Blasenruptur

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 8. Dezember 2017
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Eine Blasenruptur beziehungsweise Blassenriss wird meist verursacht durch eine starke Gewalteinwirkung von außen. In den meisten Fällen erfolgt eine operative Behandlung.

Inhaltsverzeichnis

Was ist eine Blasenruptur?

Die Blasenruptur (Blasenriss) ist ein Riss der Harnblase. In den meisten Fällen wird eine Blasenruptur von Schmerzen begleitet. Als weiteres Symptom eines Blasenrisses sind häufig rote Blutkörperchen (unter dem Mikroskop zu erkennen) oder geringe Mengen von Blut (mit bloßem Auge sichtbar) im Urin vorzufinden.

Oberhalb des Schambeins tritt bei einer Blasenruptur außerdem häufig eine Vorwölbung auf; bedingt ist eine solche Wölbung entweder durch Urin oder durch ein entstandenes Hämatom (einen Bluterguss). Neben einem starken Harndrang kann eine Blasenruptur außerdem eine Reizung des Bauchfells hervorrufen.

In der Medizin wird unterschieden zwischen der sogenannten extraperitonealen (außerhalb der Bauchhöhle) Blasenruptur, der intraperitonealen (innerhalb der Bauchhöhle) und der spontanen Ruptur. Am häufigsten tritt dabei die extraperitoneale Blasenruptur auf.

Ursachen

Die häufigste Ursache einer Blasenruptur sind Frakturen (Brüche) des Beckenrings. Solche Beckenbrüche sind meist Folge starker Krafteinwirkungen und können etwa bei Verkehrsunfällen oder Stürzen aus sehr großer Höhe auftreten.

Knochensplitter des Beckens können nach einem Beckenbruch die Blasenwand verletzen und so einen Blasenriss herbeiführen. Auch eine plötzliche, äußere Druckeinwirkung auf den Bauchraum kann eine Blasenruptur nach sich ziehen. Eine entsprechende Druckeinwirkung kann etwa durch Sicherheitsgurte ausgeübt werden.

In den seltenen Fällen, in denen eine Blasenruptur spontan auftritt, lag in der Vergangenheit meist eine längerfristige Belastung der Blase vor. Sogenannte offene Blasenrupturen sind meist die Folge von Schuss- oder Stichverletzungen.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Schematische Darstellung zur Anatomie und Aufbau der Harnblase. Klicken, um zu vergrößern.

Eine Blasenruptur äußert sich in erster Linie durch Unterleibsschmerzen und Schmerzen beim Wasserlassen, die im Verlauf der Erkrankung an Intensität und Dauer zunehmen. Das Harnverhalten ist gestört und der Betroffene uriniert häufiger oder seltener als zuvor (Harnverhalt).

Dennoch liegt ein ständiger Harndrang vor, der mit dem charakteristischen Druckgefühl im Bereich der Blase verbunden ist. Im weiteren Verlauf ruft eine Blasenruptur Blutungen hervor, die sich durch Blut im Urin äußern. Gelegentlich bilden sich auch Hämatome, die wiederum mit Schmerzen und Druck im Unterbauch beziehungsweise im Bereich der Harnröhre verbunden sein können.

Gegebenenfalls tritt eine Bauchfellentzündung auf, die mit Übelkeit und Bauchschmerzen, Appetitlosigkeit und Fieber einhergeht. Einige Erkrankte leiden unter Herzrasen und Schwindel. Außerdem kommt es zu einer allgemeinen Schwäche, die sich in Form von Müdigkeit, Abgeschlagenheit und einer insgesamt eingeschränkten körperlichen und geistigen Leistungsfähigkeit bemerkbar macht.

Äußerliche Symptome einer Blasenruptur sind Blässe, vermehrte Schweißausbrüche und gelegentlich auch eine Schwellung im Bereich des Unterbauchs. Der Arzt kann die Verletzung anhand der genannten Symptome und Beschwerden eindeutig diagnostizieren. Durch eine Ultraschalluntersuchung können weitere Auffälligkeiten wie die Ruptur selbst, aber auch eine Harnstauung und innere Hämatome festgestellt werden.

Diagnose & Verlauf

Die Verdachtsdiagnose Blasenruptur ist einem behandelnden Arzt oft möglich auf der Grundlage der vorliegenden Symptome und der Schilderungen eines Patienten über dessen bisherige Krankengeschichte. Treten die Symptome eines Patienten unmittelbar nach einem Unfall auf, so kann das Unfallgeschehen weitere Hinweise auf eine vorliegende Blasenruptur geben.

