierung von Cholinesterasehemmern ausgelöst. Sie ist durch eine akute Muskelschwäche und durch nikotinartige Nebenwirkungen gekennzeichnet.

Inhaltsverzeichnis

Was ist eine cholinerge Krise?

Eine cholinerge Krise entsteht bei einem Überangebot an Acetylcholin. Acetylcholin ist biogenes Amin, das im Körper als Neurotransmitter fungiert. Der Neurotransmitter findet sich sowohl im Zentralnervensystem als auch im peripheren Nervensystem. Er wirkt unter anderem an der neuromuskulären Endplatte und ermöglicht dort die willkürlichen Bewegungen der Skelettmuskulatur.

Acetylcholin kommt aber auch als Signalstoff in den präganglionären Neuronen des parasympathischen und des sympathischen Nervensystems vor. Bei einem eintreffenden Aktionspotenzial wird Acetylcholin in den synaptischen Spalt ausgeschüttet. Dort bindet es sich an die sogenannten Cholinozeptoren. Dabei handelt es sich um Rezeptoren auf der postsynaptischen Membran. Durch die Bindung an den Rezeptor ändert sich die Ionenpermeabilität. Diese Änderung kann eine Hemmung oder eine Erregung zur Folge haben.

Anschließend wird Acetylcholin im synaptischen Spalt durch das Enzym Acetylcholinesterase in Essigsäure und Cholin gespalten. Hergestellt wird der Neurotransmitter in den Endköpfchen von bestimmten Axonen. Acetylcholin wird durch das Enzym Cholinacetyltransferase aus Cholin und Acetyl-CoA produziert und in kleinen Bläschen in den Nervenzellen gespeichert.

Ursachen

Durch körpereigene Syntheseprozesse kann im Normalfall keine cholinerge Krise ausgelöst werden. Hauptursache ist die Überdosierung von Acetylcholinesterasehemmstoffen. Durch die Hemmung des Enzyms Acetylcholinesterase wird weniger Acetylcholin abgebaut, sodass es zu einem Überangebot kommt. Dafür sind jedoch Dosierungen von mindesten 600 Milligramm Pyridostigmin pro Tag nötig.

Rein cholinerge Krisen finden sich in der Regel eher selten. Häufiger finden sich bei schlecht eingestellten Patienten Zeichen der Überdosierung gemischt mit Symptomen, die auf einen Acetylcholinmangel hinweisen. Acetylcholinesterasehemmer (AChE-Hemmer) kommen zur Behandlung des Morbus Alzheimer zum Einsatz.

Der Morbus Alzheimer bezeichnet eine fortschreitende Atrophie der Großhirnrinde. Damit geht der Abbau von kognitiven, sozialen und emotionalen Fähigkeiten einher. Die betroffenen Patienten leiden unter Vergesslichkeit, Gedächtnisverlust, einem fehlenden Sprachverständnis, Sprechstörungen und mangelnder Anteilnahme. Durch die Einnahme von Acetylcholinesterase-Blockern soll die neuronale Erregbarkeit gesteigert werden. Die Erkrankung lässt sich dadurch zwar nicht heilen, aber die Symptome werden gelindert.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Bei einer Überdosierung verbleibt zu viel Acetylcholin im synaptischen Spalt. Dadurch kommt es zu einer allgemeinen Muskelschwäche. Die Patienten leiden durch eine Schwäche der Atemmuskulatur unter Atemnot. Die Atemnot wird durch eine starke Bronchialsekretion verschlimmert. Durch die verstärkte Sekretion kann sich im Ernstfall ein Lungenödem entwickeln.

Das Lungenödem ist gekennzeichnet durch Atemnot, starken Husten und schaumigen Auswurf. Den Patienten ist übel und sie erbrechen. Auch starkes Schwitzen ist ein typisches Symptom der cholinergen Krise. Des Weiteren kann es zu Magen-Darm-Krämpfen und zu Durchfällen kommen. Der Herzschlag ist verlangsamt und der Blutdruck zu niedrig (Hypotonie).

