Blasenmole

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 4. Dezember 2017
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Die Blasenmole stellt eine schwerwiegende Komplikation in der Schwangerschaft dar. Aufgrund eines Fehlers bei der Befruchtung kommt es zu einem starken Wachstum der Chorionzotten, ohne dass sich ein vollständiger Embryo entwickelt. Die Schwangerschaft muss mittels eines kleinen operativen Eingriffs beendet werden.

Inhaltsverzeichnis

Was ist eine Blasenmole?

Als Blasenmole wird ein Fehlwachstum der Chorionzotten der weiblichen Plazenta bezeichnet. Grund dieser Störung ist ein Fehler bei der Befruchtung. Die Plazentazotten werden mit Einschmelzung des umgebenden Bindegewebes blasenartig umgewandelt. Der Trophoplast unterliegt einem gesteigerten Wachstum.

Es gibt zwei Typen von Blasenmolen. In 90 Prozent der Fälle entwickelt sich eine teilweise und in 10 Prozent der Fälle eine vollständige Blasenmole. Bei der vollständigen Form bildet sich kein Embryo aus, während bei der teilweisen Blasenmole Ansätze der Entwicklung eines Embryos zu erkennen sind. Blasenmolen sind Zellwucherungen des Plazentagewebes, die aber in der Regel nicht krebsartig entartet sind.

Sie können jedoch invasiv in den umgebenden Raum einwachsen. In seltenen Fällen kann sich jedoch ein sogenanntes Chorionkarzinom entwickeln. Phänomenologisch erscheinen die Übergänge zwischen einer invasiven Blasenmole und einem krebsartigen Wachstum nur fließend und sind in der Literatur nicht einheitlich beschrieben.

Ursache

Die Ursache einer Blasenmole liegt in einer fehlerhaften Befruchtung. Bei der vollständigen Form fehlt der weibliche Chromosomensatz vollständig. Wie die weibliche Erbinformation verloren geht, ist noch nicht vollständig geklärt. So kann eine kernlose Eizelle mit zwei Spermien oder mit einem sich teilenden Spermium befruchtet werden. Möglicherweise geht aber der weibliche Chromosomensatz nachträglich durch eine fehlerhafte Teilung des männlichen Chromosomensatzes verloren.

Die partielle Blasenmole entwickelt sich aus einer triploiden befruchteten Eizelle mit einem weiblichen Chromosomensatz und zwei männlichen Chromosomensätzen. Hier wird eine Eizelle entweder mit zwei Spermien oder mit einem sich teilenden Spermium befruchtet. Bei der vollständigen Blasenmole kann sich kein Embryo entwickeln, da bei der doppelten Anlage die Gene des väterlichen Chromosomensatzes durch Imprinting vollständig inaktiviert sind. Der weibliche homologe Chromosomensatz fehlt aber. In der Folge entwickelt sich nur Trophoplastgewebe. Bei der partiellen Blasenmole kann sich jedoch zusätzlich zum Trophoplastgewebe embryonales Gewebe ausbilden.

Symptome, Anzeichen & Beschwerden

Eine Blasenmolen-Schwangerschaft zeigt anfangs alle normalen Anzeichen einer Schwangerschaft. Ab der sechsten Schwangerschaftswoche kann es jedoch zu Blutungen kommen. Die Blutungen können auch noch später auftreten. Bei einer vollständigen Blasenmole findet normalerweise schon frühzeitig ein Abort statt. Sollte es jedoch nicht dazu kommen, treten als weitere Symptome Übelkeit, Erbrechen und Schwindel auf.

Der Bauch schwillt an, weil die Plazenta schnell wächst und sich die Gebärmutter ausdehnt. Die Werte des Schwangerschaftshormons „humanes Choriongonadotropin (hCG)“ steigen aufgrund der schnell wachsenden Plazenta steil an. Eine partielle Blasenmole ist jedoch nicht so einfach zu erkennen. Die klinischen Symptome sind nicht so auffällig und ein möglicher Abort findet etwas später in der Zeit vom vierten bis zum sechsten Monat der Schwangerschaft statt.

Diagnose & Krankheitsverlauf

Zur Diagnostik einer Blasenmole wird zunächst der Wert des humanen Choriongonadotropins (hCG) bestimmt. Steigen neben ungewöhnlichen und heftigen Schwangerschaftsbeschwerden die hCG-Werte rasant an, besteht der Verdacht auf eine Blasenmole. Auch der stark anschwellende Bauch deutet auf diesen Befund hin.

Bildgebende Verfahren, wie die Sonografie, können die Untersuchung unterstützen. Vollständige Blasenmolen sind gewöhnlich durch Ultraschalluntersuchungen gut erkennbar. Allerdings sind partielle Blasenmolen nicht so leicht zu diagnostizieren. Hier kann auch bei einer Ultraschalluntersuchung nichts gesehen werden.

