Blindism

Medizinische Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher (Facharzt für innere Medizin) am 9. Mai 2017
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Blinde Menschen, Deprivationspatienten, Patienten im Hospitalismus, Autisten und geistig Behinderte neigen zu Bewegungsstereotypien, die auch als Blindism bekannt sind. Solche Stereotypien manifestieren sich zum Beispiel in Form von Rumpfschaukeln oder Kopfwippen und stehen neben den Bewegungsdrang mit oft mit Beruhigung in Zusammenhang. In der Therapie werden den Patienten neue Bewegungsformen zur Verfügung gestellt.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Blindism?

Bewegungsstereotypien sind sich ständig wiederholende, im Grunde funktionslose Bewegungsfolgen oder Zwangsbewegungen. Als Symptom kennzeichnen die Stereotypien eine Reihe Verhaltensstörungen. Beispielsweise schaukeln hospitalisierte Kleinkinder aus Gründen der psychischen Deprivation oft den Rumpf von Seite zu Seite.

Bewegungsstereotypie leitet sich in den meisten Fällen aus Verhaltenstendenzen oder Intentionsbewegungen ab, die in der Fortführung gehemmt sind. Der Blindism oder Blindismus entspricht solcherlei stereotypen Verhaltensauffälligkeiten. Die Bewegungsstereotypien des Blindism werden oft an blinden oder anderweitig sehbehinderten Menschen beobachtet. Die charakteristischen Bewegungsmuster liegen vor allem in einem Kopfwiegen und Oberkörperwippen.

Darüber hinaus bohren manche Betroffene mit ihren Händen stereotyp in den Augen. Neben Blinden und Sehbehinderten führen auch Autisten und Patienten anderweitiger Behinderungen Bewegungsstereotypien dieser Art aus. Auftretende Bewegungsstereotypien werden vor allem an Kleinkindern daher oft als Anzeichen einer geistigen Behinderung ausgelegt und sind demzufolge mit einer gewissen Stigmatisierung assoziiert. In vielen Fällen sind die Betroffenen durch die Stereotypien schwer im sozialen Leben beeinträchtigt.

Ursachen

Der Mensch ist als Wesen auf Bewegung und Erfahrung ausgerichtet. Jeder Mensch hat so ein gewisses Bewegungsbedürfnis und eine Neugierde, in der Bewegung die Umwelt zu entdecken. Für Tiere gilt dieser Zusammenhang noch wesentlicher. Aus diesen Zusammenhängen heraus lassen sich an Tieren in Gefangenschaft derart oft Bewegungsstereotypien aufgrund des begrenzten Bewegungsangebots beobachten.

Auch für menschliche Bewegungsstereotypien ist die Ursache ein Mangels an alternativen oder weiterführenden Bewegungsformen. Speziell blinde und sehbehinderte Menschen, aber auch Autisten und anderweitig eingeschränkte Personen sind bei der selbstständigen Erkundung der Umgebung in Bewegung mehr oder weniger beeinträchtigt. Zwar können sie sich theoretisch bewegen, sind aufgrund der mangelnden Reaktionsfähigkeit auf Umweltbedingungen bei der Bewegung in der Umgebung aber dennoch eingeschränkt.

Ihr Körper kompensiert das unbefriedigte Bedürfnis nach selbstständiger Bewegung so häufig in Bewegungsstereotypien. Der Betroffene will durch die Stereotypien also dem eingeschränkten Genuss der Bewegungsmöglichkeiten begegnen. Symptome des Blindism lassen sich außerdem als Deprivationssymptom an vereinsamten und vernachlässigten Menschen beobachten.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Blindism kann sich in unterschiedlichen Bewegungsstereotypien manifestieren. Das bekannteste System ist das Rumpf- oder Kopfschaukeln der Patienten. Viele bohren sich allerdings auch selbst in den Augen. Der Fachausdruck Jactatio corporis bezieht sich auf Stereotypien wie das Wiegen, Wippen oder Schaukeln des Oberkörpers. Eine Unterform dieser Stereotypie ist das Pagodenwackeln, das durch extrem langsame Vorwärts- und Zurückbeugung des Rumpfes gekennzeichnet ist.

Dieses Symptom betrifft meist weniger blinde Menschen als Kinder mit kognitiven Behinderungen. Die Rede ist in diesem Zusammenhang auch von einer Wachstereotypie, die zuweilen auch im Hospitalismus oder an Autisten beobachtet wird. Der Begriff Jactatio capitis bezieht sich auf stereotypes Kopfwackeln. Mit allen Bewegungsstereotypien erzielen die Betroffenen entweder Beruhigung oder Stimulation, um den eigenen Körper zu spüren.

