Borrelien-Lymphozytom

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 7. Oktober 2017
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Als Borrelien-Lymphozytome werden knötchenartige Verdickungen auf der Haut bezeichnet. Die hellrot bis blaurot verfärbten Schwellungen deuten häufig auf eine durch Zeckenstich verursachte Borrelieninfektion hin, können aber auch durch Viren ausgelöst werden. Die wulstigen Hautverdickungen entstehen hauptsächlich durch Einwanderung von B- und T-Lymphozyten und können durch eine Analyse der vorhandenen Zelltypen von malignen B-Zell-Lymphomen abgegrenzt werden.

Inhaltsverzeichnis

Was ist ein Borrelien-Lymphozytom?

Das Erscheinungsbild von Borrelien-Lymphozytomen ähnelt dem maligner Lymphome, die sich durch kleine, knötchenartige Wucherungen auf der Haut mit auffallender hellroter bis blauroter Verfärbung äußern. Die Hautknötchen, die auch als Pseudolymphome bezeichnet werden, entstehen durch Einwanderungen von B- und T-Lymphozyten aus dem Lymphsystem.

Die kleinen Wucherungen sind weich, wulstig und meist kugelförmig. Borrelien-Lymphozytome treten typischerweise bevorzugt im Gesicht, im Nacken, an den Ohrläppchen, an den Brustwarzen und im Genitalbereich am Hodensack auf. Auffällig ist, dass vorwiegend Kinder, Jugendliche und Frauen betroffen sind. Eine Abgrenzung zu malignen B-Zell-Lymphomen kann über eine Bestimmung des Zelltyps der in den Knötchen vorhandenen B-Lymphozyten erfolgen.

B-Lymphozyten der Borrelien-Lymphozytome sind multiklonalen Ursprungs, entstammen also verschiedenen Zelllinien, während die B-Lymphozyten in bösartigen B-Zell-Lymphomen jeweils einer einzigen Zelllinie entstammen. Sie sind daher monoklonalen Ursprungs.

Ursachen

Eine der Hauptursachen für die Entwicklung von Borrelien-Lymphozytomen ist eine Lyme-Borreliose. Die Infektionskrankheit wurde nach dem Ort Lyme in Connecticut, USA, benannt. Es handelt sich dabei um eine Infektion mit Bakterien der Gattung Borrelia aus der Gruppe der Spirochäten, schraubenförmiger, gramnegativer Bakterien mit einem charakteristischen eigenen Bewegungsapparat.

In Mitteleuropa ist der Auslöser der Lyme-Borreliose meist das Bakterium Borrelia afzelli oder verwandte Arten. Die Krankheitserreger werden durch Stiche infizierter Schildzecken übertragen. Aber nur etwa ein Drittel der Erkrankungen werden durch Borrelien verursacht.

Auch Virusinfektionen werden für das Auftreten gutartiger Borrelien-Lymphozytome teilweise verantwortlich gemacht. In der Mehrheit der Fälle, in denen weder eine Borrelien- noch eine Virusinfektion nachgewiesen werden kann, ist der Verursacher der Krankheit nicht bekannt.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Benigne Borrelien-Lymphozytome machen sich vor allem durch ihr auffälliges Erscheinungsbild bemerkbar. Die kugelförmigen hellroten bis blauroten Schwellungen erreichen eine Größenordnung von mehreren Millimetern bis wenigen Zentimetern und sind, falls sie sich an exponierten Stellen zeigen, kaum zu übersehen.

In den Fällen, in denen die weichen Knötchen durch eine Borrelieninfektion verursacht werden, treten weitere Symptome als Begleiterscheinungen auf. Bereits in der Frühphase, noch vor Ausbildung sichtbarer Lymphozytome, sind unspezifische Beschwerden wie Kopfschmerzen und Gliederschmerzen, Nackensteifigkeit sowie ein allgemeines Unwohlsein charakteristisch. Die Symptome ähneln damit denen einer Grippe.

