Bewegungswissenschaft

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 5. Oktober 2017
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Im folgenden Artikel geht es um die Disziplin Bewegungswissenschaft. Nach einer kurzen Definition des Fachgebiets wird auf mögliche Behandlungsfelder eingegangen. Zum Abschluss werden exemplarisch Diagnosemethoden der Disziplin vorgestellt.

Inhaltsverzeichnis

Was ist die Bewegungswissenschaft?

Die Bewegungswissenschaft erforscht Bewegungen von Menschen und anderen lebenden Organismen mit Hilfe wissenschaftlicher Methoden. Dabei werden alle Mechanismen untersucht, die bei Erlernen und Durchführung einer Bewegung eine Rolle spielen. Bei Bewegungen handelt es sich um komplexe und viele Strukturen umfassende Vorgänge im Organismus. Daher ist die Bewegungswissenschaft ein interdisziplinäres Fachgebiet.

Viele Teilgebiete tragen gemeinsam zum wissenschaftlichen Fortschritt der Bewegungswissenschaft bei. Die verschiedenen Teilgebiete lassen sich in Energie verarbeitende und in Informationen verarbeitende Fachgebiete unterteilen lassen. Energie verarbeitende Fachgebiete sind unter anderen die Funktionelle Anatomie oder die Biomechanik. Diese Disziplinen untersuchen Zusammenhänge und Mechanismen im menschlichen Körper, wie die Interaktion zwischen Muskeln, Bändern und Sehnen.

Die Informationen verarbeitenden Fachgebiete sind unter anderen die Psychomotorik und die Sportsoziologie. Diese Disziplinen erforschen, wie Signale im menschlichen Körper durch Sinnesorgane, Nervenzellen und das Gehirn verarbeitet und weiter geleitet werden. Die diversen Teilgebiete der Bewegungswissenschaft leisten dabei wichtige Grundlagenforschung, deren Erkenntnisse wiederum in anderen Disziplinen oder in der Rehabilitation, bei der Therapie von Erkrankungen, Anwendung finden.

Einfluss auf Behandlungsmethoden

Die Erkenntnisse der Bewegungswissenschaft können dazu beitragen, Ursachen von Krankheiten und Verletzungen zu erklären. Erst dadurch können wirksame Therapien oder Präventionsmaßnahmen zur Vorbeugung von Erkrankungen entwickelt werden. Anatomie und Biomechanik erforschen das Verhalten von Muskeln, Bändern, Sehnen und anderen Körpergeweben. Zunächst muss untersucht werden, wie sich gesundes Gewebe unter Belastung verhält und welche Kräfte auf einzelne Körperstrukturen wirken.

Der Vergleich mit bereits erkranktem Gewebe kann wichtige Erkenntnisse liefern, wie und wieso sich die einzelnen Strukturen bei Erkrankungen anders verhalten oder wie es zu Verletzungen gekommen ist. In diesem Zusammenhang können Beschwerden aller Gelenke (Knie- oder Schulterprobleme), Muskelbeschwerden (Muskelfaserrisse, Zerrungen) und auch Erkrankungen der Bänder (Sehnenscheidenentzündung) Teil der bewegungswissenschaftlichen Forschung sein.

Infarkte, degenerative Erkrankungen (Demenz) oder Schlaganfälle können es einem Menschen schwer bis unmöglich machen, gezielte Bewegungen durchzuführen. Die Bewegungswissenschaft kann durch Untersuchungen an Gesunden nachvollziehen, wie es von der Intention bis zur Ausführung einer Handlung kommt. Bei Erkrankten kann nun festgestellt werden, an welcher Stelle im motorischen Programm Probleme auftauchen.

Die Bewegungswissenschaft erforscht Bewegungen von Menschen und anderen lebenden Organismen mit Hilfe wissenschaftlicher Methoden.

Die Ergotherapie bedient sich der Erkenntnisse der Bewegungswissenschaft um für jeden Patienten effektive Behandlungskonzepte zu erarbeiten. Durch gezieltes Training können Defizite im Bewegungsablauf beseitigt oder kompensiert werden. So ist es bei Komapatienten wichtig, den Körper des Patienten regelmäßig zu bewegen, damit die motorischen Programme aufrecht erhalten bleiben. Nach Schlaganfällen kann die Laufbandtherapie helfen, motorische Beschwerden zu lindern.

