Blutungsanämie

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 7. Dezember 2017
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Dass man nach einem Verkehrsunfall aufgrund äußerer Verletzungen verbluten kann, ist natürlich jedem geläufig. Doch auch kleine, immer wieder sickernde innere Blutungen können auf Dauer zu erheblichen Verlusten führen und werden dabei äußerlich meist gar nicht bemerkt. Die Blutungsanämie ist die zugehörige Erkrankung, die sich durch Blutarmut, Schwäche, Blässe auszeichnet. Am häufigsten betroffen sind Frauen mit starker Regelblutung.

Inhaltsverzeichnis

Was ist eine Blutungsanämie?

Bei der Blutungsanämie handelt es sich um eine Blutarmut, die zweifelsfrei auf einen chronischen Blutverlust über Körperoberflächen zurückgeführt werden kann.

Diese Blutverluste können äußerlich sichtbar sein, wie etwa bei der Menstruationsblutung, können jedoch auch versteckt über die Schleimhäute stattfinden, wie etwa im Falle von leicht blutenden Magengeschwüren, Dickdarmkrebserkrankungen oder Divertikelblutungen des Darms.

Auf Dauer führen sie zu einem Mangel an Eisen und roten Blutkörperchen und zu den typischen Anämiesymptomen Blässe, Schwäche und rasche Ermüdbarkeit.

Ursachen

Eine der häufigsten Ursachen einer Blutungsanämie ist dabei die ganz normale Regelblutung der Frau. Diese ist zwar von der Natur so vorgesehen und keinesfalls krankhaft, kann aber, insbesondere bei kleinen Frauen, dennoch zu einem relevanten Eisenverlust führen und die Symptome einer Anämie hervorrufen. Je stärker dabei die Menstruation, desto schwerer natürlich die Anämie.

Des Weiteren denkt ein Arzt beim Auftreten einer Anämie unklarer Ursache als Allererstes an die Möglichkeit einer Darmkrebserkrankung. Krebsgeschwüre können leicht bluten und durch die Vermischung mit Darminhalt sowie die Andauung durch Darmsekrete fällt eine solche Blutung im Stuhl meist gar nicht auf.

Auch ein dauerhafter Blutverlust aufgrund eines immer wieder blutenden Magengeschwürs oder blutender Divertikel des Dickdarms bleibt meist unbemerkt und fällt erst dann auf, wenn die Anämie den Betroffenen zum Arzt führt oder, noch häufiger, zufällig im Rahmen einer Blutentnahme aus anderer Ursache ins ärztliche Auge springt.

Der Darm ist also Hauptort der Blutverluste, nebenbei kann aber auch über die abführenden Harnwege Blut verloren gehen, bei chronischen Entzündungen oder Tumorerkrankungen (hier fällt jedoch meist roter Urin auf). Bei solch dauerhaften Blutverlusten kommt die Blutproduktion meist nicht hinterher und es entsteht ein Mangel an roten Blutkörperchen. Zudem handelt es sich bei den meisten Blutungsanämien zudem um Eisenmangelanämien.

Das bedeutet, dass weniger der Mangel an Blutzellen als viel mehr der Mangel an Eisen, welches in den Blutzellen als wichtiger Sauerstofftransporter enthalten ist, die Anämie verursacht, wenn es gleichzeitig durch die Ernährung nicht ausreichend aufgefüllt wird.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Eine Blutungsanämie macht sich durch eine Reihe von körperlichen und geistigen Symptomen bemerkbar. Zunächst führt eine Blutarmut zu Müdigkeit und Antriebslosigkeit. Begleitend dazu treten geistige Ausfallerscheinungen auf: Es kommt zu Konzentrationsschwäche, Leistungsabfall und Bewusstseinsstörungen. Durch die Blutungsanämie wird der Kreislauf überlastet, wodurch Beschwerden wie Herzrasen und Schwindel auftreten können. Im Extremfall kommt es zu einem Kreislaufzusammenbruch.

