Bielschowsky-Kopfneigetest

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 5. Oktober 2017
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Eine Läsion des Nervus trochlearis kann eine Trochlearisparese hervorrufen. Um eine solche Lähmung des Nervus trochlearis und des Musculus obliquus superior zu diagnostizieren, wendet der Arzt den Bielschowsky-Kopfneigetest an. Anders als viele andere Diagnoseverfahren hat der Test weder Risiken, noch Nebenwirkungen.

Inhaltsverzeichnis

Was ist der Bielschowsky-Kopfneigetest?

Bei der sogenannten Trochlearisparese leidet der Patient an einer Läsion des Nervus trochlearis. Dabei handelt es sich um den vierten Hirnnerv, dessen Läsion eine vollständige Lähmung oder eine Parese des Musculus obliquus superior zur Folge haben kann. Bei diesem Muskel handelt es sich um den schräg oberen Augenmuskel, der ausschließlich motorische Fasern des Nervus trochlearis enthält.

Trochlearisparesen können eine oder beide Seiten des Kopfes betreffen. Um sie zu diagnostizieren, macht der Arzt vom sogenannten Bielschowsky-Kopfneigetest Gebrauch. Demzufolge ist der Kopfneigetest ein diagnostisches Verfahren, das spezifisch für die Diagnostizierung oder den Ausschluss von Läsionen des Nervus trochlearis konzipiert wurde. Für den Kopfneigetest sind keine Instrumente von Nöten. Der Arzt gibt dem Patienten lediglich Instruktionen zur Stellung des Kopfes.

Bei bestimmten Kopfstellungen tritt im Rahmen des Tests eine abnorme Bewegung der Augen auf, die für eine Parese des Nervus trochlearis spricht. Zu diesen abnormen Augenbewegungen zählt zum Beispiel die vertikale Blickdeviation. Wenn diese Erscheinung im Testverlauf beobachtet wird, wird die Diagnose einer einseitigen oder beidseitigen Trochlearisparese gestellt. Namensgeber des Kopfneigungstests ist Bielschowsky, der das diagnostische Testverfahren erstmals beschrieben hat.

Funktion, Wirkung & Ziele

Die Trochlearisparese tritt infolge von Läsionen am IV. Hirnnerv auf, der auch als Nervus trochlearis bekannt ist. Als Ursachen solcher Läsionen kommen kongenitale Ursachen infrage. Die Lähmung kann aber auch erworben sein und so nach Traumata, vaskulären Veränderungen oder bei Aneurysmen auftreten. Ebenso verbreitet ist die Lähmung im Rahmen der diabetischen Mikroangiopathie und der Apoplexie.

Den Rahmen kann auch ein Sinus-cavernosus-Syndrom oder eine Sinus-cavernosus-Thrombose vorgeben. In den meisten Fällen handelt es sich allerdings um eine idiopathische Trochlearisparese, deren Ursache nicht auffindbar ist. Die Parese lässt den Musculus obliquus superior ausfallen, sodass die Augenbewegungen durch den ihm antagonistischen Musculus obliquus inferior dominieren. Dieses Symptom manifestiert sich zum Beispiel in Blickdeviation des betroffenen Auges, wenn eine entsprechende Blickbewegung vorgenommen werden soll. Das Auge weicht nach oben ab, sobald eine Adduktion des Blicks verlangt wird. Soll der Blick gesenkt werden, so weich das Auge nach oben aus. Durch die Blickfehlstellung entstehen Doppelbilder.

Diese sogenannte Diplopie wird in der Regel durch eine Kopfneigung zur entgegengesetzten Seite kompensiert. Das Phänomen ist auch als okulärer Schiefhals bekannt. Vertikale Blickdeviationen mit charakteristischer Diplopie lassen sich mithilfe des Bielschowsky-Kopfneigetests zweifellos diagnostizieren. Der Test entspricht einem Provokationstest, bei dem der Arzt den Patienten zur Kopfneigung auf die ipsilaterale Seite auffordert. Sobald der Patient den Kopf zur Seite mit der vermeintlichen Schädigung neigt, weicht sein Blick auf dem betroffenen Auge Richtung oben ab. Dieses Phänomen bestätigt eine vertikale Blickdeviation.