Außerdem erforscht die Bewegungswissenschaft Krankheiten, die durch eine Störung bei der Signalweiterleitung im Körper Einfluss auf die Bewegungen des Menschen haben können. Hierzu zählen unter anderem Parkinson oder Multiple Sklerose. Bei der Parkinsonkrankheit liegt eine Störung der Dopaminproduktion vor. Hierdurch kommt es zu mangelnder Signalweiterleitung und der Erkrankte zeigt stark verlangsamte Bewegungen. Weitere Krankheiten, die von der Bewegungswissenschaft untersucht werden können, sind Querschnittslähmung oder Huntington.

Hier steht die Entwicklung von Implantaten und Prothesen im Fokus. Geschädigtes Gewebe soll durch technische Hilfsmittel ersetzt oder nachgeahmt werden, um dem Erkrankten Bewegungen wieder möglich zu machen. Auch kann die Wiederherstellung von verletztem Gewebe Ziel der Therapie sein.

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Untersuchungsmethoden

Diagnose- und Untersuchungsverfahren dienen in der Bewegungswissenschaft der Feststellung des aktuellen Status einer Person zum Beispiel hinsichtlich Leistungsfähigkeit oder Funktionstüchtigkeit. Hieraus können Maßnahmen zur Behandlung oder Beratung der betroffenen Person abgeleitet werden. Da die Bewegungswissenschaft ein interdisziplinärer Forschungszweig mit vielen Teilgebieten ist, existieren viele unterschiedliche Ansätze in der Diagnostik.

Mögliche Diagnostik- und Untersuchungsverfahren sind unter anderen die Befragung von Personen in Interviews oder Fragebögen, körperliche Untersuchungen, Bewegungsbeobachtungen, Videoanalysen oder der sportmotorische Test. Bei der Bewegungsbeobachtung handelt es sich um ein qualitatives Diagnose-Verfahren. Hierbei werden die Bewegungen einer Person (z. B. die eines Sportler beim Training) von einem geübten Beobachter (meist dem Trainer) genau untersucht. Aus der Beobachtung können Rückschlüsse auf die Qualität der Bewegungsausführung und die Ausprägung der technischen Fertigkeiten gezogen werden.

Durch diese Erkenntnisse können dann gezielt die Bewegungen trainiert werden, bei denen es noch Defizite gibt. Auch schon beim Erlernen einer Bewegung oder einer Sportart kann die Bewegungsbeobachtung hilfreich sein, damit Bewegungen von Beginn an richtig ausgeführt werden und es nicht zum Erlernen falscher Bewegungen kommt. Auf einem Laufband mit fixierter Videokamera lässt sich das Gangbild einer Person untersuchen. Nach Knieverletzungen wird so die Stabilität des Gelenks festgestellt.

Beim sportmotorischen Test sollen Personen unter standardisierten Bedingungen vorgegebene Bewegungen ausführen. Hieraus kann auf die Fähigkeiten und Fertigkeiten der Person geschlossen werden. Der jeweilige sportmotorische Test muss bei dessen Anwendung auf die zu testende Person abgestimmt sein (z. B. hinsichtlich des Alters und Geschlechts). Außerdem sollte der Test möglichst identisch mit der Bewegung sein, über die später eine Aussage getroffen werden soll. Eine komplexe Bewegung kann durch den Einzeltest einer stark vereinfachten Bewegung nicht exakt abgebildet werden. Ein einfacher Reaktionstest ist ein Beispiel für einen simplen sportmotorischen Einzeltest, bei dem nur wenig komplexe Bewegungen untersucht werden.

In der bewegungswissenschaftlichen Diagnostik kommt es häufig auch zum Einsatz von Verfahren, die Kräfte und Belastungen in verschiedenen Phasen einer Bewegung untersuchen. So kann bei einem Skispringer festgestellt werden, an welchem Punkt des Absprungs die meiste Kraft ausgeübt wird. Die Untersuchungsergebnisse können dann mit den errechneten idealen Werten verglichen werden, um das Absprungverhalten im Training zu verbessern.

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Quellen

  • Braumann, M.: Die Heilkraft der Bewegung. Heinrich Hugendubel Verlag, München 2006
  • Faller, A. et al.: Der Körper des Menschen. Thieme, Stuttgart 2008
  • Schmidt, R., et al.: Physiologie des Menschen. Springer, Heidelberg 2010

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