Chlortetracyclin

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 28. November 2016
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Bei Chlortetracyclin handelt es sich um eine Wirksubstanz, die als Antibiotikum bei Mensch und Tier eingesetzt wird. Sie hilft bei infektiösen Augenkrankheiten und Wund-Erkrankungen der Haut. Durch die Anwendung in der Landwirtschaft kann sie über den Konsum von Getreide in die Nahrungskette gelangen.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Chlortetracyclin?

Chlortetracyclin (Summenformel: C22H23ClN2O8) ist ein kristalliner fester Stoff, der gelb, geruchlos und nur schwer wasserlöslich ist. Das Antibiotikum gehört zur Gruppe der Tetracycline. In Deutschland wird das Mittel als Chlortetracyclin Hydrochlorid unter den Handelsnamen Aureomycin®, Aureomycin® Augensalbe (Humanmedizin) und Animedazon® Spray, Citrolan® CTC, Cyclo® Spray (Tiermedizin) und in Österreich als Aureocort® verkauft.

Entdeckt wurde das Antibiotikum im Jahr 1945 durch den US-amerikanischen Botaniker Benjamin Duggar. 1948 wurde der Wirkstoff erstmals aus dem Bakterium Streptomyces aureofaciens isoliert.

Das antibiotisch wirkende Bakterium kommt in oberen Bodenschichten vor und ist vor allem gegen Staphylokokken, Streptokokken und bestimmte Bazillen hochwirksam. Wegen seiner gelblichen Färbung nannte der Wissenschaftler das Medikament Aureomycin. Obwohl die Endung -mycin eher einen Pilz vermuten lässt, handelt es sich dabei tatsächlich um ein Bakterium. Dieses ist jedoch fähig, Pilz-Geflechte (Mycel) zu bilden.

In der Veterinärmedizin wird das Mittel meist als Hydrochlorid und in anderen Darreichungsformen (Spray etc.) angewendet und dient zur Behandlung von Atemwegs-, Harnwegs- und Magen-Darm-Infektionen bei diversen Tierarten. Zur Überprüfung, ob eventuell Resistenzen dagegen vorhanden sind, wird meist zuvor ein Antibiogramm gemacht. In der industriellen Landwirtschaft eingesetztes Chlortetracyclin kann über die Gülle in den Ackerboden gelangen und wird dort von den Wurzeln der Getreidepflanzen aufgenommen.

Pharmakologische Wirkung

Chlortetracyclin ähnelt von seinem Wirkungsspektrum her dem Doxycyclin. Es sorgt dafür, dass die infizierenden Bakterien keine Proteine mehr bilden und dadurch wachsen können. So werden Reifung und Ausbreitung der Erreger gehemmt. Die Substanz ist wirksam gegen Staphylokokken, Streptokokken, Chlamydien, Pneumokokken, Escherichia coli und Haemophilus influenzae. Sie kann auch vorbeugend gegen Wundinfektionen appliziert werden.

Beim Menschen erfolgt die Anwendung nur äußerlich, bei Tieren auch oral (nicht bei Pferden und Wiederkäuern). Chlortetracyclin ist in der Anwendung beim Menschen nur zu 30% bio-verfügbar und 5 bis 5 1/2 Stunden wirksam. Es bindet zu 50 bis 55% an Plasmaproteine und wird zu etwa 75% in der Leber metabolisiert. Ausgeschieden wird es über die Harnwege und den Darm (Gallenflüssigkeit).

Medizinische Anwendung & Verwendung

Bei Chlortetracyclin handelt es sich um eine Wirksubstanz, die als Antibiotikum bei Mensch und Tier eingesetzt wird. Sie hilft bei infektiösen Augenkrankheiten und Wund-Erkrankungen der Haut.

Als Augensalbe aufgetragen, hilft es bei Augenbindehautentzündung (Konjunktivitis), Augenhaut-Reizung, Lidrand-Entzündung (Blepharitis), Hornhautentzündung (Keratitis) und Trachom (eine Chlamydien-Infektion der Hornhaut, die zur Erblindung führen kann, wenn sie nicht rechtzeitig behandelt wird).

