Buruli-Ulkus

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 28. November 2017
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Beim Buruli-Ulkus, auch Ulcus tropicum genannt, handelt es sich um eine Tropenkrankheit, die vor allem in Afrika, Südasien und Lateinamerika vorkommt. Bei der Erkrankung bilden sich Geschwüre an verschiedenen Stellen des Körpers. Besonders häufig sind aber die Beine von diesen Ulzerationen betroffen. Der genaue Übertragungsmechanismus ist bisher ungeklärt.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Buruli-Ulkus?

Das Buruli-Ulkus ist eine Tropenerkrankung, die durch das Bakterium Mycobacterium ulcerans verursacht wird. Durch das Bakterium entwickelt sich eine chronische Hautinfektion mit großflächigen Geschwüren. Diese führen nicht selten zur Entstellung und anschließenden Stigmatisierung der Betroffenen. Die Erkrankung ist schätzungsweise in 30 afrikanischen Ländern verbreitet, aber auch in Neuguinea oder in Australien werden Fälle beobachtet. Weltweit infizieren sich jährlich etwa 20.000 Menschen mit dem Bakterium. In etwa 70 Prozent aller Fälle sind Kinder unter 15 Jahren vom Buruli-Ulkus betroffen.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) zählt die Erkrankung zu den vernachlässigten Krankheiten. Die Geschwüre werden erst zu spät diagnostiziert und sind dann häufig nur noch in einer komplizierten Operation zu entfernen. Nicht selten sind die Patienten schon vor der Diagnose durch die Geschwüre verstümmelt. Deshalb hat die WHO 1998 die Global Buruli Ulcer Initiative gegründet, welche das Bewusstsein für die Krankheit schärfen soll.

Ursachen

Verursacher des Buruli-Ulkus ist wie schon erwähnt das Mycobacterium ulcerans. Es handelt sich dabei um ein grampositives, säurefestes und langsam wachsendes Stäbchenbakterium. Mycobacterium ulverans ist vornehmlich in feuchten tropischen und subtropischen Regionen verbreitet. Wahrscheinlich sind stehende Gewässer der Lebensraum des Bakteriums. Deswegen sind besonders häufig Menschen betroffen, die in der Nähe von Seen oder in Sumpfgebieten leben. Der Übertragungsmechanismus ist noch nicht vollkommen geklärt.

Denkbar ist eine Übertragung über Mücken. In Afrika wurde der Erreger in einigen Moskitoarten nachgewiesen. Möglicherweise sind aber auch andere kleine Wasserinsekten oder ein Schmierfilm auf dem Wasser Infektionsquellen. Es gilt aber als so gut wie sicher, dass sich die Erkrankung nicht von Mensch zu Mensch verbreitet. Im Gegensatz zur Tuberkulose, welche auch von einem Mycobacterium verursacht wird, scheinen HIV-positive Menschen nicht auffallend anfällig für Buruli-Geschwüre zu sein.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Mycobacterium ulverans produziert das Zellgift Mycolacton. Dieses schädigt das Gewebe und schwächt zeitgleich das Immunsystem. Ein Buruli-Ulkus beginnt in der Regel mit schmerzlosen Schwellungen, Knotenbildung oder Verhärtungen. Es tritt kein Fieber auf. Die Infektion breitet sich auf der Oberfläche der Haut aus und frisst sich zudem in immer tiefere Hautschichten.

Mycobacterium ulverans produziert das Zellgift Mycolacton. Der Erreger zerstört immer mehr Gewebe und es entstehen große Geschwüre. Sogar die Knochen können von dem Bakterium regelrecht zerfressen werden. Schmerzen sind trotz der Geschwüre eher selten, auch im späteren Krankheitsverlauf gibt es aufgrund der immunsupprimierenden Wirkung des Erregertoxins kein Fieber. Der Krankheitsprozess kann sich über Monate bis Jahre hinziehen.

Diagnose & Krankheitsverlauf

Buruli-Betroffene gehen erst sehr spät oder überhaupt nicht zum Arzt. Dafür gibt es mehrere Gründe. Zunächst sind die ersten Symptome eher unspezifisch und werden teilweise gar nicht wahrgenommen. Dann sind selbst die größeren Geschwüre in der Regel nicht mit Schmerzen verbunden. Dies führt dazu, dass die Erkrankung oft nicht ernst genommen wird, und zwar so lange, bis es für eine Behandlung meist zu spät ist.

