Cervicobrachialgie

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 16. November 2017
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Unter einer Cervicobrachialgie werden Schmerzen verstanden, die von der Halswirbelsäule ausgehen. Sie strahlen bis in den Arm aus.

Inhaltsverzeichnis

Was ist eine Cervicobrachialgie?

Von einer Cervicobrachialgie ist die Rede, wenn Schmerzen im Arm von der Halswirbelsäule verursacht werden. Ärzte sprechen auch von einer Zervikobrachialgie, einem zervikobrachialen Syndrom, einer zervikobrachialen Neuralgie oder einem Schulter-Arm-Syndrom. Bei der Cervicobrachialgie handelt es sich nicht um eine Erkrankung, sondern um die Beschreibung eines Symptoms.

Darüber hinaus entspricht das Schulter-Arm-Syndrom einem Halswirbelsäulensyndrom im mittleren und unteren Halswirbelsäulenabschnitt. In den meisten Fällen entsteht die Cervicobrachialgie durch einen Bandscheibenvorfall in der Halswirbelsäule (HWS). Die Bezeichnung Cervicobrachialgie wird aus den Begriffen Cervicalgie (Schmerz in der Halswirbelsäule) und Brachialgie (Armschmerz, der sich von den Armnerven und Nervenwurzeln ableitet) zusammengesetzt.

Ursachen

Für eine Cervicobrachialgie kommen zahlreiche unterschiedliche Ursachen infrage. Zu den häufigsten Auslösern gehört ein Bandscheibenvorfall in der Halswirbelsäule. Dabei ist das vorgefallene Gewebe der Bandscheibe für eine mechanische Irritation der abgehenden Nervenwurzeln verantwortlich. Infolgedessen kommt es zu einem Nervenwurzelschmerz, der sich bis in den weiteren Körper erstreckt.

Das Schmerzband verläuft unterschiedlich und richtet sich nach dem betroffenen Armnerv beziehungsweise der Nervenwurzel. Je intensiver und abrupter eine Nervenwurzelirritation auftritt, umso weiter schreitet der Schmerz innerhalb des Arms voran. Daher können ausgeprägte Nervenwurzelreizungen bis in die Hand hineinreichen. Sind die Schmerzen weniger intensiv und entstehen nur langsam, enden die Beschwerden im Oberarm oder im Unterarm.

Ein weiterer möglicher Grund für eine Cervicobrachialgie stellen verschleißbedingte Verengungen an den Nervenaustrittslöchern der Wirbelsäule dar. Gleiches gilt für Nervenentzündungen wie eine Plexusneuritis oder Wirbelgelenkzysten. Aber auch bestimmte Erkrankungen sind nicht selten der Urheber eines Schulter-Arm-Syndroms.

Dazu gehören die Uncovertebralarthrose, bei der es sich um eine Variante der Halswirbelsäulenarthrose handelt, eine Spondylarthrose, muskuläre Verspannungen wie Myogelosen, eine Blockade der Halswirbelsäule, ein Karpaltunnelsyndrom sowie eine Muskelatrophie der Halsmuskeln. Mitunter wird die Cervicobrachialgie auch durch eine Tumorerkrankung des Plexus brachialis oder eine Meningeosis neoplastica hervorgerufen.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Die Beschwerden bei einer Cervicobrachialgie entstehen in der Regel durch zeitweiligen oder dauerhaften Druck auf die Halswirbelsäulennerven. Diese Nerven reichen bis in die Armregion. Je nach Schwere des Schulter-Arm-Syndroms zeigen sich intensive Kopfschmerzen, die bis in die Halswirbelregion ausstrahlen.

Die Schmerzen verlaufen entweder klopfend, dumpf oder ziehend. Manchmal werden sie auch durch manuellen Druck auf die Halswirbelsäule ausgelöst. In der Regel zeigen sie sich nicht chronisch, treten aber besonders bei längerem Liegen oder am Morgen nach dem Aufstehen auf. Aber auch bei längeren Fahrten mit dem Auto sind Kopfschmerzen möglich.

Ein weiteres Symptom stellen ausgeprägte Verspannungen im Nacken dar, die gleichzeitig mit Armschmerzen auftreten, die als sehr unangenehm gelten. In schweren Fällen leiden die Patienten zudem unter Taubheitsgefühlen.

Diagnose & Krankheitsverlauf

Führt die Cervicobrachialgie den Patienten zum Arzt, befasst dieser sich zunächst mit dessen Krankengeschichte. Ebenfalls von Bedeutung ist eine körperliche Untersuchung. Dabei achtet der Mediziner auf Nervenwurzelreizungen der Halswirbelsäule an den Wurzeln C6 und C7, weil diese am häufigsten auftreten. So sind sie mit einem Anteil von rund 36 Prozent für die meisten Bandscheibenvorfälle verantwortlich.

Sinnvoll für die Diagnostik sind außerdem bildgebende Verfahren wie eine Röntgenuntersuchung, eine Computertomographie (CT) sowie eine Kernspintomographie (Magnetresonanztomographie). Abhängig von der auslösenden Ursache einer Cervicobrachialgie findet ferner eine Messung der Nervenleitgeschwindigkeit statt.

