Bromhidrosis

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 23. November 2017
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Die Bromhidrosis, auch als Bromhidrose bezeichnet, ist eine Sonderform der Hyperhidrosis, des abnormen Schwitzens. Bei der Bromhidrose leiden die Betroffenen an einer krankhaft übersteigerten Schweißsekretion.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Bromhidrosis

Die vermehrte Schweißsekretion bedingt eine übermäßige Absonderung von Schweiß. Normalerweise bildet der Körper eine bestimmte Schweißmenge, um die Körpertemperatur zu regulieren. Bei entsprechend warmer Umgebungstemperatur sind also auch große Schweißmengen physiologisch, nicht so bei der Bromhidrose.

Hier produzieren die Schweißdrüsen ständig ein Übermaß an Schweiß, was für die Betroffenen schnell zu einem Problem durch unangenehmen Körpergeruch und ständig nasse Kleidung werden kann. Medizinisch definiert ist die Bromhidrosis als eine Erkrankung der apokrinen Schweißdrüsen.

Die Hornschicht der Haut ist durch die ständige Überproduktion an Schweiß krankhaft durchfeuchtet, was unter anderem auch eine Vermehrung der Keimflora nach sich zieht. Schweiß ist normalerweise geruchlos, erst nach einer Zersetzung durch Bakterien entsteht der typische unangenehme Schweißgeruch.

Dieser Geruch breitet sich vor allem an den Körperstellen aus, die eine hohe Anzahl an Schweißdrüsen aufweisen, also Achselhöhlen, Leistenregion, Füße aber auch Hautfalten.

Ursachen

Sich überlappende Hautbereiche, die von einer Bromhidrosis betroffen sind, neigen besonders zu Infektionen. Die erhöhte Hautfeuchtigkeit führt in diesen Hautarealen zu einer vermehrten Keimbesiedlung durch die Bromhidrose.

Was zu der ständigen Schweißüberproduktion bei Hyperhidrosis oder Bromhidrosis als Sonderform führt, ist nicht bekannt. Dermatologen gehen davon aus, dass es sich um eine angeborene Stoffwechselstörung handelt. Die Krankheit kann bereits in der Kindheit, aber auch erst im späteren Erwachsenenalter ausbrechen, der Zeitpunkt des Krankheitsausbruchs scheint unmittelbar mit der individuellen genetischen Disposition zusammenzuhängen.

Übergewicht spielt als Kofaktor bei allen Formen der Hyperhidrosis ebenfalls eine Rolle. Es werden 2 Formen der Bromhidrosis unterschieden, die apokrine und ekkrine Form. Der typische Eigengeruch eines Individuums wird durch die apokrinen Schweißdrüsen bestimmt. Durch die vermehrte Absonderung ekkrinen Schweißes wird vermehrt Keratin aufgeweicht, bei dessen bakteriellen Zersetzung ein sehr unangenehmer fauliger Geruch entsteht.

Typische Symptome & Anzeichen

Diagnose & Verlauf

Die Verdachtsdiagnose jeder Form einer Hyperhidrose kann bereits anhand des Symptoms der vermehrten Schweißproduktion gestellt werden. Ausdehnung und Ausprägungsgrad der pathologischen Schweißabsonderungen sind dann noch Gegenstand weiterführender Untersuchungen.

Bei der Bromhidrosis als besonders fulminante Verlaufsform können zur Erhärtung der Diagnose auch Schweißmengenmessungen erfolgen. Diese finden unter kontrollierten ambulanten Bedingungen bei einem Hautarzt oder in einer Hautklinik statt. Feine Vliestücher werden für eine definierte Zeit in die betroffenen Hautzonen platziert, danach gewogen.

So kann sehr schnell auf die produzierte Schweißmenge in 24 Stunden hochgerechnet werden. Bevor jedoch die Diagnose Bromhidrose gestellt wird, ist zusätzlich eine genaue Schweißanalyse erforderlich, um dessen chemische Zusammensetzung festzustellen.

Befindet sich bakteriell zersetztes Hautkeratin in der Schweißprobe, so sind auch die ekkrinen Schweißdrüsen betroffen und die Verdachtsdiagnose einer Bromhidrosis erhärtet sich. Außerdem können zur Diagnoseerhärtung einzelne Schweißdrüsen unter örtlicher Betäubung entnommen und im histologischen Labor feingeweblich untersucht werden.

Diagnosedaten & Häufigkeit

Relative Häufigkeit je 100.000 Einwohner pro Bundesland (ICD-10: R61 Hyperhidrose) (2012)
Quelle: GBE des Bundes (Diagnosedaten der Krankenhäuser)

Komplikationen

Eine Bromhidrosis kann verschiedene Komplikationen hervorrufen. Häufig kommt es etwa zur Mazeration, einer Verwässerung der Haut, die mit dauerhaften Zellschädigungen verbunden ist. Die starke Schweißbildung erhöht außerdem das Risiko für die Entstehung von Pilzen und Juckreiz. Besonders häufig kommt es in der Folge einer Bromhidrosis zu Fußpilz oder Jock Juckreiz, aber auch zu Warzen und bakteriellen Infektionen, die weitere Erkrankungen verursachen können.

Der starke Körpergeruch und das auffällige Hautbild können überdies zu sozialen und emotionalen Komplikationen führen. Bei der Behandlung der Bromhidrosis können ebenfalls Komplikationen auftreten. Bei einer Absaugung der Schweißdrüsen besteht etwa die Gefahr von Entzündungen, Infektionen, Wundheilstörungen und Blutungen; außerdem können Nerven verletzt werden, wodurch es zu dauerhaften Empfindungsstörungen kommen kann.

In seltenen Fällen kommt es in der Folge dieser Nervenverletzungen zum Horner-Snydrom, einer Folgeerkrankung der Bromhidrosis, die sich durch verengte Pupillen und hängende Oberlider äußert Bei der Behandlung mit Botulinumtoxin kann es in der betroffenen Region zur vorübergehenden Muskelerschlaffung kommen. In Folge einer Behandlung mittels endoskopischer trasthorakaler Sympathektomie kann zwischenzeitlich starker Nachtschweiß auftreten, der sich oftmals auch an anderen Körperstellen äußert.

Wann sollte man zum Arzt gehen?

Wenn eine Bromhidrosis neu auftritt, sollte auf jeden Fall ein Arzt konsultiert werden, um die Ursache festzustellen. Hinter der vermehrten Schweißproduktion steckt möglicherweise eine Erkrankung. Es kann sich aber auch um die Folgeerscheinung einer medikamentösen Behandlung handeln. Wenn die Bromhidrosis durch hygienische Maßnahmen nicht eingeschränkt wird, werden sich viele Patienten ohnehin an einen Arzt wenden, um den übel riechenden Schweißgeruch loszuwerden.

Oftmals treten als Folge einer Bromhidrosis auch psychische Probleme auf, die dann nur mithilfe eines Psychologen behandelt werden können. Ohne professionelle psychologische Hilfestellung führt eine Bromhidrosis oft schnell in die soziale Isolation. Neben den psychologischen Problemen können aber auch noch andere Komplikationen bei der Bromhidrosis auftreten, welche die Konsultation eines Arztes dringend notwendig machen. Das gilt insbesondere bei quälendem Juckreiz, hartnäckigen Haut- und Fußpilzinfektionen oder Warzenbildungen. Wenn der Arzt keine Ursache für die vermehrte Schweißbildung findet, muss der Patient an einen Dermatologen verwiesen werden. Dieser versucht dann, durch verschiedene Maßnahmen, die Vermehrung von Pilzen und Bakterien einzuschränken. Manchmal reicht aber auch das nicht aus.

In besonders schweren Fällen wird sich der Arzt dazu entschließen müssen, die Schweißdrüsen chirurgisch zu entfernen. Dabei handelt es sich um eine Operation, die nur von erfahrenen Ärzten durchgeführt werden darf, weil hier die Gefahr besteht, dass auch Nervenendigungen verletzt werden mit der Folge dauerhafter Empfindungsstörungen.

Behandlung & Therapie

Die Ursache einer abnormen Schweißbildung liegen bis heute im Dunkeln, einer kausale, also ursachenbezogene Therapie jeder Form der Hyperhidrose ist also nicht möglich. Es hat sich jedoch ein Behandlungskonzept etabliert, das auch in ein Leitlinienkonzept der Gesellschaft für Dermatologie Eingang gefunden hat.

Handelsübliche Deodorants zeigen bei der Bromhidrose als schweren Ausprägungsgrad einer Hyperhidrose keine Wirkung. Es hat sich jedoch gezeigt, dass medizinische metallhaltige Antitranspirante neben der antihidrotischen auch eine antibakterielle Wirkung aufweisen. Durch den erhöhten Anteil an Aluminiumchlorid sind diese Deozubereitungen verschreibungspflichtig, die Behandlungsresultate sind insbesondere bei der Hyperhidrosis axillaris vielversprechend.

Doch bei der Bromhidrose sind typischerweise auch andere Körperregionen und zusätzlich die Hautfalten von der gesteigerten unkontrollierten Schweißbildung betroffen. Außerdem steht Aluminium als Schwermetall bei erhöhter Dosierung und Dauereinsatz im Verdacht, die Hautbarriere überwinden und schwere Nebenwirkungen bis hin zur Entstehung von Tumoren auslösen zu können.

