Brustatmung

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 13. November 2016
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Die Brustatmung (auch Thorakal- oder Kostalatmung) ist eine spezielle Form der Atmung, bei der sich die Rippen aktiv heben und senken. Durch den entstehenden Unterdruck strömt die Luft in die Lungen ein (Inspiration) oder wird aufgrund der Elastizität von Lungen und Brustkorb aus ihr hinaus gepresst (Exspiration).

Inhaltsverzeichnis

Was ist die Brustatmung?

Bei der Brustatmung handelt es sich um einen Typ der äußeren Atmung. Der Austausch von Atemluft zwischen einem Organismus und seiner Umwelt kennzeichnet die äußere Atmung, während die innere Atmung Prozesse zur Energieumwandlung innerhalb des Körpers oder in einzelnen Zellen bezeichnet.

Die Medizin kennt die Brustatmung fachsprachlich auch als Thorakalatmung. Der Begriff stammt etymologisch von der anatomischen Bezeichnung Thorax ab, die den Brustkorb meint. Das Gegenteil der Brustatmung ist die Bauch- bzw. Zwerchfellatmung, welche zum überwiegenden Teil von anderen Muskelgruppen gesteuert wird.

Die Zwerchfellatmung macht etwa zwei Drittel der Atmung des Menschen aus, wohingegen die Brustatmung das übrige Drittel der äußeren Atmung übernimmt. Des Weiteren benötigt die Brustatmung im Vergleich zur Zwerchfellatmung mehr Energie und kommt vor allem bei stärkerer körperlicher und psychischer Belastung zum Einsatz. Aus diesem Grund gilt die Brustatmung als charakteristisch für Stresszustände.

Funktion & Aufgabe

Während des Einatmens bei der Brustatmung kontrahiert die äußere Zwischenrippenmuskulatur (Musculus intercostalis externus). Sie befindet sich über dem Thorax und verläuft über die einzelnen Rippen schräg zum Bauch hin. Die äußere Zwischenrippenmuskulatur hat ihren Ursprung an einer Rippe und setzt an der nachfolgenden Rippe an. Ihr Zusammenziehen hebt die Rippen aktiv an und dreht sie längs nach außen. Dadurch erweitert die Atemmuskulatur den Brustkorb sowohl seitlich als auch vor- und rückwärts gerichtet: Das Volumen der Lungen erhöht sich dank des elastischen Gewebes, aus dem die Lungenwand besteht.

Dieser Prozess erzeugt im Inneren des Brustkorbs einen Unterdruck: Das vergrößerte Volumen der Lunge weist bei gleicher Masse der darin enthaltenen Atemluft nun im Verhältnis zur Umgebung einen negativen Druck auf. Dieser lässt durch den geöffneten Luftverschluss der Kehle und durch die Atemwege automatisch Luft in die beiden Lungen einströmen. Die Medizin bezeichnet diesen Vorgang des Einatmens auch als Inspiration und nennt dementsprechend die äußere Zwischenrippenmuskulatur wegen ihrer unterstützenden Funktion Hilfsinspirator.

Die Brustatmung ist eine spezielle Form der Atmung, bei der sich die Rippen aktiv heben und senken.

Beim umgekehrten Vorgang, der Ausatmung oder Exspiration, verlässt die Luft die Lungen wieder. Um das zu bewirken, entspannen sich die Brustmuskeln. Durch den fehlenden Zug und die Elastizität des Brustkorbs und der Lungen senken sich daraufhin die Rippen und drehen sich um ihre Längsachse zurück in ihre Ausgangsposition.

Gesunde Menschen atmen während der Brustatmung in der oben beschriebenen Mischatmung. Während akuter Atemnot, beispielsweise infolge einer asthmatischen Erkrankung, tritt jedoch vorwiegend die sogenannte Auxiliaratmung in Erscheinung. Die auxiliären Atemmuskeln sind auch als Atemhilfsmuskeln bekannt und beteiligen sich unter widrigen Umständen an der Inspiration bei der Brustatmung.

Zu dieser Muskelgruppe gehören die innere Zwischenrippenmuskulatur (Musculus intercostalis internus), die unter der äußeren Zwischenrippenmuskulatur liegt, und die Unterrippenmuskeln (Musculus subcostalis), die sich auf der Innenseite der Rippen befinden. Die Unterrippenmuskeln haben ihren Ursprung in der Nähe der Rippenwinkel und spannen sich über eine Rippe hinweg, um an der übernächsten Rippe anzusetzen. Weiterer auxiliäre Atemmuskeln sind der gerade Bauchmuskel (Musculus rectus abdominis) sowie der äußere und innere schräge Bauchmuskel (Musculus obliquus externus abdominis bzw. Musculus obliquus internus abdominis).

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Krankheiten & Beschwerden

Da die Bauchatmung im Gegensatz zur Brustatmung körperliche und psychische Entspannung begünstigt, gilt die Brustatmung als ungünstigere Atemform. Falsche Körperhaltung, Haltungsschäden, körperliche Fehlbildungen und sowohl akuter als auch chronischer Bewegungsmangel können dazu führen, dass sich das Verhältnis von Brust- und Bauchatmung zugunsten der Brustatmung verschiebt.

Infolgedessen erhöht sich möglicherweise das Risiko für stressassoziierte Erkrankungen und Infekte der Atemwege: Durch die flachere Atmung erfolgt unter Umständen nur ein teilweiser Luftaustausch, der zu einer geringen Aufnahme von Sauerstoff führen kann. Symptome wie Müdigkeit, milde Konzentrationsprobleme sowie allgemeines Unwohlsein treten eventuell als Konsequenzen auf.

Wiederholte Beschwerden treten bei der Brustatmung vor allem im Rahmen asthmatischer Anfälle auf. Akute Atemnot charakterisiert die Anfälle, welche infolge verschiedener Grunderkrankungen auftreten. Eine häufige asthmatische Erkrankung ist das Asthma bronchiale oder Bronchialasthma. Wie der Name bereits nahelegt, liegt die Ursache in einer Engstellung der Bronchien. Die Medizin nennt sie auch Bronchialobstruktion. Sie kann sowohl vollständig als auch teilweise reversible (umkehrbare) Formen annehmen.

Als Ursache kommen allergische Reaktionen in Betracht, zum Beispiel bei einer Sensibilität gegenüber tierischen Haaren, Pollen oder Hausstaub. Darüber hinaus kommen Infektionen, der Umgang mit atemwegsreizenden Substanzen und psychische Faktoren als Auslöser infrage. In diesen Fällen sprechen MedizinerInnen von nicht-allergischem Asthma.

Ein asthmatischer Anfall verursacht akute Atemnot, welche die oben beschriebene Auxiliaratmung hervorruft. Dieser Mechanismus hat zum Ziel, vermehrt Luft in die Lungen zu pressen und damit drohendem Sauerstoffmangel entgegenzuwirken. Dieser könnte infolge der beeinträchtigten Atmung eintreten und im ungünstigsten Fall seinerseits zu einer Unterversorgung der Organe führen.

Über einen längeren Zeitraum hinweg bewirkt Sauerstoffmangel potenziell das Absterben von Zellen, einschließlich der Nervenzellen des Gehirns. Hirnschäden sind deshalb eine typische Folge längeren Sauerstoffmangels, auch wenn tödliche Folgen ausbleiben.

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