Burnett-Syndrom

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 23. November 2017
Startseite » Krankheiten » Burnett-Syndrom

Patienten des Burnett-Syndroms leiden an einer übermäßigen Versorgung mit Kalzium und Alkalien, die häufig auf entsprechende Nahrungsergänzungsmittel zurückgeht. Es wird auch auch als Milch-Alkali-Syndrom bezeichnet. Neben Kalziumablagerungen in den Bindehäuten und Hornhäuten können sich symptomatisch Ataxien, Übelkeit und Erbrechen einstellen.

Inhaltsverzeichnis

Was ist das Burnett-Syndrom?

Das Burnett-Syndrom ist auch als Milch-Alkali-Syndrom bekannt. Dabei handelt es sich um eine Störung des Kalzium-Stoffwechsels, die mit einem Überangebot an Kalcium und leicht aufzunehmenden Alkalien in Zusammenhang steht. Das Syndrom tritt in den meisten Fällen in Folge der Behandlung anderer Erkrankungen auf. Der Namensgeber der Stoffwechselstörung ist der amerikanische Arzt Charles Hoyt Burnett.

Anfang des 20. Jahrhunderts behandelten Ärzte Magengeschwüre teilweise über die stündliche Gabe von Milch, Alkalipulver und Sahne. Diese Milch-Alkali-Behandlung besserte die Symptome des Magengeschwürs. Die Therapie war aber oft mit schwerwiegenden Nebenwirkungen verbunden, die bis hin zum Nierenversagen reichten. Im Zusammenhang mit dieser Magengeschwürbehandlung trat das Burnett- oder Milch-Allkali-Syndrom am häufigsten auf. Sobald bessere Therapiemöglichkeiten für Magengeschwüre bestanden, ging die Inzidenz des Syndroms zurück. Mittlerweile kommt das Burnett-Syndrom aber wieder häufiger vor.

Ursachen

Im Rahmen der Verdauung nimmt der Magen-Darm-Trakt über Bicarbonate Alkalien und über Lebensmittel wie Milch Kalzium auf. Er stellt dem Organismus diese Stoffe über Resorption im Magen und im Darm zur Verfügung. Beim Burnett-Syndrom ist vor allem der Calcium-Spiegel im Serum erhöht. Diese Erhöhung geht auf eine vermehrte Resorption von Kalzium oder im Magen-Darm-Trakt zurück und hängt so meist mit dem übermäßigen Konsum von kalziumhaltigen oder basischen Lebensmitteln zusammen.

Dieser übermäßige Konsum trat im 20. Jahrhundert insbesondere im Rahmen der Magengeschwürtherapie auf. Im 21. Jahrhundert betrifft das Szenario oft Frauen mit Osteoporose, die zur Vorbeugung oder Eindämmung der Erkrankung mehr als die empfohlenen 1200 bis 1500 Milligramm Calcium zu sich nehmen. Begünstigt wird das Syndrom außerdem durch die Einnahme von Vitamin D.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Die häufigsten Symptome des Burnett-Syndroms sind Übelkeit, Erbrechen und Schwindelgefühl. Manchmal stellt sich zusätzlich eine Ataxie, also eine Gangstörung ein. Neben erhöhtem Serum-Kalzium, also einer Hyperkalzämie, kann auch eine Kalzinose eintreten. Das überflüssige Kalzium wird vom Körper bei einer Kalzinose unter Umständen in die Bindehäute, die Hornhäute oder die Nierentubuli eingelagert. Die Einlagerung in die Nieren kann zu Niereninsuffizienz führen.

Die in den Augen ist oft auf den ersten Blick sichtbar und betrifft häufig vor allem die Lidspalte, wo sie eine Bankeratitis auslösen kann. Manchmal treten bei ausgeprägter Kalzinose zusätzlich neurologische Symptome wie Depressionen, Verwirrtheit und anhaltende Müdigkeit auf. Je schwerer der Fall, desto schwerer können auch diese Bewusstseinsstörungen ausfallen. In Extremfällen können die neurologischen Symptome so bis zu komatösen Erscheinungen reichen.

