Brachymetatarsie

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 13. Oktober 2017
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Als Brachymetatarsie wird eine Verkürzung des Mittelfußknochens bezeichnet, die bereits angeboren ist. Sie stellt eine Form der Brachyphalangie dar.

Inhaltsverzeichnis

Was ist eine Brachymetatarsie?

Bei einer Brachymetatarsie handelt es sich um eine Deformität des Fußes. Dabei wird zu einem frühen Zeitpunkt das Längenwachstum des Mittelfußknochens gestoppt. In den meisten Fällen sind der 1. und 4. Mittelfußknochen von diesem Vorgang betroffen.

Infolge dieser Deformität verschiebt sich der vierte Zeh nicht wie sonst beim Wachstumsprozess üblich in Richtung Fußspitze. Die betroffene Fußzehe wirkt dadurch kleiner als ihre Nachbarzehen. Allerdings ist ihre Größe in der Regel völlig normal. Allein in Deutschland leiden ungefähr 25.000 bis 27.000 Bundesbürger unter einer Brachymetatarsie.

Für viele Betroffene entstehen dadurch nicht nur ästhetische Probleme, sondern auch seelische und psychische Auswirkungen. Bei Frauen tritt die seltene Anomalie 26 Mal häufiger auf als beim männlichen Geschlecht. Die Brachymetatarsie bildet eine Form der Brachyphalangie, wenngleich keine Verkürzung eines Fingers vorliegt.

Mediziner ordnen die Deformität als Brachydaktylie Typ E ein. Eine Verkürzung des Mittelhandknochens trägt hingegen die Bezeichnung Brachymetacarpie. Die erste Beschreibung der Brachymetatarsie fand im Jahr 1951 durch die britische Medizinerin Julia Bell statt. Zu diesem Zweck wertete sie fünfzehn zurückliegende Fallberichte aus.

Ursachen

Die genauen Ursachen der Brachymetatarsie ließen sich bislang nicht ermitteln. In der Regel leiden die betroffenen Personen seit ihrer Geburt unter der Deformität. Zahlreiche Mediziner vermuten einen autosomal-dominanten Erbgang.

Mitunter ist die Brachymetatarsie allerdings auch Bestandteil eines vorliegenden Syndroms und mit weiteren Symptomen verbunden. Dies gilt besonders für generalisierte Skelettdysplasien, das Basalzellnävus-Syndrom, eine Albright-Osteodystrophie sowie das Turner-Syndrom.

Im Rahmen einer Albright-Osteodystrophie markiert die Brachymetatarsie oftmals das erste Anzeichen für einen Pseudohypoparathyreodismus vom Typ 1A oder 1B und besteht bereits seit Geburt an. Andere Skelettdysplasien zeigen sich dagegen erst im Alter von zwei bis vier Jahren oder auch bei erwachsenen Menschen.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

In den meisten Fällen macht sich die Brachymetatarsie am ersten Mittelfußknochen bemerkbar. Dabei fällt die Großzehe wesentlich kürzer aus und es liegt eine Störung des normalen Fußabrollvorgangs über dem Großzehenballen vor. Dies hat wiederum eine verstärkte Belastung auf die zweite und die dritte Fußzehe zur Folge.

Die Patienten können deswegen unter Schmerzen am Vorfuß leiden, weil das Quergewölbe von Störungen betroffen ist. Bei rund 40 Prozent aller Menschen weist der erste Mittelfußknochen allerdings grundsätzlich eine etwas geringere Größe als der zweite Knochen auf. Von einer Brachymetatarsie ist jedoch erst die Rede, wenn eine deutliche Verkürzung besteht.

Prinzipiell können auch alle weiteren Mittelfußknochen von der Brachymetatarsie betroffen sein. Dazu gehört in erster Linie der vierte Mittelfußknochen. So platziert sich die Zehe, die eigentlich nicht verkürzt ist, in die obere Richtung auf den benachbarten Zehen, wodurch es zu Druckstellen kommen kann. Allerdings stellt dies zumeist kein orthopädisches, sondern ein ästhetisches Problem dar.

Zu bedenken sind auch die seelischen beziehungsweise psychischen Probleme, die durch eine Brachymetatarsie oft hervorgerufen werden. So wirkt sich die Fußdeformität nicht selten negativ auf das Selbstbewusstsein der Betroffenen aus und sie fühlen sich stigmatisiert.

Da sich viele Patienten auch nicht mehr als attraktiv empfinden, hat dies mitunter sexuelle Probleme zur Folge. Darüber hinaus trauen sich auch zahlreiche Betroffene nicht, ihrem Partner ihre Füße zu zeigen. Weiterhin wird das öffentliche Leben eingeschränkt, was sich zum Beispiel negativ auf Strandbesuche oder Schwimmen auswirkt.

