Chassaignac-Lähmung

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 27. November 2017
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Eine Chassaignac-Lähmung tritt vor allem bei Kleinkindern im Alter bis vier Jahren auf. Hierbei wird das sogenannte Radiusköpfchen im Ellenbogengelenk ausgerenkt. Dies ist lediglich bei Kleinkindern möglich, da ab dem vierten Lebensjahr das Radiusköpchen seine endgültige Größe erreicht. Grundsätzlich wird zwischen der Chassaignac-Lähmung und einer Ellenbogenverrenkung unterschieden, wobei die Übergänge meist für den Laien fließend sind.

Inhaltsverzeichnis

Was ist eine Chassaignac-Lähmung

Mit einer Ellenbogenverrenkung wird das Auskugeln des Ellenbogengelenkes bezeichnet. Dieses befindet sich zwischen dem Oberarmknochen und der Elle. Dahingegen kann man bei einer Chassaignac-Lähmung nur von einer Teilausrenkung sprechen, indem das Radiusköpchen aus dem Ringband springt.

Von einer Ellenbogenverrenkung können sowohl Kinder als auch Erwachsene betroffen sein. Eine Chassaignac-Lähmung hingegen ist nur im Kleinkindalter möglich.

Ursachen

Eine Chassaignac-Lähmung kommt grundsätzlich durch einen ruckartigen Zug zustande.

In den meisten Fällen, in der eine Chassaignac-Lähmung ausgelöst wird, stolpert das betreffende Kind und die Eltern versuchen es noch am Arm davor zu bewahren. Durch diesen starken Ruck kann es zu einer Auskugelung des Radiusköpfchens kommen.

Auch ein Zurückziehen des Kindes, wenn dieses vorrennen möchte, kann unter Umständen einen so großen Ruck auslösen, dass es ebenfalls zu einer Chassaignac-Lähmung kommen kann.

Typische Symptome & Anzeichen

Diagnose & Verlauf

Das Kind wird bei einer Chassaignac-Lähmung den betroffenen Arm ruhig halten. Dabei wird der Arm in den meisten Fällen einfach ruhig nach unten gehalten. Man kann sozusagen von einer Haltung des Armes in einer Neutralstellung sprechen.

Der Unterarm und auch die Hand werden dabei leicht vom Kind nach innen gehalten, um das Gelenk zu schonen. Dieses Verhalten wird Pronation genannt. Das Kind wird diesen Arm nicht mehr bewegen und kann zudem unter großen Schmerzen leiden.

Des Weiteren kann es zu einer Schwellung direkt über dem Radiusköpfchen kommen und ein Taubheitsgefühl, sowohl in der Hand, als auch im Unterarm, verursachen.

EineChassaignac-Lähmung wird vom behandelnden Arzt meist sofort an der entsprechenden Haltung und den weiteren Symptomen erkannt und bedarf meist keiner weiteren Diagnose.

Komplikationen

Bei der Chassaignac-Lähmung kommt es zu sehr starken Schmerzen, die vor allem Kinder extrem belasten können. Die Schmerzen treten allerdings nur zu Anfang der Erkrankung auf und verschwinden dabei danach wieder. Der Arm des Kindes ist dabei gelähmt und kann nicht mehr bewegt werden. Dabei dreht oder bewegt das Kind vor allem den Unterarm nicht mehr, wodurch starke Einschränkungen im Alltag entstehen.

Es ist für den Patienten nicht mehr möglich, bestimmte Dinge zu greifen oder zu nehmen oder die Arme zum Beispiel zum Spielen zu benutzen. Daher wird durch die Chassaignac-Lähmung auch die Entwicklung des Kindes verhindert. Falls die Lähmung nicht behandelt wird, kann sie dauerhaft eintreten und damit den Alltag des Patienten sehr erschweren. Auch nach der erfolgreichen Behandlung besteht ein geringes Risiko, dass die Lähmung erneut beim Patienten auftritt.

Bei der Behandlung selbst treten keine weiteren Komplikationen auf. Diese kann durch den Arzt direkt mit einem speziellen Handgriff erfolgen und befreit den Patienten direkt vom Symptom. Sollte es zu Schmerzen oder anderen Verletzungen am Arm kommen, kann dieser noch einige Tage nach der Behandlung in einem Gips verweilen. Auch können noch nach der Behandlung Schmerzen auftreten. Weitere Komplikationen treten nicht auf.

