Bingelkraut

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 29. November 2016
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Das zur Pflanzengattung Mercurialis gehörende Bingelkraut wurde nach dem römischen Gott Merkur benannt, der die heilende Wirkung des Krauts als erster erkannt haben soll. In der Antike war das Bingelkraut als Abführ- und Hustenmittel bekannt. Von den Schülern des berühmten Arztes Hippokrates wurden es zur Linderung von Frauenkrankheiten eingesetzt. Auch die Kräuterbücher des Mittelalters bezeugen seine Wirksamkeit bei der Behandlung verschiedener Leiden. Heute wird die Heilpflanze nur noch selten angewandt.

Inhaltsverzeichnis

Vorkommen & Anbau des Bingelkrauts

Zur Pflanzengattung Bingelkräuter (Mercurialis) gehören 8 bis 10 Arten. Das Bingelkraut gehört zur Pflanzenfamilie der Wolfsmilchgewächse (Euphorbiaceae). Die auch Hundskohl und Wintergrün genannte anspruchslose Pflanze ist ein Unkraut, das sich schnell verbreitet und auch unwirtliche Orte besiedelt. Die meisten Bingelkraut Arten sind ein- oder mehrjährige krautige Pflanzen, die durchschnittlich 40 Zentimeter hoch werden.

Ihre gezähnten und am Rand welligen Laubblätter sind eiförmig bis lanzettlich und stehen gegenständig am vierkantigen Stängel. Bei den meisten Bingelkräutern wachsen weibliche und männliche Blüten auf getrennten Pflanzen. Bingelkraut bildet unscheinbare grünlich-gelbe Blüten. Aus den weiblichen entstehen später die stachelig-haarigen Fruchtkapseln, die je zwei Samen enthalten. Das Bingelkraut blüht im August/September. Wer es pflücken möchte, schneidet es am besten einen Zentimeter über dem Boden ab und trocknet es umgehend an einem schattigen Ort.

Am effizientesten ist die Heilpflanze, wenn ihre Kapseln reif sind. In zu großen Mengen gefressen, kann Bingelkraut für Weide-Tiere giftig sein.

Dabei verfärbt sich das Kraut rot-bläulich. Frisches Kraut sollte niemals als Heilmittel eingesetzt werden, da es leichte Vergiftungserscheinungen hervorrufen kann. In getrocknetem Zustand hat das Bingelkraut einen unangenehmen Geruch. Zum Wildkräuter-Salat verkocht, schmeckt es scharf. Obwohl die Heilpflanze zu den Wolfsmilchgewächsen gehört, enthält sie keinen Milchsaft und ist auch nicht giftig.

Als Heilkräuter verwendet werden nur das Einjährige und das Wald-Bingelkraut. Die Pflanze ist über den gesamten Mittelmeerraum verbreitet und kommt in einigen Arten nur in Mitteleuropa, Eurasien und Nordafrika vor. Die robusten Pflanzen lieben schattige Standorte mit lockerem, nährstoffreichem Boden (Gärten, Felder, Wegränder, Laub und Nadelwälder).

Wirkung & Anwendung

Bingelkräuter enthalten ätherische Öle, Saponine, Bitterstoffe, Amine, Methylamin, Trimethylamin, Gerbsäure, Schleimstoffe, Glykoside und den Farbstoff Hermidin. Medizinisch am wirksamsten sind die Saponine. Um seine Verstopfung zu beseitigen, trinkt der Betroffene mehrere Tage hintereinander Bingelkraut Tee. Nach drei Tagen sollte er jedoch mit der Kurz-Kur aufhören, da es sonst zu Elektrolytmangel kommen kann. Bei rheumatischen Beschwerden und Gicht empfiehlt sich eine einwöchige Tee Kur.