Diagnose & Krankheitsverlauf

Die Anamnese gibt dem Arzt die ersten Hinweise auf das Burnett-Syndrom. In der Regel stellt sich anamnestisch die Einnahme von nahrungsergänzendem Kalzium oder Alkalisalzen heraus. Im Blut spricht ein erhöhter Kalziumspiegel für das Burnett-Syndrom. Im Urin lässt sich kaum Kalzium entdecken, da die Hyperkalzämie die Blutgefäße der Nieren verengt und sie damit an der Ausscheidung hindert.

Auch ein erhöhter Spiegel des Nebenschilddrüsenhormons und eine metabolische Alkalose mit erhöhtem Phosphatspiegel sprechen für das Syndrom. Bei der modernen Form bleibt der Phosphatspiegel allerdings immer öfter unverändert. Der Verlauf hängt davon ab, wo und wie viel Kalzium eingelagert wurde. Früher wurde in Zusammenhang mit dem Syndrom teilweise auch von Todesfällen durch Nierenversagen berichtet. Heute sind tödliche Konsequenzen aber so gut wie ausgeschlossen.

Wann sollte man zum Arzt gehen?

In der Regel kommt es beim Burnett-Syndrom nicht zu einer Selbstheilung, falls der Betroffene seine Ernährung nicht umstellt. Aus diesem Grund ist eine medizinische Untersuchung und Behandlung notwendig, um weitere Komplikationen durch das Syndrom zu vermeiden. Ein Arzt sollte dann aufgesucht werden, wenn der Betroffene über einen längeren Zeitraum und ohne einen besonderen Grund an Erbrechen oder Übelkeit leidet.

Auch Schwindelgefühle und Gangstörungen treten dabei relativ häufig auf und können auf die Krankheit hindeuten. Ebenso kommt es ohne Behandlung zu einer Niereninsuffizienz. Sollten daher auch Nierenbeschwerden auftreten, so muss sofort ein Arzt aufgesucht werden. Auch Verwirrtheit oder Depressionen zählen zu den Beschwerden des Burnett-Syndroms und sollten dann untersucht werden, wenn sie über einen längeren Zeitraum anhalten. In einigen Fällen kann der Betroffene bei dieser Erkrankung auch das Bewusstsein verlieren oder in ein Koma fallen.

Die erste Untersuchung wird in der Regel von einem Allgemeinarzt durchgeführt. In Notfällen kann allerdings auch das Krankenhaus aufgesucht oder ein Notarzt gerufen werden.

Behandlung & Therapie

Der erste Schritt zur Behandlung von Patienten mit Burnett-Syndrom ist die sofortige Beendigung der Kalzium-Zufuhr. In den meisten Fällen kombiniert der Arzt diese Maßnahme mit der Gabe von Kochsalzlösungen. Die Gabe dieser isotonischen Lösung findet in der Regel intravenös statt. Das Ziel dieser therapeutischen Maßnahme ist die Hydrierung und die Unterstützung der Nieren.

Die Kochsalzlösung soll im Tubulussystem der Nieren die passiv-tubuläre Rückresorption hemmen. Die Tubuli der Nieren nehmen viele ausgefilterte Stoffe im Zuge der Rückresorption wieder auf. Speziell ein erhöhter Blutphosphatspiegel kann über die Gabe von Kochsalzlösung ausgeglichen werden. Die Flüssigkeit sättigt nämlich die Rückresorption. Das überflüssige Phosphat und das Calcium werden so ausgeschieden, bis sich der Spiegel im Blut normalisiert hat. Das Serumkalzium wird bei einer stationären Behandlung permanent überwacht.

Wenn eine nur leichte Form des Burnett-Syndroms vorliegt, findet die Behandlung in der Regel ambulant statt und ein engmaschiges Monitoring ist nicht erforderlich. Teilweise wird den Patienten des Burnett-Syndroms auch ein harntreibendes Schleifendiuretikum gegeben, das die Nieren antreiben soll. Eine zu hohe Dosierung dieses Medikaments kann allerdings auch eine Verschlechterung herbeiführen und die Kalzinose noch verstärken. Daher bezieht sich diese Behandlungsform meist auf stationäre Patienten, die zur Sicherheit überwacht werden können.

