Bouveret-Syndrom

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 7. Oktober 2017
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Das Bouveret-Syndrom ist ein Gallensteinleiden, in dessen Folge der Ausgang des Magens blockiert werden kann. Dieses Krankheitsbild tritt selten auf, ist aber für den Patienten äußerst lebensbedrohlich. Ein großer Gallenstein wandert über eine Fistel der Gallenblase in den Zwölffingerdarm, so dass er sich auf den Magenausgang legt. Dieser Vorgang wird durch eine Entzündung ausgelöst. Benannt ist die Erkrankung nach dem französischen Arzt Léon Bouveret (1850-1929), der sie im Jahr 1896 klassisch beschrieb.

Inhaltsverzeichnis

Was ist das Bouveret-Syndrom?

Die Bildung von Gallensteinen hängt mit dem Gallensaft zusammen, der in der Leber entsteht, und in der Gallenblase gespeichert wird. Dieses dickflüssige Sekret dient der Verdauung, und wird in den Darm ausgeschüttet. Es besorgt das Ausscheiden von Giftstoffen sowie Abbauprodukten des Stoffwechsels. Der Gallensaft besteht zum größten Teil aus Wasser, das die übrigen Bestandteile der Flüssigkeit – wie beispielsweise das Cholesterin – löst.

Diese Stoffe stehen in einem ganz bestimmten Mengenverhältnis zueinander. Wird dieses Gleichgewicht gestört, bilden sich im Gallensaft Kristalle, die sich zu den Gallensteinen auswachsen können. Gleiches geschieht, wenn die Gallenflüssigkeit nicht abfließen kann, etwa aufgrund einer Verengung oder gar eines Verschlusses im sogenannten Gallengang. Ein Leiden dieser Art wird als Bouveret-Syndrom bezeichnet.

Ursachen

Die Folge kann eine Gallenkolik sein, wenn ein Stein von der Gallenblase in den Gallengang geraten ist, und dort eine Verstopfung auslöst. Im Bemühen, diesen entstandenen Fremdkörper abzutransportieren, zieht sich die Muskulatur des Gallengangs in Krämpfen zusammen. Dieser Vorgang verursacht starke zyklische Schmerzen, die als Gallenkolik bezeichnet werden.

Neben den Schmerzen stellt das Aufstauen des Gallensaftes eine große Gefahr für die Gesundheit dar. Er wird unter Umständen in die Leber oder sogar zur Bauspeicheldrüse abfließen, und kann somit im gesamten Bauchraum für gefährliche Entzündungen sorgen. Verdichten sich solche Anzeichen, ist eine vorsorgliche Entfernung der Gallenblase oft der einzig mögliche Rettungsweg.

Die Patienten sind zumeist über 70-jährige Frauen, bei denen plötzliche starke Schmerzen im Bauchraum auftreten, verbunden mit starker Übelkeit und nervösem Erbrechen. Unnatürliche Fieberausbrüche und Schüttelfrost können mit diesen Symptomen einhergehen. In einigen Fällen kommt eine Gelbsucht hinzu, speziell die Gelbfärbung der Haut. Diese und andere mögliche Parallelerkrankungen erschwerten lange Zeit die zuverlässige Diagnose des Bouveret-Syndroms.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Heutzutage weisen bildgebende Verfahren, wie zum Beispiel die Sonographie (Ultraschalluntersuchung) oder die Computertomographie, mit hoher Genauigkeit auf die Ursachen der Erkrankung hin. Sehr gut darstellbar sind etwa Luftblasen in den Gallenwegen, die im Zusammenhang mit der Fistelbildung im Darmbereich entstehen. Bei einem Bouveret-Syndrom bildet sich der Verschluss relativ weit oben am Magenausgang. Somit lassen sich die Entzündungsmerkmale sehr deutlich lokalisieren.

Diagnose & Krankheitsverlauf

Die Therapie geht zunächst von einem schonenden Ansatz aus. Das Bouveret-Syndrom tritt weit überwiegend bei älteren Menschen auf, die oft unter mehreren Begleiterkrankungen leiden. Deshalb sind je nach klinischer Ausgangslage eine Zertrümmerung des Gallensteins und seine anschließende Entfernung einem operativen Eingriff vorzuziehen. Der Arzt wendet dazu meist eine einfache Spiegelung mit dem Endoskop an.

Ist eine Operation unumgänglich, soll sie sich nach Möglichkeit auf das Entfernen des Steins und die Wiederherstellung des natürlichen Durchgangs beschränken. Die Risiken einer Entfernung der Gallenblase und des Verschlusses der Fistel sind oft unverhältnismäßig hoch. Die Gallenblase ist bei einem Bouveret-Syndrom typischerweise entzündet, die Fistel zum Zwölffingerdarm gasgefüllt.