Auch Atemnot und Brustenge können auftreten. Einige Betroffene klagen über Gleichgewichtsstörungen. Äußerlich zeigt sich eine Blutarmut durch Blässe und eingefallene Augenhöhlen. Die Fingernägel sind häufig brüchig und haben weiße Flecken. Typisch sind auch eingerissene und entzündete Mundwinkel, die meist stark schmerzen sowie brüchige Haare und Schuppen.

Kommt es infolge der Anämie zu einem Eisenmangel, können weitere Symptome wie Durchfall, Verstopfung und Blähungen auftreten. Auch die Zähne und der Mundraum werden durch eine ausgeprägte Blutarmut in Mitleidenschaft gezogen – es kann zu Wurzelschäden, Zahnfleischblutungen und weiteren Beschwerden kommen. Eine Blutarmut hat keine eindeutigen Symptome.

Dennoch kann sie anhand der äußerlichen Merkmale und dem Leistungsabfall diagnostiziert werden. Bleibt eine ärztliche Abklärung aus, können sich aus den genannten Symptome ernste Beschwerden ergeben, die meist zu weiteren Komplikationen führen.

Diagnose & Verlauf

Symptome einer Anämie sind ganz allgemein Blässe, Schwächegefühl, verminderte Leistungsfähigkeit, Dauermüdigkeit oder rasche Ermüdbarkeit. Hinzukommen können Herzrasen oder Herzklopfen, ein Arzt kann beim Abhören des Herzens zudem neu aufgetretene Herzgeräusche feststellen. Die Blutungsanämie unterscheidet sich in der Symptomatik dabei überhaupt nicht von den anderen Anämieformen.

Da diese Symptome allesamt so unspezifisch und schwer zu fassen sind, führen sie die meisten Menschen erst sehr spät zum Arzt. Anämien werden daher oft lange verschleppt, was insbesondere bei einer zugrunde liegenden Tumorerkrankungen fatal sein kann.

Ein erniedrigter Hämoglobinwert in der einfachen Blutuntersuchung zeigt dem Arzt an, dass eine Anämie vorliegt. Anhand der Größe der unter dem Mikroskop gesehenen roten Blutkörperchen kann man zudem einen ersten Hinweis bekommen, welche Anämieform dem Geschehen zugrunde liegen könnte. Bei der Blutungsanämie sind die roten Blutkörperchen zwar normal groß (schließlich ist die Blutbildung nicht das Problem), liegen aber einfach in verminderter Zahl vor. Zudem lässt sich meistens ein Eisenmangel feststellen.

Bei Frauen ist solch eine latente Anämie oft auf die Menstruation zurückzuführen. Größere Abweichungen vom Normwert oder "plötzliches" Auftreten im Alter, wenn die Betroffene ihr Leben lang nie eine Anämie hatte, sollten jedoch dennoch weitere Untersuchungen nach sich ziehen. Hierzu gehören dann bei älteren Patienten als Allererstes eine Stuhluntersuchung auf verstecktes Blut und in der Folge dann oftmals eine Darmspiegelung, um eine Krebserkrankung oder eine Divertikulose auszuschließen.

Findet man unten nichts, wird oben weiter gesucht: Eine Magenspiegelung gibt Aufschluss über mögliche Blutverluste durch das Vorliegen von Magengeschwüren. Weitere spezielle Diagnostik kann sich anschließen.

Komplikationen

Eine Blutungsanämie muss nicht zu sofortigen Komplikationen und Einschränkungen führen. Allerdings können sich diese im Laufe der Zeit bemerkbar machen, wenn die Blutungsanämie nicht richtig behandelt wird. Die Betroffenen klagen oft über eine starke Müdigkeit, Herzrasen und Schwindel.

Hinzu kommen Schwierigkeiten bei der Konzentration und Probleme mit dem Kreislauf. Meistens können schwere körperliche Arbeiten oder Sportarten nicht mehr durchgeführt werden. Es kommt dabei zu Herzrasen, obwohl sich der Patient nicht besonders stark anstrengt.

