Bindungsstörung

Medizinische Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher (Facharzt für innere Medizin) am 13. Oktober 2016
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Immer mehr Menschen wollen keine fixe und längerfristige Bindung eingehen. Wenn die erste Verliebtheit verschwindet und unliebsame Eigenschaften des Partners zu Tage treten, flüchten viele wieder ins Single-Dasein. Bindungsstörung ist ein typisches Charakteristikum der heutigen Gesellschaft. Sind deshalb die meisten Singles beziehungsgestört?

Inhaltsverzeichnis

Was ist eine Bindungsstörung?

Eine Störung ist noch lange keine Krankheit. Erst wenn die betroffenen Personen unter ihren Einschränkungen leiden, kann von einer pathologischen Störung gesprochen werden. Menschen, die Bindungen eingehen möchten, aber nicht können, leiden unter einer Bindungsstörung.

Alle anderen sind vielleicht einfach nur ängstlich, also sei hier Vorsicht geboten beim Etikettieren von vermeintlich bindungsgestörten Menschen. Bindungsstörungen sind laut der psychologischen Lehre meist im Kindesalter begründet und werden in zwei verschiedenen Formen diagnostiziert: Die reaktive Bindungsstörung im Kindesalter und die Bindungsstörung in enthemmter Form.

  • Erstere ist definiert durch multiple Ängste, Aggressionen gegen sich selbst und andere, also durch soziale Störungen und emotionale Auffälligkeiten.
  • Zweitere zeigt sich durch aufmerksamkeitsheischendes Verhalten und Anklammerung der Kinder an ihre Bezugspersonen, aber meistens nicht durch emotionale Auffälligkeiten. Beinahe immer finden sich die Ursachen für Bindungsstörung in der frühesten und frühen Kindheit.

Ursachen

In extremen Fällen kann eine Bindungsstörung von einer Frühgeburt oder von Traumata im Mutterleib (beispielsweise Drogensucht der Mutter) ausgelöst werden. Fast immer jedoch ist die Ursache eine starke Vernachlässigung des Kindes in den ersten drei Lebensjahren. Gründe können sein, dass sich die Mutter aufgrund psychischer Probleme nicht um das Kind kümmern kann.

Auch ein häufiger Wechsel der Pflegepersonen, der Tod der Eltern oder Verlust der Pflegepersonen, lange Krankenhausaufenthalte, Aufenthalte in Heimen oder sexueller Missbrauch können dies begründen. Generell lässt sich sagen, dass 70 Prozent aller Kinder sichere Bindungen haben. Von den übrig bleibenden 30 Prozent haben viele eine unsichere Bindung zu ihren wichtigsten Bezugspersonen.

Dies bedeutet für sie eine höhere Wahrscheinlichkeit, aber nicht mit Sicherheit an einer Bindungs- oder anderen psychischen Störung zu erkranken. Kinder mit sicheren Bindungen haben später keine Angst, selber Bindungen – auch wenn sie risikobehaftet sind – einzugehen und ein echter Bindungspartner in einer Partnerschaft zu sein.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Kinder mit Bindungsstörung leiden an Ängsten, sind übervorsichtig und unglücklich, sie haben selten Beziehungen zu Gleichaltrigen, spielen kaum und sind nicht richtig sozialisiert. Bindungsstörung bei Erwachsenen entwickelt sich meist aus einer kindlichen Form der Bindungsstörung. Erwachsene, die gerne einmal eine kurzzeitige Beziehung zulassen, sich dann schnell zurückziehen und weglaufen, sind noch lange nicht bindungsgestört.

Dies gilt erst, wenn sie sich eine Bindung ersehnen, aber keine Intimität zulassen können. Bindungsgestörte Menschen haben keine Wahl, ob sie eine Beziehung zu einem anderen Menschen haben, wollen oder nicht. Es wird zwischen verschiedenen Bindungsmustern unterschieden. Am problematischsten ist das der desorganisiert Gebundenen. Diese konnten bereits in der Kindheit keine Bindung zu Bezugspersonen aufbauen, glauben demnach nicht an emotionale Sicherheit und zeigen keine Bedürfnisse.

