Bronchospasmus

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 18. August 2017
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Bei einem Bronchospasmus handelt es sich um eine Verkrampfung (medizinischer Fachbegriff Spasmus) des glatten Anteils der Muskeln der Bronchien. Ein Bronchospasmus entwickelt sich oftmals im Rahmen von Irritationen der Luftwege, etwa bei Allergien oder der Aufnahme giftiger Substanzen. Darüber hinaus zeigen sich Bronchospasmen häufig bei sogenannten obstruktiven Krankheiten der Lunge, zum Beispiel bei Asthma oder COPD.

Inhaltsverzeichnis

Was ist ein Bronchospasmus?

Im Zusammenhang mit dem Bronchospasmus verkrampft sich die Muskulatur im Bereich der Bronchien. Dabei handelt es sich in erster Linie um glatte Muskeln, die die Luftwege umgeben. Verschiedene Ursachen führen zum Auftreten eines Bronchospasmus, beispielsweise der Kontakt mit speziellen Dämpfen oder eine Asthma-Erkrankung.

In der Folge des Spasmus verengen sich die Muskeln, die sich in der Gegend der Bronchien befinden. Dadurch verringert sich die Breite der Luftwege und der Atemwiderstand wird größer. Folglich entwickelt sich eine Obstruktion der Atemwege. Aus diesem Grund besteht auch eine Assoziation zwischen dem Bronchospasmus und obstruktiven Erkrankungen der Lunge.

Durch den gesteigerten Widerstand bei der Atmung wird die Lunge entweder nicht ausreichend mit Luft versorgt oder überbläht. Dauert der Bronchospasmus zu lange an, entwickelt sich im Bereich der Muskeln der Bronchien eine Hypertrophie.

Ursachen

Ein Bronchospasmus wird durch verschiedene potenzielle Einflussfaktoren ausgelöst. Im überwiegenden Teil der Fälle handelt es sich dabei um externe Faktoren. So kommen zum Beispiel chemische oder physische Reizungen als Auslöser in Frage. Auch bestimmte Arten von medizinischen Wirkstoffen sind in der Lage, einen Bronchospasmus zu provozieren. Dazu zählen in erster Linie antibiotische Wirkstoffe, die den Stoff Histamin freisetzen, sowie Opiate.

Zudem leiden bestimmte Patientengruppen besonders häufig an Bronchospasmen. Die erhöhte Anfälligkeit für das Phänomen zeigt sich in erster Linie bei Personen mit Asthma, akuten Erkrankungen der Luftwege sowie bei Rauchern. Auch Menschen mit einer COPD, bestimmten Allergien und einer allergischen Rhinitis sind besonders gefährdet.

Der Bronchospasmus ergibt sich in vielen Fällen zum Beispiel auch dann, wenn Personen Rauch oder Dampf einatmen. Zudem wird der Bronchospasmus unter Umständen durch Operationen in der Gegend der Luftwege ausgelöst. Mitunter liegt die Ursache des Bronchospasmus in einer sogenannten endotrachealen Intubation, die mit nicht ausreichender Narkose durchgeführt wird.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Die Symptome des Bronchospasmus sowie deren Stärke sind verschieden. Grundsätzlich verengen sich bei einem Bronchospasmus die bronchialen Bereiche beziehungsweise die umliegende glatte Muskulatur. In der Folge davon gelangt keine ausreichende Menge Luft in die Lungen der betroffenen Person. So leiden die Patienten zunächst an Kurzatmigkeit.

Durch das plötzliche Auftreten dieses Phänomens verfallen die Erkrankten oftmals in Panik, sodass eine Hyperventilation folgt. Denn durch die verengten Luftwege ist eine Steigerung der Atemfrequenz notwendig, um die benötigte Luft einzuatmen. Passiert die Luft den verengten Bereich, so entsteht ein pfeifender Laut auch beim Ausatmen. Zusätzlich leiden die betroffenen Patienten an einem unstillbaren Husten.

In Verbindung damit werfen die Personen häufig Schleim aus. In der Folge davon fällt das Atmen noch schwerer, denn der Schleim blockiert die Luftwege. Es entstehen Schmerzen im Bereich von Brust und Atemwegen. Dabei verspüren viele Patienten einen starken Druck oder haben das Gefühl von Quetschungen im Brustbereich. Die Beschwerden des Bronchospasmus verschlimmern sich meist mit zunehmender Panik der Betroffenen.

Bewegung und Ausbrüche von Schweiß wirken sich oft negativ auf den Verlauf des Bronchospasmus aus. Neben dem eigentlichen Bronchospasmus existiert auch ein sogenannter vorgetäuschter Bronchospasmus. Dieser tritt zum Beispiel auf, wenn Personen Fremdstoffe einatmen, an einer Lungenembolie oder einem Ödem leiden oder ein Beatmungstubus abgeknickt ist.

Diagnose & Krankheitsverlauf

Bei einem starken Bronchospasmus rufen einige Personen den Notarzt, der anschließend die Diagnose stellt. Zur Feststellung der Krankheit orientiert sich der Arzt an den typischen Beschwerden des Bronchospasmus. Hinweise wie ein gesteigerter Atemwiderstand sowie charakteristische Geräusche beim Ausatmen deuten auf den Bronchospasmus hin.

Grundsätzlich sind eine schnelle Diagnose und Therapie des Bronchospasmus von großer Bedeutung. Denn bei langandauerndem Bronchospasmus besteht das Risiko einer sogenannten Hyperkapnie, in deren Rahmen die Konzentration von Kohlenstoffdioxid im Blut gesteigert ist. Außerdem ist eine Hypoxie möglich, bei der das Gewebe nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff versorgt wird.

Komplikationen

Ein Bronchospasmus entsteht durch verschiedene Ursachen, was verschiedene Komplikationen mit sich tragen kann. Zum Beispiel sind Betroffene mit einer Allergie besonders anfällig für eine Verengung der Atemwege. Durch einen bestimmten Stoff schwellen die Atemwege stark an und es kommt zu einer Verlegung dieser, der Betroffene bekommt kaum noch Luft und droht zu ersticken. Auch bekommt dieser aufgrund der anatomischen Nähe zu der Speiseröhre Beschwerden beim Schlucken.

Daneben können sich aufgrund des allergischen Reaktion tiefere Hautschichten stark anschwellen, das Quincke-Ödem entsteht, was die Symptomatik noch stärker verschlimmern kann. In den schlimmsten Fällen kommt es zu einem starken Abfall des Blutdrucks, wodurch mehrere Organe nicht mehr ausreichend durchblutet werden, ein anaphylaktischer Schock entsteht. Die Organe können infolgedessen versagen und weitere Probleme für den Betroffenen darstellen.

Auch beim Asthma kann es zu ähnlichen Komplikationen kommen. Gefürchtet ist vor allem hierbei der Status asthmaticus, bei dem selbst Antiasthmatika nicht helfen und der Betroffene zu ersticken droht. Dabei sollte sofort ein Notarzt benachrichtigt werden.

Eine Infektion der Atemwege kann ebenfalls eine Konstriktion der Bronchien verursachen. In einigen Fällen kann sich die Entzündung bis zur Lunge ausbreiten und dort eine Entzündung auslösen (Pneumonie). In den schlimmsten Fällen kann es zu einer systemischen Ausbreitung der Entzündung kommen, also einer Sepsis.

Wann sollte man zum Arzt gehen?

Ein neu auftretender Bronchospasmus sollte immer ärztlich abgeklärt werden, da er das Symptom vieler chronischer und akuter Leiden ist. Darüber hinaus kann ein vorgetäuschter Bronchospasmus auf Beschädigungen der Lunge oder Luft in der Pleurahöhle hinweisen.

Dabei wird das Handeln der Betroffenen maßgeblich durch die Auswirkungen des Krampfes bestimmt. Handelt es sich um eine schwache Einschränkung mit Atemnot und Husten, die wieder vorübergeht, ist kein Notarzt notwendig. Betroffene sollten in eine Ruheposition finden, in der sie abhusten können und einen Arzt aufsuchen, wenn der Bronchospasmus sich wieder gelegt hat.

Ein Bronchospasmus, der zu Schmerzen und gravierender Atemnot führt, macht eventuell das Rufen eines Notarztes nötig. Es gibt Bronchospasmen, die sich durch die einsetzende Hyperventilation, Schleimbildung und Verkrampfungen weiter verstärken und die Gefahr des Erstickens mit sich bringen.

Menschen mit chronischen Krankheiten, die vermehrt zu einer Verkrampfung der Atemwege führen, werden diese häufiger erleben. Haben sie einen Schub, müssen sie selbst einschätzen, ob das Rufen eines Notarztes notwendig ist. Verschlechtert sich allerdings der allgemein empfundene Zustand der Atemwege durch häufigere oder heftigere Spasmen, ist ein ärztliches Abklären beim behandelnden Arzt notwendig.

Behandlung & Therapie

Die Optionen zur Behandlung des Bronchospasmus sind verschieden, wobei sich die Entscheidung für bestimmte Maßnahmen insbesondere nach dem Schweregrad des Bronchospasmus richtet. Möglich ist zum Beispiel, dass die betroffenen Patienten manuell beatmet werden. Im Zuge dessen erhalten sie hohe Konzentrationen von Sauerstoff.

Tritt der Bronchospasmus im Rahmen eines chirurgischen Eingriffs auf, so hilft unter Umständen eine stärkere Narkose der Person. Zu diesem Zweck eignen sich anästhetische Wirkstoffe wie Ketamin. Sogenannte Beta-2-Mimetika sind in der Lage, die Bronchien aufzuweiten und die Beschwerden des Bronchospasmus zu lindern.

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Vorbeugung

Einem Bronchospasmus lässt sich bis zum einem gewissen Grad vorbeugen, wobei Erkrankungsfälle auch mit präventativen Maßnahmen nicht gänzlich vermeidbar sind. Personen mit einem erhöhten Risiko für Bronchospasmen erhalten vor operativen Eingriffen bestimmte Medikamente zur Vorbeugung. Dabei kommen Beta-2-Mimetika zum Einsatz. Nach Möglichkeit betäuben die behandelnden Ärzte im Rahmen eines chirurgischen Eingriffs den zu operierenden Bereich nur regional.

Das können Sie selbst tun

Bei dem Verdacht auf einen Bronchospasmus muss sofort der Rettungsdienst gerufen und anhand der W-Fragen über die Situation informiert werden. Bis zum Eintreffen des Notarztes müssen Erste-Hilfe-Maßnahmen ergriffen werden.

So gilt es zunächst, den Patienten zu beruhigen, mit warmen Decken zu versorgen und beengende Kleidung zu lockern. Der Oberkörper muss nach oben gelagert und die Beine tief gelagert werden. Ist der Betroffene Asthmatiker, sollten zur Behandlung des Bronchospasmus entsprechende Asthma-Medikamente eingesetzt werden. Bei Bewusstlosigkeit muss der Betroffene in die stabile Seitenlage gebracht werden. Nach Möglichkeit sollten anschließend regelmäßig Atmung und Puls kontrolliert werden. Falls notwendig, müssen Wiederbelebungsmaßnahmen ergriffen werden. Empfehlenswert sind neben der Mund-zu-Mund-Beatmung auch Herz-Lunge-Wiederbelebung und – entsprechende Fachkenntnisse vorausgesetzt – ein Luftröhrenschnitt. Der Notarzt muss über die durchgeführten Maßnahmen und den Gesundheitszustand des Betroffenen informiert werden, um eine rasche Behandlung zu gewährleisten.

Nach der Behandlung im Krankenhaus gilt für den Betroffenen zunächst Bettruhe und Schonung. Begleitend dazu müssen die Ursachen für den Bronchospasmus festgestellt werden. Dadurch und durch eine Beratung beim Hausarzt lassen sich in den meisten Fällen weitere Anfälle vermeiden.

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Quellen

  • Arasteh, K., et. al.: Innere Medizin. Thieme, Stuttgart 2013
  • Hahn, J.-M.: Checkliste Innere Medizin. Thieme, Stuttgart 2013
  • I care Krankheitslehre. Thieme, Stuttgart 2015

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