Burning-Mouth-Syndrom

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 23. November 2017
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Das Burning-Mouth-Syndrom, auch Zungenbrennen oder chronisches, orales Schmerzsyndrom genannt, ist eine unangenehme Empfindungsstörung, die Betroffene oft monate- oder jahrelang quält. Eine Behandlung gestaltet sich schwierig, da die Erkrankung durch zahlreiche verschiedene Faktoren ausgelöst werden kann. Neben Mund- und Zahnproblemen kommen hormonellen Störungen, Allergien, neurologische Erkrankungen oder psychische Probleme in Betracht.

Inhaltsverzeichnis

Was ist das Burning-Mouth-Syndrom?

Vom Burning-Mouth-Syndrom, einem brennenden, wunden Gefühl im Bereich der Zunge und der umgebenden Schleimhäute, sind vor allem Frauen im fünften bis siebten Lebensjahrzehnt betroffen.

Die Intensität der Empfindungsstörung reicht von leichtem Prickeln bis hin zu brennenden, stechenden Schmerzen. Nicht selten treten weitere Symptome wie Kribbeln, Jucken, Mundtrockenheit, Pelzigkeitsgefühl, Störungen des Geschmackssinns sowie eine Verminderung der Speichelbildung auf. Die Empfindungsstörungen werden meist an den Rändern der Zunge sowie der Spitze verspürt, mitunter kann sich die Missempfindung aber auch auf die Schleimhäute von Wangen, Gaumen und Lippen erstrecken.

Die Beschwerden, die bei einigen Betroffenen dauerhaft, bei anderen nur phasenweise auftreten, verstärken sich beim Burning-Mouth-Syndrom in der Regel im Laufe eines Tages, sodass die Ausprägung am Abend am stärksten ist.

Ursachen

Die Ursachen für das Burning-Mouth-Syndrom sind vielfältig. Neben Grunderkrankungen wie Vitamin- oder Eisenmangel, Blutarmut, Diabetes mellitus, Sklerodermie, Lupos, Multiple Sklerose oder Refluxkrankheit können auch Mund- und Zahnprobleme wie Karies, Zahnfleischentzündungen oder Geschwüre der Mundschleimhaut ursächlich für das Zungenbrennen sein.

Mitunter wird das Burning-Mouth-Syndrom auch durch schlecht sitzende Prothesen, scharfe Zahnkanten oder abstehende Kronenränder ausgelöst, die zu einer Reizung oder Verletzung von Zunge oder Mundschleimhaut führen. Auch eine Allergie gegen eine Zahnspange oder die Metalle von Zahnfüllungen sind mögliche Faktoren, die für Brennen im Mundraum verantwortlich sein können.

Nicht selten lässt sich keine körperliche Ursache für die schmerzhafte Empfindungsstörung ausmachen. Stress, Angst und Depressionen können hier der Auslöser für das Brennen im Mund sein und die Schmerzen nicht nur verstärken, sondern auch das Leiden verlängern, da sich das Burning-Mouth-Syndrom bei Vorliegen psychischer Ursachen nur schwer behandeln lässt.

Typische Symptome & Anzeichen

Diagnose & Verlauf

Betroffene, die unter dem Burning-Mouth-Syndrom leiden, wenden sich häufig hilfesuchend an Ihren Zahnarzt. In einem ausführlichen Anamnesegespräch befragt dieser den Patienten zunächst nach Dauer und Intensität der brennenden Schmerzen sowie nach weiteren Symptomen.

Anschließend erfolgt eine Sichtuntersuchung der Zähne und der Mundschleimhaut, bei der der Zahnarzt bestehende Reizungen und Erkrankungen innerhalb des Mund-, Kiefer- und Gesichtsbereichs erkennen kann. Liegen die Ursachen nicht im zahnmedizinischen Bereich, können je nach Verdacht Internisten, HNO-Ärzte, Gynäkologen, Neurologen, Hautärzte oder Psychologen herangezogen werden, die dann die weiteren Untersuchungen durchführen.

Bei Pilzbefall der Zunge wird ein Abstrich genommen und später im Labor mikroskopisch untersucht. Besteht der Verdacht auf Blutarmut, Eisen- und Vitaminmangel oder Diabetes mellitus bringt eine Blutuntersuchung Klarheit. Ein Allergietest gibt Auskunft über bestehende Allergien, die ursächlich für das Burning-Mouth-Syndrom sein können.

