Brücke (Pons)

Medizinische Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher (Facharzt für innere Medizin) am 2. November 2016
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Die Brücke (der Pons) ist ein ventral vorgewölbter Abschnitt des Hirnstamms. Sie liegt zwischen Mittelhirn und Markhirn.

Inhaltsverzeichnis

Was ist die Brücke?

Bei der Brücke (aus dem lateinischen „Pons“) handelt es sich um einen Abschnitt im Gehirn des Menschen. Zusammen mit dem Kleinhirn gehört der Pons zum Hinterhirn (Metencephalon). Schon bei einer flüchtigen Betrachtung des Gehirns fällt die Brücke als eine recht deutlich erhabene Querwulst auf. Sie befindet sich zwischen dem Mittelhirn (Mesencephalon) und dem Markhirn (Myelencephalon) und bildet mit beiden zusammen im zentralen Nervensystem den Hirnstamm des Hirns.

Anatomie & Aufbau

Die Brücke wird in einen vorderen Teil - der Basis (lat.: Pars basilaris pontis) - und einen hinteren Teil - der Brückenhaube (lat.: Pars dorsalis pontis) - unterteilt.

An der Basis befinden sich zwei Längswulste. Durch beide zieht die so genannte Pyramidenbahn (Hauptteil des Systems der Bewegungssteuerung, Tractus pyramidalis). In der Rinne in der Mitte (lat.: Sulcus basilaris) verläuft die Arteria basilaris, die einen wichtigen Zufluss für die Versorgung des Gehirns mit Blut darstellt. Im Querschnitt des Gehirns ist eine deutlich sichtbare Verbindungslinie beider Hälften (Raphe) zu finden, welche von einer Vielzahl von Nervenfasern gekreuzt wird. Der Trapezkörper (lat.: Corpus trapezoideum) befindet sich hinter den Querfasern der pontinen Basis. Er bildet eine Station der Hörbahn (zentralnervöser Teil des auditorischen Systems).

Dorsal treten am kaudalen Brückenrand im Brückenwinkel des Kleinhirns die Hirnnerven VII (Nervus facialis, Gesichtsnerv) und VIII (lat.: Nervus vestibulocochlearis, Gleichgewichtsnerv) an die Oberfläche des Hirns. Der VI. Hirnnerv (lat.: Nervus abducens, mit anderen Nerven für die Bewegung des Augapfels verantwortlich) verlässt die Brücke im Sulcus bulbopontinus an der nach unten gerichteten Brückenbasis. Der Nervus trigeminus (sehr kräftiger V. Hirnnerv, „Drillingsnerv“, Vermittlung von taktilen Empfindungen im Gesicht und Duftwahrnehmung) tritt an der Brücke seitlich aus beziehungsweise ein.

Ein Teil des Bodens der Rautengrube (lat.: Fossa rhomboidea) bildet den dorsalen Abschluss der Brückenhaube und somit des 4. Ventrikels (mit Hirnwasser gefüllter Hohlraum). Durch den mittleren Kleinhirnschenkel (lat.: Pedunculus cerebelli medius) wird beidseits die Verbindung zum Kleinhirn hergestellt.

Funktion & Aufgaben

Der Pons bildet den Durchgang für all die Bahnen, welche die davor und dahinter liegenden Bereiche des zentralen Nervensystems miteinander verbinden und das sowohl zwischen Hirnbereichen wie auch mit dem Rückenmark. Die weiße Substanz des Pons enthält neben diesen längs durchziehenden Strängenaus Fasern (lat.: Fibrae pontis longitudinales) auch kräftige Züge von quer dazu verlaufenden Fasern (lat.: Fibrae pontis transversae).

Diese verbinden die Brücke mit dem Kleinhirn. Die Bahnen, die die beiden Anteile des Metencephalons verbinden, entspringen so genannten Brückenkernen (lat.: Nuclei pontis), welche als Umschaltstationen gelten. Über diese werden vor allem die Rindenareale im Großhirn-Cortex mit denen des Kleinhirns (in der Regel gekreuzt) zueinander in Verbindung gesetzt. Die Kerne der Brücke (Vermittler von Projektionen der Großhirnrinde und der kontralateralen Kleinhirnrinde) entfalten sich stark.