Diagnose & Krankheitsverlauf

Die Diagnose Brachymetatarsie ist leicht gestellt. So weisen die eindeutigen Fußdeformitäten klar auf die Anomalie hin. Nur selten bringen die betroffenen Personen auch den Mut auf, einen Arzt aufzusuchen.

Allerdings wird ihnen dort oft mitgeteilt, dass es für sie keine Behandlungsmöglichkeiten geben würde, sodass sie sich mit ihrem Problem abfinden sollten. Mitunter wird sogar der Gang zu einem Psychologen empfohlen. Mittlerweile existieren jedoch moderne und erfolgversprechende Operationsmethoden, mit denen sich die Brachymetatarsie korrigieren lässt.

Von allein kann die Brachymetatarsie nicht behoben werden. Um dies zu erreichen, ist ein chirurgischer Eingriff erforderlich. Bei einem erfolgreichen Verlauf dieser Korrektur erhält die betroffene Person wieder eine normale Lebensqualität.

Komplikationen

In vielen Fällen handelt es sich bei der Brachymetatarsie um ein rein ästhetisches Problem. Sollten die Fehlformationen allerdings stark ausgeprägt sein, kann es auch zu starken Schmerzen kommen, die vor allem am Vorfuß auftreten. Dadurch ist der Betroffene in seiner Bewegung und im Alltag relativ eingeschränkt.

Auch sportliche Betätigungen können nicht immer durchgeführt werden. Aufgrund der Fehlformation sinkt bei vielen Patienten das Selbstwertgefühl und sie finden sich nicht attraktiv. Dies führt vor allem zu sexuellen Problemen und Depressionen. Durch die Scham über die eigenen Füße bei der Brachymetatarsie werden auch öffentliche Erlebnisse vermieden, an welchen Füße gezeigt werden. Dazu gehören vor allem Besuche am Strand oder im Schwimmbad.

Eine Behandlung der Brachymetatarsie ist ohne Komplikationen möglich. Hierfür sind allerdings operative Eingriffe notwendig, um den Knochen am Fuß zu verlängern. Die Eingriffe können entweder die Belastung auf den Fuß senken oder rein kosmetischer Natur sein. Da der Körper in den jungen Jahren noch wächst, werden die Operationen erst nach dem 16. Lebensjahr durchgeführt. Nach der Operation kommt es zu keinen weiteren Beschwerden oder Problemen.

Wann sollte man zum Arzt gehen?

Da es sich bei der Brachymetatarsie um eine angeborene Krankheit handelt, muss nicht zusätzlich ein Arzt zur Diagnose dieser Erkrankung aufgesucht werden. In der Regel sollte der Besuch beim Arzt dann stattfinden, wenn es durch die Erkrankung zu Einschränkungen im Alltag oder in der Bewegung des Patienten kommt. Vor allem bei Kindern kann dadurch die Entwicklung gestört oder verzögert werden, sodass eine Behandlung durch einen Arzt mögliche Komplikationen im Erwachsenenalter verhindern kann.

Eine Untersuchung und Behandlung bei einem Arzt sollte auch dann erfolgen, wenn es durch die Brachymetatarsie zu psychischen Beschwerden und Einschränkungen kommt. Hierbei können vor allem Kinder oder Jugendliche an starken psychischen Beschwerden oder auch an Depressionen leiden. Sollte es zu diesen Beschwerden kommen, so muss eine kosmetische und psychologische Behandlung stattfinden.Die Diagnose kann durch einen Allgemeinmediziner gestellt werden. Die Behandlung dieser Beschwerde erfolgt dann durch einen jeweiligen Facharzt oder durch einen operativen Eingriff in einem Krankenhaus.

Behandlung & Therapie

Die operative Behandlung einer Brachymetatarsie am ersten Mittelfußknochen dient aus medizinischer Sicht in der Regel dazu, einer Überlastung der kleineren Nachbarzehen entgegenzuwirken. Ein Eingriff am zweiten bis fünften Mittelfußknochen erfolgt dagegen aus kosmetischen Gründen. Wichtig ist jedoch, das Ende des Wachstumsprozesses abzuwarten, bevor ein chirurgischer Eingriff durchgeführt wird. Die Operation darf also nicht vor dem 16. Lebensjahr stattfinden.

Zu den bewährten Operationsverfahren zur Behandlung einer Brachymetatarsie gehört die One-Stage-Verlängerung des Mittelfußknochens. Dabei wird ein Transplantat, das aus körpereigenen oder synthetischen Knochen besteht, eingepflanzt. Eine weitere Methode stellt die Kallus-Distraktion dar, bei der entweder ein Fixateur interne oder Fixateur externe verwendet wird.

