Birt-Hogg-Dube-Syndrom

Medizinische Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher (Facharzt für innere Medizin) am 13. Oktober 2016
Symptomat.deKrankheiten Birt-Hogg-Dube-Syndrom

Das Birt-Hogg-Dube-Syndrom ist eine autosomal-dominante Erberkrankung, die auf Mutationen im FLCN-Gen basiert. Die Patienten leiden an multiplen Hautläsionen, Lungenzysten und Nierentumoren. Die Behandlung beschränkt sich auf die symptomatische Resektion und gegebenenfalls Nachbehandlung der Tumore.

Inhaltsverzeichnis

Was ist das Birt-Hogg-Dube-Syndrom?

Erbkrankheiten sind Erkrankungen, die durch Mutation oder mehrere Mutationen in einem oder verschiedenen Genen verursacht werden und genetische Dispositionen prägen. Einige Erberkrankungen treten nicht nur in bestimmten Erbgängen, sondern auch spontan auf. In die Gruppe der Erberkrankungen fällt das Birt-Hogg-Dube-Syndrom.

Die Krankheit ist auch als Hornstein–Knickenberg-Syndrom oder Fibrofollikulomie mit Trichodiskomen und Akrochordonen bekannt. Benannt ist die Erkrankung nach ihren drei Erstbeschreibern, den kanadischen Ärzten Birt, Dogg und Dube. Schätzungen zufolge liegt die Prävalenz des Birt-Hogg-Dube-Syndroms bei einem bis neun Fällen auf 1 000 000 Menschen.

Neben Hautläsionen zählen Nierentumore und Lungenzysten zu der Krankheitssymptomatik. In der Regel liegt das Manifestationsalter im Erwachsenenalter. Obwohl die Erstbeschreibung der Erkrankung im Jahr 1977 erfolgte und seither von nur 100 bis 400 Familienfällen berichtet wurde, sind die Ursachen für das Birt-Hogg-Dube-Syndrom mittlerweile relativ gut erforscht.

Ursachen

Für das BHD wird ein autosomal-dominanter Erbgang beobachtet. Familiäre Häufung wurde in mehr als 100 Familien dokumentiert. Die einzelnen Familien zeigten unterschiedliche Varianten des Syndroms. Diese Beobachtung begründet den Verdacht auf ein familienintern geprägtes, klinisches Bild. Als genetische Ursache des BHD kommen verschiedene Mutationen in Betracht.

Einige Forscher halten beispielsweise Mutationen im FLCN-Gen auf Gen-Locus 17p11.2 für eine mögliche Hauptursache. Dieses Gen kodiert innerhalb der DNA für Folliculin. Die Funktion dieser Substanz ist bislang nicht bekannt. Spekulationen zufolge stellt das weitestgehend unerforschte Protein allerdings einen Teil der mTOR- oder Mammalian-Target-Of-Rapamycin-Signalkette dar.

Zusätzlich zu Folliculin könnten auch andere Proteine in einer Beziehung zu etwaigen Hamartom-Syndromen für das Syndrom relevant sein. Zumindest für die Entwicklung der symptomatischen Nierentumore und den damit assoziierten Veränderungen scheinen Mutationen im Gen-Locus 17p11.2 allerdings Sinn zu machen.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Patienten mit Birt-Hogg-Dube-Syndrom leiden an Hautläsionen, Lungenzysten und Nierentumoren. Die Nierentumore können benignen Onkozytomen, bösartig chromophoben und klarzelligen sowie papillären Nierenzellkarzinomen entsprechen. Auch gemischte Nierentumore kommen im Rahmen der Symptomatik in Frage.

Auf der Haut treten Fibrofollikulome mit umschriebener Proliferation der Fibroblasten auf. Ansammlungen von Kollagen werden um das Haarfollikel herum beobachtet. Teils reichen basaloide Zellen ins umliegend fibromuzinöse Stroma. Hautläsionen wie Trichdiscome oder Akrochordone können ebenfalls charakteristisch sein. In den meisten Fällen treten die dermatologischen Symptome des Syndroms erst zwischen dem dritten und vierten Lebensjahrzehnt ein und bleiben später dauerhaft bestehen.