Hier finden Sie Ihre Medikamente:

Aussicht & Prognose

In den meisten Fällen kann das Burnett-Syndrom relativ einfach und gut behandelt werden. Sollte sich der Betroffene trotz Auftreten der Symptome nicht in eine Behandlung begeben, so kann das Burnett-Syndrom zu schweren Folgen und im schlimmsten Falle zum Tode des Betroffenen führen. Dieser Fall tritt allerdings erst bei einem sehr langanhaltenden Konsum von Ergänzungsmitteln ein.

Das Syndrom selbst wird behandelt, indem der Patient auf die Ergänzungsmittel verzichtet. Dabei kommt es zu keinen weiteren Beschwerden und die Symptome klingen mit der Zeit ab. In akuten Notfällen kann der Gesundheitszustand durch die Einnahme von Kalzium verbessert werden. Ebenso erhält der Betroffene verschiedene Injektionen, um die Nieren zu entlasten.

Irreversible Schäden treten durch das Burnett-Syndrom meistens erst dann ein, wenn keine Behandlung stattfindet und das Kalzium über einen sehr langen Zeitraum in hohen Mengen eingenommen wird. Das Syndrom kann dabei durch eine gewöhnliche Nahrung nicht eintreten. Der weitere Verlauf oder die Schwere der Beschwerden hängen dabei auch stark von der tatsächlich eingenommenen Menge an Calcium ab. Im Allgemeinen lässt sich die Erkrankung allerdings sehr gut behandeln.

Vorbeugung

Um dem Burnett-Syndrom vorzubeugen, sollte die tägliche Kalziumzufuhr eine Dosis zwischen 1200 und 1500 Milligramm nicht überschreiten. Mit basischen und kalziumhaltigen Nahrungsergänzungsmitteln sollte grundsätzlich vorsichtig umgegangen werden. Durch tatsächliche Nahrung stellt sich ein Burnett-Syndrom eher nicht ein.

Das können Sie selbst tun

Das Burnett-Syndrom kann in schweren Fällen zu Nierenversagen führen, weshalb Patienten immer zeitnah einen Arzt aufsuchen sollten.

Die Krankheit betrifft besonders häufig Frauen, die zwecks Prophylaxe oder Therapie einer Osteoporose hochdosierte Kalziumpräparate einnehmen. Sofern dieser Personenkreis Symptome des Burnett-Syndroms zeigt, dazu zählen im frühen Stadium inbesondere Übelkeit, Schwindelgefühle, Erbrechen und gelegentlich auch eine Störung beim Gehen (Ataxie), muss zeitnah medizinische Hilfe in Anspruch genommen werden. Der behandelnde Arzt muss unbedingt über die Einnahme von Kalzium informiert werden. Der wichtigste Behandlungsschritt besteht in der Regel in der Absetzung dieser Präparate. Darüber hinaus muss die Kalziumzufuhr für einen gewissen Zeitraum meist generell gesenkt werden.

In vielen Fällen sind die Betroffenen gezwungen, ihre Ernährung zumindest vorübergehend umzustellen. Kalziumreiche Lebensmittel wie Kuhmilch, Käse, Joghurt, Quark oder auch Diät-Shakes auf Molke-Basis müssen dann gemieden werden. Wer nicht vollständig auf diese Lebensmittel verzichten möchte, kann auf pflanzliche Ersatzprodukte ausweichen. Gerade Kuhmilch kann sehr gut durch Soja- oder Mandeldrinks ersetzt werden. Auch für Käse und Joghurt stehen bereits pflanzliche Alternativen zur Verfügung. Während Kalzium in diesen Produkten natürlicherweise kaum vorkommt, wird es aber manchmal zugesetzt. Betroffene sollten deshalb auf Hinweise wie etwa "mit Kalzium" achten und die Inhaltsstoffe studieren. Wer unsicher ist, kann sich in Bio-Supermärkten und Reformhäusern kompetent beraten lassen.

Bücher über Kalzium (Calcium)

Quellen

  • Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag, Köln 2016
  • I care Krankheitslehre. Thieme, Stuttgart 2015
  • Koop, I.: Gastroenterologie compact. Thieme, Stuttgart 2013

Diese Seite teilen:

Das könnte Sie auch interessieren:

Bekannt aus: