Broca-Areal

Medizinische Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher (Facharzt für innere Medizin) am 2. November 2016
Symptomat.deAnatomie Broca-Areal

Beim Broca-Areal handelt es sich um eine anatomische Funktionseinheit des menschlichen Gehirns. Auch kleinste Läsionen dieses Hirnrindenareals führen zu messbaren Leistungsschwächen oder kognitiven Ausfällen.

Inhaltsverzeichnis

Was ist das Broca-Areal?

Das Broca-Areal wurde benannt nach einem französischen Anthropologen und Neurochirurgen. Paul Broca wurde im Jahre 1824 geboren und starb 1880 in Paris. Seiner Grundlagenwissenschaft ist das heutige Wissen über das nach ihm benannte Gehirnareal zu verdanken. Im etablierten medizinischen aber auch laienhaften Sprachgebrauch wird das Broca-Areal häufig auch als Broca-Zentrum, Broca-Sprachzentrum oder auch als sogenanntes motorisches Sprachzentrum bezeichnet.

Es bezieht sich auf einen genau definierten anatomischen Abschnitt an der Großhirnrinde eines Menschen, welcher der Sprachmotorik zugeordnet werden kann. Paul Broca entdeckte die Funktionsweise dieses wichtigen Gehirnareals durch einen von ihm selbst untersuchten Patienten Namens Monsieur Tan. Das Artikulationsvermögen dieses Patienten, also dessen Möglichkeit Sprache zu formen beschränkte sich auf die Silbe Tan. Abgesehen von dieser Störung der Sprachartikulation zeigte dieser Patient jedoch keine weiteren Einschränkungen des Sprachverständnisses.

Anatomie & Aufbau

Auch Anatomie und Aufbau des Broca-Zentrums wurden bereits von Paul Broca selbst beschrieben. Als Broca vom Tode seines Patienten mit der speziellen Sprachstörung erfuhr, war es ihm erlaubt, selbst eine Autopsie vorzunehmen.

Dabei konzentrierte sich Broca vor allem auf bestimmte Abschnitte des Gehirns, in denen er die Ursache für das eingeschränkte Artikulationsvermögen seines Patienten vermutete. Hirnanatomisch bot sich Broca das Bild einer ausgedehnten Läsion in dem Kortex Areal des Großhirns, welches heute als Broca-Areal bezeichnet wird. Heutzutage kann dieses motorische Sprachzentrum auch durch bildgebende Verfahren wie Computertomografie oder Kernspintomographie sehr genau dargestellt und von anderen Gehirnregionen abgegrenzt werden. Diese bildgebenden Verfahren sind insbesondere für den Nachweis von Funktionsstörungen des Broca-Areals diagnostisch angezeigt.

Broca stellte damals zwar lediglich Vermutungen über den Aufgabenbereich des nach ihm benannten Gehirnareals an, heute gilt als gesichert, dass es sich bei dieser gehirnanatomischen Struktur um den Bezirk der syntaktischen Sprachverarbeitung handelt. Das Broca-Areal befindet sich in der Großhirnhemisphäre, bei Rechtshändern in der Regel in der linken Hirnhälfte, bei Linkshändern entsprechend in der rechten Hirnhälfte. Die exakte anatomische Lage ist der Bereich der Partes triangularis et opercularis innerhalb des sogenannten Gyrus frontalis inferior.

Funktion & Aufgaben

Aufgaben und Funktionen des Broca-Areals sind unmittelbar mit der Entstehung und Verarbeitung des menschlichen Sprachausdrucks vergesellschaftet. Ohne die spezialisierten Gehirnzellen dieses motorischen Sprachzentrums ist keine korrekte Sprachverarbeitung möglich.

In der Regel bemerkt der Betroffene davon erst mal nichts, bevor ihn nicht andere Personen darauf hinweisen. Das Broca-Areal wiederum erhält Eingaben auf afferente Nervenbefehle aus dem übergeordneten Wernicke-Zentrum. Ist das Broca-Areal geschädigt, können die von dort ankommenden nervalen Impulse nicht weiterverarbeitet werden. Es gilt heute wissenschaftlich als gesichert, dass das Broca-Sprachzentrum die Integration von Sprachproduktion, aber auch von semantischem Verständnis oder Sinneseindrücken vermittelt.

Die nervalen Befehle des Broca-Areals werden auf speziellen Nervenknoten, die Basalganglien, projiziert, dort erfolgt schließlich die Feinmodulation der motorischen Programme. Sind die physiologischen Funktionen zur Sprachverarbeitung und Sprachweitergabe eingeschränkt, dann liegt die Ursache nicht unbedingt im Broca-Areal selbst, sondern womöglich in den vorgeschalteten großen Gehirnarterien, welches die Broca-Region mit Blut und Sauerstoff versorgen.

Liegt der Störung des Broca-Areals also nicht eine Läsion zu Grunde, dann ist die Ursache häufig in einem Verschluss der Ateria praerolandica zu suchen. Diese Arterie ist anatomisch gesehen ein Ast der mittleren großen Hirnarterie, Ateria media cerebri, und dient vor allem der Versorgung des Broca- Sprachzentrums mit Nährstoffen und Sauerstoff. Arteriosklerose in diesen wichtigen Gehirngefäßen führen deshalb besonders bei älteren Menschen immer wieder zu merklichen Einschränkungen der Funktion des Broca-Areals.




Krankheiten

Sind nicht nur das Broca-Areal, sondern auch andere mit ihm in Verbindung stehende anatomischen Einheiten zur Sprachvermittlung pathologisch verändert, dann sind aufwändige neurologische Untersuchungen notwendig, um den Ursprung einer Sprachaphasie genau zu ermitteln.

Pathologische Prozesse des Broca-Areals können zu kleinsten Läsionen bis hin zur völligen Destruktion dieser Gehirnregion führen. Art und Ausmaß der Unfähigkeit, Sprache richtig zu verarbeiten und wiederzugeben, ist unmittelbar vom Ausdehnungsgrad der Läsionen abhängig. Krankhafte Veränderungen der Broca-Region beruhen einerseits auf den Folgen eines Schlaganfalls oder andererseits sind sie Folge von intracraniellen Raumforderungen, also beispielsweise bösartigen Gehirntumoren.

Ob nun ein ischämischer Insult, also einen Schlaganfall oder ein Gehirntumor die Ursache der Läsion in der Broca-Region ist, spielt für die Symptomatik zunächst keine Rolle, wohl jedoch für die Therapie. Diese ist stets darauf ausgerichtet, die Ursache einer Läsion zu beseitigen, was jedoch besonders bei ausgedehnten Befunden leider nicht immer gelingt, sodass die Patienten lebenslang unter einer bestimmten Sprechstörung zu leiden haben. Jedwede pathologische Veränderung in der Broca-Region führt zum Krankheitsbild der sogenannten Broca-Aphasie.

Es kommt zu einer stockenden, verlangsamten Sprache, zur Bildung von nur kurzen Sätzen im Telegrammstil sowie zu Lautverwechslungen. Außerdem berichten die betroffenen Patienten regelmäßig, dass sie sich für den Sprechvorgang sehr anstrengen müssen. Auch wenn das Sprachverständnis weniger eingeschränkt ist, bestehen jedoch häufig Probleme, wenn Funktionswörter wie beispielsweise „seinen“, „sich“ oder „sie“, innerhalb der sprachlichen Verständigung zugeordnet werden müssen.

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