Um die Verdachtsdiagnose einer Blasenruptur abzusichern, wird in einem nächsten Schritt häufig eine Sonografie (also eine Ultraschalluntersuchung) durchgeführt. Mit diesem Untersuchungsverfahren kann die Gewebestruktur der Harnblase bildlich dargestellt werden. Um nach schweren Unfällen und/oder Beckenbrüchen Begleitverletzungen einer Blasenruptur auszuschließen, kann beispielsweise die Computertomografie (CT; ein weiteres bildgebendes Verfahren) eingesetzt werden.

Der Verlauf einer Blasenruptur ist interindividuell verschieden und hängt ab von den Ursachen und der Frühzeitigkeit einer medizinischen Behandlung. Bei frühzeitigem Therapiebeginn verläuft eine Blasenruptur in den meisten Fällen positiv und die Verletzung der Blasenwand kann geheilt werden.

Komplikationen

Wie immer, wenn es zu einer Krankheit oder Organschädigung gekommen ist, sind in erster Linie weitere Komplikationen zu vermeiden. Im Fall einer Blasenruptur (Riss der Harnblasenwand durch meist äußere Einflüsse) ist das nicht anders. Diese Diagnose kann bedeuten, dass es bei verspäteter oder ausbleibender Behandlung zu einer Bauchfellentzündung (Peritontitis), einer Störung der Darmpassage (paralytischen Ileus) beziehungsweise einer Blutvergiftung (Urosepsis) kommt.

Diese Komplikationen können auftreten, weil sich der Inhalt der Blase entweder intraperitoneal (in die Bauchhöhle) oder extraperitoneal (in das umliegende Gewebe) entleert. Wie machen sich die Komplikationen bemerkbar Die Komplikation in Form einer Peritonitis macht sich durch starke Bauchschmerzen und einer zunehmenden Abwehrspannung der gesamten Bauchmuskulatur bis hin zu einer brettharten Bauchdecke bemerkbar.

Die Urosepsis ohne Schock kann eine Letalität (tödlicher Verlauf) von 13 Prozent, mit Schock von 28 Prozent und bei einer Schocksituation nach der Sepsis von 43 Prozent aufweisen. Die Komplikationen sind somit auf gar keinen Fall zu ignorieren. Die umgehende Konsultation von einem Facharzt (Urologen) ist dringend zu empfehlen, damit die hier geschilderten Komplikationen erst gar nicht auftreten oder sich gar weiterentwickeln.

Wann sollte man zum Arzt gehen?

Ein Blasenriss wird oft nicht erkannt, da die Ursachen hierfür meist auf andere Erkrankungen oder Unfälle zurückzuführen sind. Am häufigsten bedingt eine Verletzung des Beckens, insbesondere eine Fraktur des Beckenrings, einen Blasenriss, weil die Blasenwand durch Knochensplitter verletzt wird. Obwohl die Betroffenen in einer solchen Situation ohnehin stets ärztlich betreut werden, passiert es nicht selten, dass der Arzt sich auf die schwereren Verletzungen konzentriert und die Blasenruptur übersieht.

Patienten sollten deshalb von sich aus auf die Möglichkeit eines Blasenrisses hinweisen, wenn diese besteht und zusätzlich Symptome auftreten, die für diese Art Verletzung typisch sind.

Die Möglichkeit einer Blasenruptur ist immer dann gegeben, wenn es zu Gewalteinwirkungen oder starken Druck auf die Blase gekommen ist. Dabei ist die Verletzungsgefahr besonders groß, wenn das Organ prall mit Urin gefüllt ist. Im Fall einer Vollbremsung kann bereits der Sicherheitsgurt im Auto einen Blasenriss auslösen. Auf solche Vorgänge sollte der behandelnde Arzt unbedingt hingewiesen werden. Dies gilt insbesondere dann, wenn zusätzlich Symptome wie starker Harndrang und Schmerzen beim Wasserlassen auftreten. Dann sollte in jedem Fall mittels einer Ultraschalluntersuchung abgeklärt werden, ob die Blase durch einen Unfall verletzt worden ist.

Behandlung & Therapie

Eine geeignete Therapie bei erlittener Blasenruptur ist abhängig von der Form der Ruptur und auch von möglicherweise erlittenen Begleitverletzungen. Wird eine Blasenruptur von weiteren körperlichen Verletzungen begleitet, so bedürfen auch diese einer entsprechenden Behandlung.

Eine intraperitoneale Blasenruptur wird in den meisten Fällen mithilfe operativer Verfahren behandelt. Zu diesem Zweck wird die gerissene Harnblase zunächst freigelegt, um den aufgetretenen Riss nähen zu können. In der Regel wird ein so behandelter Patient im Anschluss mit einem Dauerkatheter (einem Katheter, der über einen längeren Zeitraum hinweg zu tragen ist) versorgt, der durch die Harnröhre verläuft. Ein solcher Dauerkatheter nach erlittener Blasenruptur dient einer kontinuierlichen Entleerung der Harnblase.