Eine dauerhafte Haarentfernung mit Laserbehandlung führt zwar nicht zu einer verminderten Schweißbildung, jedoch können die Folgen einer bakteriellen Schweißzersetzung zumindest abgemildert werden. Beim voll ausgeprägten klinischen Bild einer Bromhidrose bleibt als letztes Mittel nur noch die Operation. Es handelt sich um einen Eingriff in Vollnarkose, bei dem große Teile der Schweißdrüsen in der Achselhöhle oder an anderen Hautarealen entfernt werden.

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Aussicht & Prognose

Eine Bromhidrosis muss in jedem Fall behandelt werden. Es kommt bei dieser Krankheit anderweitig nicht zu einem positiven Krankheitsverlauf und auch nicht zu einer Selbstheilung. In der Regel helfen auch gewöhnliche Deodorants bei dieser Erkrankung nicht.

Die Betroffenen sind in schwerwiegenden Fällen auf die Entfernung der Schweißdrüsen unter den Achseln oder an anderen Regionen angewiesen. Nur dadurch kann das abnorme Schwitzen komplett eingeschränkt werden. Sollte eine Operation nicht erwünscht sein, so kann der Betroffene auch verschiedene Deodorants einsetzen, die einen hohen Anteil an Metallen aufweisen. Diese können die Schweißbildung zwar reduzieren, sind jedoch krebserregend und können weitere schwere Nebenwirkungen aufweisen. Aus diesem Grund sollten diese Pflegemittel nicht über einen längeren Zeitraum hinweg eingesetzt werden.

Die Bromhidrosis führt ohne Behandlung zu einem sehr starken Schwitzen und damit zu verschiedenen Einschränkungen im Alltag des Patienten. Wurden die Schweißdrüsen entfernt, so treten die Beschwerden nicht erneut auf. In einigen Fällen kann sich auch eine Haarentfernung positiv auf den Verlauf der Krankheit auswirken, da dadurch bakterielle Infektionen verhindert werden können. Die Schweißbildung bleibt dabei trotzdem erhalten.

Vorbeugung

Der Bromhidrose kann als angeborene Stoffwechselstörung direkt nicht vorgebeugt werden. Betroffene jeder Form einer Hyperhidrosis können jedoch vielfältige Maßnahmen ergreifen, um übermäßiger Schweißbildung und unangenehmem Körpergeruch vorzubeugen.

Die Schweißzusammensetzung hängt maßgeblich von der Ernährung ab. Schweißtreibende und geruchsaktive Nahrungsmittel wie Pfeffer oder Knoblauch sind zu vermeiden. Durch einen atmungsaktiven Textilschutz kann die passende Bekleidung ein entscheidender Faktor der Vorbeugung gegen übermäßige Schweißproduktion sein. Und schließlich sind auch effektive Körperreinigung und Hygiene mit hautfreundlichen, ph-neutralen Reinigungsmitteln zur Vorbeugung wichtig.

Das können Sie selbst tun

Bei einer Bromhidrosis kann der zuständige Dermatologe medizinische Antitranspirante verschreiben und weitere Tipps zur Selbsthilfe geben. Je nach Ausprägung der Erkrankung ist es manchmal möglich, die Erkrankung durch eine Umstellung des Lebensstils ausreichend einzudämmen.

So lässt sich die Schweißbildung durch eine gesunde und ausgewogene Ernährung ohne scharfe, reizende oder geruchsaktive Lebensmittel wie Pfeffer oder Knoblauch zumindest reduzieren. Sportliche Betätigung trägt ebenfalls zur Regulation der Schweißbildung bei. Vorbeugend hilft auch das Tragen lockerer, atmungsaktiver Kleidung und die Vermeidung übermäßiger Sonneneinstrahlung oder Hitze. Schließlich ist auch eine umfassende Körperhygiene- und pflege mit hautfreundlichen Pflegeprodukten sinnvoll.

Begleitend zu diesen Maßnahmen kann es manchmal sinnvoll sein, das Leiden mit anderen Betroffenen zu teilen. Der Besuch einer Selbsthilfegruppe oder die Teilnahme an Internetforen sind gute Wege, das tägliche Leben mit einer Bromhidrosis zu erleichtern. Langfristig können weitere Maßnahmen wie beispielsweise eine dauerhafte Haarentfernung in Betracht gezogen werden. Die Schweißbildung wird dadurch zwar nicht reduziert, die dadurch entstehende Geruchsentwicklung kann jedoch eingeschränkt werden. Die genannten Maßnahmen sollten immer in Rücksprache mit dem behandelnden Mediziner durchgeführt werden.

Bücher über Schwitzen & Schweißausbrüche

Quellen

  • Abeck, D.: Häufige Hautkrankheiten in der Allgemeinmedizin. Springer, Berlin Heidelberg 2011
  • Dirschka, T., Hartwig, R.: Klinikleitfaden Dermatologie. Urban & Fischer, München 2011
  • Mücke, W. et al.: Duft und Geruch. ecomed Medizin, Heidelberg 2010

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