Die Cervicobrachialgie kann sowohl einen akuten als auch einen chronischen Verlauf nehmen. Chronische Beschwerden dauern länger als drei Monate. In solchen Fällen ist eine aufwendigere Therapie erforderlich.

Komplikationen

Bei der Cervicobrachialgie kommt es in der Regel zu relativ starken Schmerzen. Diese können sich in verschiedene Regionen des Körpers ausbreiten und auch an Bereichen des Körpers zu Schmerzen bringen, an welchen die Ursache sich nicht direkt befindet. Somit können Schmerzen von der Wirbelsäule auch die Arme betreffen.

Ebenso schmerzen die Schultern und der Kopf des Betroffenen, sodass körperliche Anstrengungen nicht mehr möglich sind. Auch die Leistungsfähigkeit des Patienten wird verringert, dieser fühlt sich schwach. Im Nacken kann es zu Verspannungen kommen, sodass in der Regel eine ungesunde Haltung eingenommen wird. Ebenso können kurzzeitig Lähmungen und Taubheitsgefühle an verschiedenen Stellen des Körpers auftreten.

Die Lebensqualität wird durch die Cervicobrachialgie relativ stark verringert. Die ständigen Schmerzen können sich auch negativ auf die Psyche auswirken und zu Depressionen oder zu einer Reizbarkeit führen. Die Behandlung der Schmerzen erfolgt in den meisten Fällen mit Hilfe von Schmerzmitteln. Dabei sollten diese nicht auf lange Sich eingenommen werden, da diese den Magen beschädigen können.

Ebenso sind Maßnahmen der Physiotherapie notwendig, um die Symptome langfristig einzuschränken. In einigen Fällen sind auch operative Eingriffe notwendig, um die Cervicobrachialgie zu behandeln. Oft bleiben die Schmerzen allerdings erhalten, falls die Nerven zu stark beschädigt wurden.

Wann sollte man zum Arzt gehen?

Mit intensiven Kopfschmerzen und Verspannungen im Nacken sollte unbedingt der Hausarzt konsultiert werden. Falls Taubheitsgefühle oder starke Schmerzen im Bereich von Arm und Halswirbelsäule hinzukommen, wird am besten direkt ein Orthopäde oder Chiropraktiker zurate gezogen. Beschwerden und Symptome, die seit längerer Zeit bestehen oder immer wieder auftreten, sind ebenfalls ein Fall für den Facharzt. Eine Cervicobrachialgie kann in jedem Fall nur von einem Mediziner festgestellt und behandelt werden.

Gefährdet sind insbesondere Patienten, die einen Bandscheibenvorfall hinter sich haben. Auch in Folge eines Schulter-Arm-Syndroms und bei Nervenentzündungen kommt es immer wieder zu den intensiven Arm- und Halswirbelsäulen-Beschwerden. Auf wen diese Faktoren zutreffen, der sollte bei genannten Anzeichen mit dem zuständigen Arzt sprechen. Daneben empfiehlt sich ein Gespräch mit einem Physiotherapeuten. Dieser kann die Beschwerden oftmals gezielt behandeln und Tipps geben, wie sich eine Cervicobrachialgie zukünftig vermeiden lässt. Bei chronischen Schmerzen ist allerdings in jedem Fall eine medizinische Behandlung und Nachsorge erforderlich.

Behandlung & Therapie

Für die Behandlung einer Cervicobrachialgie stehen unterschiedliche Optionen zur Verfügung, die sich nach der Ursache und dem Ausmaß des Leidens richten. Zur Behandlung von akuten Schmerzen werden in der Regel schmerzstillende Mittel wie Diclofenac oder Ibuprofen sowie Muskelrelaxantien vom Benzodiazepin-Typ verabreicht. Diese Präparate eignen sich aber nur für einen begrenzten Zeitraum.

Darüber hinaus kann der Arzt dem Patienten ein lokal wirkendes Anästhetikum injizieren. Als unterstützende Behandlungen haben sich Chiropraktik, Akupunktur sowie physiotherapeutische Maßnahmen bewährt. Die Krankengymnastik setzt auf das Stärken der Halswirbelsäulenmuskeln. Nur beschränkte Wirkung zeigen Wärme- oder Kälteanwendungen.

Der Einsatz einer Halskrause wird ausschließlich in akuten Fällen empfohlen. So erfolgt durch sie eine derart starke Entlastung der Halsmuskeln, dass infolgedessen deren Degeneration droht. In schweren Fällen lässt sich eine Cervicobrachialgie auch operativ behandeln. Dies geschieht jedoch nur dann, wenn die konservativen Maßnahmen nicht von Erfolg gekrönt sind oder überaus starke Beschwerden bestehen.

