Beugesehnenverletzungen an der Hand

Medizinische Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher (Facharzt für Innere Medizin) am 19. März 2014
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Beugesehnenverletzungen an der Hand schränken die Beweglichkeit und Greiffähigkeit der Finger stark ein. Trotz der anatomischen Besonderheiten und der Schwere der Einschränkungen gibt es mittlerweile wirksame Therapieverfahren, die in der Regel zur vollständigen Wiederherstellung der Funktionsfähigkeit der betroffenen Finger führen.

Inhaltsverzeichnis

Was sind Beugesehnenverletzungen an der Hand?

Beugesehnenverletzungen an der Hand sind sehr problematisch, da die Bewegungsmöglichkeiten der Finger stark beeinträchtigt werden. Je zwei Beugesehnen befinden sich an jedem einzelnen Finger, eine oberflächliche und eine tiefe Beugesehne.

Sie stellen die Verbindung zwischen Finger und Beugemuskeln des Unterarms dar. Die oberflächlichen Beugesehnen sind für die Beugung des mittleren Fingergelenks verantwortlich. Die tiefen Beugesehnen beugen vor allem die Gelenke am oberen Ende der Finger. Sie wirken aber auch an der Beugung des mittleren und des unteren Fingergelenks mit.

Jede Beugesehne wird von einer Sehnenscheide umhüllt, die zusätzlich durch Kreuz- und Ringbänder verstärkt wird. Die Bänder sorgen dafür, dass die Sehnen dicht an Gelenken und Knochen entlang geführt werden. Aufgrund dieser feinen und besonderen anatomischen Voraussetzungen sind Beugesehnenverletzungen an der Hand oft kompliziert.

Ursachen für Beugesehnenverletzungen

Jede Verletzung an der Beugeseite eines Fingers kann zu einer Beugesehnenverletzung führen. Das gilt sowohl für Verletzungen mit als auch ohne Hautdurchtrennung. Oft führen Stich- und Schnittverletzungen, wie sie durch Messer, aufgeschnittene Konservendosen oder Glasscherben zugeführt werden können, zu einer Durchtrennung der Beugesehnen.

Auch starke Quetschwunden sowie stumpfe Gewalteinwirkung können Beugesehnenverletzungen hervorrufen. Personen, die an Maschinen mit scharfen Schnittflächen, wie zum Beispiel Schleifgeräten und Kreissägen arbeiten, sind ebenfalls stark gefährdet, derartige Verletzungen davonzutragen. Eine weitere Ursache sind Tierbisse.

Generell ist eine eher starke Gewalteinwirkung notwendig, um die relativ kräftigen Beugesehnen, die einen Durchmesser von etwa fünf bis zehn Millimetern haben, zu durchtrennen.

Typische Symptome und Anzeichen bei Beugesehnenverletzungen

  • unnatürliche Streckstellung der Finger mit durchtrennter Beugesehne
  • unverletzte Finger zeigen leichte Beugestellung auch im entspannten Zustand
  • aktive Beugung der verletzten Finger ist nicht oder nur sehr schwer möglich
  • Handschmerzen

Diagnose und Verlauf bei Beugesehnenverletzungen

Im Normalfall weisen die Finger eine natürliche, leicht gebeugte Stellung auf, wenn die Hand entspannt gehalten wird. Bei einer Beugesehnenverletzung an der Hand sind die Finger dagegen unnatürlich steif ausgestreckt. Oft bilden sich Blutergüsse und Schwellungen.

Ist die tiefe Beugesehne durchtrennt, kann das Endgelenk des entsprechenden Fingers nicht oder nur sehr schwer gebeugt werden. Bei einer Durchtrennung der oberflächlichen und der tiefen Beugesehne zugleich ist die Beugung des mittleren Gelenks nur noch schwer oder gar nicht mehr möglich.

Neben der Beugefunktion werden bei der Diagnose auch die Durchblutung und das Fingergefühl überprüft, um Hinweise auf Gefäß- und Nervenverletzungen zu erhalten. Bei sehr komplexen Beugesehnenverletzungen wird auch ein Röntgenbild gemacht, um eventuelle Verletzungen der Knochen oder versteckte Fremdkörper erkennen zu können.

Behandlung und Therapie von Beugesehnenverletzungen

Bei einer Beugesehnenverletzung an der Hand werden die durchtrennten Sehnen so früh wie möglich zusammengenäht. Die Behandlung sollte nicht später als 48 Stunden nach der Verletzung erfolgen. Die besten Heilungschancen bestehen, wenn die Sehnenstümpfe innerhalb von sechs Stunden nach der Durchtrennung wieder zusammengeführt werden. Durch den Muskelzug können die Sehnenenden bis in den Unterarmbereich zurückgleiten, weshalb teilweise Schnitte in die Hohlhand oder das Handgelenk gesetzt werden müssen, um sie zu finden.

Ist die Beugesehnenverletzung an der Hand infiziert oder älter, wird meist keine direkte Naht gesetzt. Stattdessen wird zunächst ein Silikonstift ins Gewebe gesetzt, um das Verkleben der Sehnenscheide zu verhindern. Es folgt ein zweiter Eingriff, in dem die Sehne zusammengenäht wird. Eventuell kann auch eine Sehnentransplantation notwendig sein.

Die frisch genähte Sehne ist noch nicht wieder voll belastbar. Der verletzte Finger darf nur vorsichtig bewegt werden, da sonst die Gefahr besteht, dass die Sehnenscheide verklebt und der Finger steif wird. Die speziell für eine optimale Nachbehandlung entwickelte Kleinert-Schiene sorgt dafür, dass der Patient die verletzten Finger aktiv und kraftvoll strecken, aber nur kraftlos und passiv beugen kann.

Gummibändchen zwischen Fingernagel und Handwurzel sorgen dafür, dass der Finger aber nicht vollständig gestreckt werden kann. Etwa sechs Wochen nach dem Eingriff kann die Schiene entfernt werden, nach circa zwölf Wochen kann der Finger dann wieder voll belastet werden.

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Vorbeugung von Beugesehnenverletzungen

Spezielle Maßnahmen zur Vorbeugung von Beugesehnenverletzungen an der Hand gibt es nicht. Im Umgang mit scharfen Gegenständen und Maschinen sowie mit Tieren, die ein scharfes Gebiss haben, ist stets äußerste Vorsicht geboten. Personen, die sehr viel Wert auf voll funktionsfähige Finger legen, wie zum Beispiel Pianisten, sollten versuchen gefährliche Maschinen und Gegenstände zu meiden. Doch da die Heilungschancen von Beugesehnenverletzungen an der Hand im Allgemeinen sehr gut sind, können selbst Klavierspieler in der Regel ihre Tätigkeit letztendlich wieder unbeeinträchtigt ausüben.

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