Typisch für die Erscheinungsform der Borrelien-Lymphozytome ist auch die Entwicklung einer ringförmigen Wanderröte (Erythema migrans). Sie präsentiert sich durch einen allmählich nach außen wandernden konzentrisch angeordneten roten Hautstreifen, der sich an der Einstichstelle bildet. Das Erythema ist zwar eine typische Begleiterscheinung, tritt aber nicht in allen Fällen einer Borrelieninfektion auf.

Diagnose & Krankheitsverlauf

Borrelien-Lymphozyten sind aufgrund ihrer auffälligen Erscheinungsform leicht zu erkennen. Allerdings sagt ihr Erscheinungsbild noch nichts über ihre Verursacher aus, nach der sich letztlich die Therapie richten wird. Bei erstem Auftreten eines oder mehrerer der typischen Knötchen sollte geklärt werden, ob kurze oder auch längere Zeit vorher ein Zeckenstich stattgefunden hat.

Falls das der Fall war, liegt der Verdacht auf eine Borrelieninfektion nahe. Der Verdacht kann labortechnisch und anhand allgemeiner Symptome abgeklärt werden. Des Weiteren sollte in einer Differentialdiagnose ausgeschlossen werden, dass es sich bei den Knötchen nicht um maligne Lymphome handelt, die einer vollkommen anderen Therapie bedürfen.

Der Krankheitsverlauf bei Auftreten von Borrelien-Lymphozyten hängt ausschließlich vom Verlauf der Grunderkrankung ab. Im Falle einer Borrelieninfektion kann die Krankheit aufgrund eines möglichen Multiorganbefalls sehr schwerwiegend sein.

Komplikationen

Das Borrelien-Lymphozytom bildet eine blaurote Schwellung in Form eines weichen Knötchens. Das deutlich sichtbare Symptom ist eine zelluläre Reaktion des Blutes und gilt als Folge eines Zeckenbiss. Nicht jeder Mensch neigt zu einer derartigen Symptomatik, da ausreichend Antikörper vorhanden sind.

Wer jedoch zur Risikogruppe gehört und das Borrelien-Lymphozytom nicht rechtzeitig behandeln lässt, muss mit unangenehmen Komplikationen rechnen. Beginnen die Borrelien sich im Körper zu verteilen, können sie das gesamte Immunsystem sowie die Organe, Muskeln und Gelenke befallen. Im Vergleich zu Amerika kommt es jedoch in Europa zu weniger chronisch verlaufenden Fällen.

Vor allem Kinder, die viel in Wald- und Wiesengegenden spielen, sollten regelmäßig am Körper nach dem auffälligen Anzeichen untersucht werden. Als signifikante Spätfolgen der nichtbehandelten Erreger gelten verschiedene symptomatische Schübe, wo der betroffene Patient an Erschöpfungszuständen, Fibromyalgie, Nervenschäden, Gelenkbeschwerden und einer Dysfunktion der Organe leidet.

Ist der Verlauf chronisch, kann eine Therapie die benannten Spätfolgen kaum mehr lindern. Dauerhafte Schäden an Haut, Knorpel und Gelenken, zumeist Ellenbogen und Knie, bleiben bestehen. Bei älteren Patienten kann sich dies in Form einer Arthritis bemerkbar machen. Erwachsene neigen zu einer Fehlfunktion der Schilddrüse sowie des Nerven- und Bindegewebes. Bei rechtzeitigem Erkennen des Lymphozytoms verlaufen die Heilungschancen eher unkompliziert.

Wann sollte man zum Arzt gehen?

In etwa einem Drittel aller Fälle sind die weichen, rötlichen Knötchen auf eine Infektion mit Borrelien zurückzuführen und Anzeichen einer Borreliose. Betroffene sollten deshalb spätestens dann zum Arzt gehen, wenn die Knoten sichtbar werden.

