Byssinose

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 27. November 2017
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Als Byssinose wird eine Lungenerkrankung bezeichnet. Sie entsteht durch das langjährige Einatmen von Hanf, Sisal, Baumwolle oder Flachs.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Byssinose?

Bei der Byssinose handelt es sich um eine Erkrankung der Lungen, die auch unter den Bezeichnungen Weberhusten, Montagsfieber oder Baumwollfieber bekannt ist. Hervorgerufen wird die Krankheit durch das Einatmen von Hanf-, Baumwoll- oder Flachsstäuben über einen längeren Zeitraum. Die Byssinose zählt zu den Staublungen (Pneumokoniosen) und gilt in Deutschland als anerkannte Berufskrankheit.

Besonders betroffen von einer Byssinose sind Menschen, die in der Verarbeitung von Textilien aus Rohhanf, Rohbaumwolle, Rohflachs oder Sisal oderan der Herstellung von Bastfasern beteiligt sind. Dazu kann unter anderem das Hecheln von Rohfasern gehören. Am häufigsten tritt die Byssinose in Entwicklungsländern auf. Eher selten zeigt sie sich dagegen in den modernen Industrieländern.

Ursache

Verursacht wird die Byssinose durch das Einatmen von Feinstäuben. Die genauen Auslöser sind bislang allerdings weitgehend unbekannt. Bei den erkrankten Personen handelt es sich in der Regel um Arbeiter, die mit roher und nicht verarbeiteter Baumwolle in Kontakt geraten. Dabei wird die Baumwolle zum Beispiel gesponnen oder gekämmt. Es ist sowohl eine akute als auch eine chronische Form der Byssinose möglich.

Nach einer Arbeitszeit von 1,5 bis 2 Stunden, in deren Zeitraum rohe Baumwolle, Flachs oder Sisal eingeatmet wird, kommt es zu einem Bronchospasmus. Im Gegensatz zu einem allergischen Bronchospasmus besteht allerdings keine IgE-Vermittlung. Das Rohmaterial, das von den betroffenen Personen eingeatmet wird, enthält niedermolekulare Peptide. Diese rufen nach längerer Exposition eine chronische Bronchitis hervor, die mit einer verstärkten Sekretion von Schleim sowie einer Hyperplasie der Becherzellen einhergeht. Durch gewaschene Baumwolle werden dagegen keine Beschwerden verursacht.

Der Abbau von Naturfasern und Stäuben auf der Grundlage von Zellulose ist bei Menschen nicht möglich. So mangelt es ihnen an den dazu erforderlichen Cellulasen. Darüber hinaus sorgen Antigene bakterieller oder pflanzlicher Natur häufig für das Entstehen einer Immunreaktion des Körpers. Werden regelmäßig auf Zellulose basierende Naturfasern eingeatmet, hat dies innerhalb der Lunge eine Bioakkumulation zur Folge.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Bemerkbar macht sich eine Byssinose zunächst durch Kurzatmigkeit. Diese lässt schon bald wieder nach. Nach einer kurzen Pause von der Arbeit setzen die Beschwerden dann erneut ein. Die Byssinose trägt auch die Bezeichnung Montagsfieber, weil die erkrankten Personen während ihrer freien Zeit am Wochenende nicht unter Symptomen leiden. Kehren sie jedoch am Montag wieder an ihren Arbeitsplatz zurück, treten die Beschwerden erneut auf.

Im Laufe der Zeit zeigen sich bei den Patienten die typischen Anzeichen einer chronischen Bronchitis. Dazu gehören eine Dyspnoe bei Belastung sowie Husten mit Auswurf. Auch allgemeine unspezifische Symptome zeigen sich oft. Im weiteren Verlauf kann sich eine Ruhedyspnoe entwickeln. Als mögliche Komplikation gilt eine wiederholt auftretende bakterielle Bronchitis.

Mediziner teilen die Byssinose in drei unterschiedliche Stadien ein. Im dritten Stadium treten sekundäre Lungen- und Herzveränderungen auf, die zum Teil irreversibel sind. Eine akute Byssinose macht sich durch Giemen (pfeifender Rhonchus) und eine Tachypnoe (Schnellatmung) bemerkbar. Dagegen sind bei Menschen, die unter der chronischen Form zu leiden haben, trockene Rasselgeräusche zu vernehmen.

Diagnose & Krankheitsverlauf

Eine wichtige Grundlage für die Diagnose einer Byssinose wird durch die Anamnese (Krankengeschichte) des Patienten gebildet. Außerdem erfolgt eine klinische Untersuchung. Im Rahmen eines Bronchospasmus ist ein Giemen erkennbar. Liegt eine chronische Bronchitis vor, kann der Arzt beim Abhören mit dem Stethoskop ein Giemen und Brummen wahrnehmen. Röntgenuntersuchungen bringen im Anfangsstadium der Byssinose meist keine größeren Aufschlüsse über die Erkrankung.