Wann sollte man zum Arzt gehen?

Bei Verdacht auf eine Chassaignac-Lähmung sollte auf jedem Fall ein Arzt aufgesucht werden. Nur ein Mediziner kann das ausgerenkte Radiusköpfchen wieder in seine Ausgangsposition bringen und dadurch auch die Beschwerden beheben. Sollten also plötzlich leichte Schmerzen im Bereich des Ellenbogens auftreten, die auf keine andere Ursache zurückzuführen sind, ist ärztlicher Rat gefragt. Weitere Warnzeichen, die einer Abklärung bedürfen sind Lähmungserscheinungen, die scheinbar ganz plötzlich auftreten und mitunter auch eine leichte Rötung in der Beuge des Ellenbogens.

Eltern, die bei ihrem Kind entsprechende Symptome bemerken, machen am besten sofort einen Termin beim Kinderarzt aus. Eine sofortige Behandlung verhindert, dass sich die Symptome verstärken und bringt in der Regel eine rasche Linderung der Beschwerden. Bleibt die Chaissagnac-Lähmung allerdings unbehandelt, können sich weitere Komplikationen einstellen und die Beschwerden nehmen im Verlauf immer weiter zu. Deshalb gilt: sofort einen Arzt konsultieren, wenn das Kind – betroffen sind vor allem Kleinkinder bis zum fünften Lebensjahr – einen Arm plötzlich nicht mehr oder nur noch eingeschränkt benutzt oder über Schmerzen klagt.

Behandlung & Therapie

Der erste Schritt der Behandlung ist meist eine Röntgenaufnahme des betroffenen Armes. Hierdurch sollen gegebenenfalls mitverursachte Knochenbrüche erkannt werden. Dies ist allerdings bei einer Chassaignac-Lähmung nicht die Regel, wird aber zur Sicherheit bei entsprechenden Symptomen zum Beispiel nach einem schweren Sturz durchgeführt.

Im Anschluss wird er Arzt versuchen das Radiusköpfchen wieder einzurenken. Dies geschieht sehr schnell, da eine anhaltende Quetschung oder Überdehnung der benachbarten Nerven und Blutgefäße verhindert werden soll. Ansonsten könnte es zu unliebsamen Folgeschäden kommen.

Bevor es zur Einrenkung kommt, wir dem betroffenen Kind meist ein Schmerz- und Beruhigungsmittel gespritzt. Hierdurch soll verhindert werden, das das Kind seine Muskeln anspannt und eine Einrenkung erschwert wird. Meist läuft dieser Schritt ohne Probleme ab und das Kind kann seinen Arm danach gewohnt bewegen.

Nach der Einrenkung erfolgt aber meist eine erneute Untersuchung des Armes. Dabei achtet der behandelnde Arzt besonders darauf, dass das Ellenbogengelenk ausreichend stabil ist. Denn bei dem Herausspringen des Radiusköpfchens können Gelenkbänder und Gelenkkapseln beschädigt oder vereinzelnd ganz zerrissen worden sein. Hierdurch kann das Radiusköpfchen schnell erneut herausspringen. Des Weiteren wird der Mediziner abklären, ob Gefühlsstörungen im Arm bestehen und nicht zurückgehen. Sollte dies der Fall sein, so kann dies für eine Verletzung einer Hauptader sprechen. Auch eine Beschädigung der Nerven könnte verursacht worden sein.

Sofern eine starke Instabilität festgestellt wurde, muss operativ gehandelt werden, um bleibende Schäden zu verhindern. Zur Sicherheit wird dem betroffenen Kind meist eine Gipsschiene für circa zwei bis drei Wochen angelegt, um einem erneuten Herausspringen vorzubeugen. Auch eine Krankengymnastik kann angeordnet werden, wenn die Bewegungsfähigkeit nicht von alleine wieder hergestellt werden kann.