Da die Schwere des Verlauf einer Borreliose und mögliche Spätfolgen umso schlimmer ausfallen, je später die Krankheit erkannt und behandelt wird, sollten Patienten besser so früh wie möglich reagieren. Nach einem Zeckenbiss ist es hilfreich, sich zunächst mit den Symptomen einer Borreliose und einer Frühsommer-Meningoenzephalitis vertraut zu machen. Eine beginnende Borreliose macht sich durch Begleiterscheinungen bemerkbar, die denen einer Grippe sehr ähnlich sind. Typisch sind starke Kopf- und Gliederschmerzen, Fieber, allgemeines Unwohlsein und Nackensteife. Nach einem Zeckenbiss oder dem Aufenthalt in einem Risikogebiet sollten Betroffene beim Auftreten dieser Symptome sofort einen Arzt aufsuchen und die Möglichkeit einer Borreliose explizit erwähnen.

Ein sofortiger Arztbesuch ist auch dann erforderlich, wenn sich die sogenannte Wanderröte (Erythema migrans) zeigt. Dabei handelt es sich um kreisförmige, beständig größer werdende Rötungen, die sich meist rund um die Bissstelle bilden, aber auch an einer anderen Körperstelle auftreten können. Wanderröte ist eines der wenigen charakteristischen Merkmale für eine Borrelioseinfektion. In diesen Fällen ist eine sofortige Behandlung mit Antibiotika angezeigt.

Sofern ein Borrelien-Lymphozytom nicht auf eine Infektion mit Borrelien zurückzuführen ist, ist es meist harmlos, ein Arzt sollte vorsichtshalber aber dennoch konsultiert werden.

Behandlung & Therapie

Die Behandlung von Borrelien-Lymphozyten, die auf eine Borreliose zurückgeführt werden können, zielt primär auf eine Bekämpfung der verursachenden Bakterien ab. Je nach Schweregrad der Krankheit stehen verschiedene Antibiotika zur Auswahl, die auch in einer individuellen Kombination zur Anwendung kommen können.

Da die Bakterien nur schwer zu bekämpfen sind, müssen die Antibiotika über einen längeren Zeitraum von mehreren Wochen strikt nach Anweisung eingenommen werden. Außerdem sollten keine Medikamente eingenommen werden, die die Wirkung der spezifischen Antibiotika herabsetzen können. Zusätzliche Therapien zur Stärkung des Immunsystems sind dabei von Vorteil.

Selbst nach scheinbar erfolgreicher Therapie kann es zu einem Wideraufflammen der Krankheit kommen, weil die Borrelien durch die Behandlung mit Antibiotika nicht vollständig unschädlich gemacht wurden. Falls die Verursacher der Borrelien-Lymphozyten nicht festgestellt werden können und eine bakterielle Infektion ausgeschlossen werden kann, ist die Einnahme von Antibiotika „auf Verdacht“ nicht empfehlenswert.

Davon ausgehend, dass auch die übrigen typischen allgemeinen Symptome einer Borreliose nicht eintreten, zielt die Behandlung der roten Knötchen auf eine Stärkung und Modulierung des Immunsystems ab. Dazu zählt auch eine Lebensweise, die neben Stressphasen auch kurzen Phasen der Entspannung und Regeneration Raum geben. Phasen der durch das sympathische Nervensystem gesteuerten Anspannung (Stresshormone) sollten sich mit parasympathisch gesteuerten Phasen abwechseln können.

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Aussicht & Prognose

Das eigentliche Borrelien-Lymphozytom ist ein Symptom der Lyme-Borreliose und kann nur im Zusammenhang mit dieser Infektion betrachtet werden. Dabei kommt es immer zusammen mit einem Erythema chronicum migrans, also einer Rötung der Haut nach einem Zeckenstich vor. Andere Formen des Borrelien-Lymphozytoms werden durch Viren verursacht, wobei es sich hier nicht um die gleiche Erkrankung, sondern nur um eine ähnliche Erscheinung handelt.