Eingebettet in die pontine Formation reticularis (ausgedehntes, diffuses Neuronennetzwerk im Hirnstamm) liegen in der Brückenhaube unter anderem die motorischen Ursprungskerne von einigen Nerven des Hirns (z. B. Nucleus motorius nervi trigemini, Nucleus nervi abducentis und Nucleus motorius nervi facialis). Der Pons gilt als Regulationszentrum für Kreislauf und Atmung. Außerdem sorgt er für die Funktion von Gehör und auch Geschmack.

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Krankheiten

Typische Erkrankungen der Brücke sind die Zentrale pontine Myelinolyse (ZPM), das Millard-Gubler-Syndrom (so genanntes Brückensyndrom) sowie Tumore. Bei der Zentralen pontinen Myelinolyse handelt es sich um eine neurologische Erkrankung. Dabei kommt es zu einer Schädigung der Umhüllung von Nervenfasern im Pons.

Hervorgerufen wird diese Erkrankungen, wenn ein krankhaft verminderter Natriumspiegel (Hyponatriämie) im Organismus zu schnell korrigiert wird. Die extrapontine Myelinolyse ist eine besondere Form der ZPM, bei der es zu Demyelinisierungen in Kleinhirn, in der Nähe der Ventrikel, in den Basalanglien, in den Balken und in der Capsula interna kommt. Beide Formen der ZPM gelten als osmotisch demyelisierende Erkrankungen, die auch gleichzeitig auftreten können. Salzarme Diäten bei gleichzeitig hohen Trinkmengen (z. B. bei Unterernährung und Anorexie), Nebenwirkungen von Medikamenten wie Diuretika oder Carbamazepin), Hormonstörungen (z. B. Schwartz-Bartter-Syndrom, Zentrales Salzverlustsyndrom), eine so genannte „Wasservergiftung“ (z. B. bei fehlerhafter Infusionstherapie oder Ertrinkensunfällen) sowie Alkoholismus können eine Hyponatriämie und damit ZPM auslösen.

Beim Millard-Gubler-Syndrom handelt es sich um ein so genanntes Brückensyndrom, bei dem es im Bereich des Brückenfußes (Pars basilaris pontis) zu Durchblutungsstörungen kommt (z. B. durch einen Schlaganfall). Weiterhin können so genannte laterale und paramediane Brückensyndrome auftreten. Es gibt zudem noch Brückenhaubensyndrome. Laterale Brückensyndrome entstehen meist durch den Verschluss der Arteriae circumferentes breves und schädigen einseitig den lateralen Pedunculus cerebellaris medius (Brückenarm).

Symptome für laterale Brückensyndrome sind Bewegungs- und Empfindungsstörungen. Paramediane Brückensyndrome – auch als Brückenfußsyndrome bezeichnet – sind Folge eines Verschlusses der Äste der Arteriae basilaris und können mit Symptomen wie spastischen Halbseitenlähmungen einhergehen. Bei Brückenhaubensyndromen kommt es aufgrund von Ausfällen der Hirnnerven zu Hörstörungen, Blicklähmungen, Empfindungslähmungen oder auch cerebellarer Ataxie (Störung von Bewegungsabläufen).

Ein Tumor im Bereich des Pons kann zu einer Schädigung des Hirnstamms führen. Anzeichen für einen solchen Tumor können eine Schielstellung der Augen, eine Lähmung des Gesichtsnervs (Herabhängen einer Gesichtshälfte), Blickrichtungsstörungen, eine unregelmäßige Atemtätigkeit, der Verlust von Willkürmotorik (Ausnahme: Augen- und Lidbewegungen) oder auch eine Lähmung beider Arme und beider Beine (komplette Querschnittslähmung) sein. Auch der Hörsinn kann beeinträchtigt sein, weiterhin kann es zu Bewusstseinsstörungen kommen.

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