Wann sollte man zum Arzt gehen?

Da es beim Burning-Mouth-Syndrom nicht zu einer Selbstheilung kommt, muss bei dieser Krankheit in jedem Fall ein Arzt aufgesucht werden, um die Symptome und Beschwerden dieser Krankheit zu behandeln. In der Regel ist der Arzt dann aufzusuchen, wenn es zu einem Brennen auf der Zunge kommt. Vor allem bei einem langanhaltenden Brennen, das auch ohne einen besonderen Grund auftritt, ist eine Untersuchung durch einen Arzt notwendig. Damit können weitere Komplikationen vermieden werden. In den meisten Fällen kann sich das Brennen dabei auch auf den gesamten Mundraum ausbreiten und damit auf das Burning-Mouth-Syndrom hindeuten. Ebenso sollte dann ein Arzt aufgesucht werden, wenn es zu Beschwerden im Gesicht oder an den Zähnen kommt.

In der Regel wird das Burning-Mouth-Syndrom durch einen Zahnarzt diagnostiziert und behandelt. Allerdings erfolgt die weitere Behandlung in vielen Fällen auch durch einen anderen Facharzt, falls die Ursache der Erkrankung nicht im Mundraum zu finden ist. Je früher die Krankheit diagnostiziert wird, desto besser können die Beschwerden behandelt werden.

Behandlung & Therapie

Die Behandlung des Burning-Mouth-Syndroms richtet sich nach der zugrundeliegenden Ursache. Ein vollständige Schmerzfreiheit wird in der Regel nicht innerhalb kurzer Zeit erzielt, da die Beschwerden häufig über einen längeren Zeitraum bestehen.

Sind die brennenden Schmerzen ein Begleitsymptom einer Grunderkrankung, klingen die Schmerzen nach der entsprechenden Behandlung langsam ab oder es tritt eine Besserung ein. Bei Blutarmut, Eisen- oder Vitaminmangel ist die Gabe von Tabletten gewöhnlich ausreichend. In schwerwiegenden Fällen kann eine Bluttransfusion nötig werden. Diabetes mellitus lässt sich durch Ernährungsumstellung und Gewichtsreduktion gepaart mit der Gabe von Insulin in Tabletten- oder Spritzenform gut behandeln.

Ein Kariesbefall der Zähne wird mittels Bohrer beseitigt und anschließend mit einem Metall oder Kunststoff wieder aufgefüllt. Zahnfleischentzündungen bilden sich bei gründlicher Mundhygiene wieder zurück. Besteht eine Allergie gegen die Materialien der Zahnfüllungen oder –prothesen, müssen diese entfernt und durch andere Materialien ersetzt werden. Liegen keine organischen Ursachen für das Zungenbrennen vor, bedarf es einer psychologischen Unterstützung.

Im Rahmen einer Therapie lernt der Patient mit der Krankheit zu leben und eine Verringerung des Schmerzempfindens als Behandlungserfolg zu sehen. Mitunter kann sich die Gabe von Antidepressiva positiv auf die Schmerzempfindung auswirken. Durch eine spezielle Schmerztherapie in Form einer wiederholten, wechselseitigen Blockade des Ganglion stellatum mit einem örtlichen Betäubungsmittel mit Langzeitwirkung können nicht nur die Beschwerden des Burning-Mouth-Syndroms gelindert, sondern auch das Schmerzempfinden gelöscht werden.

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Aussicht & Prognose

Da das Burning-Mouth-Syndrom durch verschiedene Faktoren ausgelöst werden kann, erweist sich eine Behandlung der Krankheit häufig als sehr schwierig, sodass die Betroffenen dabei über einen langen Zeitraum an den Beschwerden des Syndroms leiden. Eine vollständige Heilung kann dabei in der Regel dann erreicht werden, wenn die genauen Ursachen des Syndroms erkannt wurden.