Sie wirken indifferent und können auch auf ihren Partner nicht eingehen. Erwachsene leiden an BS, wenn mehrere der folgenden Symptome zutreffen: Wunsch nach Kontrolle, Unfähigkeit Liebe und Führung zu akzeptieren, starker unerklärbarer Zorn und feindseliges Verhalten, fehlende Empathie und fehlendes Vertrauen, Angst vor Verantwortung. Gefühle der Verwirrung, der Angst und der Traurigkeit kommen meist hinzu.

Diagnose & Krankheitsverlauf

Um die Störung richtig zu diagnostizieren, müssen Autismus, das Asperger-Syndrom, Behinderungen und schizophrene Störungen ausgeschlossen werden. Bei Bindungsstörungen ist im Gegensatz zu anderen psychosozialen Störungen das Sprachvermögen normal, die Intelligenz nicht vermindert und keine Wahnvorstellungen vorhanden.

Auch wenn eine reaktive Bindungsstörung bei einem Erwachsenen bisher nicht erkennbar war, kann sie durch ein traumatisches Ereignis, das ihn oder sie in seinem oder ihrem Erwachsenenalter trifft, aus dem Kindesalter reaktiviert werden. Unbewusst oder bewusst beschließt die betroffene Person, keine schmerzhaften Bindungen mehr einzugehen.

Bei Erwachsenen ist die Enddiagnose Fachleuten nach Führung mehrerer Gespräche vorbehalten. Wichtig ist zu wissen: Nicht jeder bindungsunwillige Mensch ist bindungsgestört!

Behandlung & Therapie

Eine Bindungsstörung kann sich im Laufe des Lebens verschlechtern, wenn etwa die wichtigste Bezugsperson verschwindet oder stirbt, oder wenn es zu einem verletzenden Betrug kommt. Sie kann sich aber durch eine heilsame Beziehung oder Therapie auch bessern. Für Kinder ist die einzige Therapieform ein gleichbleibendes Umfeld.

Dies darf sich, egal welche Entwicklungsschritte das Kind macht, nicht mehr ändern, um eventuelle Erfolge nicht zu gefährden. Liebevoller, verständnisvoller Umgang ist wichtiger als jede Psychotherapie. Eventuell kann das Kind einer Spieltherapie unterzogen werden. Am wichtigsten ist, dass das Kind lernt, Vertrauen aufzubauen.

Oft brauchen die Pflegepersonen den Rat und die Unterstützung von Experten. Im Extremfall müssen dem Kind Medikamente verabreicht werden, um die Aggressionen gegen sich selbst in den Griff zu bekommen. Bei Erwachsenen ist eine Psychotherapie unbedingt angeraten. Um diese erfolgreich zu bewältigen, ist ein Blick in die eigene Biografie nötig: Viele Menschen verdrängen eine lieblose, beziehungslose Kindheit, weil es zu sehr schmerzt, sich damit zu beschäftigen.

Sie werfen Beziehungen, die sie fordern, sofort weg oder drohen mit Beendigung der Beziehung, wenn von ihnen direkt etwas gefordert wird. So müssen Betroffene lernen, sehr kritisch zu sich selbst zu sein und Schritt für Schritt mit Hilfe der Therapeuten andere Aktionen als Resignation anzuwenden.




Vorbeugung

Die eigentliche Vorbeugung liegt in der Kindheit. Unsere Gesellschaft muss unseren Kindern Liebe und Beziehung vorleben. Ein Kind braucht ein stabiles Umfeld. Das heißt aber nicht, dass Kinder aus Scheidungen, aus Heimen, aus traumatischen Schwangerschaften oder Waisen unbedingt bindungsgestört werden.

Es muss nur für jedes Kind wenigstens eine Beziehungsperson da sein, die es unter keinen Umständen verlässt, im Idealfall ein Elternteil, aber auch eine Tante oder ein Großvater können diese Rolle übernehmen. Allen, die nicht so viel Glück hatten und deshalb Bindungsstörungen aufgebaut haben, sei ans Herz gelegt, dass alles fließt. Nichts ist endgültig und alles kann zum Besseren bekehrt werden.

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