In diesem Fall müssen zytogenetische Analysen durchgeführt werden. Dabei wird eine Gewebeprobe entnommen und genetisch untersucht. Werden nur männliche Chromosomensätze gefunden, besteht eine vollständige Blasenmole. Bei einer triploiden Zelle mit einem weiblichen Chromosomensatz und zwei männlichen Chromosomensätzen liegt eine partielle Blasenmole vor.

Komplikationen

In Folge einer Blasenmole können verschiedene Komplikationen auftreten. Zunächst muss die Schwangerschaft abgebrochen werden, was für die betroffenen Frauen zumeist mit emotionalem und psychischen Stress verbunden ist. In einem Drittel der Fälle entwickeln sich aus einer Blasenmole Zysten an den Eierstöcken.

Dadurch kann es zu starken Schmerzen im Unterleib, Zyklusstörungen und Verdauungsbeschwerden kommen. Eher selten kommt es zu einer Ruptur einer Zyste, in deren Folge Infektionen und Blutungen im Bereich des Unterleibes oder zu einem Kreislaufschock auftreten. Verdrehen sich die Zysten, entsteht eine sogenannte Stilverdrehung, die zu einer Bauchfellentzündung und in der Folge zu weiteren Komplikationen führen kann.

Bei der operativen Behandlung einer Blasenmole besteht ein erhöhtes Risiko für Blutungen und Verletzungen des Gebärmutterhalses. Oft bleiben außerdem Reste der Blasenmole bestehen, welche sich noch Jahre später entzünden können und eine erneute Ausschabung notwendig machen. Auch bei einer erfolgreichen Therapie ist die Chance schwanger zu werden reduziert.

Kommt es zu schweren Komplikationen wie dem Polyzistischen Ovarsyndrom, ist die Fruchtbarkeit mitunter dauerhaft eingeschränkt. In Folge einer Blasenmole kann es zu langfristigen Zyklusstörungen oder dem gänzlichen Ausbleiben der Regelblutung kommen.

Wann sollte man zum Arzt gehen?

Bei dieser Beschwerde muss auf jeden Fall ein Arzt aufgesucht werden. Da in der Regel die Schwangerschaft durch die Fehlentwicklung abgebrochen wird, muss in vielen Fällen auch ein Psychologe zurate gezogen werden, falls die Patientin und ihr Partner an psychischen Beschwerden oder an Depressionen erkranken. Ein Arzt muss dann aufgesucht werden, wenn es trotz Schwangerschaft zu Blutungen kommt. Diese treten in den meisten Fällen nach der sechsten Schwangerschaftswoche auf. Weiterhin können auch dauerhafte Schwindelgefühle oder ein allgemeines Unwohlsein auf die Krankheit hindeuten, sodass eine Untersuchung durch einen Arzt notwendig ist.

Auch die Ausdehnung und Vergrößerung der Gebärmutter stellt ein häufiges Symptom dar, sodass auch dabei der Besuch bei einem Arzt notwendig ist. Bei akuten Schmerzen oder in Notfällen sollte ein Notarzt gerufen oder das Krankenhaus aufgesucht werden. Weiterhin kann die Krankheit auch von einem Frauenarzt diagnostiziert werden. Dieser kann auch den entsprechenden Abort durchführen. Für die Frau ergeben sich bei einer erfolgreichen Behandlung in der Regel keine besonderen Komplikationen.

Behandlung & Therapie

Eine Blasenmole muss nach Feststellung operativ über eine Saugkürettage entfernt werden. Dabei wird der Gebärmutterhals erweitert und das Gewebe sanft abgesaugt. Manchmal ist ein zweiter Eingriff erforderlich, weil beim ersten Mal nicht alles Blasenmolengewebe erfasst wurde. Weiterhin werden Medikamente verabreicht, die das restliche Gewebe abstoßen sollen. Diese Medikamente gibt es in Form von Tabletten, Gels oder Vaginalzäpfchen.

Auch nach der Behandlung muss die Entwicklung der Blasenmole noch längere Zeit kontrolliert werden. Wenn nämlich einzelne Zellen zurückbleiben, kann es nach einer gewissen Zeit zu einem erneuten Wachstum kommen. Bis zu sechs Monaten sollte der Wert des Schwangerschaftshormons untersucht werden. Niedrige Werte zeigen die vollständige Entfernung der Blasenmole an.

Steigen die Werte jedoch wieder an, ist eventuell eine erneute Operation notwendig. Denn gelegentlich wächst die Blasenmole in den Uterusmuskel ein. In diesem Fall kann durch eine Saugkürettage nicht das gesamte Gewebe erfasst werden. Anzeichen dafür sind trotz Behandlung ständige Blutungen. Bei den invasiven Formen der Blasenmole kann nur die Chemotherapie eine vollständige Heilung bringen.