In einem späteren Stadium kommt es mitunter zu einer peribronchitischen Zeichnungsvermehrung. Ein weiteres wichtiges Mittel der Diagnostik ist das Durchführen von Lungenfunktionsprüfungen. Diese ergeben oftmals ein Abnehmen der Lungenbelüftung sowie eine obstruktive Ventilationsstörung, die als typisch für die Byssinose gilt. Nicht selten ist auch eine bronchiale Hyperreagilibität auf Metacholin zu verzeichnen.

Des Weiteren sollte im Rahmen der medizinischen Untersuchung an eine Differentialdiagnose zu anderen Atemwegserkrankungen gedacht werden. Dazu gehören eine exogen allergische Alveolitis sowie allergisches Asthma bronchiale. Handelt es sich um einen akuten Bronchospasmus, muss der Patient normalerweise keine dauerhaften Schäden befürchten. Leidet der Betroffene jedoch unter einer chronischen Bronchitis, sind ein Cor pulmonale sowie eine respiratorische Globalinsuffizienz möglich.

Komplikationen

Eine Byssinose kann eine Reihe von Komplikationen hervorrufen. Zunächst macht sich die Erkrankung durch Kurzatmigkeit bemerkbar, die in Schüben auftritt im Verlauf immer weiter zunimmt. Später kann die Bryssinose etwa zu Husten mit Auswurf führen oder die Entstehung einer chronischen Bronchitis oder einer asthmatischen Erkrankung begünstigen.

Eine typische Komplikationen ist zum Beispiel das wiederholte Ausbrechen einer bakteriellen Bronchitis, die je nach Stadium der Erkrankung mit weiteren Risiken verbunden ist. So kann kann es im dritten Stadium zu sekundären Lungen- und Herzveränderungen kommen, oft begleitet von Giemen (pfeifender Rhonchus) und Schnellatmung. Bei einer chronischen Byssinose kommen mitunter starke Atembeschwerden hinzu, die sich zunächst durch trockene Rasselgeräusche und blutigen Auswurf äußern und später zu Sekundärinfektionen im Lungen- und Rachenraum führen.

Oftmals kommen dazu noch Verkrampfungen in der Brust und Atemaussetzer hinzu, die in schweren Fällen zum Tod führen können. Außerdem kann es zu einer respiratorischen Globalinsuffizienz und einer Cor pulmonale kommen, abhängig vom Zeitpunkt der Behandlung und dem Fortschritt der Byssinose. Eine akute Byssinose birgt bei einer frühzeitigen Behandlung im Normalfall keine schweren Langzeitfolgen.

Wann sollte man zum Arzt gehen?

Bei Schüben von Kurzatmigkeit und Symptomen einer chronischen Bronchitis muss umgehend ein Arzt aufgesucht werden. Die Byssinose äußert sich vor allem durch Atembeschwerden, insbesondere Husten mit Auswurf und gereizte Atemwege. Risikogruppen der Byssinose (Hanfarbeiter, Arbeiter auf Baumwollfelder, u.a.) sollten bei diesen Symptomen umgehend die Arbeit einstellen und anschließend einen Arzt konsultieren. Bis die Byssinose diagnostiziert und medikamentös behandelt wurde, darf die auslösende Tätigkeit unter keinen Umständen wieder aufgenommen werden.

Wird trotz einer Byssinose Kontakt mit den auslösenden Stoffen aufgenommen, ruft die Erkrankung weitere Beschwerden hervor, die im Verlauf an Intensität und Häufigkeit zunehmen. Oftmals kommt es zur bakteriellen Bronchitis, chronischen Atemwegserkrankungen und lebensbedrohlichen Atemaussetzern. Aus diesem Grund sollte spätestens beim Auftreten von Kurzatmigkeit und wiederholten Hustenattacken ein Arzt konsultiert werden. Wenn Verkrampfungen in der Brust sowie Atemaussetzer auftreten, muss umgehend ein Notarzt gerufen werden. Unter Umständen sind begleitend dazu Erste-Hilfe-Maßnahmen zu ergreifen. Bei Bewusstlosigkeit ist in jedem Fall eine weitergehende Behandlung im Krankenhaus nötig.

Therapie & Behandlung

Um eine Byssinose erfolgreich behandeln zu können, gilt es, den Kontakt zu den auslösenden Substanzen konsequent zu vermeiden. Bei der Arbeit mit Baumwolle muss diese vor dem menschlichen Kontakt gereinigt werden. So ist es entscheidend für den Gesundheitszustand des Patienten, die Menge des schädlichen Faserstaubs zu verringern.

