Chemosynoviorthese

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 14. September 2017
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Als Chemosynoviorthese wird ein Verfahren im Rahmen der Therapie arthritischer Veränderungen der Synovialis (Gelenkinnenhaut, Gelenkschleimhaut) bei entzündlichen Gelenkerkrankungen bezeichnet. Analog zur Radiosynoviorthese (Injektion radioaktiver Substanzen) wird ein chemisches Pharmakon zur Verödung der Gelenkschleimhaut in das betroffene Gelenk injiziert.

Inhaltsverzeichnis

Was ist die Chemosynoviorthese?

Eine Chemosynoviorthese stellt ein Therapieverfahren bei rheumatisch bzw. arthritisch bedingten Gelenkerkrankungen wie chronischer Polyarthritis (auch Rheuma) dar. Hierzu wird ein chemisches Pharmakon (u.a. Osmiumsäure, Natriummorrhuat) in das betroffene Gelenk per Injektion eingebracht, um die krankhaft veränderte Synovialis zu zerstören.

Durch die Verödung der Gelenkinnenhaut soll eine Erneuerung und Rekonstruktion der betroffenen Synovialmembran stimuliert werden. Das Behandlungsverfahren führt oftmals zu einer längerfristigen Verbesserung von Schwellungen, Schmerzen sowie der Funktion des behandelten Gelenks.

Insbesondere bei größeren Gelenken (u.a. Kniegelenk) wird eine Chemosynoviorthese oftmals im Anschluss an eine chirurgische Entfernung der Gelenkschleimhaut (Synovektomie) durchgeführt, um die noch verbliebenen Synovialisreste im Gelenk zu veröden.

Funktion, Wirkung & Ziele

Eine Chemosynoviorthese kommt vor allem bei rezidivierenden bzw. chronischen Entzündungen der Gelenkinnenhaut (u.a. chronische Polyarthritis, rheumatoide Arthritis), die mit schmerzhaften Gelenkschwellungen einhergehen, zum Einsatz.

Insbesondere bei monarthritischen Verläufen, bei welchen ein einzelnes Gelenk betroffen ist, wird mithilfe einer Chemosynoviorthese versucht, den Boden bzw. die pathologisch veränderten Gewebestrukturen, auf denen sich die Arthritiden entwickeln können, lokal durch ein chemisches Pharmakon auszuschalten, damit sich im Anschluss eine gesunde Synovialis im betroffenen Gelenk entwickeln kann. Eine Chemosynoviorthese kann ferner dann angezeigt sein, wenn eine Indikation für eine Gelenkoperation bzw. Synovektomie nicht gegeben ist oder andere operative Verfahren kontraindiziert sind.

Ebenso kommt eine Chemosynoviorthese bei Vorliegen einer aktiven Mono- bzw. Oligoarthritis (einige wenige Gelenke sind betroffen) sowie chronischer Polyarthritis mit Synovialitis (Gelenkinnenhautentzündung) einzelner, vor allem kleinerer Gelenke zur Anwendung. Eine chemisch induzierte Verödung kann zudem bei einer rezidivierenden Synovialitis infolge einer chirurgischen Synovektomie angezeigt sein. Im Vorfeld einer Chemosynoviorthese sollte ein Röntgenbild des zu behandelnden Gelenks angefertigt werden, um ausgeprägte Destruktionserscheinungen, freiliegende Gelenkkörper sowie aseptische Knochennekrosen ausschließen zu können.