Da das Gewebe in der Regel nicht bösartig entartet ist, bestehen sehr gute Heilungschancen. In seltenen Fällen entwickelt sich jedoch ein bösartiges Chorionkarzinom, was intensiverer Behandlung und Überwachung bedarf. Allerdings bestehen auch bei einer malignen Entartung der Blasenmole gute Heilungschancen durch eine Chemotherapie.

Aussicht & Prognose

Die Prognose einer Blasenmole ist abhängig von den individuellen Gegebenheiten. Bei einem optimalen Verlauf und ohne weitere Komplikationen kann mit einem Korrektureingriff eine dauerhafte Heilung erfolgen.

Mit einem weniger günstigen Verlauf droht der werdenden Mutter ein Schwangerschaftsabbruch. In sehr schweren Fällen kann anschließend eine dauerhafte Unfruchtbarkeit der Frau eintreten. Ohne eine medizinische Versorgung kommt es zu einem Abort. Meist verliert die schwangere Frau ihr Baby innerhalb der ersten Schwangerschaftswochen und erleidet zudem starke emotionale und psychische Probleme.

Mit einer Behandlung vergrößern sich die Chancen auf eine Heilung immens. In einem Eingriff wird das veränderte Gewebe sorgfältig entfernt. Bei diesem Eingriff ist höchste Präzision und Fingerspitzengefühl gefragt. Komplikationen führen zu Schäden des ungeborenen Kindes oder dem sofortigen Verlust des Kindes. Anschließend sind im weitere Schwangerschaftsverlauf regelmäßige Kontrolluntersuchungen notwendig. Dabei wird die Gebärmutter auf mögliche Veränderungen überprüft.

In einigen Fällen kommt es zu einem erneuten Wachstum des Gewebes und ein Rückfall der Blasenmole tritt ein. Um das Überleben des Kindes zu sichern ist ein erneuter Eingriff notwendig, der abermals mit großen Herausforderungen und Risiken für einen Schwangerschaftsabbruch verbunden ist. Kommt es während des Eingriffs zu Komplikationen und einem Abort können die Schäden an der Gebärmutter derart immens sein, dass eine Unfruchtbarkeit eintritt.

Vorbeugung

Eine Vorbeugung vor einer Blasenmole ist leider nicht möglich, weil ihre Entstehung durch einen Fehler bei der Befruchtung verursacht wird. Eine weitere Schwangerschaft ist wieder möglich. Allerdings sollte sich eine erneute Schwangerschaft nicht sofort nach einer überstandenen Blasenmole anschließen, sondern erst nach ihrer vollständigen Ausheilung.

Das können Sie selbst tun

Patientinnen mit Blasenmole unterziehen sich üblicherweise rasch nach der Diagnose der Erkrankung einem operativen Eingriff, bei dem die Entfernung der Fehlbildung mittels Saugkürettage im Vordergrund steht. Die Operation geht normalerweise mit einem Verlust des Embryos und somit einem Abbruch der Schwangerschaft einher. Die betroffenen Frauen sind daher sowohl mit körperlichen als auch seelischen Problemen konfrontiert. Selbsthilfemaßnahmen sind teilweise möglich, allerdings nur in Absprache mit dem behandelnden Ärzteteam.

Nach der Operation gönnen sich die Erkrankten körperliche Ruhe, verzichten auf Sport und übermäßige Bewegung. In manchen Fällen ist ein stationärer Aufenthalt sinnvoll. Verordnete Medikamente sind stets pünktlich einzunehmen, wobei die Patienten vermehrt auf mögliche Nebenwirkungen achten. Eine kontinuierliche Nachkontrolle ist von hoher Relevanz, da in seltenen Fällen weitere Fehlbildungen auftreten.

Da insbesondere der mit der Blasenmole einhergehende Schwangerschaftsabbruch mit einer hohen psychischen Belastung verbunden ist, versuchen die Patienten, weiteren Stress zu vermeiden und sich auszuruhen. Nach Möglichkeit gönnen sich die Patienten einige Tage lang eine Auszeit und unterstützen Körper und Psyche bei der Regeneration nach dem chirurgischen Eingriff. Ist die emotionale Beeinträchtigung zu groß, suchen sich betroffene Frauen Hilfe bei einem Psychotherapeuten. Dadurch verringert sich das Risiko langfristiger seelischer Folgeschäden und Depressionen.

Bücher über Geburt & Entbindung

Quellen

  • Goerke, K., Steller, J., Valet, A.: Klinikleitfaden Gynäkologie. Urban & Fischer, München 2003
  • Rath, W., Gembruch, U., Schmidt, S. (Hrsg.): Geburtshilfe und Perinatologie: Pränataldiagnostik - Erkrankungen - Entbindung. Thieme, Stuttgart 2010
  • Stauber, M., Weyerstrahl, T.: Gynäkologie und Geburtshilfe. Thieme, Stuttgart 2013

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