Dies ist aber meist nur in sehr schweren Fällen erforderlich. Bei einer Ausrenkung durch einen „normalen“ Ruck, kann das Kind ohne Probleme den Arm nach der Einrenkung bewegen und hat auch keine Schmerzen mehr. Selbst das vorherige Spritzen von Schmerz- und Beruhigungsmitteln ist oft erlässlich.

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Aussicht & Prognose

In den meisten Fällen kommt es bei der Chassaignac-Lähmung nicht zu dauerhaften oder zu langwierigen Schäden. Dies ist vor allem dann der Fall, wenn die Verletzung sofort von einem Arzt kontrolliert wird, welcher das Köpfchen wieder einrenken kann. Dadurch werden keine Nerven geschädigt, sodass es zu keinen weiteren Beschwerden kommt. Das Kind kann nach dem Einrenken den Arm ohne Einschränkungen bewegen.

In der Regel sind allerdings auch nach dem Einrenken noch einige Untersuchungen notwendig, um weitere Beschädigungen zu erkennen. Bei einer Instabilität kann diese durch einen operativen Eingriff und durch eine anschließende Krankengymnastik behandelt werden. Die Beweglichkeit wird dadurch in der Regel nicht negativ beeinflusst und kann vollständig wiederhergestellt werden. Operative Eingriffe sind nur selten und in schwerwiegenden Fällen bei starken Verletzungen notwendig.

Die Einrenkung selbst kann mit Schmerzen verbunden sein, danach treten beim Bewegen allerdings keine Schmerzen mehr auf. In den meisten Fällen kann die Chassaignac-Lähmung damit vollständig behandelt werden, sodass es zu einem positiven Krankheitsverlauf kommt. Nur bei einer verzögerten Behandlung können Komplikationen auftreten.

Vorbeugung

Es sollte somit darauf geachtet werden, dass man sein Kind nicht zu doll am Arm zieht, um einer Chassaignac-Lähmung vorzubeugen.

Das können Sie selbst tun

Bei der Chassaignac-Lähmung handelt es sich um eine Teilausrenkung des Ellenbogens, bei der das Radiusköpfchen aus dem Ringband springt. Diese Störung kann nur bei Kleinkindern auftreten, da das Radiusköpfchen seine endgültige Größe meist während des vierten Lebensjahres erreicht. Bei einer Chassaignac-Lähmung ist rasches Handeln seitens der Eltern oder der Betreuer eines Kleinkindes gefragt. Wird die Verletzung nicht erkannt oder nicht zeitnah behandelt, kann die Lähmung dauerhaft werden oder mit schweren Langzeitfolgen einhergehen.

Eine Chassaignac-Lähmung verursacht zu Beginn meist starke Schmerzen. Eltern sollten solche Beschwerden immer sehr ernst nehmen und einen Arzt konsultieren, auch wenn scheinbar keine ernsthafte Verletzungshandlung vorausgegangen ist. Meist kommt es durch ruckhafte Bewegungen zur Chassaignac-Lähmung. Dies kann der Fall sein, wenn Kinder sich beim Spielen gegenseitig am Arm zerren oder wenn Eltern ein stürzendes Kind gerade noch am Arm festhalten können. Häufig ist der Auslöser für die Störung völlig unspektakulär.

Gefährlich wird es dann, wenn die Kinder keine akuten Schmerzen haben und die Verrenkung deshalb nicht sofort erkannt wird. Eltern sollten darum auf bestimmte Verhaltensweisen immer zeitnah reagieren. Auch wenn Kinder nicht unter Schmerzen leiden, können sie den von der Chassaignac-Lähmung betroffenen Arm meist nicht bewegen oder versuchen ihn zu schonen. Eltern, die ein solches Verhalten beobachten, sollten sofort einen Arzt hinzuziehen, auch wenn das Kind nicht über Beschwerden klagt.

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Quellen

  • Eppinger, M., Müller, M., et al.: Pädiatrie. Für Studium und Praxis. 2013/14. Medizinische Verlags- und Informationsdienste, Breisach 2013
  • Niethardt, F.U.: Kinderorthopädie. Thieme, Stuttgart 2009
  • Speer, C.P., Gahr, M. (Hrsg.): Pädiatrie. Springer, Berlin 2013

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