Brachialgie

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 28. September 2017
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Als Brachialgie wird eine schmerzhafte Beschwerde am Arm, den Gelenken oder der Schulter bezeichnet. Es handelt sich dabei um einen Schmerz, der beispielsweise durch eine mechanische Reizung oder einer weiteren Erkrankung entsteht. Die Intensität der Brachialgie ist unterschiedlich.

Inhaltsverzeichnis

Was ist eine Brachialgie?

Die Brachialgie bezeichnet einen Schmerz an den Armen, Gelenken oder der Schulter. Sie entsteht durch eine Kompression der Nervenwurzeln. Im entsprechenden Dermatom der Rückenmarksnerven kommt es zu ausstrahlenden Schmerzen mit einem unterschiedlichen Ausprägungsgrad.

Ebenso treten Parästhesien mit und ohne sensomotorischem Ausfall auf. Sie äußern sich durch ein Kribbeln, Taubheit oder ein Einschlafen des Armes. Durch bestimmte Bewegungen der Halswirbelsäule kann Einfluss auf den Schmerz genommen und dieser gelindert werden. Je schwerer die Kompression auf die Nervenwurzel ist, desto umfassender sind Beschwerden und Ausfallerscheinungen beim Patienten.

Die Schädigung tritt am Häufigsten an den zervikalen Nervenwurzeln C6 und C7 gefolgt von C8 und C5 auf. Alle befinden sich im oberen Drittel der Halswirbelsäule, in Höhe des Schultergürtels bis zum Schulterblatt. Die Brachialgie kann durch äußere Einflüsse wie eine mechanische Reizung entstehen oder durch innere Prozesse wie beispielsweise durch einen Tumor verursacht werden. Die Brachialgie wird aufgrund der unterschiedlichen Ausprägungen sowie Ursachen medizinisch in mehrere Formen unterteilt.

Ursachen

Die Ursachen der Brachialgie sind vielfältig. Eine grobe Unterscheidung erfolgt in mechanische Reizung und pathologische Ursachen. Bei der mechanischen Reizung wird der Nerv vom Patienten einer zu starken Belastung ausgesetzt. Die Reizung verursacht einen Schmerz im Arm oder der Schulter.

Zu den pathologischen Ursachen zählen ein Tumor, ein allgemeiner Entzündungsprozess oder Schulteramyotrophie. Darüber hinaus kann die Brachialgie bei Frauen auftreten, denen die Brust amputiert wurde. Eine weitere Ursache ist die Begleiterscheinung einer Bestrahlungstherapie.

Bei der Schulteramyotrophie handelt es sich um eine selten auftretende Entzündung des Plexus brachialis. Plötzlich treten starke Schmerzen und Lähmungen der Schulter- und Armmuskulatur auf. Die Entzündung des Armgeflechts ist als akut einzustufen. Tritt die Brachialgie bei Frauen nach der Entfernung der Brust auf, werden bei dem chirurgischen Eingriff häufig auch die Achsellymphknoten entfernt.

Dies verursacht eine Lymphabflussstörung, die mit einem Lymphstau und einer Kompression der Nerven einhergeht. Als Folge können Schmerzen in Arm und Schulter auftreten. Eine Bestrahlung kann es Störungen oder eine Schädigung der Nerven verursachen. Diese treten oberhalb des Schlüsselbeins sowie der Achselhöhle auf.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Zu den Symptomen der Brachialgie gehören unangenehme Schmerzen in den Armen, Fingern oder der Schulter. Darüber hinaus können die Gelenke schmerzen. Die Intensität der Schmerzen ist bei den Patienten variabel und kann bis zu einem akuten Schmerz reichen. Es kommt zusätzlich zu sensomotorischen Beschwerden in verschiedenen Ausprägungen.

Meist handelt es sich um Symptome wie Taubheit, Kribbeln oder einem Einschlafen der betroffenen Region. Die Beschwerden sind individuell und können von der Schulter bis in den Kleinfinger ausstrahlen. Es kommt zu Gefühlsstörungen oder Ausfällen der Muskulatur.

Diagnose & Krankheitsverlauf

Bei der Stellung der Diagnose wird zu Beginn geprüft, ob eine mechanische Reizung vorliegt. Dabei werden Arme und Schultern gestreckt oder kreisrunde Bewegungen vorgenommen. Lindern sie den Schmerz, so ist eine Reizung wahrscheinlich. Bleibt er bestehen, kann eine pathologische Ursache vorliegen.

Dafür werden über das Blutbild oder Röntgen weitere Überprüfungen vorgenommen. Für eine pathologische Ursache spricht ebenfalls, wenn sich der Schmerz entweder ganz spontan einstellt oder über einen längeren Zeitraum verstärkt. Über die Anamnese wird geprüft, ob die Ausfallerscheinungen stetig zunahmen.