In den meisten Fällen erkennt der Betroffene nicht, dass er an einer Blutungsanämie leidet, wodurch sich das Symptom in der Regel weiter verstärkt. Hierbei kann auch ein Tumor die Ursache für die Blutungsanämie sein. In den meisten Fällen kann einer Blutungsanämie relativ gut entgegengewirkt werden, sodass es zu keinen weiteren Beschwerden kommt.

Der Blutverlust kann durch Eisenpräparate kompensiert werden. Es dauert allerdings einige Wochen, bis sich die Blutmenge wieder normalisiert hat. Bei Krebserkrankungen kann keine Voraussage gemacht werden, hierbei können verschiedene Komplikationen auftreten.

Sollte es zur Blutungsanämie nach einem Unfall kommen, so muss diese durch einen Arzt behandelt werden. Oft wird der Blutverlust aufgrund des Schocks nicht direkt festgestellt und stellt dabei einen sehr gefährlichen Zustand dar.

Wann sollte man zum Arzt gehen?

Bei einer Blutungsanämie sollte immer ein Arzt konsultiert werden. Es muss bei akuter Blutungsanämie oftmals eine Bluttransfusion gegeben werden, um einen hohen Blutverlust auszugleichen. Wenn die Anämie chronisch ist, ist es für den Arzt dringend erforderlich, die Ursache der Blutung festzustellen. Oft handelt es sich dann um eine okkulte Blutung, also eine innere Blutung, die unbemerkt bleibt. Eine akute Blutungsanämie wird hingegen schnell erkannt, weil hier ein offensichtlicher Blutverlust vorliegt.

Ist der Blutverlust sehr stark, kann es zum Kreislaufschock mit lebensgefährlichen Folgen kommen. Daher sind hier häufig medizinische Notmaßnahmen erforderlich, um eine lebensbedrohliche Situation abzuwenden. Aber auch chronische Blutungsanämien können schwerwiegende Folgen haben und machen deshalb ebenfalls einen Arztbesuch notwendig. Da hier oft die Ursache der Beschwerden nicht sofort erkannt wird, ist eine Arztkonsultation umso dringender. Der Arzt sollte auf jeden Fall konsultiert werden, wenn solche Symptome wie chronische Müdigkeit, blasse Haut, Schwindelanfälle, Kreislaufbeschwerden oder gar Bewusstseinsstörungen auftreten.

Diese Symptome kommen neben einer Blutungsanämie auch bei vielen anderen Krankheiten vor und sollten daher bereits unabhängig von ihrer Ursache den Betroffenen veranlassen, dringend einen Arzt aufzusuchen. Auch wenn zusätzlich noch solche Symptome wie trockene, juckende Haut, eingerissene Mundwinkel, Aphten, Zungenbrennen, Appetitlosigkeit, brüchige Nägel oder diffuser Haarausfall auftreten, sollte zwingend ein Arzt aufgesucht werden. Diese Kombination von Symptomen ist für den Arzt ein starker Hinweis auf eine chronische Blutungsanämie.

Behandlung & Therapie

Wird keine schwerwiegende Ursache für die Blutungsanämie gefunden, so kann das Problem oft mit einer dauerhaften Eiseneinnahme behoben werden. Durch die tägliche Zufuhr in Form von Tabletten wird die Blutbildung nachhaltig unterstützt und laufende Verluste beispielweise über die Menstruation können dauerhaft ausgeglichen werden. Auch die Symptomatik bessert sich nach einigen Wochen.

Im Falle einer Krebserkrankung, eines Magengeschwürs oder einer chronischen Entzündung müssen diese natürlich behandelt werden.

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Aussicht & Prognose

Unter einer Blutungsanämie versteht man einen starken Blutverlust, der sich negativ auf das Wohlbefinden eines Menschen auswirken kann. Da eine Blutungsanämie in unterschiedlichen Schweregraden auftreten kann, ist eine genaue Vorhersage nur sehr schwer zu erstellen.

