Chinin

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 30. Mai 2017
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Chinin ist eine chemische Verbindung, die in der Rinde des Chinarindenbaumes vorkommt. Chinin wird medizinisch vor allem zur Therapie der Malaria, vor allem der Malaria tropica, eingesetzt. Darüber hinaus wird es teilweise zur Prophylaxe und Therapie von Muskelkrämpfen und in Präparaten zur Symptomlinderung bei grippalen Infekten eingesetzt. Zudem findet es als Bitterstoff auch in einigen Lebensmitteln Verwendung.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Chinin?

Chinin ist ein natürlicher Stoff, der in der Chinarinde, der Rinde des Chinarindenbaumes, vorkommt. Es handelt sich bei Chinin um eine chemische Verbindung, die der Gruppe der Chinolin-Alkaloide zugeordnet wird.

Chinin, das die chemische Summenformel C20H24N2O2 hat, liegt als weißes, sehr schwer wasserlösliches, kristallines Pulver vor und verfügt über einen bitteren Geschmack. Der Schmelzpunkt des Chinins liegt bei 177 Grad Celsius, der des Chinin-Trihydrats hingegen liegt bei 57 Grad Celsius. Die molare Masse des Chinins beträgt 324,44 Gramm x mol^-1.

Die geringste bekannte toxische Dosis, d. h. die geringste Dosis, die bei einem Menschen nachweislich toxisch wirkte, liegt nach oraler Applikation bei 74 mg x kg^-1. Die geringste nachweislich letale Dosis beim Menschen liegt bei 294 mg x kg^-1, wobei die Applikationsart in diesem Fall unbekannt ist.

Chinin wird sowohl als Arzneistoff, als auch als Bitterstoff in Lebensmitteln eingesetzt. Chinin ist ein seit langer Zeit bekannter Arzneistoff zur Behandlung der Malaria.

Pharmakologische Wirkung

Im Normalfall wird Chinin oral appliziert. Im Notfall ist jedoch auch eine intravenöse Applikation möglich. Nach oraler Gabe erfolgt die Resorption des Chinins relativ schnell und gut. Die maximale Wirkung wird nach 1–3 Stunden erreicht. Die Plasmaproteinbindung des Chinins beträgt etwa 70 %. Die Metabolisierung erfolgt fast vollständig in der Leber, nur 10 % des Chinins werden unverändert ausgeschieden.

Die Wirkung des Chinins beruht auf einer Hemmung der Hämopolymerase der Plasmodien. Hierbei verhindert das Chinin die Bildung von nicht toxischem β-Hämatin in den Vakuolen der Plasmodien aus toxischem Ferriprotophyrin IX. Plasmodien sind die Erreger der Malaria. Hierbei sind zwar mehrere verschiedene Plasmodien zu unterscheiden. Chinin wirkt jedoch gegen sämtliche der Plasmodien-Arten. Da die Plasmodien die Hämopolymerase benötigen, werden sie durch das Chinin direkt beschädigt.

Des Weiteren wirkt Chinin bereits in geringen Dosen lokalanästhetisch und fiebersenkend. Chininsulfat wirkt zudem krampflösend. Die krampflösende Wirkung des Chininsulfats ist auf eine Wirkung an der Verbindungsstelle zwischen Nerven und Muskelfasern der motorischen Endplatte zurückzuführen.

Medizinische Anwendung & Verwendung

Chinin wird vor allem zur Therapie der schweren Malaria tropica verwendet. Bei der Malaria tropica handelt es sich um die durch den Erreger Plasmodium falciparum ausgelöste Form der Malaria. Sie ist durch eine relativ hohe Konzentration des Parasiten im Blut (Parasitämie) gekennzeichnet.

Bei der Malaria tropica kommt es häufig zu einer stark ausgeprägten Anämie und zu neurologischen Komplikationen. Zudem kann es bei der Malaria tropica zu einem rhythmischen Fieberverlauf kommen. Bei der Malaria tropica kommt es außerdem häufig zu Komplikationen bzw. Veränderungen bestimmter Organe. So kann es auch zum Nierenversagen kommen.

Bei der Malaria tropica ist Chinin indiziert. Chinin wird vor allem eingesetzt, wenn die Erreger gegen Chloroquin resistent oder multiresistent sind. Zur Behandlung der Malaria wird Chinin in relativ hohen Dosen verabreicht. Die Therapie erfolgt zumeist oral in Form von Salzen des Chinins. Die Mengen der Salze entsprechen pro Tag meist 0,8 bis 1 g Chinin. Es kommen also beispielsweise Dosierungen von 1,95 Gramm Chininsulfatdihydrat täglich zum Einsatz, die in etwa der genannten Konzentration an Chinin entsprechen.

Bei allen anderen Indikationen des Chinins kommen deutlich geringere Dosierungen zum Einsatz. Weitere Indikationen sind die Prophylaxe und Therapie von Muskelkrämpfen. Die hierbei verabreichten Dosierungen liegen bei etwa 200 bis 400 Milligramm Chininsulfat pro Tag.

Außerhalb der Medizin kommt Chinin aufgrund seines bitteren Geschmacks in verschiedenen Lebensmitteln zum Einsatz. Vor allem das "Bitter Lemon" und das "Tonic Water" sind bekannte chininhaltige Getränke.

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Risiken & Nebenwirkungen

Im Rahmen einer Einnahme von Chinin kann es bei Überdosierung zu einer Chininvergiftung kommen. Tritt diese ein, treten typische Symptome auf. Zu ihnen zählen Schwindel, Erbrechen, Ohrensausen, Sehstörungen, Spasmen der Netzhautgefäße, eine Schädigung des Sehnervs, eine meistens vorübergehende Erblindung, Erregungszustände und eine Zyanose (bläuliche Verfärbung der Haut und der Schleimhäute).

Schlimmstenfalls kann es zum Herztod durch Herzlähmung oder zum Tod durch zentrale Atemlähmung kommen. Die letale Dosis liegt bei etwa acht bis zehn Gramm. Zur Therapie der Chininvergiftung werden Aktivkohle (oder Natriumsulfat) und Benzodiazepine ( z. B. Diazepam) verabreicht. Die Aktivkohle soll das Chinin aufnehmen und somit die Resorption des Chinins ins Blut hemmen. Die Benzodiazepine dienen der Muskelrelaxierung.

Weiterhin kann es im Rahmen einer Therapie mit Chinin auch zu anderen Nebenwirkungen kommen. Übelkeit, Erbrechen (Emesis), Durchfall (Diarrhoe), Bauchschmerzen, allergische Symptome, Hautausschlag, Asthma, Thrombopenie, Leukopenie, Agranulozytose, Kopfschmerzen, Schwindel und Verwirrtheit können auftreten.

Weiterhin sind Doppeltsehen, Visusminderung (und andere Sehstörungen), Tinnitus, Schwerhörigkeit (und andere Störungen des Hörens), ein Abfallen des Blutdrucks, ein Schock und Herzrhythmusstörungen mögliche unerwünschte Arzneimittelwirkungen, die durch Chinin hervorgerufen werden können.

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