Oft bilden sich die Nierentumore später als die Hautläsionen. Die Lungenzysten der Patienten weisen zystische Erweiterungen der Alveolar-Räume auf und können sowohl mikroskopischen Herden entsprechen, als auch Durchmesser von mehreren Millimetern annehmen. Die Zysten sind wirken dünnwandig und sind mit Epithel ausgestattet. Durch den Inhalationsdruck können sie reißen und Pneumothorax hervorrufen.

Diagnose & Krankheitsverlauf

Die Diagnose des Birt-Hogg-Dube-Syndroms orientiert sich an der klinisch typischen Manifestation und den Befunden der Histologie. Auch eine Familienanamnese kann erste Hinweise auf das Syndrom liefern. Ein molekulargenetischer Mutationsnachweis im FLCN-Gen kann die Diagnose absichern und Differentialdiagnosen wie fest multiple Papeln ausschließen.

Im Rahmen der Diagnostik erfolgt eine nähere Bestimmung der multiplen Läsionen. Solche epithelialer Herkunft werden von Veränderungen mesodermaler und gemischter Herkunft abgegrenzt. Die Prognose hängt für Patienten mit Birt-Hogg-Dube-Syndrom vor allem von der Schwere der Ausprägung ab. Die Beteiligung innerer Organe ist prognostisch ebenso entscheidend wie die Art des Nierentumors.

Behandlung & Therapie

Die Ursachen des Birt-Hogg-Dube-Syndroms sind zwar relativ gut geklärt, allerdings ist die Rolle des defekten Proteins bisher eher unklar. Eine kausale Therapie steht den Patienten nicht zur Verfügung. Da es sich bei dem Syndrom um einen genetischen Defekt handelt, könnten Fortschritte in der Gentherapie in den nächsten Jahrzehnten ursächliche Behandlungsansätze eröffnen.

Bislang hat die Gentherapie das klinische Stadium allerdings nicht erreicht. Deshalb werden Patienten mit BHD zum gegenwärtigen Zeitpunkt mehr oder weniger symptomatisch behandelt. Die einzelnen Therapieschritte hängen damit von der Ausprägung der Erkrankung und den vorliegenden Symptomen im Einzelfall ab. Als supportiver Schritt wird den betroffenen Patienten eine genetische Beratung angeboten, die gegebenenfalls molekulare Analysen umfasst.

Die dermatologischen Manifestationen des Syndroms werden abhängig vom Einzelfall therapiert. Eine spezifische Behandlung existiert für die Hautläsionen nicht. In einigen Fällen ist eine Resektion die Therapie der Wahl. Solitär auftretende und perifollikuläre Fibrome müssen zum Beispiel mittels invasiver Verfahren behandelt werden. Diese invasiven Verfahren entsprechen einer chirurgisch möglichst vollständigen Entfernung der Läsion.

Im Einzelfall kommen Anwendungen wie Dermabrasion oder Elektro-Desikkation in Frage. In vielen Fällen besteht für die Hautläsionen ein hohes Rezidiv-Risiko. Daher wird eine regelmäßige Kontrolle durch den Dermatologen empfohlen. Darüber hinaus sollen Patienten mit dem Syndrom regelmäßig auf etwaige Veränderungen im Bereich der Lungen, der Nieren und des Magen-Darm-Trakts kontrolliert werden.

Bei der Entfernung von eventuell auftretenden Nierentumoren wird in der Regel nicht die gesamte Niere entfernt. Da die Betroffenen ein erhöhtes Lungenkrebsrisiko besitzen, wird ihnen vom Rauchen dringend abgeraten.




Vorbeugung

Dem Birt-Hogg-Dube-Syndrom lässt sich bisher nur durch genetische Beratung in der Phase der Familienplanung vorbeugen. Bei entsprechenden Befunden können sich Paare gegebenenfalls gegen eigene Kinder entscheiden und stattdessen Adoptionen veranlassen.

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