Trochlearisparesen können eine oder beide Seiten des Kopfes betreffen. Um sie zu diagnostizieren, macht der Arzt vom sogenannten Bielschowsky-Kopfneigetest Gebrauch.

In den meisten Fällen klagt der Patient in diesem Moment über mehr oder weniger starke Doppelbilder. Die vertikale Deviation des Blicks veranlasst also eine vertikale Diplopie, die im Rahmen des Tests charakteristischerweise eintritt. Der Arzt fordert den Patienten anschließend dazu auf, den Kopf auf die entgegensetzte Seite zu neigen. Sobald der die Kopfneigung auf der Seite ohne Läsion des Nerv vollzieht, gleicht sich die Höhendifferenz der Augen aus. In einer Folge dessen geht die Diploipie zurück.

Der Bielschowsky-Kopfneigetests kann so im Rahmen einer Trochlearisparese feststellen, ob es sich um eine einseitige oder beidseitige Parese handelt. Falls eine einseitige Parese vorliegt, bestimmt der Arzt durch den Test außerdem die betroffene Seite und kann die Lokalisation der Nervenläsion auf diese Weise besser einschätzen.

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Risiken, Nebenwirkungen & Gefahren

Mit dem Bielschowsky-Kopfneigetest sind keinerlei Risiken oder Nebenwirkungen verbunden. Da es sich um einen Provokationstest für paresebedingte Doppelbilder handelt, kann die Testung von Patienten unter Umständen als unangenehm empfunden werden.

Die provozierten Doppelbilder halten aber nur so lange vor, wie der Kopf auf die Seite der Läsion geneigt wird. In der Regel nimmt der Bielschowsky-Kopfneigetest höchstens einige Minuten in Anspruch. Das erklärt seine klinische Relevanz im Zusammenhang mit der Trochlearisparese. Eine schnellere Diagnostik ist für die paretische Erscheinung kaum vorstellbar. Da darüber hinaus keine Risiken und Nebenwirkung mit dem Testverfahren verbunden sind, wird das Diagnoseverfahren solchen mit möglichen Risiken und Nebenwirkungen automatisch vorgezogen. Bevor zum Beispiel ein MRT oder eine andere Bildgebung zur Abbildung des vierten Hirnnervs stattfinden, wird mittels dem Bielschowsky-Kopfneigetest zunächst ermittelt, ob eine Läsion des Nervs überhaupt wahrscheinlich ist.

Wenn der Kopfneigetest keine pathologischen Ergebnisse erbringt, ist eine kontrastmittelgestützte Bildgebung eventuell nicht erforderlich. Kontrastmittel kann zum Beispiel Nebenwirkungen wie Kopfschmerzen und Übelkeit hervorrufen, die dem Patienten nach einem negativen Kopfneigetest unter Umständen erspart bleiben. Von einem negativen Test kann allerdings nur dann die Rede sein, wenn die Blickdeviation nicht auftritt. Die vertikale Deviation des betroffenen Auges ist ein objektives Phänomen, das der Arzt mit eigenen Augen beobachten kann und damit eine generalisierte Zuverlässigkeit besitzt.

Doppelbilder sind im Unterschied dazu ein subjektives Phänomen. Wenn der Patient bei der Kopfneigung also über Doppelbilder klagt, der Arzt aber keine Abweichung des Blicks beobachten kann, so kann allein auf Basis der Testung keine objektive Diagnose gestellt werden.

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Quellen

  • Berlit, P.: Basiswissen Neurologie. Springer, Berlin 2007
  • Masuhr K., Masuhr, F., Neumann, M.: Duale Reihe Neurologie. Thieme, Stuttgart 2013
  • Poeck, K., Hacke, W.: Neurologie. Springer, Heidelberg 2010

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