Cast

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 31. Januar 2017
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Ein Cast ist ein ruhigstellender Verband, der als Alternative zu den normalen Verbänden aus Gips genutzt wird. Er wird auch als Castverband oder Kunststoffgips bezeichnet.

Inhaltsverzeichnis

Was ist ein Cast?

Ein Castverband besteht im Gegensatz zum "normalen" Verband nicht aus Gips, sondern aus Kunststoff. Casts werden ebenso wie Gipsverbände auch zur Behandlung von Knochenbrüchen verwendet. Teilweise werden auch Gipsverbände mit Castverbänden kombiniert.

Formen, Arten & Typen

Ein Castverband besteht in der Regel aus einem dehnbaren Trägergewebe. Dieses Trägergewebe wird aus Glasfasern oder Polyester gefertigt. Für die Stabilität ist das dehnbare Trägergewebe mit einem Kunststoffharz beschichtet. Durch das Eintauchen in Wasser wird dieses Kunststoffharz aktiviert und härtet aus. Die Aushärtung variiert dabei in Abhängigkeit von der Wassertemperatur und der Tauchzeit. Je kälter das Wasser ist, desto weniger Zeit verbleibt zum Modellieren.

In einer anderen Variante kann der Castverband auch trocken angelegt werden. Dafür wird das dehnbare Grundmaterial um die betroffene Extremität gewickelt. Anschließend wird die Kunststoffharzbeschichtung durch Benebeln mit Wasser aktiviert. Normalerweise sind Casts innerhalb von einer halben Stunde ausgehärtet. Ein voll ausgehärteter Castverband ist auch voll belastbar.

Bei der konservativen Knochenbruchbehandlung wird dem Patienten meist zunächst ein herkömmlicher Gipsverband angelegt. Diese herkömmlichen Gipsverbände ermöglichen eine Längsspaltung unmittelbar nach dem Aushärten. So wird der betroffenen Extremität ein weiteres Anschwellen ermöglicht. Mit dem zirkulär angelegten Castverband wäre dies so nicht möglich. Erst wenn die Extremität wieder abgeschwollen ist, kann ein Castverband angelegt werden. Daher bezeichnet man sie teils auch als Sekundärverbände.

Aufbau & Funktionsweise

Ein Cast ist ein ruhigstellender Verband, der als Alternative zu den normalen Verbänden aus Gips genutzt wird. Er wird auch als Castverband oder Kunststoffgips bezeichnet.

Der Castverband wird an die betroffene Extremität angelegt. Er dient dann der mechanischen Fixation des Knochenbruches. In der Regel werden Castverbände vor allem bei unkomplizierten und stabilen Knochenbrüchen eingesetzt. Vor dem Anlegen des Verbandes muss die Fraktur zunächst wieder in ihre anatomiegerechte Stellung gebracht werden. Diesen Vorgang bezeichnet man auch als Reposition.

Der Verband dient dann der Stabilisierung und der Ruhigstellung der betroffenen Extremität. Mithilfe des Casts soll dem Körper die Möglichkeit zur Gewebeheilung und zur Rehabilitation gegeben werden. Durch den Verband werden Bewegungen eingeschränkt, die der Heilung nicht dienlich wären. Nur so wird eine Knochenneubildung möglich.

Cast- und Gipsverbände werden häufig bei Kindern eingesetzt. Typische Frakturen, die mit Casts versorgt werden, sind Frakturen des Unterarms, der Speiche, des Kahnbeins der Hand, Unterschenkelfrakturen beim Kind, unkomplizierte Außenknöchelfrakturen und Mittelfuß- und Fußwurzelfrakturen. Bei Frakturen, die operativ behandelt werden, kommen Casts meist zur vorläufigen Ruhigstellung vor der Operation zum Einsatz. Sie können auch postoperativ eingesetzt werden.

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Medizinischer & gesundheitlicher Nutzen

Casts bieten einige Vorteile gegenüber Gipsverbänden. So haben sie zum Beispiel ein deutlich geringeres Gewicht als die Gipsbinden. Vor allem Verbände, die die Patienten sehr lange tragen müssen, können durch ihr schweres Gewicht belasten und die Heilung verzögern.

Trotz des geringen Gewichts weisen die Casts eine höhere Festigkeit auf. Sie härten zudem schneller aus als Gipsverbände. So kann schon sehr früh eine volle Belastbarkeit erzielt werden. Gipsverbände sind wasserempfindlich. Casts sind unempfindlich gegenüber Wasser. Es gibt ebenfalls ein spezielles Polster- und Unterzugsmaterial, welches Duschen oder Baden mit dem Castverband ermöglicht. Die Castbinden sind in vielen Farben und sogar mit Motivdruck erhältlich. Besonders bei Kindern fördert dies die Akzeptanz.

Doch Castverbände haben nicht nur Vorteile. Sie sind deutlich teurer als Gipsbinden. Die höheren Kosten sind bei Verbänden, die häufig erneuert werden müssen, meist zu hoch. Auch bei Verbänden, die nur für wenige Tage getragen werden, sind Casts teuer. Die Castbinden sind zudem nicht sehr durchlässig für Wasserdampf oder Luft. Die Patienten schwitzen daher unter diesem Verband mehr.

Durch die raue Oberfläche der Verbände besteht zusätzlich die Gefahr, dass Kleidung beschädigt wird. Auch die Entsorgung der Castbinden ist problematischer. Noch dazu besteht der Verdacht, dass die Castverbände allergieauslösende Stoffe enthalten können.

Hinsichtlich der medizinischen Wirksamkeit gibt es keine wirklichen Unterschiede zwischen den beiden Gipsarten. So sind auch die Komplikationen der Castverbände dieselben wie bei Gipsverbänden. Bei ungenügender Polsterung kann es zu Druckgeschwüren kommen.

Wenn die Casts zu eng angelegt werden oder die betroffene Extremität nachträglich noch anschwillt, kann es zu einer kompletten oder teilweisen Störung der Durchblutung kommen. Wird diese Durchblutungsstörung nicht erkannt, könnte eine Volkmann-Kontraktur die Folge sein. Bei einer Volkmann-Kontraktur sind die Muskeln des Unterarms aufgrund einer Mangeldurchblutung verkürzt. Auch Nerven können durch die Mangeldurchblutung geschädigt werden. Typisch für die Volkmann-Kontraktur ist eine sogenannte Klauenhand.

Durch den Druck der Oberkante eines Unterschenkelcasts auf das Wadenbeinköpfchen kann es ebenfalls zu einer Druckschädigung von Nerven kommen. Typisch ist dabei die Peroneuslähmung. Die lange Immobilisierung kann zudem zu einer Muskelatrophie führen. Auch tiefe Beinvenenthrombosen sind ein bekanntes Risiko von Therapien, die mit einer langen Immobilisierung einhergehen. Eine gefürchtete Folge der tiefen Beinvenenthrombose ist die lebensbedrohende Lungenembolie.

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