In den meisten Fällen verlieren diese einfachen Bewegungsformen aufgrund der Wiederholungen schnell an lustvoller Eigenschaft. Aus diesem Grund nimmt die Intensität, Geschwindigkeit und Kraft von Bewegungsstereotypien mit der Zeit meist zu. Grundsätzlich handelt es sich bei allen Bewegungsmustern des Blindism um gleichförmige, sich wiederholende Bewegungen, die im Wesentlichen unabhängig von etwaigen Außeneinflüssen durchgeführt werden. Für die Entwicklung von blinden Kindern wird Blindism schnell problematisch, da Lern- und Umwelterfahrungen beeinträchtigt davon beeinträchtigt werden.

Diagnose & Krankheitsverlauf

Die Diagnose einer Bewegungsstereotypie des Blindism wird blickdiagnostisch beziehungsweise über Beobachtung und Anamnese gestellt. Da die Symptome des Blindism verschiedene Ursache haben und mit unterschiedlichen Primärerkrankungen assoziiert sein können, muss im Rahmen der Diagnostik eine Ursache festgehalten werden.

Differentialdiagnostisch sind sämtliche Bewegungsstereotypien aufgrund von Gehirnschädigungen auszuschließen. Die Prognose für Patienten mit Blindism ist relativ günstig. Vollständige Heilungserfolge werden mittlerweile häufig erzielt.

Komplikationen

Beim Blindism kann es zu verschiedenen Komplikationen kommen, die stark von der Ausprägung der Krankheit abhängen. In der Regel kommt es in erster Linie zu psychischen Problemen. Vor allem bei Kindern kommt es durch die bizarren Bewegungen des Kopfes und der Arme zu sozialen Ausgrenzungen, Mobbing und zu Hänseleien. Dies führt oft zu Stress, Depressionen und weiteren psychischen Einschränkungen.

Das Selbstwertgefühl dieser Personen wird stark gemindert, sodass es im schlimmsten Falle zu Selbstmordgedanken und schließlich zum Selbstmord kommen kann. Durch die Bewegungen können sich die Betroffenen auch nicht richtig konzentrieren, sodass sie die Lernatmosphäre stören und selbst eine spezielle Lernweise benötigen. In vielen Fällen müssen Patienten mit Blindism speziell betreut werden, was vor allem Kinder betrifft.

Die geistige Behinderung schränkt das Leben des Patienten im Erwachsenenalter ein, sodass die Ausübung einer Tätigkeit nicht ohne Weiteres möglich ist. Je nachdem, wie stark die Entwicklung des Kindes beeinflusst wurde, tritt der Blindism auch im Erwachsenenalter stärker oder schwächer auf. Durch die bizarren Bewegungen können allerdings auch Muskeln verrenkt werden, was allerdings nur selten vorkommt.

Behandlung & Therapie

Die Symptome des Blindism werden in Abhängigkeit von der Ursache behandelt. Zur Behandlung von Blindism nach Deprivation sind so zum Beispiel andere Maßnahmen erforderlich, als zur Behandlung von Blindism bei blinden Personen. In vielen Fällen reicht es aus, dem Betroffenen Bewegungsangebote in Form von Rhythmik, Sport oder Spiel zur Verfügung zu stellen und ihn bei der Einübung neuer Bewegungsformen anzuleiten.

Zur Anregung werden oft rhythmisch akustische, visuelle, aber auch taktil und motorische Stimulationen genutzt. Wichtig ist, dass der Patient dem betreuenden Therapeuten vertraut und sich ihm gegenüber zumindest teilweise öffnen kann. Oft wird die Behandlung heilpädagogisch unterstützt. Patienten ohne gestaltete Betätigungsmöglichkeiten werden in ihrer Fähigkeit zur individuellen Effekterzielung gestärkt.

Außerdem erhalten sie Hilfe zur Bewegungsdifferenzierung und eine Förderung weiterführenden Interesses am Erlernen neuer Bewegungsformen. Blinde und sehbehinderte Menschen leiden teils nur daher an Blindism, weil sie sich in der Umgebung unsicher fühlen und sich so nicht angemessen darin zu bewegen trauen. In einem solchen Fall wird den Betroffenen in der Therapie Sicherheit vermittelt, damit sie sich besser zurechtzufinden lernen.

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Vorbeugung

Dem Blindism lässt sich nicht vollumfänglich vorbeugen. Da die Bewegungsstereotypien unterschiedlichste Ursachen haben können, beschränkt sich die mögliche Prophylaxe auf die Vorbeugemaßnahmen für die einzelnen Ursachen.

Bücher über Autismus

Quellen

  • Arolt, V., Reimer, C., Dilling, H.: Basiswissen Psychiatrie und Psychotherapie. Springer, Heidelberg 2007
  • Davison, G.C., Neale, J.M., Hautzinger, M.: Klinische Psychologie. Beltz PVU, München 2007
  • Köhler, T.: Medizin für Psychologen und Psychotherapeuten. Schattauer, Stuttgart 2014

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