Mit diesem Verfahren lässt sich der zu kurze Mittelfußknochen Schritt für Schritt im Zeitraum von mehreren Monaten verlängern. Das Entfernen des Fixateurs findet erst dann statt, wenn der Knochen über genügend Stabilität verfügt. Handelt es sich um eine geringfügige Verkürzung, ist auch eine Korrekturosteotomie möglich. Dabei durchtrennt der Chirurg den Mittelfußknochen an seiner Längsseite und distrahiert ihn. Im Anschluss daran fixiert er den Knochen durch eine kleine Osteosynthese.

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Aussicht & Prognose

Die Aussichten auf eine Heilung oder Linderung der Beschwerden ohne eine medizinische Behandlung sind nicht gegeben. Der Knochenbau ist aus genetischen Gründen verkürzt und bleibt ohne einen operativen Eingriff bis zum Lebensende in seiner abgewandelten Form erhalten. Die Gabe von Medikamenten oder die Durchführung von besonderen Trainings sind nach dem derzeitigen wissenschaftlichen Stand ebenfalls erfolglos, da die Genetik des Menschen nicht beeinflusst werden kann und darf.

Hingegen ist eine Operation am Fuß mit dem Zweck der Knochenänderung sehr erfolgversprechend. Diese wird nach dem abgeschlossenen Wachstumsprozess des Patienten durchgeführt. Während des Wachstums können kosmetische Änderungen vorgenommen werden, die jedoch weder zu empfehlen sind noch zu einer dauerhaften Lösung führen. Mit dem Ende des körperlichen Wachstums kann in einem operativen Eingriff eine Korrektur der Knochen vorgenommen werden. In einer Verlängerung der Knochen wird der betroffene Zeh an die gewünschte Größe angepasst. Wenn notwendig wird eine Krankengymnastik empfohlen, um den veränderten Gang ohne Komplikationen zu erlernen. In den meisten Fällen sind die Patienten anschließend beschwerdefrei und geheilt.

In Einzelfällen kann es zu Widrigkeiten kommen, die eine Fehlhaltung des Körpers oder Gangunsicherheiten zur Folge haben. Durch das Tragen von orthopädischen Schuhen oder durch eine erneute Operation können diese meist behoben werden.

Vorbeugung

Einer Brachymetatarsie vorzubeugen ist leider nicht möglich. So besteht die Deformität des Fußes bereits seit der Geburt.

Das können Sie selbst tun

Die Betroffenen haben keine Möglichkeit, die Verkürzung des Mittelfußknochens ursächlich zu behandeln. Sehr häufig geht die Deformation aber auch nicht mit körperlichen, sondern in erster Linie mit seelischen Leiden einher. Betroffene fühlen sich wegen ihres Leidens häufig stigmatisiert und vermeiden deshalb alle Situationen, in denen ihre nackten Füße für Dritte sichtbar werden. Aus diesem Grund werden Wassersportarten oder Strandbesuche gemieden und niemals Barfuß gelaufen. Auch im sozialen Nahfeld bestehen oft Hemmungen, die in extremen Fällen sogar die Lebenspartnerschaft belasten.

Erwachsene können eine operative Zehenverlängerung bei einem auf ästhetische Fußchirurgie spezialisierten Experten durchführen lassen. Sofern die Operation ausschließlich kosmetischer Natur ist, müssen die Betroffenen die Kosten dafür selber tragen. Dies ist allerdings nicht der Fall, wenn die Betroffenen unter der Zehenverkürzung stark Leiden. Wer eine Operation in Erwägung zieht, sollte sich in jedem Fall im Voraus bei seiner Krankenkasse über die Möglichkeiten einer Kostenübernahme informieren.

Bei Kindern und Jugendlichen, die noch im Wachstum sind, kann kein operativer Eingriff erfolgen. Gerade in der Pubertät werden optische Anomalien für Jugendliche aber zu einem großen Problem. Eltern sollten die Ängste ihrer Kinder unbedingt ernst nehmen und das Problem nicht bagatellisieren. Spätestens wenn ein Jugendlicher anfängt sich sozial zu isolieren, sollte die Hilfe eines Psychologen in Anspruch genommen werden.

Bücher über Fußschmerzen

Quellen

  • Murken, J., Grimm, T., Holinski-Feder, E., Zerres, K. (Hrsg.): Taschenlehrbuch Humangenetik. Thieme, Stuttgart 2011
  • Rath, W., Gembruch, U., Schmidt, S. (Hrsg.): Geburtshilfe und Perinatologie: Pränataldiagnostik - Erkrankungen - Entbindung. Thieme, Stuttgart 2010
  • Witkowski R., Prokop O., Ullrich E.: Lexikon der Syndrome und Fehlbildungen. Springer, Berlin 2003

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