Eine Chemosynoviorthese stellt ein Therapieverfahren bei rheumatisch bzw. arthritisch bedingten Gelenkerkrankungen wie chronischer Polyarthritis (auch Rheuma) dar. Hierzu wird ein chemisches Pharmakon in das betroffene Gelenk per Injektion eingebracht

Außerdem sollten anhand eines Sonogramms (Ultraschallbild) Gelenkergüsse lokalisiert und von proliferierenden (wuchernden) Gewebestrukturen abgegrenzt werden. Im Anschluss an die desinfizierenden Maßnahmen werden zunächst gegebenenfalls vorliegende Gelenkergüsse abpunktiert. Anschließend sollte zum Ausschluss einer periartikulären Injektion eine diagnostische Injektion mit einem lokalen Anästhetikum (u.a. Scandicain) erfolgen, bevor das verödende Medikament intraartikulär injiziert wird.

Die gängigsten Substanzen, die bei einer Chemosynoviorthese zum Einsatz kommen sind, Osmiumsäure und Natriummorrhuat. Osmiumsäure wird von den Synovialzellen resorbiert und ruft eine Koagulationsnekrose in den behandelten Gewebestrukturen hervor. Natriummorrhuat verursacht nach einer intraartikulären Injektion über eine Zellmembranschädigung eine Zytolyse (Zellauflösung), die lokal mit einer massiven Entzündungsreaktion sowie Synovialmembrannekrosen einhergeht.

Zudem werden immunkompetente Gewebestrukturen wie pathologisch veränderte T-Zellen, die unter anderem für die rheumatische Entzündung verantwortlich gezeichnet werden, durch die Entzündungsreaktion zerstört. Für die der Chemosynoviorthese anschließenden 48 Stunden sollte das betroffene Gelenk ruhig gestellt und ausreichend gekühlt (bspw. mit Eispackungen) werden. In einigen Fällen wird die Chemosynoviorthese ein- bzw. mehrmals wiederholt.

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Risiken, Nebenwirkungen & Gefahren

Häufig auftretende Nebenwirkungen im Anschluss an eine Chemosynoviorthese sind Schwellungen, Rötungen und Schmerzen im Bereich des betroffenen Gelenks (Befundverschlechterung), die durch den Abbau der verödeten Schleimhaut und korrespondierenden Entzündungsprozessen induziert sind und im Rahmen einer symptomatischen Therapie (u.a. Kühlung, entzündungs- und schmerzlindernde Medikamente) behandelt werden.

Schwerwiegende Nebenwirkungen oder Komplikationen sind bei einer Chemosynoviorthese selten zu beobachten. Allerdings kann eine Verschleppung von auf der Haut befindlichen Erregern ins Gelenkinnere gefährliche Konsequenzen nach sich ziehen. In äußerst seltenen Fällen kann eine Schwellung von Weichteilen in der Nähe des behandelten Gelenks, die zu einer Thrombose führen kann, festgestellt werden. Systemisch, also auf den gesamten menschlichen Organismus bezogen, kann es vorübergehend zu Fieber sowie erhöhten Leber- und Blutkörperchenwerten kommen.

Zudem kann eine unbeabsichtigte Injektion der verödenden Medikamente in Weichteilstrukturen Schmerzen und lokale Entzündungen bedingen, die allerdings in aller Regel folgenlos bleiben. Eine Chemosynoviorthese ist darüber hinaus bei Vorliegen einer Schwangerschaft sowie bei Leber- und/oder Niereninsuffizienzen kontraindiziert. Patientenseitig ist auf eine konsequente Verfolgung der Physiotherapie und des beschwerdeabhängigen Belastungsaufbaus zu achten, um eine medikamentenverursachte Kapselschrumpfung nach der Chemosynoviorthese zu vermeiden. Eine Schädigung des Gelenkknorpels kann in aller Regel bei einer Chemosynoviorthese ausgeschlossen werden.

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Quellen

  • Imhoff, A. B., et al.: Checkliste Orthopädie. Thieme, Stuttgart 2014
  • Wessinghage, D., Leeb, I.: Ärztlicher Ratgeber: Arthrose. Wort & Bild, Baierbrunn 2004
  • Wirth, C. J., et al.: Praxis der Orthopädie und Unfallchirurgie. Thieme, Stuttgart 2014

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