Verliert ein Mensch nur wenige Milliliter Blut, so wirkt sich das nicht negativ auf das Wohlbefinden aus. Erst wenn 30% des gesamten Blutes verloren gehen, entstehen erste Symptome. Die betroffene Person wird innerhalb kürzester Zeit sehr blass und es entsteht ein starkes Schwindelgefühl. Liegt eine äußere Blutung vor, so muss diese natürlich gestillt werden. Gelingt dies ohne Probleme, so sieht die Aussicht auf eine vollständige Genesung und Regeneration sehr gut aus.

Wenn die Blutung von der betroffenen Person nicht selbst gestillt werden kann, so sollte schnellstmöglich ein entsprechender Arzt aufgesucht werden. Sobald 50% des Bluts verloren gehen, besteht akute Lebensgefahr. Es drohen Symptome wie Schwindel, Übelkeit, Erbrechen oder auch Ohnmacht. Im schlimmsten Fall können lebenswichtige Organe nicht mehr richtig mit Blut versorgt werden, sodass ein hoher Blutverlust bis zum Tod führen kann. Eine frühzeitige Behandlung durch einen Facharzt erhöht die Aussicht auf eine vollständige und schnelle Heilung.

Vorbeugung

Da eine Vielzahl an Ursachen für eine Blutungsanämie in Frage kommen, ist es schwer, spezielle prophylaktische Maßnahmen zu ergreifen. Gesunde Ernährung in Maßen mit ausreichend Ballaststoffen ist sicherlich ein guter Rat, um Darmerkrankungen und -tumoren vorzubeugen, schließen Blutungsquellen jedoch natürlich niemals aus.

Wer an sich selbst Dauermüdigkeit und andere Anzeichen einer Blutarmut feststellt, sollte daher auf jeden Fall rechtzeitig einen Arzt aufsuchen, da die meisten Ursachen einer Blutungsanämie in frühen Stadien noch sehr effektiv behandelt werden können.

Das können Sie selbst tun

Wenn eine Blutungsanämie beziehungsweise die der Anämie zugrundeliegende Blutung selbst nicht einer sofortigen medizinischen Behandlung bedarf, gibt es durchaus einige Mittel, mit denen sich der Betroffene selbst helfen kann. Zunächst ist die Ursachenbekämpfung, also die Stillung der inneren oder äußeren Blutung, wichtig. Dies kann äußerlich vor allem durch einen sorgfältigen Wundverschluss und die Schonung des betroffenen Areals erfolgen.

Wird die Blutungsanämie durch eine (oft chronische) Blutung im Inneren des Körpers verursacht, gibt es auch hier Methoden, diese zu stillen. So bedarf ein blutendes Magengeschwür neben der ärztlichen Medikamentierung oft auch einer Verhaltensänderung, zu der der Verzicht auf Nikotin, Alkohol, Kaffee sowie stark gewürzte Speisen zählt. Auch die Reduzierung des Stresspegels kann helfen. Bei Blutungen aus Hämorrhoiden kann der Patient durch eine ballaststoffreiche Ernährung, eine ausreichende Trinkmenge und Hausmittel wie Flohsamenschalen seine Beschwerden und damit auch die Anämie-Ursache beseitigen.

Das konsequente Trinken von Wasser und Tee ist auch wichtig, um einen durch den Blutverlust im Körper enstandenen Volumenmangel an Flüssigkeit auszugleichen. Für die Verbesserung der Blutwerte (insbesondere Ferritin und Hämoglobin) kann eine Eisenkur durch Nahrungsergänzungsmittel oder frei verkäufliche Eisenpräparate angewandt werden. Vegetarier finden in diesem Zusammenhang auf dem Markt auch Präparate, die frei von Gelatine sind. Der Erfolg dieser Maßnahmen ist durch ein regelmäßiges Blutbild beim behandelnden Arzt zu überprüfen.

Bücher über Anämie (Blutarmut), Eisenmangelanämie

Quellen

  • Gesenhues, S., Zisché, R.H., Breetholt, A. (Hrsg.): Praxisleitfaden Allgemeinmedizin. Urban & Fischer, München 2013
  • I care Krankheitslehre. Thieme, Stuttgart 2015
  • Reuter, P.: Springer Lexikon Medizin. Springer, Berlin 2004

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