Candida glabrata

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 31. Oktober 2016
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Candida glabrata ist ein Hefepilz aus der Gattung Candida. Lange Zeit galt Candida glabrata nicht als pathogen, jedoch zeigt sich, dass der Erreger immer mehr opportunistische Infektionen hervorruft.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Candida glabrata?

Candida glabrata gehört der Gattung der Candida an. Candida sind Hefepilze, die der Klasse der Schlauchpilze (Ascomycota) zugeordnet werden. Insgesamt gibt es 155 verschiedene Candida-Arten. Candida glabrata ist eine haploide Hefe. Sie verfügt somit über nur einen Chromosomensatz. Auf Glucose-Pepton-Agar zeigt sich der Hefepilz als cremefarbene und glatte Kolonie, die längere hefeartige Zellen ausbildet. Diese Zellen werden auch als Pseudomycelien bezeichnet.

Die einzelnen Hefepilzzellen sind zwischen 2 und 4 µm groß. Der GC-Gehalt von Candida glabrata liegt bei 39,6 bis 40,2 mol%. Der GC-Gehalt gibt an, wie viel Prozent der DNA-Basen aus Guanin und Cytosin gebildet werden. Die genetische Information von Candida glabrata liegt im Zellkern in Form von 13 Chromosomen vor. Das komplette Genom des Pilzstamms wurde erstmals im Jahr 2004 komplett entschlüsselt. Es besteht aus mehr als 12 Millionen Basenpaaren und über 5000 Genen.

Lange Zeit wurde Candida glabrata primär den nicht pathogenen Organismen zugeordnet. Es gab nur wenige Infektionen mit dem Hefepilz. Mittlerweile hat sich jedoch herausgestellt, dass es sich bei Candida glabrata um einen hoch opportunistischen Erreger handelt. Opportunistische Erreger sind Parasiten, die eine geschwächte Gesamtverfassung des Körpers und ein geschwächtes Immunsystem dafür nutzen, um sich auszubreiten. Dadurch verursachen sie eine sogenannte opportunistische Infektion.

Vorkommen, Verbreitung & Eigenschaften

Candida glabrata ist ein Erreger, der ubiquitär vorkommt. Das bedeutet, dass der Pilz eine Vielzahl unterschiedlicher Lebensräume besiedelt. Er kommt als Kontaminationskeim häufig in Obstsäften vor, findet sich aber auch auf Obst und Gemüse. Eine besonders hohe Kontamination weisen fertig zubereitete Rohkostsalate aus der Kühltheke auf. Sie sind oft mit Millionen von kolonisationsbildenden Candida-Pilzen kontaminiert.

Forschungen zeigen, dass der Erreger auch außerhalb des menschlichen Körpers überlebensfähig ist. Bei einer Luftfeuchtigkeit zwischen 30 und 50 Prozent überleben die Pilze mindestens 30 Tage. Bei einer höheren Luftfeuchtigkeit steigt die Überlebensdauer auf bis zu 12 Monate an.

Als einzige Candidaart verfügt Candida glabrata über eine Reihe von Adhäsinen. Adhäsine sind Faktoren, die es Bakterien und Pilzen ermöglichen, sich an bestimmte Strukturen anzuhaften. Bei Candida glabrata wird die Adhäsinproduktion von den EPA-Genen codiert. EPA steht für Epithelzell-Adhäsin. Die EPA-Gene befinden sich bei dem Pilz in der sogenannten subtelomerischen Region. Sie sind in der Lage auf Signale aus der Umgebung mit einer massenhaften Exprimierung zu reagieren. Somit ist Candida glabrata in der Lage, sich sowohl auf biotischen als auch auf abiotischen Oberflächen in mikrobiellen Matten anzuhaften.

Dadurch verursacht der Pilz etwa gefährliche Biofilme auf Harnkathetern, sodass es in Krankenhäusern immer wieder zu Harnwegsinfektionen durch Candida glabrata nach Katheterisierungen kommt. Candida glabrata setzt sich auch auf zahnmedizinischen Produkten, wie Prothesen, fest und gelangt so in den Körper. Eine Aufnahme über kontaminierte Nahrung und kontaminierte Säfte ist ebenfalls möglich.

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Krankheiten & Beschwerden

Candida glabrata ist ein Erreger, der vor allem in Krankenhäusern eine Rolle spielt. Dort sorgt er immer wieder für Infektionen des Urogenitaltrakts. Durch Candida glabrata kann sich zum Beispiel eine Urethritis (Harnröhrenentzündung) entwickeln. Bei der Urethritis sind die Schleimhäute des letzten Abschnitts der ableitenden Harnwege (Harnröhre) entzündet. Dadurch kommt es zu Schmerzen beim Wasserlassen, weißlichem Ausfluss aus der Harnröhre und zu einem ständigen Harndrang.

Die Blase kann ebenfalls von der Entzündung betroffen sein. Die Entzündung der Harnblase wird auch als Zystitis bezeichnet. Typische Symptome einer Zystitis sind Schmerzen und Brennen beim Wasserlassen, häufiger Harndrang mit geringen Harnportionen und Blasenkrämpfe. Des Weiteren kann Blut im Urin sein. Bei schwerem Verlauf ist auch Fieber möglich.

Neben Candida albicans ist Candida glabrata der zweithäufigste Auslöser von vaginalen Pilzinfektionen. Umgangssprachlich wird die vaginale Mykose Scheidenpilz genannt. Typisches Anzeichen einer vaginalen Infektion mit Candida glabrata ist ein geruchsneutraler, weißer und bröckeliger Ausfluss aus der Scheide. Die betroffenen Frauen leiden häufig unter einem Juckreiz im Bereich der Vulva. Auf der Vaginalschleimhaut entstehen nicht abwischbare, weiße Beläge. Diese werden Soorbeläge genannt. Sie können sich in schweren Infektionsfällen auf die gesamte Vulva ausbreiten. Zusätzlich können schmerzhafte Erosionen im Genitalbereich entstehen. Die Hautveränderungen können sich auf den Venushügel und die Innenseiten der Oberschenkel ausdehnen. Durch die Wundheit der Schleimhaut kommt es zu Schmerzen beim Wasserlassen und beim Geschlechtsverkehr.

Bei stark immunsupprimierten Patienten, also bei Menschen mit einem herabgesetzten Immunsystem, beispielsweise bei Patienten mit AIDS oder Leukämie, kann sich eine Fungämie entwickeln. Hierbei gelangt der Pilz über die Blutbahn zu sämtlichen Organen im Körper. Es handelt sich um eine systemische Infektion. Die Blutvergiftung geht mit hohem Fieber, Schüttelfrost und zunehmender Blässe einher. Der Allgemeinzustand ist schlecht.

Wenn die Lungen von Candida glabrata befallen werden, entsteht eine schwere Lungenentzündung. Auch das Herz kann von der Infektion betroffen sein. Die Entzündung der Herzklappen (Endokarditis) stellt eine schwerwiegende Komplikation der Pilzinfektion dar. Deshalb ist eine frühzeitige Diagnose und Behandlung wichtig.

Zur Diagnosestellung werden in der Regel Kulturen aus Abstrichen oder Stuhl angezüchtet. Eine zusätzliche Kontrolle der IgA im Blut kann Hinweise auf eine akute Infektion liefern. Urinkontrollen sind ebenfalls möglich, liefern allerdings weniger genaue Informationen. Die Behandlung erfolgt mit Antimykotika.

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