Komplikationen

Die Brachialgie hat unter Umständen zur Folge, dass der betroffene Arm nur noch eingeschränkt genutzt werden kann. Dies ist nicht nur bei einer Lähmung (Parese) der Fall – auch Sensibilitätsstörungen und Parästhesien können indirekt die Motorik beeinträchtigen. Je nach Behandlung können weitere Komplikationen in Erscheinung treten.

Bei der Einnahme von Schmerzmitteln, die ein Suchtpotenzial besitzen, ist eine körperliche Abhängigkeit möglich. Diese äußert sich darin, dass dieselbe Dosis des Schmerzmittels weniger wirksam ist. Um die Schmerzen, die durch die Brachialgie entstehen, dennoch effektiv zu bekämpfen, wird die Dosis des Schmerzmittels häufig gesteigert.

Um eine Abhängigkeit zu vermeiden, verschreiben viele Ärzte vorzugsweise Schmerzmittel, die nicht körperlich abhängig machen oder nur ein geringes Suchtpotenzial besitzen. Besonders problematisch sind Schmerzmittel, die illegal beschafft sind oder nach eigenem Ermessen eingenommen werden, da bei diesen Arzneimitteln keine Kontrolle stattfindet. Dadurch sind auch langfristige körperliche Schäden möglich, zum Beispiel in Form von Nieren- oder Leberstörungen.

Darüber hinaus kann die Einnahme von Schmerzmitteln psychisch abhängig machen. Dieses Risiko besteht vor allem, wenn der Betroffene eine entsprechende Veranlagung besitzt ist und unter erhöhter psychischer Belastung leidet. Tritt eine Sucht infolge der Medikamenteneinnahme ein, ist unter Umständen eine zusätzliche psychotherapeutische oder psychiatrische Behandlung erforderlich

Wann sollte man zum Arzt gehen?

Da die ursächlichen Erkrankungen der Brachialgie, abgesehen vom einfachen „Muskelkater“ alle in ärztliche Behandlung gehören, sei es eine Wurzelreizung oder ein Bandscheibenvorfall der Halswirbelsäule; von untern nach oben ziehend ein Karpaltunnelsyndrom oder gar von der Brust ausgehend ein Herzinfarkt, ist es immer angezeigt, starke und anhaltende Schmerzen im Arm ernst zu nehmen.

Die Eigeneinnahme von Schmerzmitteln ist weit verbreitet, kann aber dazu führen, dass die Ursachen der Schmerzen länger als nötig nicht behandelt werden. Durch die Schmerzlinderung wägt sich der Patient in dem Glauben seine Erkrankung selber therapieren zu können, was aber in den meisten Fällen nicht möglich ist, da die Ursachen für die Schmerzen im Arm vielfältig sind.

Lediglich dann, wenn der Betroffene am Vortag schwere körperliche Arbeiten ausführen musste oder weiß, dass er sich als Untrainierter sportlich zu sehr verausgabt hat, kann es richtig sein, vom Arztbesuch erst einmal abzusehen. Da aber bei Schmerzen im Arm immer schwerwiegende Erkrankungen zugrunde liegen können, ist es selbst dann nicht falsch den Arzt sicherheitshalber auszusuchen und von ihm klären zu lassen, ob die Ursachen harmlos sind oder eine längerfristige Therapie notwendig wird.

Behandlung & Therapie

Die Behandlung und Therapie der Brachialgie ist abhängig von der Ursache. Schmerzstillende Mittel können bei allen von ihnen Einsatz finden. Liegt eine mechanisch ausgelöste Reizung vor, reagiert der Patient oft bereits im Vorfeld automatisch durch Schonung der betroffenen Körperstellen. Medizinisch wird gezielt durch bestimmte Bewegungen der Halswirbelsäule eine Linderung geschaffen.

Gezielte Übungen auf der symptomatischen Seite wie Extension, Lateralflexion oder Rotation minimieren häufig den Schmerz und werden meist in der Krankengymnastik trainiert. Zusätzlich können unterstützend Antirheumatika gegeben werden. Liegt eine Entzündung vor, wird diese medikamentös behandelt. Entzündungshemmende Mittel oder eine Blockierung des Plexus brachialis führt nach einigen Monaten zu einer Beseitigung der Beschwerden.

Bei einem Tumor wird dieser über einen operativen Eingriff entfernt. Individuell wird anschließend über weitere therapeutische Maßnahmen wie Bestrahlung, die Gabe von Medikamenten oder gezielte Körperübungen entschieden. Tritt die Brachialgie infolge einer Bestrahlung auf, ist die Behandlung mit bereits stattfindenden Maßnahmen abzustimmen. Hier sind die Risiken einer Entzündung sowie einer Nervenblockierung erhöht.

Entsteht die Brachialgie bei Frauen nach der Entfernung der Brust, kommt es oftmals zu einer Lymphabflussstörung. Der Lymphstau wird über eine Lymphdrainage behandelt. Zusätzlich werden dem Patienten harntreibende Mittel gegeben, um den Lymphabfluss zu fördern. Darüber hinaus werden die Schmerzen durch eine Plexusblockade gelindert.