Sollte das Burning-Mouth-Syndrom durch bestimmte Lebensmittel auftreten, so kann das Syndrom vollständig gelindert werden, indem der Betroffene auf diese verzichtet. Auch bei Mangelerscheinungen können die Symptome in der Regel gut behandelt werden, indem der Patient Ergänzungsmittel einnimmt. Dasselbe gilt auch dann, wenn die Erkrankung durch Diabetes verursacht wird, wobei die Beschwerden ebenso durch die Behandlung des Diabetes gelindert werden können. Eine vollständige Linderung der Schmerzen erfolgt dabei häufig erst über einen längeren Zeitraum, sodass die Patienten auf eine lange Therapie angewiesen sind.

Im Falle von Unverträglichkeiten von Lebensmitteln muss der Betroffene auf das Lebensmittel sein gesamtes Leben lang verzichten und kann dieses nicht einnehmen. Da das Burning-Mouth-Syndrom auch zu Beschwerden an den Zähnen führt, müssen diese ebenso behandelt werden. Ohne Behandlung kommt es bei diesem Syndrom nicht zu einer Selbstheilung und in vielen Fällen zu einer Verschlechterung der Beschwerden.

Vorbeugung

Zur Vorbeugung des Burning-Mouth-Syndroms gibt es keine speziellen Maßnahmen. Besonders wichtig ist eine gute Mundhygiene mit milden Mitteln. Eine gesunde Ernährung und der Verzicht auf stark gewürzte und säurehaltige Lebensmittel, Alkohol und Nikotin können bei bestehendem Zungenbrennen Linderung bringen.

Durch regelmäßige Vorsorge- und zahnärztliche Untersuchungen können Reizzustände und Erkrankungen bereits frühzeitig diagnostiziert und behandelt werden, bevor die brennenden Schmerzen entstehen. Entspannungsübungen zum Stressabbau sowie psychologische Hilfe bei Angststörungen und Depressionen können eine Entstehung des Burning-Mouth-Syndroms verhindern oder die Schmerzen lindern.

Das können Sie selbst tun

Der eigene Handlungsspielraum im Alltag ist beim Burning-Mouth-Syndrom vergleichsweise klein. Kleine Alltagstipps und -tricks jedoch machen das Leben erträglicher.

An erster Stelle steht hier die positive Lebenseinstellung. Diese kann – trotz Erkrankung – täglich immer wieder neu eingeübt werden und wird schnell zur zweiten Natur. Eine kognitive Verhaltenstherapie sowie Entspannungsverfahren unterstützen diese.

Zudem ist eine intensive Mundpflege die Grundlage für ein gutes Mundgefühl. Milde Zahncremes und Mundwässer verhelfen dazu. Mundschleimhauttherapeutika besitzen mitunter entzündungshemmende oder Schleimhaut betäubende Lösungen, die die Beschwerden lindern helfen. Diese sollten jedoch alkoholfrei sein, da sie sonst das Brennen noch verstärken. Ferner enthalten einige Heilpflanzen wie Malvenblätter, Lindenblüten oder Eibischwurzeln ebenfalls reizlindernde Schleimstoffe. Als Tee, Tinktur (ebenfalls alkoholfrei) oder Gel zum Auftragen sind sie eine wertvolle Unterstützung.

Der Mundtrockenheit wird mit viel Wasser und Tee entgegengewirkt. Mindesten zwei Liter am Tag sollten es sein. Auch das Lutschen von Eiswürfeln oder entsprechenden Pastillen hat sich als wertvoller Tipp herausgestellt. Die Ernährung betreffend, sollte auf stark gewürzte oder säurehaltige Lebensmittel (auch Essig) besser verzichtet werden. Ebenso reizen Nüsse aufgrund ihres Gehaltes an Oxalsäure die Schleimhäute. Der Verzicht auf Alkohol und Nikotin (Reizstoffe) ist ebenso indiziert. Insgesamt bessert sich das gesamte körperliche Befinden mit regelmäßiger Bewegung sowie ausreichendem Schlaf.

Bücher über Mundhygiene

Quellen

  • Müller, H.-P.: Checkliste Parodontologie. Thieme, Stuttgart 2012
  • Ott, R., Vollmer, H.P., Krug, W.: Klinik- und Praxisführer Zahnmedizin. Thieme, Stuttgart 2003
  • Weber, T.: Memorix Zahnmedizin. Thieme, Stuttgart 2016

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