In allen Fällen findet eine Hyperplasie lymphatischer Zellen statt. Häufig wird die Erkrankung bei Kindern und Jugendlichen sowie bei Frauen im Alter von 40 bis 70 Jahren beobachtet. Meist erscheint das Borrelien-Lymphozytom im Stadium I einer Borrelieninfektion. In seltenen Fällen kann es auch im zweiten Stadium der Lyme-Borreliose auftreten. Insgesamt stellt es zwar ein Symptom der Lyme-Borreliose dar, welches aber auch im Rahmen dieser Erkrankung nicht sehr häufig vorkommt. Vielmehr gilt das Borrelien-Lymphozytom als Sonderfall einer Borrelieninfektion.

Bei einer frühzeitigen Behandlung mit Antibiotika können die Borrelien noch vollständig bekämpft werden. Erfolgt keine oder eine zu späte Behandlung, weitet sich die Infektion aus und es kommt zu vielfältigen Symptomen wie einer Lyme-Arthritis oder neurologischen Störungen mit Polyneuropathie, Meningitis, Enzephalomyelitis oder Enzephalitis. Des Weiteren können auch chronische Erkrankungen der Sinnesorgane, Gelenke oder Muskeln auftreten. Die Symptomatik ist aber bei jedem Betroffenen individuell. Im Spätstadium der Erkrankung ist eine vollständige Heilung oft nicht mehr möglich.

Vorbeugung

Vorbeugende Maßnahmen beschränken sich hauptsächlich darauf, sich vor Zeckenstichen zu schützen, besonders in gefährdeten Gebieten, in denen bekanntermaßen bereits Borreliose aufgetreten ist. Ein guter Schutz besteht beim Tragen langer Hosen und langärmeliger Hemden, die möglichst abschließende Bünde haben.

Zusätzlich oder alternativ kann nach einem Aufenthalt in Gebieten mit Zeckenbesatz sorgfältig die Haut am ganzen Körper auf möglichen Zeckenbefall inspiziert werden und mögliche Zecken mit einer Zeckenzange oder einer Pinzette entfernt werden. Eine Infektionsgefahr ist erst viele Stunden nach dem „Eingraben“ der Zecke in die Haut gegeben.

Das können Sie selbst tun

Da das Borrelien-Lymphozytom eine Begleiterscheinung der Borreliose ist, die durch Zeckenbisse übertragen wird, besteht die beste Form der Selbsthilfe darin, Zeckenbisse zu vermeiden oder zeitnah adäquat zu behandeln.

Personen, die sich oft im Freien aufhalten sollten zunächst das Borreliose-Risiko für ihre Region sowie gegebenenfalls für ihren Urlaubsort prüfen. Entsprechende Übersichtskarten werden im Internet kostenlos zur Verfügung gestellt. Besonders hoch ist das Risiko eines Zeckenbisses beim Wandern oder Spielen auf Wiesen und in hohem Gras oder beim Kontakt mit niedrigen Bäumen und Sträuchern. Zecken halten sich außerdem besonders gerne in Feuchtgebieten auf. An Gewässern ist deshalb besonders große Vorsicht geboten.

Die Borreliose-Erreger werden von den Insekten während des Austausches von Körperflüssigkeiten mit dem Wirt übertragen. Je länger eine festgebissene Zecke unentdeckt bleibt, desto größer das Risiko einer Infektion. Festgebissene Zecken sollten deshalb zeitnah und am besten von einem Arzt entfernt werden.

Die Stärkung des Immunsystems kann darüber hinaus einem möglichen Ausbruch der Borreliose vorbeugen oder zumindest die Schwere des Verlaufs der Krankheit mindern. Zur Stärkung des Immunsystems tragen insbesondere eine gesunde, vitaminreiche Ernährung, regelmäßige körperliche Bewegung an der frischen Luft sowie ausreichend Schlaf und der Verzicht auf übermäßigen Konsum von Alkohol und Nikotin bei.

Bücher über Borreliose

Quellen

  • Arasteh, K., et. al.: Innere Medizin. Thieme, Stuttgart 2013
  • Grüne, S., Schölmerich, J.: Anamnese, Untersuchung, Diagnose. Springer, Heidelberg 2007
  • Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag, Köln 2016

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