Doch selbst wenn die Patienten den Verdacht haben an der Tropenkrankheit zu leiden, gehen sie nicht zum Arzt. Eine Infektion mit Burili ist vor allem in Afrika ein Stigma und die Betroffenen leiden unter Ausgrenzung. Deshalb werden die Geschwüre oft unter langer Kleidung versteckt. Entscheidende Hinweise für die Diagnose liefern die typischen Symptome selbst. In Endemiegebieten kann mittels einem mikrobiologischen Verfahren, dem Ziehl-Neelsen-Färbetest, eine erste Diagnose direkt im Feld gestellt werden.

Das benötigte Gewebematerial wird dabei aus Wundabstrichen gewonnen. Ein neueres und spezifischeres Verfahren zum Erregernachweis ist die PCR (Polymerase-Kettenreaktion). Eine weitere Art der Diagnosestellung ist die Anzüchtung des Bakteriums in einer Kultur. Damit sich hier ein Ergebnis findet, muss die Infektion schon mindestens sechs Wochen vor der Testdurchführung erfolgt sein. Eine zeitnahe und frühe Diagnose ist somit nicht möglich.

Die spezifischste Bestimmung gelingt mit einer histopathologischen Untersuchung von stanzbiopsiertem Gewebe. In den meisten Endemiegebieten steht das dafür benötigte Untersuchungsmaterial jedoch nicht zur Verfügung.

Wann sollte man zum Arzt gehen?

Diese Krankheit muss auf jeden Fall von einem Arzt untersucht und behandelt werden. Es kommt nicht zu einer Selbstheilung. In der Regel sollte ein Arzt dann aufgesucht werden, wenn der Betroffene an einem deutlich geschwächten Immunsystem leidet. Es treten Schwellungen auf der Haut auf, die allerdings nicht mit Schmerzen verbunden sind. Auch Fieber kann auf die Krankheit hindeuten. Sollte es plötzlich zu verschiedenen Hautbeschwerden kommen, muss auf jeden Fall ein Arzt aufgesucht werden. Auch Geschwüre müssen untersucht werden, um weitere Komplikationen zu vermieden. In vielen Fällen sind die Beschwerden leider sehr unspezifisch, sodass kein Arzt hinzugezogen wird. Bei langanhaltenden Beschwerden ist aber eine ärztliche Behandlung notwendig.

Die Diagnose der Krankheit erfolgt in der Regel durch einen Allgemeinmediziner oder durch einen Hautarzt. Bei der weiteren Behandlung sind die Patienten allerdings auf die chirurgische Entfernung der betroffenen Hautareale angewiesen. Um Narben zu verhindern, sollte aus diesem Grund schon frühzeitig ein Arzt aufgesucht werden.

Komplikationen

In der Regel kommt es durch den Buruli-Ulkus zu starken Geschwüren, die an unterschiedlichen Bereichen des Körpers auftreten können. Meistens breiten sich diese an den Beinen des Patienten aus und können dabei unbehandelt zu schwerwiegenden Komplikationen führen. Es kommt meist zu Schwellungen, welche zunächst schmerzlos sind.

Beim weiteren Voranschreiten des Buruli-Ulkus kommt es zu Schmerzen und zu Knoten auf der Haut. Oft treten auch Verhärtungen auf den Beinen auf. Im schlimmsten Fall dringt der Erreger direkt in die unteren Hautschichten ein und frisst sich bis zu den Knochen. Dabei können auch die Knochen stark beschädigt werden. Oft leiden die Betroffenen auch an Fieber. Die Krankheit selbst benötigt eine relativ lange Behandlung von ungefähr einem halben Jahr.

Meistens erfolgt die Behandlung mit Hilfe eines operativen Eingriffs, bei welchem das gesamte befallene Gewebe entfernt wird. Dabei kann auch eine Amputation notwendig sein, bei welcher der Patient danach an schweren Einschränkungen des Alltags leidet. Meistens muss der Betroffene auch nach der Operation noch Antibiotika für einen längeren Zeitraum einnehmen. Außer den Narben der Operation kommt es in der Regel zu keinen weiteren Komplikationen, wenn die Behandlung frühzeitig durchgeführt wird.

Therapie & Behandlung

Da das Buruli-Ulkus oft erst sehr spät diagnostiziert wird, ist die Therapie der Wahl meistens die chirurgische Entfernung des infizierten Gewebes. Allerdings kommt es bei dieser Methode in 30 Prozent der Fälle zu Rezidiven, da sich oft auch in gesund erscheinendem Gewebe schon Bakterien ausgebreitet haben. Je nach Größe der Ulzerationen müssen eventuell Haut- und Gewebetransplantate eingesetzt werden. Ist die Erkrankung schon sehr weit fortgeschritten, bleibt oft nur die Amputation der befallenen Gliedmaßen.