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Aussicht & Prognose

Die Prognose wird durch eine konsequente Therapie und das eigene Verhalten im Alltag beeinflusst. Durch eine regelmäßige Einnahme von Antirheumatika verbessern sich die Symptome. Da mechanische Reize zu den Auslösern der Brachialgie zählen, kann die empfindliche Region des Schultergürtels durch gezielte Bewegungsübungen entlastet werden. Physiotherapeutische Behandlungen reduzieren die Schmerzen und erhöhen die Beweglichkeit von Armen und Schultern. Eine gute Körperhaltung wirkt ebenfalls schmerzlindernd. Eintönige und stereotypische Bewegungen sollten vor allem im beruflichen Alltag vermieden werden. Eine Überprüfung und Anpassung der Sitzhaltung trägt zur Verbesserung der Symptome bei und wirkt schmerzlindernd. Körperliche Tätigkeiten im Alltag werden durch die Anwendung entlastender Bewegungsformen besser bewältigt.

Liegt die Ursache der Brachialgie in einem pathologischen Geschehen, ist die Wirksamkeit medikamentöser Vorbeugungsmaßnahmen eingeschränkt wirksam. Das Trainieren entlastender Körperbewegungen ist auch in diesem Fall sinnvoll. Motorische Ausfälle der Muskulatur bilden sich innerhalb weniger Monate zurück.

Der Heilungverlauf wird durch chiropraktische Behandlungen wie einer Bindegewebsdehnung begünstigt. Mit speziellen physiotherapeutischen Übungen kann eine im Röntgenbild einwandfrei nachweisbare Fehlstellung behoben werden. Brüske Bewegungen sowie extreme Drehungen wie Vor- und Rückneigungen sollten vermieden werden. Mit einem Schal aus Wolle oder Seide können Schultern und Halswirbelsäule warm gehalten werden.

Vorbeugung

Vorbeugende Maßnahmen können insbesondere bei mechanischer Reizung getroffen werden. Dazu gehören entlastende Bewegungen und eine gute Körperhaltung für Schulter und Arme. Eintönige und sich wiederholende Bewegungen sollen vermieden werden. Die Sitzhaltung kann überprüft und das Ausführen von körperlichen Tätigkeiten sollte auf entlastende Bewegungsformen umgestellt werden.

Sind die Ursachen pathologischer Natur, können wenige vorbeugende Maßnahmen getroffen werden. Entlastende Körperbewegungen werden auch hier empfohlen. Dennoch ist der Erfolg hier stark abhängig von dem Grund der Beschwerde.

Das können Sie selbst tun

Die Lebensqualität im Alltag kann bei Brachialgien durch die schmerzhaften Beschwerden an Schulter, Arm oder Gelenken entsprechend eingeschränkt sein. Die Selbsthilfe im Alltag hängt bei einer Brachialgie auch immer davon ab, welche Ursachen zugrunde liegen. Einschränkungen im Alltag ergeben sich auch durch die Intensität der Symptome.

Der Krankheitsverlauf wird zum einen durch die richtige Therapie, zum anderen aber auch durch das eigene Verhalten im Alltag bestimmt. Die meisten Brachialgien werden durch eine mechanische Reizung ausgelöst. Es sollten deshalb Bewegungsabläufe für den Alltag trainiert werden, um die empfindliche Region des Schultergürtels zu entlasten, damit diese zur Chronifizierung neigenden Beschwerden nicht ständig auftreten. Zur optimalen Selbsthilfe gegen Brachialgien gehört auch eine gute Körperhaltung für Arme und Schulter. Diese wird bei alltäglichen Verrichtungen oft vernachlässigt, kann aber derart trainiert werden, dass sie automatisiert abläuft. Besonders im beruflichen Alltag sollten Patienten mit Brachialgien sich ständig wiederholende sowie eintönige Bewegungen vermeiden. Eine Schmerzlinderung kann oft auch bereits durch die Überprüfung der Sitzhaltung erreicht werden.

Wer trotz Brachialgien körperliche Tätigkeiten verrichten muss, sollte dazu entlastende Bewegungsformen verwenden. Entsprechend alternative Bewegungsmuster sind physiotherapeutisch sinnvoll und können neuen Beschwerden wirksam vorbeugen. Ist eine Brachialgie jedoch durch ein zugrundeliegendes pathologisches Geschehen verursacht, dann sind die Möglichkeiten einer Selbsthilfe oder Vorbeugung im Alltag sehr begrenzt. Angepasste entlastende Körperbewegungen werden jedoch auch in diesen Fällen empfohlen.

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Quellen

  • Hahn, J.-M.: Checkliste Innere Medizin. Thieme, Stuttgart 2013
  • Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag, Köln 2016
  • I care Krankheitslehre. Thieme, Stuttgart 2015

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