Mit Hilfe der Endoskopie kann der Gallenstein durch zielgerichtete Ablösungen an seinen Rändern minimiert werden. Entweder ist er dann so klein geworden, dass er oral geborgen werden kann, oder er rutscht tiefer, bis er auf den üblichen Wegen ausgeschieden wird. Die Fistel kann sich bei günstigem Verlauf und antibakterieller Behandlung anschließend innerhalb weniger Tage von selbst zurückbilden.

Falls diese Aussichten sich nicht erfüllen, ist ein operatives Übernähen der Fistel möglich. Jedoch sind statistisch erwiesen bei einem Drittel aller Fälle postoperative Komplikationen beobachtet worden. Hier handelt es sich überwiegend um Wundinfekte. Am größten ist die Sicherheit, wenn allein der magenverschließende Gallenstein beseitigt wird.

Die Chirurgen sehen dies heute als sinnvolle Alternative zu weitergehenden Sanierungen, zum Beispiel der Fistel, an. Ein großer Gallenstein kann Maße von rund sieben mal drei Zentimeter erreichen. Somit wird im Notfall eines Bouveret-Syndroms die Magenentleerung massiv blockiert.

Komplikationen

Das Bouveret-Syndrom tritt sehr seltene Komplikation bei einem Gallengangsverschluss durch einen Stein auf. Dabei gerät der Stein über eine Verbindung (Fistel) in den Zwölffingerdarm (Duodenum) und kann so den Magenausgang (Pylorus) verschließen und so eine Stenose verursachen. Gekennzeichnet ist diese Komplikation durch plötzlich auftretende Übelkeit und Erbrechen sowie starken Schmerzen im oberen Bereich des Bauches.

Durch die Stenose des Magenausgangs können schlimmste Entgleisungen des Stoffwechsels entstehen, die sogar lebensgefährlich sein können, wenn diese nicht operativ behandelt werden. Durch häufiges Erbrechen entsteht im Körper eine metabolische Alkalose sowie die Gefahr einer Dehydration, da viel Flüssigkeit verloren geht und kaum welche aufgenommen wird.

Bei einer unsauberen Operation kann sich die Wunde infizieren und den Körper zusätzlich belasten. Außerdem kann es zu inneren Blutungen kommen. Des Weiteren kann sich der Magen entzünden, die Entzündung kann sich im schlimmsten Falle systemisch ausbreiten und so eine Sepsis verursachen. Die Sepsis ist ein lebensgefährlicher Zustand und muss sofort medikamentös behandelt werden, da es schnell zum Tode des Patienten kommen kann.

Allgemein erhöhen Gallensteine das Risiko einer Entzündung der Gallengänge und Gallenblase, was auch eine Sepsis zur Folge haben kann. Der Stein kann zudem die Wände penetrieren und zu einer Entzündung des Bauchfells (Peritonitis) führen.

Wann sollte man zum Arzt gehen?

Unter dem Bouveret-Syndrom versteht man ein Gallensteinleiden, durch das es zur Blockade des Magenausgangs kommt. Eine ärztliche und medikamentöse Behandlung ist dringend erforderlich, da sogar akute Lebensgefahr bestehen kann. In den meisten Fällen tritt das Bouveret-Syndrom bei älteren Menschen auf, die zuvor schon Probleme mit bestehenden Gallensteinen hatten. Die Schwierigkeit beim Bouveret-Syndrom ist die, das dieses Krankheitsbild oftmals erst sehr spät diagnostiziert wird.

Oftmals macht sich das Bouveret-Syndrom durch starke und langanhaltende Bauchschmerzen bemerkbar. Hinzu kommt oftmals auch ein stechender Schmerz in der Bauchregion, der den Alltag stark einschränkt. Bei unerklärlichen Bauchschmerzen sollte aus diesem Grund schnellstmöglich ein Arzt aufgesucht werden. Wer an dieser Stelle auf einen Besuch beim Arzt verzichtet, der setzt sich selber einem großen Risiko aus. Die Bauschmerzen nehmen in so einem Fall deutlich zu.

Eine erhöhte Temperatur und Übelkeit sind ebenfalls mögliche Begleiterscheinungen, die im Zusammenhang mit dem oben beschriebenen Krankheitsbild auftreten können. Aus diesem Grund gilt: Das Bouveret-Syndrom ist ein Krankheitsbild, das definitiv ärztlich versorgt werden muss.

Behandlung & Therapie

In der Regel wird ein Gallenstein nur so groß wie ein Kirschkern. Er besteht im Wesentlichen aus verfestigter Gallenflüssigkeit. Überwiegend bildet er sich aus abgelagertem Cholesterin, so dass er gelblich gefärbt ist. Schätzungen gehen davon aus, dass rund 20 Prozent der Gallensteine sogenannte Pigmentsteine sind.

Deren Kern besteht ebenfalls aus Cholesterin, um den herum sich jedoch der Gallenfarbstoff Bilirubin angesiedelt hat. Pigmentsteine sind nur so klein wie Sandkörner, aber sie treten in größeren Kolonien auf. Allen verschiedenen Gallensteinen ist gemein, dass sie im Laufe des Lebens verkalken.

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Aussicht & Prognose

Das Bouveret-Syndrom stellt einen medizinischen Notfall dar. Die Behandlung muss schnell beginnen, da es ansonsten zu einem tödlichen Verlauf kommen kann. In der Mehrzahl der Fälle sind ältere Frauen über 70 Jahre betroffen. Meist leiden die Betroffenen aufgrund ihres Alters auch noch an anderen Erkrankungen, welche die Prognose zusätzlich verschlechtern können.

Im Falle des Bouveret-Syndroms verlagert sich ein Gallenstein über eine Fistel, die Gallengang und Zwölffingerdarm verbindet, vor den Magenausgang und verstopft diesen. Die Fistel bildet sich durch entzündliche Prozesse im Rahmen der Gallengangserkrankung. Zu den plötzlich eintretenden abdominellen Beschwerden können weitere Komplikationen bis hin zu einer Bauchfellentzündung kommen. Nur eine schnelle Entfernung oder Zertrümmerung des Gallensteins kann den äußerst lebensbedrohlichen Zustand beenden. Nach der erfolgreichen Entfernung des Steins kommt es in Abhängigkeit von der allgemeinen körperlichen Verfassung des Patienten meist zu einer vollständigen Heilung.

Da es sich in der Regel um ältere Patienten mit weiteren Begleitkrankheiten handelt, muss eine möglichst schonende Therapie angewendet werden. Nach Möglichkeit wird der Stein zertrümmert und mit endoskopischer Hilfe entfernt. Ansonsten muss zur Entfernung des Steins vom Magenausgang operiert werden, wobei es dann nur darum gehen sollte, die Durchgängigkeit wiederherzustellen. Auf einen größeren Eingriff mit Entfernung der Gallenblase sollte in diesem Falle verzichtet werden, um das Operationsrisiko nicht zu erhöhen.

Vorbeugung

In Deutschland kommen Gallensteine statistisch bei etwa jedem sechsten Bewohner vor. Bei Frauen bilden sie sich wesentlich häufiger, als bei Männern. Spürbare Beschwerden haben aber nur rund 25 Prozent aller Betroffenen. Rufen Gallensteine keine Symptome hervor, müssen sie auch nicht behandelt werden.

Für erste Schmerzen im Oberbauch, die sich auch bis zum Rücken und rechten Schulterbereich erstrecken können, sind dann aber vermutlich die Steine verantwortlich. Eine cholesterinbewusste Ernährung ist das beste Mittel der Vorbeugung gegen die Gallenbeschwerden.

Das können Sie selbst tun

Das Bouveret-Syndrom ist eine seltene Komplikation, die umgehend im Krankenhaus behandelt werden muss. Nach der erfolgreichen Entfernung des Gallensteines sollten die Betroffenen sich zunächst schonen. Bettruhe und eine gesunde, nicht allzu reizende Ernährung, sollten den Magen-Darm-Trakt in kurzer Zeit wieder regulieren. Um Rückstände von Nieren- oder Gallengrieß auszuspülen, sollte viel Wasser oder Nierentee getrunken werden. Bei Schmerzen helfen Kräutertees und Massagen, aber auch warme Auflagen, körperliche Bewegung oder ein Gang in die Sauna.

In Rücksprache mit dem Arzt sollten zudem die Ursachen für das Bouveret-Syndrom ermittelt werden. Oftmals liegt der Komplikation eine anderweitige Erkrankung zugrunde, die entsprechend behandelt werden muss. Meist empfiehlt der zuständige Mediziner diätetische Maßnahmen wie den Verzicht auf Genussmittel oder rät ganz allgemein eine gesündere Lebensweise an. Ältere Patienten müssen mitunter auch ihre Medikation umstellen. So helfen verschiedene Präparate beim Abbau von Gallensteinen und reduzieren die Schmerzen, die dabei entstehen können. Als Alternative bieten sich Hausmittel wie warmes Bier oder Cranberrysaft an. Sollte es trotz aller Maßnahmen zu starken Beschwerden kommen, muss mit dem Bouveret-Syndrom zum Arzt gegangen werden.

Bücher über Gallensteine

Quellen

  • Arasteh, K., et. al.: Innere Medizin. Thieme, Stuttgart 2013
  • Hahn, J.-M.: Checkliste Innere Medizin. Thieme, Stuttgart 2013
  • Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag, Köln 2016

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