Ein verlangsamter Herzschlag wird in der medizinischen Fachsprache auch als Bradykardie bezeichnet. Typisch für die cholinerge Krise sind die sogenannten Faszikulationen. Es handelt sich dabei um unwillkürliche Kontraktionen von sehr kleinen Muskelgruppen. Diese sind direkt unter der Haut sichtbar, führen aber in der Regel zu keinen Bewegungen. In vielen Fällen können diese kleinen Muskelzuckungen durch Kneifen des Muskels provoziert werden.

Neben diesen kleinen Muskelbewegungen können aber auch große und schmerzhafte Muskelkrämpfe auftreten. Die Patienten haben Angst und zeigen eventuell zerebrale Symptome. Weitere Symptome, die im Rahmen einer cholinergen Krise auftreten können, sind vermehrter Speichelfluss und eng gestellte Pupillen. Zu den nikotinartigen Nebenwirkungen gehören auch Blasenentleerungsstörungen.

Diagnose & Krankheitsverlauf

Die Diagnose wird meist anhand des klinischen Bildes gestellt. Eine kurze Medikamentenanamnese kann den Verdacht schnell bestätigen. Im Röntgen- oder CT-Bild kann sich je nach Schweregrad der cholinergen Krise ein Lungenödem zeigen. In der körperlichen Untersuchung fallen der erniedrigte Blutdruck und der erniedrigte Puls auf.

Die cholinerge Krise muss differenzialdiagnostisch von der myasthenen Krise abgegrenzt werden. Die myasthene Krise ist eine Komplikation der Erkrankung Myasthenia gravis. Die myasthene Krise geht fast mit denselben Symptomen einher. Es fehlen allerdings die muskarinartigen und nikotinartigen Nebenwirkungen. So kommt es bei der myasthenen Krise im Gegensatz zur cholinergen Krise nicht zu Durchfällen oder anderen Magen-Darm-Beschwerden.

Behandlung & Therapie

Die cholinerge Krise ist ein Notfall, der eine sofortige neurologische und intensivmedizinische Überwachung erfordert. Im Vordergrund steht die Stabilisierung der Atmung und des Kreislaufs. Häufig ist eine Aufrechterhaltung der Atmung nur durch Intubation möglich. Möglicherweise muss eine künstliche Beatmung erfolgen. Auch auf die Nierenfunktion muss geachtet werden, da es im Rahmen der cholinergen Krise auch zu Nierenversagen kommen kann.

Bei einem Infektionsverdacht muss frühzeitig eine antibiotische Therapie eingeleitet werden. Die muskarinartigen Nebenwirkungen wie Durchfall, erhöhter Speichelfluss und vermehrtes Schwitzen lassen sich gut mit Atropin als Antidot behandeln. Ein Antidot wird auch Gegengift genannt. Atropin ist ein Alkaloid, das in Nachtschattengewächsen wie Engelstrompete, Tollkirsche, Stechapfel oder Bilsenkraut vorkommt.

Es wirkt parasympatholytisch, vermindert also die Wirkung des Parasympathikus. Zudem verdrängt es das überschüssige Acetylcholin von den Muskarinrezeptoren. Wenn die cholinerge Krise durch eine Überdosierung von Acetylcholinesterasehemmern ausgelöst wurde, müssen die Patienten unverzüglich medikamentös neu eingestellt werden.

Hier finden Sie Ihre Medikamente:

Vorbeugung

Die cholinerge Krise lässt sich nur durch eine gut eingestellte Medikation verhindern. Deshalb sollte bei den kleinsten Anzeichen einer Überdosierung der Arzt aufgesucht werden. Zu den Warnzeichen gehören Muskelzuckungen, Kopfschmerzen und ein vermehrter Speichelfluss. Auch Durchfall kann auf eine Überdosierung des Acetylcholinesterase-Blockers hinweisen.

Bücher über Alzheimer

Das könnte Sie auch interessieren:

Welche Erfahrungen und Hinweise haben Sie zum Thema Cholinerge Krise?

Name oder Pseudonym:

E-Mail: (optional)

(wird nicht angezeigt, nur notwendig, wenn aktuelle Gesundheitsinformationen erwünscht werden)

Kommentar:

(Bitte auf Groß-, Kleinschreibung und verständliche, ganze Sätze achten.)

Sicherheitsfrage: Wieviel sind 30 plus 5?

Bekannt aus: