Bronchopulmonale Dysplasie

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 21. November 2017
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Bei der Bronchopulmonalen Dysplasie handelt es sich um eine chronische Lungenkrankheit. Sie tritt hauptsächlich bei frühgeborenen Kindern auf, die mit geringem Körpergewicht zur Welt kommen. Die Bronchopulmonale Dysplasie kann die Lunge langfristig und bis ins Erwachsenenalter schädigen und durch anhaltende Veränderungen der Lungen zum Tod führen.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Bronchopulmonale Dysplasie?

Von der Bronchopulmonalen Dysplasie sind insbesondere frühgeborene Kinder betroffen. Diese Neugeborenen werden häufig über einen längeren Zeitraum künstlich beatmet, etwa um das Neugeborenen-Atemnotsyndrom zu therapieren. Die Krankheit kann die Lunge langwierig schädigen. Abhängig vom jeweiligen Schweregrad sowie der Wirksamkeit der Behandlung kann vielfach im Laufe des ersten Lebensjahres eine Besserung erreicht werden.

Ursachen

Einer Bronchopulmonalen Dysplasie können verschiedene Ursachen zugrunde liegen. In den meisten Fällen besteht ein enger Zusammenhang zwischen dem Zeitpunkt der Geburt der Kinder. Je zeitiger sie geboren werden und je geringer das Geburtsgewicht ist, umso häufiger tritt eine Bronchopulmonale Dysplasie auf. Frühgeborene, deren Geburtsgewicht weniger als 1000 Gramm beträgt oder die vor der 32. Schwangerschaftswoche zur Welt gebracht werden, erkranken zu 15 bis 30 Prozent an einer Bronchopulmonalen Dysplasie.

Ein wesentlicher Risikofaktor für die Entstehung einer Bronchopulmonalen Dysplasie besteht in einer unreifen Lunge mit einem Mangel des Stoffes Surfactant. Weitere Faktoren liegen in einem hohen Beatmungsdruck, einer hohen Sauerstoffkonzentrationen sowie in einer langen Dauer der künstlichen Beatmung. Auch ein unverschlossener Ductus arteriosus und diverse Infektionen der Lunge können Ursache für die Bildung einer Bronchopulmonalen Dysplasie sein.

Die Erkrankung entsteht durch Umbauvorgänge, die mit Entzündungen im Bindegewebe verbunden sind. Zu solchen entzündlichen Prozessen kann es in Folge einer anfänglichen Wassereinlagerung in der unreifen Lunge oder chemischen, mechanischen sowie biologischen Schädigungen kommen.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Im Rahmen der Bronchopulmonalen Dysplasie können verschiedene Beschwerden bei den betroffenen Patienten auftreten. Zu möglichen klinischen Symptomen zählen beispielsweise eine erhöhte Atemfrequenz, vermehrtes Bronchialsekret, vertiefte und angestrengte Atmung mit Einziehung des Brustkorbs, Husten und Wachstumsverzögerung. Auch können sich livide Bereiche an Haut und Schleimhaut zeigen.

Die Lunge weist unter anderem diffuse Überblähungsbezirke und mangelhaft belüftete Bereiche auf, die sich im Röntgenbild zeigen. Die Bronchopulmonale Dysplasie wird in eine milde, eine moderate und eine schwere Verlaufsform unterteilt. Von der Bronchopulmonalen Dysplasie betroffen sind in erster Linie die Lungenbläschen, die Blutgefäße der Lunge sowie die Atemwege. Die Blutgefäße der Lunge verengen sich und können einen erhöhten Druck des Lungenkreislaufs bewirken sowie zur Belastung der rechten Herzkammer führen.

Diagnose & Krankheitsverlauf

Die Diagnose der Bronchopulmonalen Dysplasie sowie die Kategorisierung in unterschiedliche Schweregrade der Erkrankung erfolgt mittels der Feststellung der Sauerstoffsättigung im Blut. Für jedes Alter ist dabei ein notwendiger Sauerstoffbedarf definiert, der Auskunft über das Vorliegen einer Bronchopulmonalen Dysplasie geben kann. In der Regel ist dabei der Sauerstoffbedarf des Alters, das um 36 Schwangerschaftswochen korrigiert wird, maßgebend.

Die Prognose für die Erkrankung Bronchopulmonale Dysplasie verbessert sich zunehmend. Aufgrund von Fortschritten in der medizinischen Forschung und Versorgung haben Frühgeborene eine immer bessere Chance zu überleben. Heutzutage überleben circa 60 Prozent aller Kinder, die während der 24. und 25. Schwangerschaftswoche geboren werden. Da ihre Lungen in den meisten Fällen noch unreif sind, müssen sie über einen längeren Zeitraum beatmet werden, um ausreichend Sauerstoff zu erhalten.

Komplikationen

Die bronchopulmonale Dysplasie stellt die häufigste Komplikation bei Neugeborenen dar. Säuglinge, die von der Krankheit betroffen sind, machen oft zu schnelle Atemzüge. Als Folge kommt es leicht zu Atemnot und dadurch zu einem Sauerstoffmangel. Aufgrund der Sauerstoffunterversorgung des Blutes verfärbt sich die Haut bläulich (Zyanose).

Die erhöhte Atemfrequenz kann zusätzlich zu Herzrhythmusstörungen sowie einer Überlastung der rechten Herzkammer führen. Bei manchen Frühgeborenen mit bronchopulmonaler Dysplasie verlangsamt sich die Ausatmung, sodass die verbleibende Luft in der Lunge zu einer Überblähung der Alveolen führt. Als Komplikation droht eine narbige Umwandlung einzelner Lungenareale.

Zu den Spätfolgen der Erkrankung zählen rezidivierende Atemwegsinfektionen, insbesondere eine Lungenentzündung oder akute Bronchitis. Eltern sollten deshalb darauf achten, die Ansteckungsgefahr für die betroffenen Kinder möglichst gering zu halten. Aufgrund des geschädigten Bronchialsystems besteht darüber hinaus das Risiko, dass sich ein Asthma bronchiale entwickelt.

Sammelt sich Flüssigkeit im Lungengewebe an, kann es zu einem Lungenödem kommen. Eine gefürchtete Folge der bronchopulmonalen Dysplasie ist die pulmonale Hypertonie. Bei einem verminderten Sauerstoffaustausch in der Lunge staut sich das Blut im Lungenkreislauf. Dadurch kommt es zu einer Vergrößerung der rechten Herzkammer, dem Cor pulmonale.

Wann sollte man zum Arzt gehen?

In den meisten Fällen wird diese Krankheit schon direkt nach der Geburt des Kindes diagnostiziert. Die Behandlung sollte in einem sehr frühen Alter stattfinden, um damit Komplikationen und einen vorzeitigen Tod des Kindes zu vermeiden. Ein Arzt sollte bei dieser Beschwerde immer dann aufgesucht werden, wenn es zu verschiedenen Atembeschwerden kommt. Die Betroffenen leiden dabei an lauten und unnatürlichen Atemgeräuschen und in vielen Fällen auch an einer deutlich erhöhten Atemfrequenz.

Da der Körper mit wenig Sauerstoff versorgt wird, kann es dabei zu einer Blaufärbung der Lippen und der Haut kommen. Auch bei diesen Beschwerden ist auf jeden Fall ein Arzt aufzusuchen. In vielen Fällen sinkt auch die Belastbarkeit und die Ausdauer der Patienten deutlich ab. Weiterhin leiden Kinder an Verzögerungen des Wachstums und der Entwicklung. Sollte es daher zu diesen Verzögerungen kommen, muss ebenso ein Arzt aufgesucht werden. Die Behandlung dieser Erkrankung und der möglichen Kompilationen erfolgt in der Regel durch einen Facharzt. Die Diagnose selbst erfolgt mit Hilfe einer Röntgenaufnahme.

Behandlung & Therapie

Im Rahmen der Behandlung der Bronchopulmonalen Dysplasie besteht die wichtigste Maßnahme in der Gabe von Sauerstoff, um die Sauerstoffsättigung im Blut aufrecht zu erhalten. Der angestrebte Sauerstoffgehalt liegt dabei über 92 Prozent. Darüber hinaus werden dem betroffenen Patienten Kortikosteroide verordnet, die sowohl systemisch verabreicht als auch inhaliert werden müssen.

Diese wirken dem chronischen Entzündungsprozess entgegen, dürfen jedoch aufgrund potenzieller Nebenwirkungen nicht unkritisch eingesetzt werden. Zu möglichen Komplikationen zählen zum Beispiel Hyperglykämien, Darmblutungen, Magengeschwüre oder die Entwicklung von Osteoporose. Eventuell auftretende Lungenödeme werden mit entwässernden Medikamenten, sogenannten Diuretika, therapiert.

Liegt eine Verengung der Atemwege vor, muss eine Inhalation mit Bronchospasmolytika in Betracht gezogen werden. Darüber hinaus sind physiotherapeutische Behandlungen angebracht, die nach Möglichkeit frühzeitig und regelmäßig durchgeführt werden. Der erhöhte Druck des Lungenkreislaufs kann mit Hilfe von gefäßerweiternden Medikamenten behandelt werden.

Zudem ist bedingt durch den erhöhten Energiebedarf der betroffenen Kinder auf die Ernährung zu achten. Sie sollte besonders energiereich sein. Bevor die an der Bronchopulmonalen Dysplasie erkrankten Patienten aus der Klinik entlassen werden können, sollten die ersten Impfungen, beispielsweise gegen Keuchhusten sowie Pneumokokken-Infektionen durchgeführt werden.

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Aussicht & Prognose

Im schlimmsten Falle kann es durch diese Krankheit zum Tode des Betroffenen kommen. Dieser Fall tritt vor allem dann auf, wenn die Erkrankung vollständig ignoriert und nicht behandelt wird. Durch eine Behandlung können die Lungenschäden gelindert werden, wobei eine vollständige Heilung ausgeschlossen ist. Der weitere Verlauf und die Lebenserwartung hängen dabei auch stark von der genauen Ausprägung der Krankheit ab, sodass eine allgemeine Voraussage in der Regel nicht möglich ist.

In den meisten Fällen ist die Lebenserwartung der Betroffenen durch die Krankheit allerdings deutlich verringert. Die Behandlung selbst richtet sich dabei nach den Symptomen und soll die Entzündungen eingrenzen. Wird keine Behandlung eingeleitet, so breiten sich die Entzündungen im Körper des Patienten aus und verschlechtern weiterhin den Gesundheitszustand.

Die Patienten sind auch auf die Einnahme von Medikamenten angewiesen, die häufig mit starken Nebenwirkungen verbunden sind. Mit Hilfe von Impfungen können weitere Infektionen und Komplikationen verhindert werden. Weiterhin kann die Erkrankung auch zu starken psychischen Beschwerden führen, die dabei nicht nur beim Patienten selbst, sondern auch bei den Eltern oder den Angehörigen auftreten können. Diese sind daher ebenfalls auf eine psychologische Behandlung angewiesen.

Vorbeugung

Maßnahmen zur Prävention einer Bronchopulmonalen Dysplasie existieren, jedoch weisen sie unterschiedliche Wirksamkeiten auf oder sind nur schwer zu realisieren. Mögliche vorbeugende Maßnahmen bestehen etwa in der Vermeidung von Frühgeburten und einer vorgeburtlichen Lungenreifinduktion durch die Verabreichung von Kortikosteroiden an die werdende Mutter. Darüber hinaus ist es essenziell, Infektionen zu vermeiden und die künstliche Beatmung möglichst kurzzeitig und schonend durchzuführen.

Eine Therapie mit systemischen Kortikosteroiden, zum Beispiel in Form von Dexamethason, kann eine schnelle Besserung der Lungenfunktion bewirken. Bei sehr zeitiger Gabe kann die Wahrscheinlichkeit für die Entstehung einer Bronchopulmonalen Dysplasie so verringert werden. Hier müssen die Nebenwirkungen der Medikamente zur Prävention der Bronchopulmonalen Dysplasie durch frühzeitige Gabe abgewogen werden.

Das können Sie selbst tun

Die Bronchopulmonale Dysplasie betrifft Neugeborene, die vor der 26. Schwangerschaftswoche, zur Welt kommen. Diese müssen aufgrund der noch nicht gänzlich ausgebildeten Lungen künstlich beatmet werden. Dadurch kann die Lunge dauerhaft Schaden nehmen. Die Eltern sollten kurz nach der Geburt ihres zu früh geborenen Kindes im Rahmen der Selbsthilfe dem Kind intensive Zuwendung und Zärtlichkeit zukommen lassen. Diese Art der Präsenz kann schon in den ersten Lebenstagen das Immunsystem so weit stärken, das die Überlebenschance enorm gesteigert wird. Innerhalb des ersten Lebensjahres, aber auch in den Folgejahren, muss der aufgestellte Therapieplan für das Kind unbedingt eingehalten werden.

Der Aufenthalt an der frischen Luft und eine gesunde Ernährung wirken sich positiv auf den Kreislauf und die Lungenfunktion des Kindes aus. Da insbesondere für Kinder mit Bronchopulmonaler Dysplasie die Ansteckungsgefahr in Kindergarten und Schule sehr hoch ist, sollten Eltern durch eine ausgewogene, vitaminreiche Kost das Immunsystem ihres Kindes stärken. Ferner sollte das häusliche Umfeld des Kindes sauber und hygienisch sein, um die Infektionsgefahr zu mindern. Mit den Jahren kann es zum Asthma bronchiale kommen. Es empfiehlt sich, das auch herangewachsene Patienten mit diesem Syndrom bereits genannte Selbsthilfemaßnahmen berücksichtigen und eine gesunde Lebensweise bei sanftem Sport führen.

Bücher über COPD (chronisch obstruktive Lungenerkrankung)

Quellen

  • Arasteh, K., et. al.: Innere Medizin. Thieme, Stuttgart 2013
  • Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag, Köln 2016
  • I care Krankheitslehre. Thieme, Stuttgart 2015

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