Durch die Einnahme von speziellen Medikamenten wie inhalativen Kortikosteroiden oder Sympathomimetika lässt sich nur selten eine Besserung des akuten Bronchospasmus erzielen. Zur Therapie einer chronischen Bronchitis ist die Gabe von Kortikosteroiden und Sympathomimetika dagegen sinnvoll. Das Gleiche gilt für eine Behandlung mit Mitteln wie Theophyllin und Anticholinergika, die inhaliert werden. Mithilfe von Bronchodilatatoren lassen sich die Beschwerden zumeist verbessern.

Gelingt es nicht, die Belastung des Patienten mit dem Feinstaub zu reduzieren, dauert die Behandlung erheblich länger, zumal auch das Risiko von Lungenschäden besteht.

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Aussicht & Prognose

Der weitere Verlauf einer Byssinose hängt relativ stark davon ab, wie lange der auslösende Stoff eingeatmet wurde und um welchen Stoff genau es sich handelt. In der Regel kann die Funktion der Lunge bei einer langjährigen Schädigung nicht mehr vollständig wiederhergestellt werden, sodass nur eine symptomatische Behandlung stattfindet.

In erster Linie werden die Beschwerden der Byssinose dadurch gelindert, dass der Kontakt mit der auslösenden Substanz vermieden wird. In einigen Fällen verschwinden die Beschwerden vollständig und können durch die Einnahme von Medikamenten gelindert werden, wobei eine vollständige Heilung jedoch nicht eintritt.

Die Behandlung wird verzögert, wenn der Kontakt mit Feinstaub oder mit anderen Stoffen nicht unterbrochen wird. In der Regel erhöht das Auftreten einer Byssinose das Risiko eines Lungenschadens deutlich. Falls die Krankheit daher ignoriert wird, kann es im schlimmsten Falle zu einer Lungeninsuffizienz kommen, die zum Tode führen kann.

Dem Betroffenen stehen bei dieser Krankheit auch einige Hausmittel zur Verfügung, um die Krankheit zu bekämpfen. Allerdings gehört zu den wirksamsten Mitteln in der Regel die Aufgabe der beruflichen Tätigkeit, falls diese zur Byssinose geführt hat.

Vorbeugung

Eine Vorbeugung gegen Byssinose ist nur möglich, wenn es nicht zu längerem Kontakt mit den verursachenden Stoffen kommt. Im Rahmen einer Früherkennung können arbeitsmedizinische Überwachungsmaßnahmen und Vorsorgeuntersuchungen bei Textilarbeitern erfolgen.

Das können Sie selbst tun

Wird die Byssinose nicht professionell behandelt, besteht die Gefahr einer chronischen Bronchitis und schwerer Lungenschäden. Betroffene sollten sich deshalb keinesfalls selbst therapieren, sondern unbedingt zeitnah einen Arzt aufsuchen.

Wozu Patienten aber selbst beitragen können, ist die Vermeidung der Ursache der Krankheit. Der Kontakt mit den Faserstoffen, die die Störung auslösen, muss sofort unterbunden oder zumindest weitgehend eingeschränkt werden. Dazu kann ein Wechsel des Arbeitsplatzes, des Arbeitgebers oder des ausgeübten Berufs erforderlich sein. Da Byssinose in Deutschland eine anerkannte Berufskrankheit ist, sind die Betroffenen gegen die finanziellen Folgen dieses Leidens recht gut abgesichert. Erkrankte Arbeitnehmer sollten sich unbedingt von ihrer Gewerkschaft, dem Betriebsrat oder einem Fachanwalt für Arbeitsrecht beraten lassen.

Die Symptome der Krankheit können, in Ergänzung zur ärztlich verordneten Therapie, auch mit milden Hausmitteln und natürlichen Heilmethoden bekämpft werden. Häufigste Symptome einer Staublunge sind zäher Husten und Bronchitis. Gegen akute Atembeschwerden helfen Inhalierstifte mit Menthol oder mentholhaltige Kapseln zum Einnehmen, die in der Apotheke erhältlich, sind. Bei zähem Husten sorgen Dampfbäder mit Salzwasser oder Kamillentee für Linderung. In der Naturheilkunde kommt im Kampf gegen zähen Husten Spitzwegerich als Saft oder Tee zum Einsatz.

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Dr. Nonnenmacher zum Thema Husten

Quellen

  • Arasteh, K., et. al.: Innere Medizin. Thieme, Stuttgart 2013
  • Braun, J., Dormann, A .J.: Klinikleitfaden Innere Medizin. Urban & Fischer, München 2013
  • Schaberg, T. et al.: Pneumonien. Thieme, Stuttgart 2001

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