Zusätzlich zur chirurgischen Entfernung des Erregers und der infizierten Stellen empfiehlt die Weltgesundheitsorganisation eine achtwöchige Therapie mit speziellen Antibiotika. Dadurch lässt sich die Rezidivrate auf zwei Prozent senken. In vielen Fällen bleiben jedoch Funktionseinschränkungen und große Narben zurück. Selten heilt die Erkrankung auch unbehandelt aus.

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Aussicht & Prognose

In vielen Fällen ist die Prognose des Buruli-Ulkus unbefriedigend. Prinzipiell kann die Erkrankung zwar geheilt werden, dazu ist aber ein sehr erfahrenes Ärzteteam erforderlich, weil die Behandlung sehr kompliziert und langwierig ist. Nur durch die Kombination von intensiver Wundpflege, Antibiotikabehandlung und chirurgischen Eingriffen können schwere Folgen vermieden werden. Die Krankheit ist zwar selten tödlich, es kann aber zum Verlust von Gliedmaßen und schweren Gelenkversteifungen kommen, die schließlich zur Bewegungseinschränkung führt.

Ohne Behandlung zerstört das verantwortliche Bakterium Mycobacterium ulcerans das Unterhautgewebe. Fortschreitende Geschwüre dringen bis zu den Knochen und Muskeln vor und zerstören diese. Da auch die Abwehrzellen des Immunsystems angegriffen werden, kann das Bakterium im Körper überleben und das betroffene Gewebe weiter zerstören. Die Geschwüre kommen erst nach vielen Monaten oder gar Jahren zum Stillstand. Es bilden sich unkontrollierte Vernarbungen ganzer Körperpartien, die unter anderem zu Deformationen der Gliedmaßen und anderer Körperteile oder gar zum Verlust der Augen führen können. Des Weiteren steigt das Risiko für Sekundärinfektionen, die in schweren Fällen tödlich enden.

Oft bleibt als einzige Möglichkeit, betroffenes Gewebe chirurgisch zu entfernen, um eine Ausbreitung der Erkrankung zu verhindern. Auch die Amputation von Gliedmaßen ist manchmal notwendig. Als schwerwiegende Komplikationen der Geschwüre treten Schrumpfungen und Versteifungen von Gelenken auf, welche später durch plastische Operationen behandelt werden müssen.

Vorbeugung

Derzeit lässt sich der Buruli-Erkrankung noch nicht vorbeugen. Laut der WHO bietet die Bacillus-Calmette-Guérin-Impfung (BCG), welche eigentlich zur Tuberkuloseprophylaxe zum Einsatz kommt, einen kurzen Schutz gegen Mycobacterium ulcerans. Ein längerfristiger Schutz könnte aber nur mit einem speziellen Impfstoff gegen Buruli erreicht werden. An diesem Impfstoff wird derzeit geforscht.

Das können Sie selbst tun

Ein Buruli-Ulkus wird oft erst spät diagnostiziert und muss in jedem Fall mittels Chemotherapie oder operativ entfernt werden. Der chirurgische bzw. chemotherapeutische Eingriff stellt eine große Belastung für den betroffenen Organismus dar, weshalb Betroffene besonders auf eine gute Vorbereitung und Nachsorge achten müssen.

Zur Vorbereitung auf die Operation sind zunächst die ärztlichen Vorgaben einzuhalten. Meist wird eine angepasste Diät vorgeschlagen, vor allem kurz vor dem Eingriff sollten keine Genussmittel oder allzu fettigen Speisen mehr eingenommen werden. Patienten, die regelmäßig Medikamente einnehmen, sollten den Arzt darüber informieren. Meist müssen die Arzneimittel nicht angepasst werden, doch bei einem Herzleiden ist zumindest eine Kontrolluntersuchung angezeigt.

Nach der Operation sind Schonung und Bettruhe angezeigt. Der Betroffene sollte außerdem darauf achten, dass die Wunde gut gepflegt wird. Andernfalls können Krankheitserreger in die Wunde gelangen und ernste Komplikationen hervorrufen. Sollten sich ungewöhnliche Symptome einstellen, muss umgehend der Arzt informiert werden. Generell ist bei einem Buruli-Ulkus eine gute Überwachung durch den Arzt angezeigt, da die Tropenkrankheit noch Wochen oder Monate nach der Entfernung des erkrankten Gewebes auftreten kann.

Bücher über Reisekrankheiten in den Tropen

Quellen

  • Hahn, J.-M.: Checkliste Innere Medizin. Thieme, Stuttgart 2013
  • I care Krankheitslehre. Thieme, Stuttgart 2015
  • Suttorp, N., et al.: Infektionskrankheiten. Thieme, Stuttgart 2004

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