Capsula interna

Medizinische Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher (Facharzt für innere Medizin) am 12. Oktober 2016
Symptomat.deAnatomie Capsula interna

Die Capsula interna liegt im Gehirn des Menschen und besteht aus Nervenfasern, die tiefere Gebiete und die Hirnrinde miteinander verbinden.

Zu den zahlreichen Bahnen, die durch die innere Kapsel ziehen, gehören unter anderem die Fibrae frontopontinae, der Tractus corticospinalis der Pyramidenbahn, die Fibrae temporopontinae, der Tractus corticotectalis und Teile der Hör- und Sehbahn. Im Rahmen eines Schlaganfalls und anderer Schädigungen können vielfältige neurologische Krankheitsbilder entstehen, darunter die halbseitige Lähmung (Hemiparese).

Inhaltsverzeichnis

Was ist die Capsula interna?

Verschiedene Nervenbahnen, die durch das Gehirn ziehen, fasst die Neurologie zur Capsula interna zusammen. Im menschlichen Gehirn lassen sich zwei grundsätzliche Typen von Nervengewebe unterscheiden: Die graue Substanz enthält viele Zellkörper (Somata), während die weiße Substanz überwiegend aus Nervenfasern besteht.

Diese Fasern sind Fortsätze der Neurone, über die elektrische Signale von einer Zelle zur nächsten gelangen. Nach außen hin sind sie von einer isolierenden Schicht umgeben, die als Myelinscheide bekannt ist und das Gewebe weiß erscheinen lässt. Die Myelinschicht besteht aus spezialisierten Gliazellen, den Schwannschen Zellen. Sie wachsen spiralförmig um das Axon herum. Streng genommen sind Axone die bloßen Fortsätze der Nervenzellen, während der Begriff „Nervenfaser“ die Einheit aus Axon und Myelinschicht bezeichnet.

Da die meisten Axone des menschlichen Nervensystems jedoch myelinisiert sind, spielt diese formale Unterscheidung in der Praxis nur eine untergeordnete Rolle. Auch die Capsula interna besteht aus weißer Substanz.

Anatomie & Aufbau

Die Fasern der Capsula interna ziehen sich von der Hirnrinde an der Oberfläche des Gehirns zu tiefer gelegenen Bereichen wie dem Hirnschenkel (Crus cerebri). Ihr Verlauf ist in beiden Hemisphären identisch.

Zur Mitte des Gehirns hin grenzen der Thalamus und der Nucleus caudatus an die Nervenbahnen der inneren Kapsel an, während sich auf der anderen Seite der Nucleus lentiformis befindet, der sich seinerseits aus Putamen und Pallidum zusammensetzt. Anatomisch lassen sich drei Bereiche innerhalb der Capsula interna unterscheiden: das Crus anterius, das Genu capsulae internae sowie das Crus posterius.

Das Crus anterius („vorderer Schenkel“) besteht aus den Nervenfasern, die sich im kopfwärtigen Teil der schalenförmigen Ansammlung befinden. Hier verlaufen die Fibrae frontopontinae, die Nervensignale vom Frontallappen zum Crus cerebri übertragen, sowie Nervenfasern, die den Frontallappen mit dem Thalamus verbinden und auch als vorderer Thalamusstiel bekannt sind. Das Genu capsulae internae beinhaltet lediglich die kortikonukleäre Bahn.

Deutlich mehr Nervenbahnen sind im Crus posterior („hinteren Schenkel“) zu finden. Zu diesen Fasern gehören ein Teil der Pyramidenbahn (Tractus corticospinalis), die Fibrae temporopontinae, der Tractus corticotectalis, Tractus corticorubralis, Tractus corticoreticularis, Fasern des zentralen und posterioren Teil des Thalamus (Radiatio centralis thalami und Radiatio posterior thalami), Bahnen der Hörbahn (Radiatio acustica) sowie Nervenfasern der Sehbahn (Radiatio optica).

Funktion & Aufgaben

Durch keinen Gehirnbereich verlaufen so viele Nervenbahnen wie durch die Capsula interna. Die Fasern gehören unterschiedlichen Bahnen an und üben dementsprechend verschiedene Funktionen aus.

Der Tractus corticospinalis transportiert motorische Informationen, die ihren Ursprung im Gyrus praecentralis im Frontallappen haben und erst die Capsula interna durchqueren, bevor sie zum Hirnschenkel und weiter über das verlängerte Mark (Medulla oblongata) verlaufen und sich an der Pyramidenkreuzung (Decussatio pyramidum) in die Pyramidenvorderstrangbahn und die Pyramidenseitenstrangbahn teilen; Letztere wechselt dabei die Körperseite, sodass die Fasern aus der rechten Hemisphäre die linke Körperhälfte versorgen und umgekehrt.

Im menschlichen Körper sind die Pyramidenbahnen für die Kontrolle willkürlicher Bewegungen verantwortlich. Die Fibrae temporopontinae haben die Aufgabe, die Schläfenwindung des Gehirns mit den seitlichen hinteren Kernen der Brücke (Pons) zu verbinden. Im Gegensatz dazu ist der Tractus corticotectalis an der Steuerung der Augen beteiligt, wobei er sowohl willkürliche Bewegungen als auch Reflexe vermittelt.




Krankheiten

Läsionen der Capsula interna haben in der Regel verschiedene neurologische Störungen zur Folge, da die Dichte der Nervenfasern hier besonders hoch ist. Die Beeinträchtigungen können mehrere funktionelle Bereiche gleichzeitig betreffen.

Eine mögliche Folge ist die halbseitige Lähmung (Hemiparese). Sie geht im Zusammenhang mit der Capsula interna vor allem auf Läsionen an der Pyramidenbahn und anderen motorischen Fasern zurück, die durch dieses Gebiet ziehen.

Betroffen ist in diesem Fall die kontralaterale Körperseite. Die vollständige Lähmung einer Körperhälfte bezeichnet die Medizin hingegen als Hemiplegie oder Hemiparalyse. Das Ausmaß der Lähmung hängt davon ab, wie viele Fasern der motorischen Bahnen zerstört sind. Schäden an der Hör- und Sehbahn, deren Nervenfasern ebenfalls durch die Capsula interna verlaufen, können Beeinträchtigungen in den entsprechenden Sinnesmodalitäten hervorrufen. Auch komplexe neurologische Störungen, die sich durch eine Vielzahl von verschiedenen Symptomen auszeichnen, sind möglich.

Als Ursache für Schädigungen der Capsula interna kommt beispielsweise ein Schlaganfall in Betracht. Eine Unterbrechung der Blutversorgung führt zum Sauerstoff-, Energie und Nährstoffmangel in den Nervenzellen, die im betroffenen Gebiet liegen. Hält die Unterversorgung zu lange an, sterben die Zellen ab. Im Fall eines Mediainfarkts liegt diesem Vorgang ein Verschluss der Arteria cerebri media zugrunde. Eine andere mögliche Ursache für Läsionen an der Capsula interna ist die Multiple Sklerose, die sich in der Zerstörung der weißen Substanz äußert.

Entzündungsherde im Gehirn führen dabei zum Schwund der Myelinscheiden, welche die einzelnen Nervenfasern elektrisch isolieren. Dadurch ist die Weiterleitung der Signale beeinträchtigt. Multiple Sklerose verläuft in den meisten Fällen in Schüben; eine ursächliche Behandlung ist derzeit noch nicht möglich.

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