Außerdem kommt Chlortetracyclin bei Hautinfektionen durch vereiterte Wunden, Verbrennungen und Schürfwunden zum Einsatz. So hilft es bei entzündeten Talgdrüsen und Schweißdrüsen (Furunkel, Abszesse), Wundrose, Eiterflechte (Impetigo) und Infektionen des Nagelbetts.

Auch Ulcus cruris ("offenes Bein"), ein Unterschenkelgeschwür, von dem vor allem Patienten mit Diabetes betroffen sind, und Dekubitus-Geschwüre können damit äußerst wirksam bekämpft werden. Sie entstehen oft bei bettlägerigen Patienten an Hautstellen, die zu lange Druck ausgesetzt sind. Das geschieht zum Beispiel, wenn der Betroffene nicht oft genug umgelagert wird. Dann werden die Kapillare der Haut zusammengedrückt, sodass die Haut nicht mehr ausreichend Sauerstoff und Nährstoffe erhält. Wird das entstehende Geschwür nicht rechtzeitig behandelt, befällt es sogar weit unten befindliche Gewebe und Muskeln und führt so zu Nekrosen (abgestorbenem Gewebe).

Für die Dauer der Anwendung als Augensalbe sollte der Patient auf keinen Fall Kontaktlinsen einsetzen. Hat er einmal vergessen, die Salbe in den Bindehautsack einzubringen, darf er keinesfalls die doppelte Menge applizieren. Überflüssige Salbe kann einfach mit einem sauberen Papiertuch abgewischt werden. Die Augensalbe wird spätestens alle 2 Stunden in einem 0,5 bis 1 cm langen Salben-Strang in den Bindehautsack appliziert. Leichtere Augeninfektionen sind meist schon nach 2 Tagen verheilt. Dennoch sollte der Patient die Behandlung noch weitere 3 Tage fortsetzen. In schwereren Fällen kann eine zusätzliche orale Verabreichung von Antibiotika erforderlich sein. Nach dem Auftragen der Augensalbe kann der Anwender für einige Minuten nur unscharf sehen.

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Risiken & Nebenwirkungen

Bei der Anwendung von Chlortetracyclin-Mitteln kann es zu allergischen Reaktionen der Haut (Kontaktdermatitis, Hautrötungen, [[Hautausschlag|Hautausschlägen||, erhöhter Lichtempfindlichkeit der Haut, Juckreiz) und allergischen Schleimhaut-Reaktionen kommen. Entwickelt der Patient eine Photodermatose, wenn er seiner Haut UV-Licht aussetzt, sollte er die Behandlung umgehend abbrechen und seinen Arzt kontaktieren.

Bei Kindern unter 8 Jahren kann das Medikament in seltenen Fällen eine verzögerte Knochen-Entwicklung, unterentwickeltes Zahnschmelz und bleibende Zahnverfärbungen verursachen. Außerdem kann der Patient durch eine Langzeittherapie mit Chlortetracyclin, wie durch andere Antibiotika auch, mit anderen Bakterien und Pilzen infiziert werden und eine Resistenz gegenüber Bakterienstämmen ausbilden, gegen die der Wirkstoff ineffizient ist.

Nicht aufgetragen werden sollte Chlortetracyclin, wenn der Betroffene an einer Überempfindlichkeit gegen die Wirksubstanz oder andere Tetracycline leidet, bei Vorliegen von Augen-Tuberkulose, Pilzinfektionen des Anwendungsbereichs Leber- und Niereninsuffizienz, Lupus erythematodes und bei Erreger-Wechsel.

Schwangere und Stillende sollten das Mittel ebenfalls meiden, da es bei der werdenden Mutter zur Leberschädigung und beim Ungeborenen zu Wachstumsstörungen führen kann. Außerdem tritt es in die Muttermilch über. Frauen, die die Antibabypille einnehmen, müssen mit einer Herabsetzung der Wirksamkeit des Verhütungsmittels rechnen. Außerdem können Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten auftreten.

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