Liegt bei einem Patienten eine extraperitoneale Blasenruptur vor, so bestimmt in der Regel das Ausmaß des Risses das weitere medizinische Vorgehen; bei einer sehr geringen Blasenruptur kann es gelegentlich möglich sein, auf operative Verfahren zu verzichten und die Therapie auf das Legen eines Dauerkatheters zu beschränken.

Wurde eine Blasenruptur durch eine Beckenfraktur verursacht, so kann dieser begleitenden Fraktur beispielsweise mithilfe der sogenannten Osteosynthese begegnet werden; hierbei handelt es sich um ein operatives Verfahren, in dessen Rahmen die Funktionsfähigkeit des verletzten Beckenknochens wiederhergestellt wird.

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Aussicht & Prognose

Die Prognose einer Blasenruptur ist abhängig von der Schwere der Erkrankung, dem frühstmöglichen Behandlungsbeginn, sowie dem Gesundheitszustand des Patienten. Gute Heilungsaussichten gibt es sobald keine Vorerkrankungen vorliegen und bei einer frühzeitigen medizinischen Versorgung des Betroffenen. Je größer der Riss der Blase ist, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit eines Organversagens. In schweren Fällen kann es zu einer Blutvergiftung kommen oder weitere schwerwiegende Komplikationen treten auf. Ein tödlicher Krankheitsverlauf wäre dann möglich.

Ohne eine Behandlung ist eine Heilung nur bei einer leichten Blasenruptur gegeben. Die vorhandenen Selbstheilungskräfte könnten dann für die Genesung des Patienten ausreichen. Empfehlenswert ist dieser Schritt nicht, da der Heilungsweg deutlich verlängert ist und das Risiko besteht, dass sich die Blasenruptur verstärkt. Darüber hinaus können verschiedene Komplikationen auftreten, die eine Gefährdung der Gesundheit darstellen.

Die meisten Patienten können nach einigen Wochen der Behandlung als geheilt entlassen werden. In einem operativen Eingriff kommt es zu einer Korrektur, damit die Blase anschließend wieder voll funktionsfähig ist. Die Operation ist mit den üblichen Risiken und Nebenwirkungen verbunden. Trotz einer Heilung kann es im Laufe des Lebens zu einer erneuten Blasenruptur kommen. Um eine Wiederkehr zu vermeiden, sollten daher die Ursachen des Auftretens geklärt und behandelt werden.

Vorbeugung

Da Unfälle und weitere plötzliche Krafteinwirkungen als Ursache einer Blasenruptur meist unerwartet eintreten, ist der Verletzung kaum vorzubeugen. Einer spontanen Blasenruptur kann eingeschränkt entgegengewirkt werden, indem bei Beschwerden, die die Harnblase betreffen, ein frühzeitiger Arztbesuch erfolgt; so kann eine längerfristige gesundheitliche Belastung der Harnblase oft verhindert werden.

Das können Sie selbst tun

Mit einer Blasenruptur sollte unbedingt zu einem Arzt gegangen werden. Begleitend zur medizinischen Behandlung lassen sich die Symptome einer Ruptur durch verschiedene Hausmittel und Tipps lindern.

Gegen die Schmerzen beim Wasserlassen helfen etwa Weidenrinden-Tee, ein Extrakt aus Ringelblumen oder eine Kur mit den Extrakten der Teufelskralle. Bewährt haben sich auch typische Heilkräuter und -pflanzen wie Eisenkrautwurzel, Enzian oder Holunder, die ebenfalls in Form von Tees oder Extrakten angewendet werden können. Eine gereizte Blase kann mit heiß-feuchten Auflagen behandelt werden. Ähnlich wirksam sind Wärmflasche, Kirschkernkissen oder aber eine heiße Dusche. Letztere sollte mit einer pH-neutralen Waschlotion oder einer speziellen Intimwaschlotion für Blasenerkrankungen erfolgen.

Eine gesteigerte Intimhygiene ist bei einer Blasenruptur generell zu empfehlen. Bei kleineren Rissen kann das Tragen einer Erwachsenenwindel sinnvoll sein. Außerdem sollte reizarme Unterwäsche getragen werden, um eine weitere Reizung des Intimbereichs und speziell der Blase zu vermeiden. Generell sollten weitere Blasenerkrankungen wie etwa eine Blasen- oder Harnröhrenentzündung vermieden werden. Dadurch und durch eine frühzeitig ärztliche Abklärung lässt sich bei einer Blasenruptur ein schwerer Verlauf und weitere Komplikationen verhindern.

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Quellen

  • Hahn, J.-M.: Checkliste Innere Medizin. Thieme, Stuttgart 2013
  • Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag, Köln 2016
  • Ziegenfuß, T.: Notfallmedizin. Springer, Heidelberg 2011

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