Die Risiken eines Eingriffs gelten als gering und beinhalten in erster Linie Probleme durch eine Vollnarkose oder Wundinfektionen. Ist ein Bandscheibenvorfall für die Cervicobrachialgie verantwortlich, besteht die Option, den vorgefallenen Bereich herauszuoperieren. Wurde der Nerv zuvor nicht geschädigt, ist ein Schmerzrückgang möglich.

Bei einer umfangreichen Entfernung des Wirbelkörpers muss in manchen Fällen eine Wirbelkörperprothese eingesetzt werden. Zu den operativen Therapiemöglichkeiten zählt außerdem die Spondylodese. Dabei erfolgt eine Einschränkung der Beweglichkeit von ein oder zwei Wirbelkörpern.

Dies findet zumeist durch das Einsetzen von Schrauben statt. Auf diese Weise erfolgt eine Versteifung der Wirbelsäule, wodurch sich die Schmerzen verringern lassen. Prinzipiell gelten die Erfolgsaussichten einer operativen Behandlung der Cervicobrachialgie jedoch eher als gering, weil sich die Schmerzen nur selten bessern.

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Aussicht & Prognose

Der weitere Verlauf hängt bei einer Cervicobrachialgie relativ stark von den genauen Ursachen dieser Erkrankung ab. Aus diesem Grund ist eine allgemeine Prognose dabei in der Regel nicht möglich. Meistens lassen die Schmerzen allerdings nicht nach, wenn sie nicht behandelt werden. Obwohl die Schmerzen aus der Wirbelsäule kommen, breiten sie sich häufig auch in die benachbarten Regionen aus, sodass es in den Schultern oder sogar am Kopf zu Schmerzen kommen kann. Im weiteren Verlauf führt die Cervicobrachialgie dann zu Nackenverspannungen und im schlimmsten Falle zu Taubheitsgefühlen oder sogar zu Lähmungen. Durch die dauerhaften Schmerzen wird auch der Alltag des Patienten negativ eingeschränkt und die Lebensqualität verringert.

Da sich die Behandlung der Cervicobrachialgie ebenfalls nach ihrer Ursache richtet, kann hierbei kein allgemeiner Verlauf gegeben werden. Je früher die Krankheit allerdings diagnostiziert wird, desto höher sind die Chancen einer vollständigen Heilung. In schwerwiegenden Fällen können dabei auch operative Eingriffe notwendig sein, um die Beschwerden zu lindern. Meistens kann die Cervicobrachialgie allerdings auch mit Hilfe von Übungen relativ gut eingeschränkt werden. Die Lebenserwartung des Patienten wird durch die Krankheit in der Regel nicht verringert.

Vorbeugung

Um einer Cervicobrachialgie vorzubeugen, empfiehlt es sich, die Rückenmuskeln regelmäßig zu stärken. Ferner gilt es, einseitige Belastungen der Wirbelsäule zu vermeiden.

Das können Sie selbst tun

Zu den häufigsten Ursachen für eine Cervicobrachialgie zählen neben einem Bandscheibenvorfall andere degenerative Veränderungen an der Halswirbelsäule. Ein Betroffener sollte im Falle von Beschwerden unbedingt einen Arzt aufsuchen.

Werden degenerative Leiden frühzeitig erkannt, können diese oftmals auch ohne operativen Eingriff erfolgreich therapiert werden. Bei einem beginnenden Bandscheibenvorfall und anderen degenerativen Störungen der Halswirbelsäule sollte der Patient unverzüglich eine Physiotherapie beginnen. Deren Erfolg hängt aber stark von der Mitwirkung des Patienten ab. Dieser lernt während der Therapie eine Reihe von Übungen, die die Halswirbelsäulenmuskeln lockern und stärken. Diese Übungen müssen meist nicht nur beim Physiotherapeuten, sondern auch zuhause regelmäßig absolviert werden. Darüber hinaus sind oftmals noch eine Vielzahl anderer Verhaltensanpassungen erforderlich. Häufig muss der Arbeitsplatz ergonomisch ausgerichtet und die Körperhaltung während des Arbeitens am Bildschirm korrigiert werden. Personen, die schwere körperliche Arbeit verrichten, dürfen bestimmte Tätigkeiten oftmals nicht mehr ausüben. Entsprechende ärztliche Verbote sollten strikt beachtet werden.

Bei akuten Schmerzen reagieren manche Patienten positiv auf Wärme oder Kälte. Ein Betroffener sollte seine Reaktion auf Temperaturveränderungen testen. Bei einer positiven Reaktion auf Wärme eignen sich Vollbäder, Wärmflaschen und Rotlicht zur Behandlung. Wer besser auf Kälte anspricht, sollte Eiskompressen aus der Apotheke oder dem medizinischen Fachhandel verwenden.

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Quellen

  • Agarwal-Kozlowski, K.: Ganzheitliche Schmerztherapie. Thieme, Stuttgart 2013
  • Lang, F., et al.: Basiswissen Physiologie. Springer Verlag, Berlin Heidelberg 2007
  • Striebel, H.W.: Therapie chronischer Schmerzen. Schattauer, Stuttgart 2002

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