Außerdem hat das alte Heilkraut noch eine harntreibende, schleimlösende und entzündungshemmende Wirkung. Bingelkraut wird innerlich und äußerlich angewandt. Die häufigste Darreichungsform ist der Arzneitee. Dazu erhitzt der Patient einen Teelöffel des getrockneten Krauts mit einer Tasse Wasser. Er lässt den Tee fünf bis zehn Minuten ziehen und seiht ihn dann ab. Dann trinkt er davon ein bis zwei Tassen täglich. Mit Bingelkraut Tee werden auch Umschläge, Waschungen und Teilbäder hergestellt, die äußerlich eingesetzt werden, beispielsweise zur Behandlung von Ekzemen und Hauteiterungen.

Die Wundheilung fördern auch Salben mit Bingelkraut. Seine entzündungshemmende Wirkung beweist es auch in Augentropfen: Es hilft bei trockener Bindehautentzündung und regt den Tränenfluss an. Am effizientesten ist die Heilpflanze, wenn ihre Kapseln reif sind. In zu großen Mengen gefressen, kann Bingelkraut für Weide-Tiere giftig sein. Setzt der Patient versehentlich eine zu hohe Dosis ein, können Tremor, Durchfall, starker Speichelfluss, schwankende Körpertemperatur und Blaufärbung des Harns auftreten. Die Pollen des Gewächses können Allergien auslösen.

Bedeutung für die Gesundheit, Behandlung & Vorbeugung

Die mittelalterliche Medizin schätzte die stoffwechselstärkende Wirkung des Bingelkrauts. Außerdem wurde es zur Behandlung von „Melancholie“ (depressiven Verstimmungen) und Wetterfühligkeit eingesetzt. In Hexensalben gemischt, sollte es Personen narkotisieren und aphrodisierend wirken. Seine stimmungsaufhellende Wirkung kommt durch die Saponine zustande.

Sie beeinflussen das limbische System und bewirken die erhöhte Ausschüttung von Endorphinen. Seine schleimlösende Wirkung macht sich die Naturheilkunde zunutze, indem sie Bingelkraut zur Behandlung von Husten und Bronchitis verwendet. Die Krankheitserreger werden ausgehustet und können den Körper nicht mehr belasten. Da die Pflanze außerdem noch harntreibend ist, sorgt sie für das Abschwellen von Ödemen an den Füßen und schwemmt bei rheumatischen Erkrankungen und Gicht die belastenden entzündlichen Erreger aus.

Die entzündungshemmenden Eigenschaften des Bingelkrauts nutzt die Naturheilkunde sogar zur Behandlung von entzündeten Brustwarzen, wie sie bei Stillenden häufiger vorkommen. Möchten Stillende abstillen, so können sie mit der Einnahme von Bingelkraut Mitteln ihren Milchfluss versiegen lassen. Da das vielseitig heilende Unkraut auch den Appetit fördert - das geschieht ebenfalls über die Stimulation des limbischen Systems - kann es anorektischen Patienten helfen, wieder normal zu essen.

Außerdem fördert es die Heilung offener eitriger Wunden und entzündeter Verletzungen. Bei Frauen reguliert es den gestörten weiblichen Menstruationszyklus (Amenorrhoe, zu schwache Monatsblutung) und lindert Monatsblutungsbeschwerden. In der Homöopathie wird es als Teep (Frisch-Pflanzen-Verreibung) verordnet (ein bis zwei Tabletten mehrmals täglich). Teep wird aus der frischen wurzellosen Pflanze des Einjährigen Bingelkrauts gewonnen, die zu Beginn ihrer Blüte geerntet wird.

Damit und mit der D 2 Dilution werden rheumatische Beschwerden, die zusammen mit einer Herzbeutelentzündung und mit Magen-Darm-Blasen-Problemen auftreten, behandelt. Mercurialis wird außerdem in der Syphilis- und Tripper-Therapie eingesetzt. Die darin enthaltenen Saponine unterstützen Arsen- und Quecksilber Kuren und wirken Lymphknoten abschwellend. Außerdem entlasten die Bingelkraut Wirkstoffe die Leber und helfen bei Erschöpfungszuständen.

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