Cholin

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 16. November 2016
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Cholin ist ein weitverbreiteter und unverzichtbarer biologischer Wirkstoff. Viele Stoffwechselprozesse finden nur unter Mitwirkung von Cholin statt. Cholinmangel führt daher zu vielfältigen gesundheitlichen Problemen.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Cholin?

Cholin ist eine quarternäre Ammoniumverbindung, welche gleichzeitig einen einwertigen Alkohol darstellt. Dabei ist das Stickstoffatom von drei Methylgruppen und einer Hydroxylgruppe umgeben. Da die Ammoniumverbindung positiv geladen ist, liegt es als Salz vor.

Im Handel ist es als Cholinchlorid erhältlich. Der Wirkstoff kommt in vielen Nahrungsmitteln als wasserlöslicher semiessenzieller Nährstoff vor. Erstmals wurde es von dem deutschen Chemiker Adolph Strecker im Jahre 1849 in der Schweinegalle entdeckt. Im Jahre 1862 charakterisierte und benannte Adolph Strecker diesen Wirkstoff. Früher wurde Cholin als Vitamin des Vitamin-B-Komplexes eingeordnet, da es bei Einnahme eine charakteristische Wirkung auf das Nervensystem und verschiedene Stoffwechselprozesse zeigte.

Allerdings wurde auch erkannt, dass es auch im menschlichen Stoffwechsel aus den Aminosäuren Methionin und Lysin produziert wird. Die körpereigene Produktion ist jedoch nicht so hoch, dass der Cholinbedarf jederzeit ausreichend gedeckt werden kann. Daher wird Cholin heute als vitaminähnlicher Wirkstoff bezeichnet. Namensgebend für Cholin ist das griechische Wort für Galle "Cholé". Als wichtiger Bestandteil der Galle ist es für die Emulgierung von fettähnlichen Stoffen und damit für den Abtransport von Fett aus der Leber verantwortlich.

Funktion, Wirkung & Aufgaben

Cholin besitzt vielfältige Funktionen im menschlichen Organismus. Es wird im Körper unter anderem in Acetylcholin durch Veresterung mit Essigsäure umgewandelt.

Acetylcholin ist ein wichtiger Neurotransmitter, der für die Weiterleitung von Nervenimpulsen verantwortlich ist. Sowohl im sympathischen als auch im parasympathischen Nervensystem spielt es eine große Rolle. Diese Reizweiterleitungen beeinflussen maßgeblich die Denkleistung, die Konzentration und das Gedächtnis des Menschen. So wurde bei geringen Cholinkonzentrationen eine deutlich verminderte Konzentration und Gedächtnisleistungsfähigkeit festgestellt. Des Weiteren ist Cholin auch an der Synthese von Myelin beteiligt. Myelin ist ein Eiweißstoff, welcher die Nervenbahnen durch Isolierung vor äußeren Einflüssen schützt.

Cholin ist außerdem ein maßgeblicher Bestandteil der Zellmembranen in Form von Phospholipiden. Das bekannteste Phospholipid der Membranen ist Lecithin. Lecithin besteht aus mit zwei Fettsäuren und Cholin verestertem Glyzerin. Über die membranständigen Phospholipide des Cholins werden zudem auch die Zellkontakte vermittelt. Cholin ist neben Folsäure und Methionin auch ein wichtiger Methylgruppenüberträger. Bei einem Mangel an Folsäure und Vitamin B12 sorgt Cholin für die Methylierung von Homocystein in Methionin.

Damit trägt es dazu bei, dass Methionin weiterhin als Methylgruppenüberträger fungieren kann. Eine wichtige Aufgabe übernimmt Cholin auch in der Galle. Dort sorgt es in der veresterten Form für die Emulgierung von Lipiden und kann somit Fett und Cholesterin aus der Leber transportieren. Damit wird die Anhäufung von Fett in der Leber verhindert. Schließlich ist Cholin auch an der Synthese wichtiger Hormone wie Noradrenalin oder Melatonin beteiligt.

Bildung, Vorkommen, Eigenschaften & optimale Werte

Cholin ist in der Natur weitverbreitet. Im menschlichen Organismus wird es aus den Aminosäuren Lysin und Methionin hergestellt. Lysin liefert beim biologischen Abbau den Metaboliten Dimethylamin, welcher durch den Methylgruppendonator Methionin zu Cholin methyliert wird. Im Körper liegt es verestert als Lezithin in den Zellmembranen, als Metabolit im Stoffwechsel und mit Essigsäure verestert als Neurotransmitter Acetylcholin vor.

Da es bei allen Lebewesen in den Zellmembranen als Lezithin gebunden ist, kann es durch die Nahrung sehr einfach zugeführt werden. So ist es in den Nahrungsmitteln vorhanden, die noch Zellmembranbestandteile besitzen. Besonders viel Cholin ist im Eigelb, Rinderleber, Hähnchenleber, Weizenkeimen, Schinkenspeck, getrockneten Sojabohnen oder Schweinefleisch enthalten. Eine gesunde und abwechslungsreiche Ernährung sollte den täglichen Cholinbedarf decken. Bei einer vegetarischen Ernährung ist besonders darauf zu achten, cholinreiches Gemüse zu verzehren. Dazu zählen Getreide und Hülsenfrüchte.

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Krankheiten & Störungen

Da Cholin bei vielen Vorgängen im Organismus eine zentrale Rolle spielt, wirkt sich ein Cholinmangel negativ auf den gesundheitlichen Zustand aus. In der Nahrung ist normalerweise genügend Cholin enthalten, sodass ein Cholinmangel eigentlich nicht auftreten dürfte.

Trotzdem gibt es Erkrankungen, die auf einen Cholinmangel zurückzuführen sind. Durch einen zu hohen Alkoholkonsum kann es zu Cholinmangelzuständen kommen. Auch eine Fettmalabsorptionsstörung führt dazu. Weiterhin führt auch ein Mangel an Folsäure zu einem sekundären Cholinmangel. Wenn Folsäure fehlt, übernimmt Cholin die Funktion des Methylgruppenüberträgers. Dabei wird es abgebaut und steht für andere Prozesse nicht mehr zur Verfügung. Die körpereigene Synthese reicht nicht aus. Auch schwere Erkrankungen wie AIDS können zu einem Cholinmangel führen. Die Folgen der Unterversorgung mit Cholin sind vielfältig.

Am drastischsten zeigt das sich durch die Entstehung einer Fettleber. Durch das fehlende Cholin können die Fette nicht mehr aus der Leber transportiert werden. Sie werden in den Hepatozyten gespeichert. Dadurch kann die Leber ihre Entgiftungsfunktion nicht mehr richtig ausführen. Langfristig kommt es zum Leberabbau. Cholin steht bei Mangelzuständen auch nicht mehr ausreichend zur Synthese von Acetylcholin zur Verfügung. Es treten Symptome wie Konzentrationsstörungen und Vergesslichkeit auf.

Ein niedriger Cholinspiegel ist oft auch mit erhöhten Homocysteinwerten im Blut verbunden. Homocystein gilt als Risikofaktor für die Entstehung von Arteriosklerose. Des Weiteren scheint ein Cholinmangel auch die Pathogenese mancher Erkrankung zu verschlechtern. So wurde unter anderem festgestellt, dass eine Kolitis ulzerosa durch Gabe von Lecithin positiv beeinflusst wird. Das Gleiche gilt für chronische Entzündungen oder gar Brustkrebs.

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